Top 5 Filme unter 90 Minuten

Titelbild zu Top 5 Filme unter 90 Minuten. Das Bild zeigt die Hauptfigur Mima aus Perfect Blue.

Liebe Passioner, weil die Würze bekanntlich in der Kürze liegt, suchen wir heute die Top 5 Filme unter 90 Minuten. Im Mittelpunkt stehen daher Langfilme, die überhaupt nicht so lang sind. Werke, die verstanden haben, dass ihre Geschichte tatsächlich in einer unterdurchschnittlichen Laufzeit erzählt werden kann. Diese Filme verzichten auf störenden Ballast, konzentrieren sich auf das Wesentliche und sind deshalb so gut. In einer Zeit, in welcher das Mainstreamkino meinem persönlichen Empfinden zufolge immer länger wird, scheint es sinnvoll auch mal Geheimtipps oder Meisterwerke hervorzuheben, die sich schnell konsumieren lassen und dennoch das Gegenteil von filmischer Fast Food sind. Denn diese fünf Filme schmecken vorzüglich.

Ein Beitrag von: Riley Dieu Armstark, Lennart Goebel & Florian

Die Rubrik „Die 5 BESTEN am DONNERSTAG“ erklärt 🌟🎥

Diese beliebte Rubrik wurde von der Bloggerin und Illustratorin Gorana Guiboud ins Leben gerufen und wir haben die Ehre erhalten, diese weiter zu führen, nachdem sie das Bloggen aufgegeben hatte. Jeden Donnerstag gibt es hier die spannendsten Listen, Rankings und Empfehlungen aus der Welt der Filme, Serien, Bücher oder anderer kreativer Themen.

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Egal ob Klassiker, moderne Meisterwerke, Nischenperlen oder persönliche Favoriten. Hier zählt eure Sicht auf das Beste, eure Begeisterung und eure Perspektive. Die Rubrik bietet nicht nur Inspiration für Film- und Buchfans, sondern auch die Möglichkeit, sich zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsam cineastische und kreative Highlights zu entdecken. 🎥🥋📚

Seid dabei, lasst euch inspirieren, diskutiert mit und zeigt, welche fünf Favoriten ihr für die kommende Woche auf eurem Radar habt. DIE 5 BESTEN am DONNERSTAG sind eure Bühne! 🌟🍿✨

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Gibt es noch kurze Filme?

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, überkommt mich in letzter Zeit das Gefühl, Filme würden immer länger. Zumindest fällt es mir teilweise schwer unter modernen Filmen noch einen knappen 90 Minuten Film zu finden, der abends noch schnell geschaut werden kann. Zumindest dann, wenn ich nach filmen mit viel Aufmerksamkeit, großen Stars oder Vorschusslorbeeren suche. Der Mainstreamfilm im Kino ist lang geworden. Selbst auf Streamingdiensten werden Filme oft auf 100, 110 oder gar 120 Minuten gestreckt.

Das mag ein persönlicher Eindruck sein, doch anhand eines Genres lässt sich die These ein wenig untermauern. Immer mehr Horrorfilme brechen mittlerweile sogar mit der 120-Minuten-Marke. Dabei lassen sich zum Beispiel Weapons – Die Stunde des Verschwindens oder Dracula – Die Auferstehung anführen. Doch blickt man zurück auf zum Beispiel die Universal Monster Classics, wie zum Beispiel Frankensteins Braut trifft man auf Werke, die teilweise nicht einmal 80 Minuten andauern. Das mag mit der Zeit, der Reputation des Genres und anderen Umständen zusammenhängen, doch von Good Boy – Trust His Instincts mal abgesehen, scheint auch Horror mittlerweile nicht mehr kurz zu sein.

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Wann ist ein Film ein Langfilm?

Doch was bedeutet kurz? Schließlich möchten wir uns doch mit Langfilmen und nicht mit Kurzfilmen auseinandersetzen, denn letztere sind ein ganz eigenes Themengebiet. Hier verschwimmen die Grenzen. Manche sprechen erst ab 60 Minuten von Langfilmen, andere erst ab 70 und dann gibt es noch die 40-Minuten-Grenze. Letzterer möchte ich mich in diesem Artikel anschließen. Schließlich ist einer der besten und berühmtesten Langfilme Buster Keatons Sherlock Jr. von 1924 mit einer sehr kurzen Länge von 45 Minuten. Eine famose Komödie, die jedoch nicht in dieser Liste auftauchen wird. Dennoch handelt es sich um einen nennenswerten Meilenstein der Filmgeschichte.

In den folgenden Zeilen wollen Riley und Lennart nun gemeinsam mit mir unsere Top 5 Filme unter 90 Minuten vorstellen und empfehlen. Hierbei erwarten euch kreative Tipps, zeitlose Meisterwerke und vor allem eine schöne Genrevielfalt.

5. Petite Maman – Als wir Kinder waren (2021)

Das Bild zeigt Joséphine Sanz und Nina Meurisse in einer Szene des Films Petite Maman - Als wir Kinder waren.
Top 5 Filme unter 90 Minuten
Ein wunderschöner Film über unser Verhältnis zu unseren Eltern — Petite Maman – Als wir Kinder waren | 2021 ©Alamode Film
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Wovon handelt Petite Maman – Als wir Kinder waren?

Petite Maman – Als wir Kinder waren ist ein französischer Jugend- und Fantasyfilm aus dem Jahr 2021 der Regisseurin und Drehbuchautorin Céline Sciamma. Der Film erzählt eine berührende und zugleich poetische Geschichte über Kindheit, Trauer, Familie und die besondere Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Im Mittelpunkt steht ein achtjähriges Mädchen, das auf wundersame Weise seiner eigenen Mutter als Kind begegnet. Die Hauptrollen übernahmen die Zwillingsschwestern Joséphine Sanz und Gabrielle Sanz.

