In Kooperation mit dem Filmmuseum MĂŒnchen đ„đïž verleiht die Werner Herzog Stiftung đŹâš einmal jĂ€hrlich den Werner Herzog Filmpreis đ. Im Jahr 2025 gewann das RegiedebĂŒt Urchin đ des britischen Filmschaffenden Harris Dickinson. Insbesondere dient der Filmpreis dazu, innovative Arbeiten von Filmschaffenden đïž auszuzeichnen und in den Vordergrund zu heben.
Die Preisverleihung fand am 13. Dezember 2025 in den RĂ€umlichkeiten des Filmmuseums in MĂŒnchen statt. Im Anschluss wurde der Film Urchin đ einem kleinen Publikum gezeigt, welches danach in den Genuss eines Q&A đŹ mit Werner Herzog und Harris Dickinson kam. Ich war vor Ort und schildere euch in den folgenden Zeilen meine EindrĂŒcke vom Q&A ĂŒber den Ablauf bis hin dazu, wie Harris Dickinsons RegiedebĂŒt Urchin đ gestaltet ist.
Ein Beitrag von: Riley Dieu Armstark
Urchin im Rampenlicht: Der Werner-Herzog-Filmpreis 2025 in MĂŒnchen đđđ„
Alle Jahre wieder! Jedes Jahr verleiht Werner Herzog im Dezember, in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum in MĂŒnchen, den Werner Herzog Filmpreis. Jedes Jahr ist Werner Herzog drei Abende hintereinander zu Gast und verleiht den Preis an innovative Filmschaffende. Im Dezember 2025 fand die Veranstaltung vom 12. bis einschlieĂlich 14. Dezember statt. Die Anzahl der Tickets fĂŒr die Veranstaltung war begrenzt. Es gab nur Abendkasse, keinen Vorverkauf und man konnte auch nicht online reservieren. Also musste ich frĂŒh genug vor Ort sein, um noch ein heiĂ begehrtes Ticket zu ergattern. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das ja gar nicht mal so einfach, zumal die Deutsche Bahn so unzuverlĂ€ssig ist. Aber die Fahrt war doch ganz bequem, ich musste nur einmal umsteigen und fuhr direkt von Freising mit der S-Bahn zum Marienplatz.
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Dort war erst einmal die Hölle los, wegen dem Weihnachtsmarkt. Ich fĂŒhlte mich wie auf hoher See, allein im salzigen Meer, beinahe am Ertrinken in den Sturmwellen. Nachdem ich mich dort heraus gekĂ€mpft hatte, begab ich mich zum Filmmuseum. Das lag nur 5 Minuten FuĂweg von der S-Bahn Station entfernt. Der Vorraum des Museums ist klein, aber einladend. Der Ticketschalter erinnert an die alten Zeiten des Kinos mit einer Glasscheibe und einem Vorhang davor. Daneben befindet sich gleich ein CafĂ©, das gut besucht war. Man erhaschte einen Blick hinein, denn man war neugierig, ob man eventuell Werner Herzog oder Harris Dickinson beim Kaffee trinken sah. Man sieht ja nicht alle Tage eine so groĂe Filmlegende wie Werner Herzog im realen Leben.
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Vor der Kasse hatte sich bereits eine beachtliche Schlage gebildet. Dennoch war diese nicht so lang, wie am Vortag, wie von den Betreiber:innen berichtet wurde. Ich hatte enormes GlĂŒck! Selbst wenn ich beinahe eineinhalb Stunden vor Einlass eingetroffen war, hieĂ es kurz nachdem ich das Ticket gekauft hatte „die Vorstellung ist Ausverkauft!“ Eine Person versuchte noch mir ein Ticket abzuwerben. Aber nachdem ich so eine weite Fahrt auf mich genommen hatte, wĂŒrde ich dieses um kein Geld der Welt wieder hergeben. Jemand von der Presse hat mein Ticket fotografiert. Leider habe ich vergessen zu fragen, wo dieses Foto erscheinen wird. Aber es sind nur meine Finger zu sehen und das Ticket natĂŒrlich (ha ha).
