Perfect Blue
Veröffentlichungsjahr: 1997 | Genres: Drama, Erotik, Horror, Krimi, Thriller, Literaturverfilmung, Psychothriller, Mystery, Satire, Anime, Psychoanalyse, Neo Noir
Originaltitel: Pâfekuto burû
Schauspieler: Junko Iwao, Rica Matsumoto, Shinpachi Tsuji, Masaaki Ôkura, Yôsuke Akimoto, Yoku Shioya, Hideyuki Hori, Emi Shinohara, Masashi Ebara, Kiyoyuki Yanada, Tôru Furusawa, Shiho Niiyama, Emiko Furukawa, Aya Hara, Shin\'ichirô Miki, Jin Yamanoi, Megumi Tano, Takashi Nagasako, Akio Suyama, Osamu Hosoi, Kôichi Tôchika, Emi Motoi, Sôichirô Hoshi, Kishô Taniyama, Shokkâ Ôno, Rofuto Purasu Wan Burazâzu, Makoto Kitano, Kaori Minami
Perfect Blue ist ein psychologischer Anime‑Thriller aus dem Jahr 1997, produziert vom renommierten Studio Madhouse und inszeniert von Satoshi Kon, der hier sein Regiedebüt gab. Der Film basiert lose auf dem Roman von Yoshikazu Takeuchi und wurde erstmals 1998 auf der Berlinale in Deutschland gezeigt. Mit seinem präzisen Blick auf Identität, Medienmechanismen und psychische Zerrissenheit gilt er heute als ein Meilenstein des erwachsenenorientierten Anime-Kinos.
Im Zentrum steht Mima Kirigoe (Junko Iwao / dt. Solveig Duda), Mitglied der Idol‑Girlgroup CHAM, die zwar beliebt ist, aber nie den großen Durchbruch schafft. Mima entscheidet sich, die Musikbranche zu verlassen, um eine ernsthafte Schauspielkarriere zu beginnen – ein Schritt, der nicht nur ihre Fans irritiert, sondern auch ihr eigenes Selbstbild ins Wanken bringt. Ihr Manager Tadokoro (Shimpachi Tsuji / dt. Claus Brockmeyer) vermittelt ihr eine kleine Rolle in der Krimiserie Double Bind, die sich bald zu einer größeren, emotional fordernden Figur entwickelt. Doch je tiefer Mima in die neue Rolle eintaucht, desto stärker verschwimmen für sie die Grenzen zwischen Darstellung und Realität.
Während CHAM ohne sie plötzlich erfolgreicher wird als je zuvor, beginnt Mima, Drohbriefe zu erhalten. Gleichzeitig taucht im Internet ein mysteriöses Tagebuch auf, das in beunruhigender Genauigkeit ihre angeblichen Gedanken und Tagesabläufe wiedergibt. Die Einträge wirken so intim und präzise, dass Mima sich zunehmend beobachtet fühlt. Ein obsessiver Fan, Me-Maniac/Uchida (Masaaki Ōkura / dt. Philipp Brammer), scheint sie regelrecht zu verfolgen, während ihre Agentin Rumi (Rika Matsumoto / dt. Carin C. Tietze) versucht, sie vor dem Druck der Branche zu schützen – oder zumindest den Anschein zu wahren.
Je stärker Mima sich in Rollen, Erwartungen und Projektionen verliert, desto mehr beginnt ihr Alltag zu zerbrechen. Die Anforderungen der Filmproduktion, die voyeuristische Öffentlichkeit, die sexualisierte Vermarktung und die ständige Beobachtung setzen ihr zu. Realität, Fantasie und mediale Inszenierung überlagern sich, bis Mima selbst nicht mehr sicher ist, was sie tatsächlich erlebt und was nur ein Echo ihrer Ängste ist. Als schließlich Menschen aus ihrem beruflichen Umfeld auf brutale Weise zu Schaden kommen, verdichten sich die Ereignisse zu einem psychologischen Labyrinth, in dem Mima um ihre Identität, ihre Sicherheit und ihren Verstand kämpft – ohne zu wissen, wem sie noch trauen kann.