Nach dem Tod ihrer Großmutter begleitet die achtjährige Nelly (Joséphine Sanz) ihre Eltern beim Ausräumen des ehemaligen Familienhauses. Während ihre Mutter (Nina Meurisse) mit ihrer Trauer kämpft und vorübergehend abreist, verbringt Nelly ihre Tage in den umliegenden Wäldern. Dort begegnet sie einem gleichaltrigen Mädchen namens Marion (Gabrielle Sanz), mit dem sie schnell Freundschaft schließt.
Gemeinsam bauen die beiden eine Hütte, spielen miteinander und verbringen viel Zeit im Wald. Nach und nach erkennt Nelly jedoch, dass Marion auf geheimnisvolle Weise mit ihrer eigenen Familie verbunden ist. Durch diese außergewöhnliche Begegnung erhält sie die Möglichkeit, ihre Mutter aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen und Antworten auf Fragen zu finden, die sie bislang beschäftigt haben. Dabei entsteht eine einfühlsame Geschichte über Erinnerungen, Verlust, Verständnis und die Kraft familiärer Bindungen.

Petite Maman – Als wir Kinder waren | 2021 ©Alamode Film

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Eine Reise in die Vergangenheit

Wir waren einmal Kinder. Jung, ungestüm und hinaufschauend zu unseren Eltern, die als Vorbilder dienten. Aber ist es nicht schwer zu sich vorzustellen, dass diese auch einmal so jung war wie wir? Der Ausgangspunkt zu einer ganzen Reihe an Fragen. Wer waren unsere Eltern als Kinder? Waren sie uns ähnlich? Haben sie sich so verhalten wie wir? Wie war ihre Kindheit? Können wir unsere Eltern bessern verstehen, wenn wir ihre Kindheit verstehen könnten? Doch das ist schließlich unmöglich.

Céline Sciamma nimmt dies als Anlass, um zu einem Gedankenspiel einzuladen. Nach dem Tod ihrer Großmutter verbringt die junge Nelly eine Zeit in deren Haus und gerät auf mysteriöse Art und Weise in die Vergangenheit, wo sie auf ihre eigene Mutter in ihrem eigenen Alter trifft. An dem Mysterium selbst ist Céline Sciamma dabei keineswegs interessiert. Viel mehr steht die menschliche Komponente im Vordergrund, geleitet von den oben genannten Fragen. Die Kamera folgt dementsprechend einfach zwei Kindern, wie sie sich anfreunden und im Wald spielen. Das ist beruhigend, tröstlich und in eine wohlige Atmosphäre gehüllt.

Petite Maman – Als wir Kinder waren ist kleiner, ruhiger und meisterhaft beobachteter Film, der genau weiß, dass 72 Minuten genau die richtige Laufzeit darstellen, um zum tiefsinnigen Meisterwerk zu werden.

— Florian

4. Perfect Blue (1997)

Mima Kirigoe (gesprochen von Junko Iwao) aus dem Anime‑Thriller „Perfect Blue“, liegend inmitten eines chaotischen Meeres aus Spielzeugen, Alltagsgegenständen und Erinnerungsstücken; eine ruhige, nach innen gekehrte Momentaufnahme, die ihre innere Zerrissenheit und den psychologischen Druck der Handlung widerspiegelt.
Top 5 Filme unter 90 Minuten
Mima Kirigoe (Junko Iwao): verloren zwischen Träumen und Zerfall — Perfect Blue | 1997 ©Rapid Eye Movies
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Wovon handelt der Anime Perfect Blue?

Perfect Blue ist ein psychologischer Anime‑Thriller aus dem Jahr 1997, produziert vom renommierten Studio Madhouse und inszeniert von Satoshi Kon, der hier sein Regiedebüt gab. Der Film basiert lose auf dem Roman von Yoshikazu Takeuchi und wurde erstmals 1998 auf der Berlinale in Deutschland gezeigt. Mit seinem präzisen Blick auf Identität, Medienmechanismen und psychische Zerrissenheit gilt er heute als ein Meilenstein des erwachsenenorientierten Anime-Kinos.

Im Mittelpunkt von Perfect Blue steht Mima Kirigoe (Junko Iwao / dt. Solveig Duda), einst Mitglied der Idol‑Gruppe CHAM, die ihre Musikkarriere aufgibt, um als Schauspielerin neu anzufangen. Doch der Wechsel ins Filmgeschäft bringt sie schnell an ihre Grenzen: Die Rolle, die ihr Manager Tadokoro (Shimpachi Tsuji / dt. Claus Brockmeyer) für sie organisiert, wird zunehmend intensiver, während Mima gleichzeitig mit dem wachsenden Erfolg ihrer ehemaligen Band und ersten Drohbriefen konfrontiert wird.

Als im Internet ein detailliertes Tagebuch über ihr Leben auftaucht, beginnt sie sich beobachtet zu fühlen – besonders, weil der fanatische Me‑Maniac/Uchida (Masaaki Ōkura / dt. Philipp Brammer) sie regelrecht verfolgt. Ihre Agentin Rumi (Rika Matsumoto / dt. Carin C. Tietze) versucht, sie zu stützen, doch der Druck der Branche, die voyeuristische Öffentlichkeit und die Vermischung von Rolle und Realität lassen Mimas Selbstbild zunehmend zerbrechen. Während sich mysteriöse Vorfälle häufen, verliert sie immer mehr den Halt – gefangen in einem psychologischen Labyrinth, in dem sie nicht mehr weiß, was echt ist und wem sie noch vertrauen kann.

Perfect Blue | 1997 ©Rapid Eye Movies | Sony Pictures Germany

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Zwischen Identität & Illusion: Satoshi Kons schonungsvolle Psychostudie in Perfect Blue

Satoshi Kons Perfect Blue seziert mit bemerkenswerter Präzision die Abgründe von Identität, Projektion und Prominenz. Während meiner Sichtung musste ich unweigerlich an das Leben und die mediale Zerfleischung von Britney Spears denken. Ein Gedanke, der mich tief erschüttert hat. Der Film demonstriert eindrucksvoll, wie gnadenlos die Unterhaltungsindustrie eine junge Frau instrumentalisieren kann und welche entwürdigenden Erwartungen an sie herangetragen werden, um den vermeintlich erstrebenswerten Ruhm zu erlangen. Dass Mima selbst mit einer gewissen Naivität in dieses System hineinstolpert, macht ihre Vulnerabilität nur umso tragischer.

