Der Film Für immer 16 ist seit dem 27. August 2026 im Kino und entführt in eine wunderbar eigenwillige Welt zwischen Undergroundkunst, Freundschaft, schwarzem Humor und Super-8-Ästhetik. Regisseur Brezel Göring, bekannt als eine Hälfte des Berliner Kultduos Stereo Total, erzählt von drei ehemaligen Freund:innen, die nach Jahren wieder aufeinandertreffen und dabei nicht nur alte Konflikte, sondern auch ihre gemeinsame Leidenschaft für das Filmemachen wiederentdecken.
Herausgekommen ist ein Film, der sich konventionellen Erzählmustern konsequent entzieht und stattdessen mit fragmentarischen Bildern, anarchischem Humor und der Musik von Stereo Total seinen ganz eigenen Rhythmus findet. Doch was passiert, wenn jugendliche Rebellion auf das Älterwerden trifft und ausgerechnet ein gemeinsamer Film die längst verloren geglaubte Freundschaft wiederbelebt? 🎞️💜
Ein Beitrag von: Riley Dieu Armstark
Hintergründe & Besetzung von Für immer 16
Für immer 16 (2026) ist eine anarchische Komödie von Brezel Göring, der vor allem als eine Hälfte des Berliner Kultduos Stereo Total bekannt ist. Der auf Super-8 gedrehte Film basiert auf einem unvollendeten Roman von Görings 2021 verstorbener Partnerin und langjähriger Stereo-Total-Kollegin Françoise Cactus. Passend zur Entstehungsgeschichte sind zahlreiche bekannte Songs von Stereo Total im Soundtrack zu hören.
In den Hauptrollen sind Lilith Stangenberg, Chang Wang, Mücke, Anton Garber und der Musiker Twiggy Glouglou als Rudolph zu sehen. Für die Bildgestaltung zeichnet Stephan Holl verantwortlich, das Produktionsdesign stammt von Tiffy Gogo. Produziert, im Weltvertrieb und verliehen wird der Film von Rapid Eye Movies.
Worum geht es in Für immer 16?
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Im Mittelpunkt stehen Charlotte (Lilith Stangenberg), Helena (Mücke) und Oskar (Chang Wang), die sich nach langer Zeit wiedersehen und auf Einladung von Charlotte gemeinsam in den Urlaub fahren. Während Charlotte als Schauspielerin Karriere gemacht und zu Geld gekommen ist, sind Helena und Oskar ihrer Undergroundkunst treu geblieben – allerdings unter prekären finanziellen Bedingungen. Die drei waren einst Teil der Experimentalfilmgruppe „Les enfants terribles“, zerstritten sich jedoch heillos und hatten anschließend kaum noch Kontakt. Der gemeinsame Urlaub soll die alte Verbindung wiederbeleben, doch schon bald brechen Neid, Eifersucht und alte Konflikte erneut hervor.
Die Situation wird noch komplizierter, als Rudolph (Twiggy Glouglou) zu der Gruppe stößt. Alle drei verlieben sich in ihn und beginnen nacheinander eine Affäre mit ihm. Schließlich beschließen Charlotte, Helena und Oskar, wie in alten Zeiten wieder gemeinsam einen Undergroundfilm zu drehen. Darin verkörpert Helena die männermordende Serienkillerin Demenzia, während Rudolph die von ihr getöteten Männer spielt. Als Rudolph beim letzten Dreh durch einen Unfall tatsächlich ums Leben kommt, geraten die drei in eine prekäre Lage. Sie beschließen, seine Leiche verschwinden zu lassen. Ausgerechnet durch dieses gemeinsame kriminelle Abenteuer finden sie wieder zueinander und entdecken neben ihrer alten Freundschaft auch ihre gegenseitige Zuneigung neu.
Stereo Total & Brezel Göring
Brezel Göring, geboren 1967 als Hartmut Richard Friedrich Ziegler in Kassel, studierte Kunst und Religionswissenschaften. 1992 gründete er gemeinsam mit der Sängerin und Autorin Françoise Cactus das Duo Stereo Total. Bis zu Cactus’ Tod im Jahr 2021 veröffentlichte das Paar insgesamt 17 Alben. Anschließend gründete Göring die Band Psychoanalyse. Neben seiner musikalischen Arbeit komponiert er Filmmusik und schreibt Theaterstücke. Mit Für immer 16 verfilmt er nun die Buchvorlage seiner langjährigen Partnerin und setzt damit zugleich deren eigenwillige Mischung aus Pop, Underground und schwarzem Humor filmisch fort.