Perfect Blue wurde mit einem Budget von rund drei Millionen Dollar realisiert. Etwa 15 Hauptzeichner und über 100 weitere Artists arbeiteten an der visuellen Umsetzung. Ursprünglich als OVA geplant, entwickelte sich das Projekt zu einem Kinofilm. Katsuhiro Otomo (Akira) fungierte als Special Adviser. 2002 erschien ein Realfilm‑Remake (Perfect Blue – Yume nara Samete), das sich stärker an der Romanvorlage orientiert, jedoch nicht den internationalen Erfolg des Anime erreichte.
Kon nutzt Animation, um innere Zustände sichtbar zu machen – nicht als Fantasie, sondern als Spiegel einer fragmentierten Wahrnehmung. Perfect Blue ist weniger ein Thriller im klassischen Sinne als ein präzises, verstörend klares Porträt einer Frau, die zwischen öffentlicher Projektion und privater Identität zerrieben wird.
Pressematerial ©Rapid Eye Movies
Trailer © Sony Pictures Germany
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Satoshi Kon
Drehbuch: Sadayuki Murai, Satoshi Kon, Yoshikazu Takeuchi (Romanvorlage)
Produzent: Marvin Gleicher, Laurence Guinness, Hiroaki Inoue, Yoshihisa Ishihara, Koshiro Kanda, Haruyo Kanesaku, Masao Maruyama, Yutaka Maseba, Hitomi Nakagaki, Yutaka Togo uvm.
Musik: Masahiro Ikumi
Kamera: Hisao Shirai
Schnitt: Harutoshi Ogata
Ein Kommentar1 Kommentare
„Perfect Blue“ erforscht sehr gekonnt die Abgründe von Identität und Berühmtheit. Stellenweise musste ich bei der Sichtung des Films an das Leben und die Karriere von Britney Spears denken, was mich persönlich sehr erschüttert. In „Perfect Blue“ wird sehr genau gezeigt, wie sehr eine junge Frau in dieser Branche ausgebeutet wird und was von ihr abverlangt wird um den Ruhm zu erlangen, die sie sich zu wünschen scheint. Dass sie leider selbst auch so naiv ist, das alles mitzumachen ist umso bedauerlicher. Satoshi Kon beweist jedoch auch ein unglaubliches Gespür dafür, sein Publikum ähnliche Emotionsebenen durchleben zu lassen wie seine Protagonistin. Teilweise war ich mir selbst nicht sicher, was real ist und was nicht. Besonders die Vergew4ltigungsszene, die Mima für den Film spielen musste, ist so echt, dass ich wirklich Zweifel hatte. Und auch so spielt „Perfect Blue“ gekonnt mit der menschlichen Psyche und führt das Publikum regelrecht in die Irre. Der Film ist ein reines Wechselbad der Gefühle.
Die nahbare Interpretation von Mima ist ebenso gelungen, somit können sich Zuschauende gespielt in den Charakter einfühlen, was das Filmerlebnis noch weiter steigert. Außerdem ist der Film auch wunderbar gezeichnet. Hier haben die 15 engagierten Hauptzeichner:innen und die 100 weitere Zeichner:innen, die für einfache Bilder eingesetzt wurden, ganze Arbeit geleistet. Perspektiven, Gesichtszüge und Konturen sind wunderbar ausgearbeitet. Zudem ist die dichte Atmosphäre gelungen, sowie der Kontrast von Hell auf Dunkel im Verlauf der Handlung. Anfänglich alles in strahlenden Farben, mündet „Perfect Blue“ in einem finsteren Setting und steigert sich im Einklang mit der Handlung zu einem spannenden Showdown. Well done.
FAZIT ZU „PERFECT BLUE“?
„Perfect Blue“ ist ein fesselnder Psychothriller, der die dunklen Seiten der Unterhaltungsindustrie und die Zerbrechlichkeit von Identität beleuchtet. Satoshi Kon schafft es meisterhaft, Realität und Illusion zu verwischen und das Publikum in ein Wechselbad der Gefühle zu stürzen. Die beeindruckenden Animationen, die dichte Atmosphäre und die emotional packende Erzählweise machen den Film zu einem unvergesslichen Filmerlebnis, das lange nachwirkt.