Kon besitzt ein außergewöhnliches Gespür dafür, sein Publikum in nur 81 Minuten Filmlaufzeit auf dieselben emotionalen und psychischen Ebenen zu führen wie seine Protagonistin. Immer wieder verschwimmen Wahrnehmungsebenen, sodass auch ich zeitweise nicht mehr sicher war, was real ist und was lediglich eine Projektion oder Inszenierung darstellt. Besonders die Vergewaltigungsszene, die Mima im Rahmen ihrer neuen Schauspielrolle spielen muss, ist so verstörend authentisch inszeniert, dass ich selbst kurz an der Fiktionalität zweifelte. Perfect Blue spielt virtuos mit der menschlichen Psyche, führt Zuschauende bewusst in die Irre und erzeugt ein permanentes Gefühl der Desorientierung. Ein emotionales Wechselbad, das kaum zur Ruhe kommen lässt.

Auch die Charakterzeichnung überzeugt: Mimas nahbare, fragile Interpretation ermöglicht eine tiefe Identifikation, wodurch die psychische Eskalation noch intensiver wirkt. Visuell ist der Film ein kleines Meisterwerk. Die 15 Hauptzeichner:innen und über 100 weiteren Artists haben eine beeindruckende ästhetische Kohärenz geschaffen. Perspektiven, Mimik und Konturen sind präzise ausgearbeitet, und die atmosphärische Verdichtung im Verlauf der Handlung, vom hellen, fast poppigen Beginn hin zu einem zunehmend düsteren, klaustrophobischen Setting, spiegelt Mimas inneren Zerfall kongenial wider.

Perfect Blue ist ein fesselnder Psychothriller, der die Schattenseiten der Entertainmentbranche und die Fragilität persönlicher Identität unnachgiebig beleuchtet. Satoshi Kon gelingt es meisterhaft, Realität und Illusion ineinander zu verschränken und sein Publikum in einen Strudel aus Paranoia, Emotion und Wahrnehmungsverlust zu ziehen. Die eindrucksvolle Animation, die dichte Atmosphäre und die psychologisch präzise Erzählweise machen den Film zu einem nachhaltigen, beinahe kathartischen Filmerlebnis.

Mit seinen knapp 81 Minuten entfaltet Perfect Blue eine bemerkenswerte Intensität: ein komprimiertes Psychodrama, das wie ein destillierter Albtraum wirkt. Satoshi Kon beweist, wie kraftvoll und unerbittlich ein Film in dieser kompakten Form sein kann. Die Wirkung ist nachhaltig verstörend, beinahe hypnotisch. Ein audiovisuelles Psychogramm, das sich tief in die Wahrnehmung eingräbt und lange nach dem Abspann nachhallt.

Riley

3. Das Haus auf dem Geisterhügel (1959)

Das Bild zeigt Vincent Price in einer Szene des Films Das Haus auf dem Geisterhügel.
Top 5 Filme unter 90 Minuten
Vincent Price macht jeden Film besser — Das Haus auf dem Geisterhügel | 1959 © William Castle Productions | Allied Artists Pictures
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Wovon handelt Das Haus auf dem Geisterhügel?

Das Haus auf dem Geisterhügel (Originaltitel: „House on Haunted Hill“) ist ein US-amerikanischer Horrorfilm aus dem Jahr 1959, produziert und inszeniert von William Castle nach einem Drehbuch von Robb White. Die Hauptrollen spielen Vincent Price, Carol Ohmart, Richard Long, Alan Marshal, Carolyn Craig, Julie Mitchum und Elisha Cook Jr. Der Film zählt heute zu den bekanntesten Horrorproduktionen der 1950er Jahre und gilt als klassischer Vertreter des sogenannten Haunted-House-Genres.

Der exzentrische Millionär Frederick Loren (Vincent Price) lädt gemeinsam mit seiner Ehefrau Annabelle Loren (Carol Ohmart) fünf Fremde zu einer Nacht in ein angeblich verfluchtes Herrenhaus ein. Jeder Gast, der bis zum nächsten Morgen im Haus bleibt, soll eine hohe Geldsumme erhalten. Zu den Eingeladenen gehören Lance Schroeder (Richard Long), Dr. David Trent (Alan Marshal), Nora Manning (Carolyn Craig), Ruth Bridges (Julie Mitchum) und der Hauseigentümer Watson Pritchard (Elisha Cook Jr.), der fest davon überzeugt ist, dass das Gebäude von Geistern heimgesucht wird.
Im Verlauf der Nacht häufen sich unheimliche Ereignisse, seltsame Erscheinungen und mysteriöse Zwischenfälle. Misstrauen macht sich unter den Gästen breit, während die Grenzen zwischen übernatürlichem Schrecken und menschlicher Täuschung zunehmend verschwimmen. Jeder scheint etwas zu verbergen, und schon bald wird klar, dass die Nacht weit gefährlicher werden könnte als zunächst angenommen.

Das Haus auf dem Geisterhügel | 1959 © William Castle Productions | Allied Artists Pictures | Trailer: ©Rotten Tomatoes Classic Trailers

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Unterhaltsamer Gruselspaß

Als Kernstück dieses Artikels habe ich einen Film gewählt, der auf den ersten Blick gar nicht zu den anderen passen mag. Umringt von vier filmischen Meisterwerken zeigt sich Das Haus auf dem Geisterhügel mit Sicherheit nicht als solches. Trotzdem hat der Film von William Castle die Nennung verdient, denn in seinem Genre begeistert dieser manchmal unter dem Radar fliegende Klassiker auch nach über 60 Jahren noch. So ist Das Haus auf dem Geisterhügel einer der wenigen Horrorfilme, die ich überhaupt zweimal gesehen habe. Zudem freue ich mich schon auf jede weitere Sichtung. Einen Platz in meinem Herzen hat er also und das Argument der Abwechslung brachte ihn nun auch in dieses Ranking.

