Petite Maman - Als wir Kinder waren
Veröffentlichungsjahr: 2021 | Genres: Drama, Fantasy, Coming of Age, Familienfilm
Originaltitel: Petite Maman
Schauspieler: Joséphine Sanz, Gabrielle Sanz, Nina Meurisse, Stéphane Varupenne, Margot Abascal, Florès Cardo, Josée Schuller, Guylène Péan
Petite Maman – Als wir Kinder waren ist ein französischer Jugend- und Fantasyfilm aus dem Jahr 2021 der Regisseurin und Drehbuchautorin Céline Sciamma. Der Film erzählt eine berührende und zugleich poetische Geschichte über Kindheit, Trauer, Familie und die besondere Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Im Mittelpunkt steht ein achtjähriges Mädchen, das auf wundersame Weise seiner eigenen Mutter als Kind begegnet. Die Hauptrollen übernahmen die Zwillingsschwestern Joséphine Sanz und Gabrielle Sanz. Der Film wurde 2021 in den Wettbewerb der 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin eingeladen und entwickelte sich schnell zu einem der meistgelobten europäischen Filme des Jahres. In Frankreich startete er am 2. Juni 2021 in den Kinos, in Deutschland am 17. März 2022.
Nach dem Tod ihrer Großmutter begleitet die achtjährige Nelly (Joséphine Sanz) ihre Eltern beim Ausräumen des ehemaligen Familienhauses. Während ihre Mutter (Nina Meurisse) mit ihrer Trauer kämpft und vorübergehend abreist, verbringt Nelly ihre Tage in den umliegenden Wäldern. Dort begegnet sie einem gleichaltrigen Mädchen namens Marion (Gabrielle Sanz), mit dem sie schnell Freundschaft schließt.
Gemeinsam bauen die beiden eine Hütte, spielen miteinander und verbringen viel Zeit im Wald. Nach und nach erkennt Nelly jedoch, dass Marion auf geheimnisvolle Weise mit ihrer eigenen Familie verbunden ist. Durch diese außergewöhnliche Begegnung erhält sie die Möglichkeit, ihre Mutter aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen und Antworten auf Fragen zu finden, die sie bislang beschäftigt haben. Dabei entsteht eine einfühlsame Geschichte über Erinnerungen, Verlust, Verständnis und die Kraft familiärer Bindungen.
Mit Petite Maman realisierte Céline Sciamma ihren fünften Spielfilm. Nach dem internationalen Erfolg von Porträt einer jungen Frau in Flammen (2019) wandte sie sich erneut einem sehr persönlichen Stoff zu. Das Drehbuch schrieb sie im Sommer 2020 innerhalb kurzer Zeit. Später beschrieb Sciamma die Entstehung des Films als etwas, das sie regelrecht „erträumt“ habe. Anders als viele Zeitreisegeschichten setzt Petite Maman nicht auf spektakuläre Effekte oder komplizierte Erklärungen, sondern behandelt das fantastische Element als selbstverständlichen Bestandteil einer emotionalen Erzählung.
Für die Produktion arbeitete Sciamma erneut mit langjährigen Weggefährten zusammen. Produzentin Bénédicte Couvreur, die bereits mehrere ihrer Filme betreut hatte, war erneut federführend beteiligt. Die Kamera übernahm Claire Mathon, die schon bei Porträt einer jungen Frau in Flammen für ihre eindrucksvollen Bilder verantwortlich war. Der Schnitt lag in den Händen von Julien Lacheray, während die Musik von Jean-Baptiste de Laubier, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Para One, komponiert wurde.
Die Dreharbeiten fanden zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember 2020 in und um Paris statt. Viele Außenaufnahmen entstanden an Orten, die für Sciamma eine persönliche Bedeutung besitzen, da sie selbst in dieser Region aufgewachsen ist. Besonders markant ist die Szene an der monumentalen Pyramide des Landschaftskunstwerks Axe Majeur in Cergy-Pontoise, das vom israelischen Künstler Dani Karavan gestaltet wurde. Diese ungewöhnliche Kulisse verleiht dem Film zusätzliche märchenhafte und zeitlose Elemente.
Die Innenaufnahmen entstanden dagegen überwiegend in Studiobauten. Das Haus der Großmutter wurde vollständig nachgebaut, um eine bewusst zeitlose Atmosphäre zu schaffen. Sciamma wollte vermeiden, den Film eindeutig in einer bestimmten Epoche zu verorten. Deshalb legte sie großen Wert auf Kostüme und Ausstattung, die sich weder klar modern noch nostalgisch anfühlen. Für die Garderobe der jungen Figuren sichtete sie Klassenfotos aus verschiedenen Jahrzehnten und stellte daraus eine Auswahl von Kleidungsstücken zusammen, die über Generationen hinweg zeitlos wirken.
Ein zentrales Anliegen der Regisseurin war es, einen Film zu schaffen, der gleichermaßen Kinder, Eltern und Großeltern anspricht. Sie verstand Petite Maman nicht als typischen Kinderfilm, sondern als Familienfilm, der Themen wie Trauer, Erinnerung und emotionale Verletzlichkeit aus einer kindlichen Perspektive behandelt, ohne diese zu vereinfachen. Sciamma betonte mehrfach, dass Kinder dieselben existenziellen Fragen und Krisen erleben wie Erwachsene und deshalb auch als vollwertige Menschen dargestellt werden sollten.
Die Premiere erfolgte im März 2021 im Rahmen des sogenannten „Industry Event“ der Berlinale, das aufgrund der COVID-19-Pandemie hauptsächlich für Fachpublikum und Presse organisiert wurde. Die eigentliche Festivalaufführung vor Publikum fand wenige Monate später beim „Summer Special“ der Berlinale statt. Obwohl der Film keinen Hauptpreis gewann, wurde er von Kritikern weltweit äußerst positiv aufgenommen.
Besonders gelobt wurden die sensible Inszenierung, die außergewöhnliche Leistung der beiden jungen Hauptdarstellerinnen Joséphine und Gabrielle Sanz sowie die poetische Verbindung von Realität und Fantasie. Viele Kritiker beschrieben den Film als zärtliche Meditation über Kindheit, Mutterschaft und Verlust. Dabei wurde hervorgehoben, dass Sciamma mit minimalen erzählerischen Mitteln eine große emotionale Wirkung erzielt.
Auch international war Petite Maman sehr erfolgreich. Der Film erhielt zahlreiche Festival- und Kritikerpreise, darunter den Preis der Los Angeles Film Critics Association für den besten fremdsprachigen Film sowie den renommierten FIPRESCI-Preis beim Stockholm Film Festival. Darüber hinaus wurde er für den Goldenen Bären der Berlinale sowie für den BAFTA Award als bester nicht-englischsprachiger Film nominiert.
Pressematerial © Alamode Film
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Céline Sciamma
Drehbuch: Céline Sciamma
Produzent: Bénédicte Couvreur, Claire Langmann
Musik: Jean-Baptiste de Laubier (Para One)
Kamera: Claire Mathon
Schnitt: Julien Lacheray