Für immer 16: Zwischen Super-8 und subversiver Nostalgie
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Ich muss zugeben, dass ich Stereo Total vor diesem Film überhaupt nicht kannte und mich dementsprechend auch nie eingehender mit der Musik von Françoise Cactus und Brezel Göring beschäftigt hatte. Nach Für immer 16 habe ich das allerdings nachgeholt und ziemlich schnell festgestellt, dass Stereo Total genau mein Vibe ist. Vielleicht erklärt das auch ein Stück weit, weshalb ich mit diesem eigenwilligen Film so viel anfangen konnte.
Brezel Göring verfilmt mit Für immer 16 einen Roman seiner 2021 verstorbenen Partnerin Françoise Cactus und überträgt dabei deren Gedanken über das Älterwerden, Freundschaft, Subversion und die eigene Vergangenheit in eine ausgesprochen unkonventionelle Form. Dass der Film auf Super-8 gedreht wurde, ist dabei weit mehr als eine nostalgische Spielerei. Das grobkörnige, unscharfe und bisweilen geradezu dilettantisch wirkende Bildmaterial wird zum ästhetischen Konzept. Göring unterschreitet ganz bewusst die technischen Standards des zeitgenössischen Kinos und macht gerade daraus seine eigene Form von Widerstand gegen die Perfektion.
Ein Film wie eine Collage
Visuell erinnert mich Für immer 16 immer wieder an Věra Chytilovás Tausendschönchen – kein Märchen aus dem Jahr 1966. Die Bilder wirken wie lose Collagen, manchmal beinahe traumgleich, dann wieder roh und zufällig. Schnitte, Perspektiven und Bildkompositionen folgen nicht unbedingt den Konventionen eines klassischen Spielfilms. Alles erscheint fragmentarisch, assoziativ und ein wenig entrückt. Dadurch entwickelt der Film einen ausgesprochenen Retro-Charme, der irgendwo zwischen Experimentalfilm, Undergroundkino und Musikvideo changiert.
Auch die Dialoge sind ungewöhnlich. Häufig wirken sie weniger wie tatsächliche Gespräche zwischen den Figuren, sondern eher wie über die Handlung gelegte Sprachfragmente. Dadurch entsteht stellenweise fast der Eindruck eines Stummfilms, bei dem die Bilder ihre eigene Sprache entwickeln und die Stimmen lediglich eine zusätzliche Ebene bilden. Überhaupt scheint Für immer 16 weniger daran interessiert zu sein, eine stringente Geschichte zu erzählen, als vielmehr eine Atmosphäre und einen bestimmten Gedankenraum zu erschaffen.
Was bleibt von der Rebellion?
Und dieser Gedankenraum ist durchaus subversiv. Göring stellt die Frage, was aus einstiger jugendlicher Fundamentalopposition wird, wenn man älter wird: Was passiert mit Antimoral, Feminismus und schwarzem Humor, wenn die eigene Rebellion plötzlich Gefahr läuft, Teil des Mainstreams und damit der Verwertungskultur zu werden? Charlotte, Helena und Oskar verkörpern dabei unterschiedliche Formen des Scheiterns. Die eine hat ihre Kunst kommerzialisiert, die andere ist an ihrer Erfolglosigkeit verbittert und die dritte Person hat die Kunst schließlich resigniert aufgegeben. Ihre alte Freundschaft wird so zugleich zum nostalgischen Rückblick und zur Konfrontation mit dem eigenen Lebensentwurf.
Trotz dieser durchaus gewichtigen Themen nimmt sich Für immer 16 selbst nie besonders wichtig. Der Film bleibt verspielt, anarchisch und bisweilen herrlich absurd. Man muss sich allerdings darauf einlassen können. Wer eine tiefgreifende, stringent erzählte Handlung erwartet, dürfte hier vermutlich schnell an seine Grenzen kommen. Für immer 16 funktioniert vielmehr über seine fragmentarische Erzählweise, seine Bildsprache, seinen schwarzen Humor und die permanente Lust daran, filmische Konventionen zu unterlaufen.
Stereo Total als musikalisches Herzstück von Für Immer 16
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Eine ganz besondere Rolle spielt dabei die Musik von Stereo Total. Der gesamte Film wird von ihren Songs getragen, wodurch die Stimme von Françoise Cactus auch nach ihrem Tod permanent präsent bleibt. Neben den frechen und energiegeladenen Stücken finden sich dabei auch melancholischere Töne, die dem Film eine überraschend wehmütige Ebene verleihen. Manche Passagen fühlen sich tatsächlich eher wie ein überlanges, experimentelles Musikvideo an als wie ein konventioneller Spielfilm und genau darin liegt für mich ein großer Teil seines Reizes. Eine nostalgische Reise in meine eigene Jugend mit MTV und Viva.