Denn schon in meinen einleitenden Erläuterungen erwähnte ich den Umstand, dass Horrorfilme vor einigen Jahrzehnten regelmäßig sehr kurz waren. Deutlich kürzer als das, was heute in dem Genre kurz bedeutet. Natürlich waren sie damals oft sehr kostengünstig produziert, doch das hat sich bis heute eigentlich ebenfalls nicht geändert.
Was sich geändert hat, ist der Charme und der Grusel. War der Film damals ein Schocker und berühmt für den Gag eines durch Kinosäle fliegenden Skeletts, führt die gegenwärtige Sichtung eher zu einer wohligen Gemütlichkeit. Und dafür sind die knackigen 75 Minuten einfach die perfekte Laufzeit.

Vincent Price als mysteriöser Gastgeber

Die Geschichte erfüllt hierbei ebenfalls die Erwartungen an einen gemütlichen Gruselabend. Als Mischung aus Whodunit und Horror funktioniert die Ausgangslage mehrerer in einem Haus eingesperrter Personen für Spannung und Rätsel.
Gerade in der ersten Hälfte spielt Castle zudem gekonnt mit der Frage, ob es in diesem Film übernatürliche Elemente gibt oder nicht. Eine Schauererscheinung im Keller bleibt hierbei nachhaltig in Erinnerung. Natürlich ist auch dieser Effekt reichlich angestaubt, dafür bereitet er aber weiterhin reichlich Freude. Es ist nun einmal das Haus mit seinen vielen kleinen Spielereien, welches der Hauptcharakter ist.

Erst in der zweiten Hälfte nimmt dann der Krimiaspekt einen immer größer werdenden Raum ein. Morde geschehen und im Mittelpunkt des Verdachts steht der geheimnisumwobene Gastgeber. Vincent Price ist neben dem Haus mit der fantastischen Ausstattung das größte Highlight der Schauergeschichte. Er zelebriert den mystischen Hausherren, dem man schlichtweg nicht trauen kann. Schließlich umgibt Price immer eine undurchschaubare Aura. Aus dieser entsteht dann auch ein Großteil der Spannung mit der Frage, ob sein Frederick Loren denn jetzt der Mörder ist oder nicht. Dies treibt den Film gekonnt voran, bis hin zu einem schwarzhumorigen und ikonischen Finale.

Dementsprechend mag Das Haus auf dem Geisterhügel kein meisterhafter Film sein, aber einer, den ich gerade aufgrund seiner Kürze enorm ins Herz geschlossen habe.

Florian

2. Bo Burnham: Inside (2021)

Bo Burnham in einer Szene des Comedy-Specials Bo Burnham: Inside.
Top 5 Filme unter 90 Minuten
Nach 5 Jahren Schaffenspause kommt Bo zurück, um die Welt zu retten – mit seiner Comedy?— Bo Burnham: Inside | 2021 ©Attic Bedroom | Netflix
Werbebanner von Thalia: Links steht groß das Wort ‚MUSIK‘ mit einem Button ‚Shop Now!‘ und dem Thalia‑Logo. Rechts ist eine Person mit roten Kopfhörern und rotem Pullover vor warmbraunem Hintergrund zu sehen. Daneben steht ein längerer Werbetext, der neue Hits, Klassiker und exklusive Alben verschiedener Genres bewirbt.

Worum geht es in Bo Burnham: Inside?

Bo Burnham: Inside ist ein Musik- und Comedy-Special aus dem Jahr 2021, in dem Bo Burnham (Bo Burnham) eine kreative und persönliche Auseinandersetzung mit Isolation, Technologie, Medienkultur und psychischer Gesundheit präsentiert. Das Werk wurde während der COVID-19-Pandemie vollständig in einem einzigen Raum aufgenommen und vereint satirische Lieder, nachdenkliche Monologe und visuell experimentelle Sequenzen zu einem introspektiven Porträt einer außergewöhnlichen Zeit. Die Mischung aus musikalischen Nummern, Selbstbeobachtung und gesellschaftskritischem Humor macht das Special zu einer einzigartigen Reflexion über das moderne Leben.

Der Film wurde von Bo Burnham allein konzipiert, geschrieben, inszeniert, gefilmt, geschnitten und produziert. Die Produktion fand während des Lockdowns 2020/2021 in einem einzigen Raum statt, den Burnham über Monate hinweg technisch aufrüstete, um verschiedenste visuelle und akustische Effekte zu realisieren. Ohne externes Produktionsteam entstand ein Werk, das bewusst auf klassische filmische Strukturen verzichtet und stattdessen eine intime, oft fragmentierte Form wählt, um den emotionalen Zustand des Künstlers authentisch darzustellen. Der gesamte kreative Prozess wurde von Burnham selbst getragen – von der Lichtregie bis zum Ton – wodurch das Werk zugleich Performance, Tagebuch und Experiment darstellt. Vertrieben wurde das Special von Netflix.

Bo Burnham: Inside | 2021 ©Attic Bedroom | Netflix

Bo Burnhams Inside: Mehr als nur ein Netflix Comedy Special

Lasst mich mal etwas weiter ausholen als sonst üblich. Ich weiß, hier geht es eigentlich um kurze Filme, schnell weggeguckt, und da gibt es in dieser Liste einige großartige Picks; aber ich wollte die Möglichkeit nutzen, um in der kurzmöglichsten Form eine kleine Diskussion zu eröffnen, die sich davon etwas abspaltet. Ich bin schon immer der Meinung, ein Kunstwerk ist ein Medium, das sich von seinem reinen, objektiven Zweck abhebt, indem es mehr als die erste, mehr als eine oder auch mehr als die offensichtliche Funktion bedient.