Mitten im Filmfieber: Mein Platz beim Werner-Herzog-Filmpreis đșđŹ

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Schnell wird klar, warum die Anzahl der Tickets begrenzt ist. Es gibt nur einen kleinen VorfĂŒhrraum mit dementsprechend begrenzten SitzplĂ€tzen. ZusĂ€tzlich sind Sitze fĂŒr Werner Herzog, Crew-Mitglieder des Films und natĂŒrlich Mitglieder des Filmmuseums reserviert. Ich ergatterte einen Sitzplatz rechts auĂen im mittleren Bereich und war zugegeben sehr aufgeregt. Seit meinem Besuch beim FĂŒnf Seen Film Festival in Starnberg, war ich nicht mehr bei einem Q&A oder Ă€hnlichem gewesen.
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Es dauerte auch nicht lange, ehe die SitzplĂ€tze eingenommen wurden. Das Publikum sich rege unterhielt und alle irgendwie gespannt auf die Verleihung wirkten. Alsbald trudelten auch schon Harris Dickinson und Werner Herzog ein, die sich hinter uns am Eingang unterhielten. Die Stimmung war allgemein sehr ausgelassen und atmosphĂ€risch, intellektuell aufgeladen. Ich fĂŒhle mich immer sehr wohl unter Menschen zu sein, die das Kino als Kunst wertschĂ€tzen. Das ist eine ganz andere AtmosphĂ€re, als wenn man sich einen Blockbuster aus dem Marvel Universum zum Beispiel ansieht. Letzteres ist nicht abwertend gemeint, denn auch hierbei ist die Stimmung sehr ausgelassen und ĂŒbermittelt Freude und SpaĂ an dem Medium. Ich fĂŒhle mich in beiden Kreisen zu Hause.
Wenn Legenden die BĂŒhne betreten: Meine EindrĂŒcke đđ
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Langsam wurde ich aber doch ungeduldig. Denn ich war schon ziemlich gespannt auf Urchin und noch gespannter auf das Q&A danach. Naja und ich musste den Zug nach Hause erwischen đ . Mit kleiner Verzögerung wurde um ca. 19.15 Uhr die Veranstaltung schlieĂlich eröffnet. Werner Herzog betrat die BĂŒhne und ich muss sagen, ich war sehr aufgeregt. Zugegeben habe ich in seiner Filmographie noch einige LĂŒcken aufzuholen. Bisher habe ich leider nur 4 Filme von ihm gesehen. Der umstrittene Klaus Kinksi hĂ€lt mich ein wenig davon ab, die Filmographie noch weit nach hinten zu schieben. Aber irgendwann werde ich diese LĂŒcken einmal auffĂŒllen.
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Werner Herzog ist immerhin eine Legende und wie sich herausstellte auch ein sehr begeisterter Filmschaffender und sehr sympathischer Mensch. Werner Herzog selbst wirkte wie ein aufgeregter kleiner Junge vor dem SĂŒĂigkeiten Stand. Seine Begeisterung war sichtlich spĂŒrbar und er hat auch immer wieder betont, wie sehr ihm Urchin ans Herz ging. Sein Enthusiasmus fĂŒllte den ganzen Raum und steckt das Publikum an. Harris Dickinson war sichtlich gerĂŒhrt und betrat beinahe etwas schĂŒchtern die BĂŒhne, um den Preis entgegen zu nehmen. Ich konnte noch einen relativ guten Schnappschuss mit dem Smartphone machen, ehe die Presse die ganze Sicht versperrte. Diese wurde auch rasch von den Veranstalter:innen zur Seite gescheucht, weil sie wirklich eine richtige Wand vor Harris Dickinson und Werner Herzog aufbauten und das Publikum gar nichts mehr sah. Ich durfte irgendwie am Rand stehen bleiben, aber ich war auch nicht so aufdringlich đ .
Werner Herzog: Der Mann hinter dem Filmpreis đ„đ

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Der Filmschaffende Werner Herzog gilt als einer der einflussreichsten Regisseure der Filmgeschichte. Mit ĂŒber 70 Spielfilmen, Dokumentationen und Theaterprojekten hat er das Kino wie kaum ein anderer geprĂ€gt. Seine Werke zeichnen sich durch intensive Charakterstudien, existenzielle Themen und eine einzigartige Bildsprache aus. Weltweit bekannt wurde er durch Klassiker wie Fitzcarraldo und Nosferatu: Phantom der Nacht. Sein Markenzeichen sind die Verbindung von Abenteuer, menschlicher Obsession und visueller Poesie.