Was ich damit meine: Ein Bild in einem Rahmen verschönert einen Raum – das tun die Bilder beim Zahnarzt genauso wie die Stockfootage-Prints, die über meinem Sofa hängen. Aber das Kunstwerk eines Malers, so wie es bei mir im Flur hängt, macht eben mehr als das. Im Fall meines Flurbildes lädt es ein, es gibt dem Raum ein Gefühl, vielleicht spricht es direkt den Betrachter an. Somit ist Kunst häufig mehr als die Summe seiner Teile – sie erreicht einfach mehr, als von vornherein erwartet wird.

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Bo Burnhams großartige Rückkehr

Als Bo Burnham nach fünf beziehungsweise sechs Jahren Pause plötzlich zurückkehrte, erwarteten wir alle ein klassisches Netflix Comedy Special, wie wir es schon häufig gesehen haben, vollgepackt mit eben dem Humor, den wir von ihm gewohnt sind. Doch was wir bekamen, ist vielleicht – aber auch nur vielleicht – ein echtes Meisterwerk. Ein Stück Kunst, das die Zeit, in der wir leben, überdauern wird und für zukünftige Generationen irgendwann das sein könnte, was die große Literatur der Romantik für ihre Epoche war. Das klingt jetzt vielleicht etwas aufgeblasen, aber lasst mich in den Worten, die mir noch bleiben, euch bitte davon überzeugen, warum Bo Burnham: Inside nicht weniger ist als das größte Kunstwerk dieses Jahrhunderts!

Das ultimative Lockdown-Kammerspiel unserer Zeit

Bo Burnham in einer Szene des Comedy-Specials Bo Burnham: Inside.
Top 5 Filme unter 90 Minuten
Inszeniertes Choas: Bo zeigt in seinem Kammerspiel ein Abbild der Lockdown Ära — Bo Burnham: Inside | 2021 ©Attic Bedroom | Netflix
Zwei Gesichter sind in einer Nahaufnahme eng nebeneinander zu sehen, weich ausgeleuchtet und sehr intim komponiert. Über dem Bild steht in weißer Schrift „Queere Geschichten“. Darunter befindet sich ein Button mit der Aufschrift „Shop Now!“ sowie das Thalia‑Logo.

Zuallererst kam dieses „Special“ zu einer Zeit, in der es nicht besser hätte kommen können, und porträtiert auf der ersten, oberflächlichen Ebene ein Gefühl, das wir zu diesem Zeitpunkt alle verdammt gut kannten. Wir alle haben unter den Lockdowns und der Pandemie gleichermaßen gelitten – und wenn mich Lizzy irgendwann einmal fragen sollte, wie es damals eigentlich war, dann werde ich ihr Bo Burnham: Inside zeigen, um diese Gefühle von damals zu visualisieren. Und das allein ist schon Grund genug, um es als eine der besten Netflix-Produktionen jemals zu krönen.

Doch da ist ja noch das Genie vor der Kamera. Denn wenn wir die erste Zwiebelschicht wegnehmen, dann sehen wir einen internen, künstlerischen Konflikt, der sich hier in einer One-Man-Show manifestiert und zu einem Kammerspiel wird, das ich so noch nie gesehen habe. Was macht ein Künstler, ein Entertainer, wenn das Spotlight plötzlich aus ist? Was ist von ihm übrig, wenn die Zuschauer verschwinden? Kann jemand lustig sein, wenn die Hallen, in denen er seine Witze erzählt, gähnend leer sind? Und was macht das mit einem, wenn man so lange an solch einem Projekt arbeitet – komplett allein für sich?

Die Zerreißprobe des Künstlers porträtiert Bo hier ebenfalls, meisterhaft in Verbindung mit seinen persönlichen Struggles, den Panikattacken auf der Bühne und dem selbstzerstörerischen Verlangen, das zu tun, was er liebt, während es ihn gleichzeitig von innen heraus kaputtmacht. Jetzt ist er gezwungen, es so zu tun, wie es ihm eigentlich besser tun sollte – und dennoch zerreißt es ihn, wenn er mit unserem Antagonisten, der Kamera, spricht.

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Der Soundtrack des Wahnsinns

Und weil das ja alles noch nicht künstlerisch und pathetisch genug ist, ist das Ganze technisch gesehen auch noch ein Musical, dessen Songs so dermaßen ins Ohr gehen, dass ich für meinen Teil – warte kurz, checkt Spotify-Stats – dieses Album in der Zwischenzeit seit der Veröffentlichung allein 1700 Minuten auf Spotify gehört habe! Aber das beinhaltet, glaube ich, nicht einmal die Deluxe-Version und die Outtakes, keine Ahnung, wie Spotify das am Ende zählt. So oder so ist es das 18. meistgehörte Album meines Accounts jemals. Und die hunderten Streams entsprechen so ca. noch mal der zwanzigfachen Lauflänge des Specials an sich, ganz oben mit dabei, mit knapp unter 100 Streams allein: That Funny Feeling.

Weil, jetzt kommen wir ja zum geilsten Teil: Neben all dem, was ich gerade aufgelistet habe, macht Burnham ja dennoch seine Kabarett-Comedy-Songs, in denen er einzelne Situationen beziehungsweise Observationen aus unserer Welt in messerscharfe Porträts verpackt. Neben so etwas Leichtem wie White Woman’s Instagram, welcher gerade erst durch die visuellen Bits noch viel unterhaltsamer wird, seziert Bo den alltäglichen Kapitalismus in Tracks wie Bezos oder nimmt einfach mal das ganze Konzept des World Wide Webs in Welcome to the Internet so rasant und bösartig aufs Korn, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Es ist diese paradoxe Mischung aus unfassbar tanzbaren Synthesizer-Beats und einer lyrisch dichten Schärfe, die den kompletten moralischen Bankrott unserer digitalen Existenz offenlegt, die diese Songs so unsterblich macht.

Er schafft es, die totale Reizüberflutung, in der wir alle mittlerweile freiwillig sekündlich ertrinken, in Melodien zu gießen. Wenn er im Scheinwerferlicht sitzt und darüber singt, wie die Welt brennt, während wir zeitgleich den nächsten absurden Content-Hype abfeiern oder darüber diskutieren, wer als Nächstes gecancelt werden sollte, während wir zeitgleich den nächsten problematischen Influencer supporten. Das ist alles kein bloßer Gag mehr – das ist die schmerzhaft ehrliche Bestandsaufnahme einer Gesellschaft am Abgrund. Und das alles nach Trumps erster Präsidentschaft… Ich würde sagen, die Realität liefert uns mittlerweile mehr als genug Stoff für einen zweiten Teil, oder?

Mein Fazit: Das größte Meisterwerk auf Netflix

Bo Burnham in einer Szene des Comedy-Specials Bo Burnham: Inside.
Top 5 Filme unter 90 Minuten
Was passiert nach der Show, wenn kein Publikum da ist, dass dir applaudiert? — Bo Burnham: Inside | 2021 ©Attic Bedroom | Netflix
Schwarz-weiß Foto eines Gitarristen mit wehendem Haar, der energisch eine E‑Gitarre spielt. Darüber steht der Schriftzug ‚Bandmerch‘, daneben ein Button mit ‚Shop Now!‘ sowie das EMP‑Logo mit Rockhand-Symbol.

Ey, spinn ich, oder gibt es hier eigentlich nichts Schlechtes zu erwähnen? Okay, das ist überspitzt, aber natürlich gibt es hier ein paar ABERs: Wenn man mit Bo Burnham und seinem Humor generell nichts anfangen kann; wenn man den Zerfall in den Wahnsinn als zu unangenehm und anstrengend wahrnimmt oder letzten Endes – wie meine bessere Hälfte – absolut nichts für Musicals oder in diesem Fall Kabarett übrig hat, dann ist das nun mal nichts für diese Person. Doch wie am Anfang erwähnt, ist Kunst ja am Ende so viel mehr als die Summe ihrer Teile, und auch wenn es einem nicht unbedingt zusagt, kann selbst der abgeneigte Betrachter nicht leugnen, dass es sich hier um viel mehr als ein bisschen Unterhaltung für zwischendurch handelt.

Für die Menschen, die durch den Vorhang blicken können und wollen, die werden vielleicht so wie ich sehen, dass Bo Burnham: Inside so viel mehr ist als ein reines Netflix Comedy Special, mehr als ein Album bei Spotify mit catchy Songs, mehr als eine One-Man-Show oder ein Lockdown-Period-Piece-Kammerspiel. Sondern ein Meilenstein des modernen… ja, was zum Geier ist das jetzt eigentlich? Ich sage die ganze Zeit Kunst, nicht zuletzt, weil das hier weder ein klassischer Film ist noch eine bloße Comedy-Show, die plump gefilmt wurde.

Bo Burnham: Inside ist einfach mehr, es steht über den Schubladen, die wir benutzen, um uns das Leben leichter zu machen. Am Ende lässt sich nur sagen: Bo Burnham: Inside ist ein Kunstwerk, wie es wahrscheinlich nie wieder ein zweites dieser Art geben wird. Ein Werk, das in exakt 87 Minuten mehr über den Zustand unserer modernen Seele aussagt, als es ein dreistündiges Drama je könnte.

Lennart

1. Before Sunset (2004)

Das Bild zeigt Ethan Hawke und Julie Delpy auf einer bank sitzend in einer Szene des Films Before Sunset.
Top 5 Filme unter 90 Minuten
Julie Delpy und Ethan Hawke im Mittelteil einer grandiosen Trilogie — Before Sunset | 2004 ©Warner Bros
Das Bild zeigt ein Paar unter einem Regenschirm, das sich innig zueinander wendet. Dazu steht rechts "romantische Filme & Serien" und links "shop now" mit dem Thalia Logo

Worum geht es in Before Sunset?

Before Sunset ist ein Liebesfilm von Richard Linklater mit Ethan Hawke und Julie Delpy in den Hauptrollen.
Es handelt sich um die Fortsetzung des Films „Before Sunrise“ aus dem Jahr 1995. Neun Jahre nach ihrer Begegnung in Wien treffen sich Jesse (Ethan Hawke) und Celine (Julie Delpy) in Paris wieder, wo Jesse auf einer Buchtour ist.

Jesse hat die gemeinsamen Erlebnisse mit Celine aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht. Da eine Lesung von Jesse in Celines Buchladen angekündigt ist, sucht sie ihn auf. Die beiden haben nur noch wenige Stunden Zeit, bevor Jesse zurück in die USA fliegen muss. Daher verbringen sie die Zeit damit, durch die Straßen von Paris zu schlendern und ihre Gedanken und Gefühle auszutauschen.
Während ihrer gemeinsamen Zeit sprechen sie über ihre Beziehungen, Träume und den Einfluss, den ihre gemeinsame Nacht in Wien auf ihr Leben hatte. Sie stellen fest, dass sie immer noch starke Gefühle füreinander haben und dass die Zeit, die seit ihrem ersten Treffen vergangen ist, ihre Bindung auf eine neue Ebene gebracht hat.
Als die Zeit knapp wird, müssen Jesse und Celine eine Entscheidung treffen. Sollen sie sich wieder trennen und ihre eigenen Wege gehen oder sollen sie das Risiko eingehen und ihre Beziehung vertiefen?

Before Sunset | 2004 ©Warner Bros | Trailer: ©TrailerTracker

Top 5 Filme unter 90 Minuten: Die Fortsetzung zu einem Meisterwerk

Der erste Platz in dieser Auflistung gebührt einem meiner absoluten Lieblingsfilme. Einen Film, den ich eigentlich öfter schauen müsste, was ich jedoch bisher nicht tat, weil ich den Vorgänger vorzog. Im Jahre 1995 inszenierte Richard Linklater mit Before Sunrise den Auftakt zu einer Trilogie, die als eine der brillantesten der gesamten Filmgeschichte angesehen werden muss.
Bereits das erste Aufeinandertreffen von Jesse und Céline in Wien ist durchgängig meisterhaft. Ohne Einschränkungen begeisterte mich dieses Werk, von der ersten Sekunde an und schaffte es auch in die Top 5 Wohlfühlfilme, der erste Artikel, an dem ich hier auf Passion of Arts mitwirkte.