Wie bereits erwĂ€hnt, ist er sehr begeistert in seinem Tun und liebt das Medium Film wie kein anderer. Neben seinen Regie Arbeiten ist er auch Förderer neuer Talente und schuf deshalb die Werner Herzog Stiftung, die besonders junge Filmschaffende und innovative Projekte in den Fokus rĂŒckt. Der von der Stiftung vergebene Werner Herzog Filmpreis đ spiegelt genau diese Philosophie wider: Mut, KreativitĂ€t und OriginalitĂ€t werden ausgezeichnet und ins Rampenlicht gehoben.
Harris Dickinson & sein RegiedebĂŒt Urchin đđ„

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Harris Dickinson ist ein aufstrebender britischer Schauspieler, der durch Filme wie Beach Rats (2017) und Triangle of Sadness (2022) international Aufmerksamkeit erregte. Nun wagt er den mutigen Schritt hinter die Kamera und prĂ€sentiert mit dem Film Urchin đ sein RegiedebĂŒt. Dabei agierte er nicht nur als Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor und nimmt im Film selbst eine kleine Rolle ein.
Urchin ist ein Filmdrama, das im Mai 2025 seine Premiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes feierte. Der Film entfĂŒhrt sein Publikum in die Londoner Obdachlosen- und Drogenszene. Im Zentrum der Geschichte steht Mike (Frank Dillane), ein junger Mann, der in London ohne festen Wohnsitz lebt und seit seiner Kindheit von lieblosen Pflegefamilien geprĂ€gt ist. Sein Kontakt zu den Adoptiveltern ist kaum vorhanden, und Mike versucht verzweifelt, seinem zerstörerischen Lebensstil zu entkommen. Als der ebenfalls abhĂ€ngige Nathan (Harris Dickinson) ihn um sein gesamtes Geld bringt, gerĂ€t Mike in eine Situation, die ihn erneut ins GefĂ€ngnis fĂŒhrt. Nach sieben Monaten Haft kommt er entschlossen frei, sein Leben grundlegend zu Ă€ndern und clean zu bleiben.
UnterstĂŒtzt von Sozialarbeiterin Nadia (Shonagh Marie) erhĂ€lt er ein Zimmer in einem Hostel sowie einen Job als Jungkoch in einem Hotel, wo ihm Franco (Amr Waked) als verstĂ€ndnisvoller Vorgesetzter zur Seite steht. Gleichzeitig erlebt Mike eine kurze, aber bedeutsame Beziehung mit Andrea (Megan Northam), einer jungen Frau, die selbst versucht, in London FuĂ zu fassen. Ihre Verbindung wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, und Mike muss lernen, mit seinen eigenen Grenzen und BrĂŒchen umzugehen.
Die Magie von Urchin: Schauspiel, Bildsprache und Musik âšđđ¶
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Frank Dillane, bekannt aus Filmen wie Im Herzen der See (2015), Harvest (2024) und Harry Potter und der Halbblutprinz(2009) wurde bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Im Oktober 2025 erschien Urchin in den US-Kinos, in GroĂbritannien und in Kanada. Leider ist bisher kein deutscher Starttermin bekannt.
Harris Dickinson arbeitete mit der renommierten Kamerafrau JosĂ©e Deshaies zusammen, die unter anderem bekannt fĂŒr ihre Arbeiten an Saint Laurent (2014), Passages (2023) und The Beast (2023) ist. Den atmosphĂ€rischen Soundtrack, der mit elektronischer Musik verfeinert ist, steuerte Alan Myson bei. Besonders die elektronischen StĂŒcke untermauern den emotionalen Kern vieler Szenen des Films und sind sehr nuanciert eingesetzt. FĂŒr mich als Fan von Elektro-Music, war dies natĂŒrlich ein kleines Highlight in Urchin.
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Urchin hat eine sehr bildstarke Inszenierung, die vor allem authentisch und unaufdringlich wirkt. Das Publikum spĂŒrt in jeder Szene den rohen und sensiblen Ton der Geschichte und fĂŒhlt sich in die Welt der Obdachlosen sofort ein. Harris Dickinson beweist in seinem RegiedebĂŒt sehr viel FeingefĂŒhl fĂŒr sein Publikum, die Darstellenden und die Geschichte. Das intensive Spiel von Frank Dillane trĂ€gt maĂgeblich dazu bei, das Publikum an die Leinwand zu fesseln. Urchin verzichtet auf Urteile und zeigt stattdessen eine Mischung aus tragischen und humorvollen Momenten, die zu einer ausgewogenen Balance beitragen.