Allerdings möchte ich nicht über Before Sunrise schreiben, der wäre ohnehin viel zu lang. Stattdessen soll die Fortsetzung Before Sunset in den Vordergrund gerückt werden. Hierbei kam Richard Linklater mit einer knappen Laufzeit von nur 80 Minuten zurecht.
Dass dieser mit dem Vorgänger ohne Probleme mithalten kann, ist dabei keine Selbstverständlichkeit, denn trotz des offenen Endes ist Before Sunrise ein Film, der für sich alleinstehend funktioniert. Die Faszination geht insbesondere von der Unwissenheit über die Zukunft aus. Dieser Unwissenheit müssen in einer Fortsetzung Antworten entgegengebracht werden, welche für Before Sunset ein enormes Potential zum Scheitern mitliefern. Doch Linklater macht genau da weiter, wo er aufhörte, als verfolge die gesamte Trilogie einen klaren Plan.

Linklater gelingt erneut ein Geniestreich

Auf den ersten Blick könnte man Before Sunset nun sogar als Kopie des Vorgängers bezeichnen. Das erzählerische Konzept bleibt gleich, nur der Ort verändert sich. Wien weicht der Stadt der Liebe Paris. Mit Blick darauf, worauf die Geschichte hinauslaufen wird, könnte man Linklater fast als reinen und kitschigen Romantiker bezeichnen. Allerdings trifft das nicht auf den Film zu. Bereits das erste Aufeinandertreffen von Jesse und Céline in Wien war zu keinem Zeitpunkt kitschig. Warum sollte das neun Jahre später in Paris plötzlich anders sein?

Die Geschichte läuft nun erwartbar ab, unterscheidet sich jedoch durch die Figuren. In den vergangenen neun Jahren haben Jesse und Céline sich verändert, sind reifer geworden. Dementsprechend nehmen die Dialoge auch eine andere Form an. In wunderschöner Umgebung reflektieren die beiden auch ihre eigenen Leben und lernen ihre einzigartige Chemie untereinander mit jeder gemeinsamen Minute mehr schätzen.

Dafür reichen 80 Minuten aus. Sie sind weder zu kurz noch zu lang, die genau richtige Laufzeit für das, was Linklater in dieser meisterhaften Fortsetzung zu erzählen hat.

Florian

Weitere Top 5 Filme unter 90 Minuten aus der Redaktion

  • Mulan (1998)
  • Der Unsichtbare (1933)
  • Der Vampir von Notre Dame (1957)
  • Das Grauen aus der Tiefe (1980)
  • Ein Kind war Zeuge (1952)
  • Der Hund von Baskerville (1959)
  • Nightmare Before Christmas (1993)
  • Das Dschungelbuch (1967)
  • Armee der Finsternis (1992)
  • Blair Witch Project (1999)
  • Toy Story (1995)
  • Die Wache (2018)
  • Das Geheimnis von Kells (2009)
  • Felidae (1994)
  • Weißer Terror (1962)
  • Water Lilies (2007)
  • The Last Journey (2020)
  • Arielle, die Meerjungfrau (1989)
  • Pappa ante portas (1991)
  • Zwischen uns (2021)
  • Weil ich ein Mädchen bin (1999)
  • Persona (1966)
  • The Old Dark House (1932)
  • Pebbles (2021)
  • Filibus (1915)
  • Nächster Halt: Fruitvale Station (2013)
  • Flow (2024)
  • Das indische Tuch (1963)
  • The Watermelon Woman (1996)
  • Die Rechnung ging nicht auf (1956)
  • Frances Ha (2012)
  • The Babysitter (2017)

※※※

  • Angst (1983)
  • Dornröschen (1959)
  • Susi und Strolch (1955)
  • Dolls (1986)
  • Paris Is Burning (1990)
  • Totally F***ed Up (1993)
  • Only God Forgives (2013)
  • Tucker and Dale vs. Evil (2010)
  • Eraserhead (1977)
  • Videodrome (1983)
  • XXY (2007)
  • Zwölf Uhr Mittags (1953)
  • Aufstand der Tiere (1954)
  • Pocahontas (1995)
  • Tomboy (2011)
  • Sunflower (2023)
  • Little Girl (2020)
  • Frida (2024)
  • Mars Express (2023)
  • Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (1922)
  • Das Blut eines Dichters (1930)
  • Die Reise zum Mond (1902)
  • Asterix und Kleopatra (1968)
  • Valerie – Eine Woche voller Wunder (1970)
  • The Girl from the Other Side (2022)
  • Das kostbarste aller Güter (2024)
  • Peter Pan (1953)
  • Beyond the Infinite Two Minutes (2020)
  • Die Folterkammer des Hexenjägers (1963)
  • Asterix erobert Rom (1976)
  • Der Mann mit den Röntgenaugen (1963)
  • The Guilty (2018)
  • Der Schuh des Manitu (2001)

Fazit zu Top 5 Filme unter 90 Minuten

Es braucht nicht viel Zeit und besondere und fantastische Filme zu drehen. Das ist die Quintessenz dieses Artikels, welche Riley und Lennart gemeinsam mit mir mit Beispielen unterfüttert haben. Zusammen haben wir fünf Filme vorgestellt, die alle auf ihre Art und Weise innerhalb einer vergleichsweise kurzen Laufzeit perfekt sind. Ob Anime-Psychothriller, Liebesdrama, melancholischer Zeitreisefilm, ein einmaliges Comedy-Special oder ein charmanter Gruselfilm. Für Abwechslung ist gesorgt, sodass man, selbst wenn die Zeit für einen längeren Film fehlt, nicht auf unterhaltsame und kreative Stoffe verzichten muss.

Jetzt seit Ihr dran: Welche Filme begeistern Euch mit einer kurzen Laufzeit?

Welche sind eure Top 5 Filme unter 90 Minuten?


Filmkritik
Ein stilvoll gekleideter Mann im Stil der 1940er Jahre trägt einen dunklen Fedora-Hut und einen dreiteiligen Anzug mit Krawatte. Sein Gesichtsausdruck ist ernst und geheimnisvoll, mit einem Schatten, der teilweise über seine Augen fällt. Die Farbgebung des Bildes ist in einem warmen Sepia-Ton gehalten, was den Eindruck eines klassischen Film-Noir-Porträts verstärkt.

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Passion of Arts Redaktion Florian

 

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15 Kommentare

  1. Auf das Thema habe ich mich ganz besonders gefreut, nachdem ich in den letzten Jahren so viele Filme gesehen habe, die trotz (oder gerade wegen) ihrer Kürze mich zu fesseln vermochten. Dass gefühlt so viele Filme immer länger werden, ist nicht nur dir aufgefallen.

    Bei mir war’s gestern die Vorpremiere von „Backrooms“, dessen Länge von 110 Minuten mittlerweile schon fast Standard im Horrorfilm ist – aber davon war wirklich keine einzige Minute verschwendet. Wo ich schlimmeres befürchte, ist „Die Odyssey“ von Christopher Nolan – 172 Minuten sind, da brauchen wir uns nichts vorzumachen, eben immer noch rund drei Stunden – und die können sich ziehen.

    So, nun aber zu meinen „Shortys“, die bis weit ins letzte Jahrhundert zurückreichen.

    https://blaupause7.wordpress.com/2026/06/18/die-5-besten-am-donnerstag-filme-unter-90-minuten-laufzeit/

    1. @blaupause7
      Haha, in der „Backrooms“ Vorpremiere war ich gestern auch. Da stimme ich auch komplett zu.
      Bei „The Odyssey“ bin ich auch skeptisch. Klar, die Geschichte ist episch genug um 3 Stunden zu rechtfertigen, aber das müsste dann auch von charakteren getrieben sein und da scheitert Nolan ja gerne mal.

      Übrigens sehr schöne Liste. Platz 2 und 4 kenne und schätze ich auch. Insbesondere Platz 4, der genau meinen Geschmack trifft.

      1. Anscheinend ist „Backrooms“ gerade so ein Hype, besonders in Kombination mit „Obsession“ (den ich mir auch noch ansehen will) – irgendwie erinnert mich das gerade ein bißchen an das Erlebnis mit „Barbie“ und „Oppenheimer“.

  2. Meine 5 liebsten Quickies nach Laufzeit sortiert:

    1. The Texas Chain Saw Massacre (1974) [83 Min.]
    2. Weißer Terror (1962) [84 Min.]
    3. Moderne Zeiten (1936) [87 Min.]
    4. Miracle Mile (1988) [88 Min.]
    5. Wege zum Ruhm (1957) [88 Min.]

    1. @kenduskeag:

      Super Liste. Moderne Zeiten überlegte ich auch, aber den erwähnte ich schonmal auf einer Liste deswegen ließ ich den weg. Miracle Mile habe ich schon einiges von gehört, aber noch nicht gesehen. Weißer Terror sollte man echt mal schauen, leider erschreckend aktuell.

  3. Schöne Liste. Werde manche meiner typischen Filme wie Ghost in the Shell mal nicht nennen, sondern lasse mal Platz für andere Filme auf dieser Liste.

    PI (1998, 85 Min.) Der erste Film von Darren Aronofsky und für mich immer noch sein Bester. Ein Mathegenie stößt auf die ultimative Formel und religiöse Gruppen und Börsenmakler sind hinter ihm her. Doch sein größtes Problem ist sein eigener Kopf.

    Tucker und Dale vs Evil (2010, 89Min) Der Film hat mich damals wirklich überrascht. Dachte ich würde höchstens mal schmunzeln, aber ich habe extrem gelacht, finde den richtig lustig und Komödien haben es bei mir gerne mal schwer. Kluge Ideen und tolle Umsetzung.

    Shoot Em Up (2007,86Min.) Ein Actionfilm mit Clive Owen und den darf man auf keinen Fall ernst nehmen. Der ist sinnlos, hat keine Story, sondern nur Action und zum Teil völlig übertriebene und abgefahrene Gewaltspitzen. Aber so mag ich das. Kein Chi Chi, nur Geballer, draufhalten und etwas Brutalität und leicht zynischem Witz und das ganze nicht aufgeblasen auf 150 Minuten, sondern knackig gerade mal 90 und ich bin großartig unterhalten.

    Panzerkreuzer Potemkin (1925, 75 Min.) Es gibt auf Arte eine cholorierte über 2 Stunden Fassung, aber habe auch nur diese 75 Minuten Fassung gesehen. Was wohl auch der ursprünglichen Fassung nahe kommt. Wenn man wissen will woher manche Regisseure wie Brian de Palma zum Beispiel manche Ideen her haben und weshalb dieser Film als Vorbild für moderne und gelungene Montage gilt, die wirklich verdammt gut ist, sollte diesen Film mal gesehen haben.

    Ein andalusischer Hund (1929, 18Min) Luis Brunel und Salvador Dali schufen den ersten Film des filmischen Surrealismus. Es gibt keine Handlung, sondern nur traumhafte und alptraumhafte Szenen. Manche davon, wie die Ameisen aus der Hand soll Dali tatsächlich geträumt haben. Die alptraumhaften Bilder, das in Szene setzen, mit Tricks, Kameraperspektiven und Montage, hat vor allem den Horrorfilm nachhaltig beeinflusst, aber hatte generell einen große Durchschlagskraft auf das Filmen. Dieses Werk spiegelt auch die philosophischen Gegensätze und Strömungen jener Zeit. Von Freuds Psychoanalyse auf dem Weg zum Poststrukturalismus.

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