Urchin war in zahlreichen Wettbewerben vertreten, darunter bei den British Independent Film Awards, dem Filmfest MĂŒnchen, den Gotham Awards und dem Melbourne International Film Festival.
Q&A mit Werner Herzog & Harris Dickinson
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Nach der Preisverleihung verlieĂ Werner Herzog den Raum und war schlussendlich nicht bei der VorfĂŒhrung mit dabei. Sobald der Abspann jedoch vorĂŒber war, kam er erneut auf die BĂŒhne, auf der bereits Sitzgelegenheiten und GetrĂ€nke fĂŒr ihn und Werner Herzog bereit gestellt wurden. Noch einmal erklĂ€rte Werner Herzog, was er so besonders an Harris Dickinson RegiedebĂŒt Urchin fand und steckte das Publikum mit seiner Begeisterung erneut an. Harris Dickinson wirkte sichtlich nervös, beinahe schĂŒchtern und auch ein wenig ehrfĂŒrchtig. Man merkte schnell, dass er sich vorbereitet hatte, Werner Herzog zu treffen und stellte erst einmal selbst ein paar Fragen zu seinen Werken.
Man spĂŒrte auch sofort, dass hier ein enormer Generationenunterschied von Filmschaffenden aufeinander traf. Der Frischling Harris Dickinson und der erfahrene Werner Herzog. Ein spannendes Unterfangen fĂŒr alle Beteiligten. So fand zu Beginn erst einmal ein Erfahrungsaustausch zwischen den beiden statt, dem das Publikum aufmerksam folgte. Harris erzĂ€hlte, dass die Regiearbeit ein Lernprozess fĂŒr ihn war und dass er jeder Person, die an dem Film beteiligt war, Tribut zollen wollte. Daher besitzt Urchin, fĂŒr so einen relativ kleinen Film, sehr umfangreiche Credits, auf die Werner Herzog aufmerksam machte. ZusĂ€tzlich unterhielten sich die beiden ĂŒber illegale Drehs, die ohne Genehmigung stattfanden und tauschten sich ĂŒber diverse Verhaftungen diesbezĂŒglich aus. Herzog scherzte, das dies eine Ehre fĂŒr jeden Filmschaffenden sei.
Zwischen Regie und Emotion: Harris Dickinsons Weg bei Urchin
Harris Dickinson lieĂ auch Einblicke in seine Zeit an der Filmschule zu und berichtete, wie er sich fĂŒr das Fach Schauspiel entschied und nebenbei das Drehbuch schreiben ĂŒbte. FrĂŒh in seiner Karriere drehte er bereits viele amateurhafte Filme ĂŒber Skatboarding und schlussendlich den Kurzfilm 2003 mit Robbie Ryan, bekannt fĂŒr Filme wie Poor Things (2023) und The Favourite – Intrigen und Irrsinn (2018), als Kameramann, den er der BBC vorstellte. Diese jedoch forderten, dass Dickinson einen Langspielfilm lieferte, den sie gerne produzieren wĂŒrden.
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FĂŒr Urchin wurden nicht viele Darstellende gecastet. Anwesend waren viele Statist:innen aus dem Umfeld und Familienmitglieder, sowie befreundete Personen von Harris Dickinson. Teilweise sind in vielen Szenen auch Menschen, die gerade auf der StraĂe anwesend waren, im Film zu sehen, was dem Film noch eine authentischere Note verleiht. Mit Frank Dillane fand Harris Dickinson einen Darsteller, der ein intensives Schauspiel abliefert, charismatisch wirkt und seinen Rollen Tiefe verleiht. Dillane hat keine Angst, etwas zu wagen und probiert sich gerne auch selbst aus. Dickinson lieĂ ihm in vielen Szenen freie Hand, hatte jedoch auch in vielen Momenten eine Art Lernprozess fĂŒr sich selbst, um seine eigenen Ideen durchzusetzen.
Er erzĂ€hlte, dass er anfĂ€nglich viele Ideen der Mitwirkenden in sich aufsog und versuchte, diese umzusetzen. Dies driftete jedoch irgendwann zu sehr von seinen eigenen Ideen ab und er hatte das GefĂŒhl, es jeder Person recht machen zu wollen. Somit lernte er, nicht alles durchgehen zu lassen und dass er nicht allen gerecht werden muss. Es war eine Herausforderung fĂŒr ihn, mit Menschen umzugehen.
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Eine der gröĂten Herausforderungen fĂŒr Harris Dickinson lag darin, die Balance zwischen klaren Regieanweisungen und der freien Entfaltung seiner Darstellenden zu wahren. Besonders fordernd war fĂŒr ihn eine Szene, in der Mike (Frank Dillane) in einem Shop emotional ĂŒberwĂ€ltigt wird. Dillane brillierte in diesem Moment, lieĂ seinen GefĂŒhlen freien Lauf und begann zu weinen. FĂŒr Dickinson war die Szene zutiefst berĂŒhrend, zugleich jedoch schwierig, da er es nicht wagte, einzugreifen â aus Angst, seinen Schauspieler aus der emotionalen Tiefe dieses Augenblicks zu reiĂen.
Von Tarkowski bis East London: Die Quellen von Urchin
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Inspiration fĂŒr Urchin holte sich Harris Dickinson von Filmschaffenden wie Mike Leigh (Vera Drake, LĂŒgen und Geheimnisse) und Andrei Arsenjewitsch Tarkowski (Stalker, Iwans Kindheit). ZusĂ€tzlich lieĂ er sich von persönlichen Erlebnissen aus seiner Kindheit beeinflussen. Dickinsons Mutter war Haar Stylistin und er leistete ihr im Laden oft Gesellschaft. Dabei hörte er sehr aufmerksam den Kund:innen zu und sog deren Leben und Erlebnisse in sich auf. AuĂerdem sprach er mit Arbeiter:innenorganisationen aus East London sowie mit Menschen aus dem GefĂ€ngnisumfeld und mit Ă€hnlichen Lebenserfahrungen. Um die LebensumstĂ€nde der Betroffenen authentisch darzustellen, waren spezialisierte Berater:innen am Set beteiligt.
Eine weitere Herausforderung war fĂŒr Dickinson, dass er wĂ€hrend des Drehs noch einige Szenen umschrieb. Das bedeutete, dass sie 5 Tage probten, er die Szenen nochmal ĂŒberarbeitete und die Szenen dann gedreht wurden. Parallel wurden immer wieder Problematiken besprochen. Dies war ebenso eine neue Erfahrung fĂŒr den jungen Filmschaffenden. AuĂerdem hat er schlussendlich dann doch nur eine kleine Rolle in seinem eigenen DebĂŒtfilm ĂŒbernommen, weil er schnell merkte, dass es ihm schwer fĂ€llt, sich selbst anzuleiten. Er fragte sich, wie Filmschaffende wie Rainer Werner Fassbinder (Der amerikanische Soldat, Liebe ist kĂ€lter als der Tod), Xavier Dolan (I Killed My Mother, Matthias & Maxime) und Bradley Cooper (A Star is Born) bewerkstelligten.
Blick in die Zukunft
Harris Dickinson war extra fĂŒr den Werner Herzog Stiftung angereist. UrsprĂŒnglich sollte die Verleihung bereits am Freitag den 12. Dezember 2025 stattfinden, doch man tauschte die Termine. Dickinson kam fĂŒr diesen Abend extra von England nach Deutschland geflogen und musste im Anschluss auch zurĂŒck zum Flughafen. Aktuell finden die Dreharbeiten zu vier Beatles Filmen statt in denen er John Lennon mimt. FĂŒr diese vier Filme mussten die Darstellenden alle Instrumente lernen, die ihre Charaktere beherrschen, was ebenfalls eine herausfordernde Aufgabe fĂŒr den jungen Darsteller war. Wie sie allerdings vier Filme unter einen Hut bringen, ist ihm selbst ein RĂ€tsel und er erheiterte das Publikum damit, dass er eine Geste dazu machte, die seinen Kopf explodieren lieĂ.
Fazit zu Urchin & der Preisverleihung
Insgesamt ist Harris Dickinson ein solides RegiedebĂŒt gelungen, das sich nicht verstecken muss. Die Nominierungen und Auszeichnungen sind berechtigt, denn Urchin ist ein nuanciertes, tiefgreifendes Drama, das vor allem durch seinen Hauptdarsteller besticht. Die Kamera Ăsthetik, sowie der Einsatz der Musik machen den Film zu einem auĂergewöhnlichen Werk und die authentischen Bilder fesseln das Publikum an die Leinwand. Hier und da fehlen noch ein paar handwerkliche Kniffs, doch fĂŒr ein Erstlingswerk kann sich Urchin durchaus sehen lassen.
Die Preisverleihung wirkte sehr herzlich und auf Augenhöhe. Harris Dickinson und auch Werner Herzog machten einen sehr sympathischen Eindruck. Zu den Highlights des Abends zĂ€hlen Momente wie, als Dickinson eine Person aus dem Publikum ein Kompliment zu ihrem auĂergewöhnlichen Anzug machte. Und die Begeisterung von Werner Herzog. Das GesprĂ€ch zwischen den beiden Filmschaffenden war ein spannendes Unterfangen und die Fragen aus dem Publikum sehr detailliert. Die Grundstimmung war erheiternd und ausgelassen und allgemein war der Abend sehr rund und angenehme gewesen.
Auf den Werner Herzog Filmpreis đ kam ich zugegeben durch einen Geheimtipp eines Filmbegeisterten und werde diesen Award nun auch im Blick behalten. Ich empfehle euch, wenn ihr die Möglichkeit habt ins Filmmuseum MĂŒnchen zu schauen, den Filmpreis ebenso im Blickfeld zu haben. Hierbei entpuppen sich nicht nur groĂartige Abende mit Filmschaffenden und Film Begeisterten, sondern auch kleine Filmperlen, die man vorher vielleicht nicht auf dem Schirm hatte. Urchin ist auf jeden Fall ein Film, den ich euch gerne nahelege, wenn ihr ein Faible fĂŒr authentische Dramen habt.
Wie wĂŒrdet ihr euch in Mikes Welt fĂŒhlen?


»If you ride like lightning,
you’re gonna crash like thunder.«
– The Place Beyond the Pines –
RILEY â Chief Editor
Queerer, professioneller Filmhasser & Arthouse Geek. âšđđ
Ich blogge seit dem 14. Dezember 2014 auf passion-of-arts.de. Schon in meiner Jugend schrieb ich viele Gedichte und Kurzgeschichten. Seit mehreren Jahren widme ich mich professionell Filmrezensionen und war Guest Writer bei der Filmblogseite âWe eat Moviesâ. AuĂerdem verfasste ich einige Artikel fĂŒr das 35 MM Retro-Filmmagazin. Ich sterbe fĂŒr Musik und gehe liebend gerne ins Kino, auĂer in 3D. TV ist ĂŒberbewertet, ich gucke lieber DVD, Streaming oder Bluray.
Meine Lieblingsfilme sind unter anderem âLa La Landâ, âBarbieâ und âBlade Runner 2049â.
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Weitere Meinungen zu Urchin aus der Redaktion
„Urchin zeigt ein genauso geerdetes wie hoch emotionales alltĂ€gliches Drama.
â RICK
Harrys Dickinsons Regie Debut konnte mich dabei vor allem durch das nuancierte
Schauspiel von Frank Dillane und Megan Northman ĂŒberzeugen.„
Pressestimmen zu Urchin
Simon Eberhard von Outnow
Mit Urchin prĂ€sentiert Harris Dickinson – der Schönling aus Triangle of Sadness und Nicole-Kidman-Lover aus Babygirl – seinen ersten Film als Regisseur und ĂŒbernimmt darin auch eine Nebenrolle. Es ist ein erstaunlich reifes RegiedebĂŒt des Schauspielers, der ĂŒbrigens Jahrgang 1996 hat und damit genau gleich alt ist wie Trainspotting. Wenn das mal kein Zeichen ist. 4,5 von 6 Sterne.
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Ursula Rathensteiner von Uncut Movies
Sozial relevant, bis auf wenige LĂ€ngen spannend, machen es einem âUrchinâ und Protagonist Mike schwer, wegzuschauen. 8,5 von 10 Punkten.
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Brian Tallerico von RobertEbert.com
A conversation early in Harris Dickinsonâs excellent directorial debut âUrchinâ (winner of the FIPRESCI Prize at Cannes this year) between protagonist Mike (Frank Dillane) and a guy he meets on the street named Simon (Okezie Morro) speaks of âa gap of empathyâ in modern society. Dickinsonâs nuanced character study closes that gap, but it does so in a way thatâs never sentimental or manipulative. 3,5 von 4 Sterne.
Pressematerial: Urchin | 2025 © British Film Institute (BFI) | BBC Film | Devisio Pictures |
UK Trailer © Picturehouse

