Fazit zu Für immer 16
Für immer 16 ist sicherlich kein Film, der jeder Person gefallen dürfte. Dafür ist er zu sperrig, zu eigenwillig und zu wenig daran interessiert, es seinem Publikum bequem zu machen. Aber gerade diese Konsequenz hat mir gefallen. Brezel Göring schafft mit einfachsten Mitteln eine eigenständige, nostalgische und zugleich subversive Kinoästhetik, die sich bewusst gegen Hochglanz und technische Perfektion stellt. Man muss sich von diesem Film ein Stück weit treiben lassen, statt von ihm zu erwarten, dass er einen an die Hand nimmt.
Und ganz nebenbei hat mir Für immer 16 eine Band nähergebracht, die ich bisher überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Dafür allein schon mal: Danke, Françoise. 💜
Werdet ihr euch Für immer 16 im Kino ansehen?
TRAILER: © Kinofreund & Rapid Eye Movies

Über den Autor:

»If you ride like lightning,
you’re gonna crash like thunder.«
– The Place Beyond the Pines –
⁙⁙⁙
Meine Lieblingsfilme definiere ich als die, die mir ein gutes Gefühl geben, mich aufbauen, wenn ich traurig bin oder einfach Filme, die ich immer wieder ansehen kann.
Das sind unter anderem:
The Nice Guys, Begabt – Die Gleichung eines Lebens, Mr. Nobody, Barbie, The Fall Guy, Eiskalte Engel, Wolf of Wall Street, La La Land, Blade Runner 2049, Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Notting Hill, Sex and the City und Titanic.
Filmreihen:
Lethal Weapon, Zurück in die Zukunft, High School Musical, Indiana Jones, Mission Impossible und Herr der Ringe.
RILEY
Chief Editor
Queerer, professioneller Filmhasser & Arthouse Geek. ✨🌈💜
Filme konsumiere ich eigentlich schon, seit ich denken kann, immerhin waren meine Eltern selbst Film- & Serienjunkies. Als Kind der späten 80er bin ich nicht nur mit der Welt von Walt Disney aufgewachsen, sondern auch mit zahlreichen Anime-Serien, die damals im TV liefen. Mit meinem ersten Kinobesuch im Jahr 1998 formte sich auch mein eigener Filmgeschmack. Inzwischen habe ich ein Zuhause im Arthaus Kino gefunden und Disneyfilme weit hinter mir gelassen. Somit widme ich mich mehr und mehr den Werken der Filmkunst und lasse mich immer seltener einfach berieseln, sondern schaue Filme, die mich fördern.
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Vor allem Meilensteine der Filmgeschichte oder das Queer Cinema können mich begeistern. Ich finde es spannend zu entdecken, welche Filme, die Filmwelt geprägt haben und wie sie Kunst auf ganz eigene Weise formen. Im Queer Cinema fühle ich mich geborgen, denn es erzählt Geschichten, von denen ich mich verstanden fühle.
Neben meiner Leidenschaft für Filme, liebe ich auch die Musik ohne die ich nicht atmen kann. Und wenn ich nichts auf den Ohren haben möchte, tauche ich in die Welt der Bücher ein.
Filmrezensionen schreibe ich jetzt schon viele Jahre und seit 2014 auch hier professionell auf meiner eigens gegründeten Webseite Passion of Arts | Dein Fenster zur Filmkunst.
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Pressestimmen zu Für Immer 16
Bianka Piringer von film-rezensionen.de
Mit dieser subversiven und verspielten Film-im-Film-Komödie setzt der vor allem als Musiker bekannte Regisseur Brezel Göring der verstorbenen Künstlerin Françoise Cactus ein Denkmal. Ihre Stimme erklingt in den Liedern der früheren, gemeinsamen Band „Stereo Total“ und die Handlung basiert auf ihrem postum vollendeten Roman. Lilith Stangenberg spielt eine Schauspielerin, die zwei Jugendfreund*innen in den Urlaub einlädt, um die gemeinsame frühere Lust, Undergroundfilme zu drehen, wieder aufleben zu lassen. Streit und Eifersucht erschweren den chaotisch-dilettantischen Krimi-Dreh. Der punkige, im Super-8-Format gedrehte Spaß widersetzt sich den vom filmischen Mainstream geprägten Sehgewohnheiten. 6.0 von 10 Punkte.
⁘
Anna Maria Pahlke von epd film
Eine Experimentalfilmgruppe will wieder einen Film drehen. Brezel Görings Super-8-Debüt ist eine Komödie über Freundschaft, Stillstand und das Vergnügen am Dilettantismus. 5 von 5 Sterne.
⁘
Robert Wagner von Perlentaucher
Brezel Görings Low-Budget-Filmdebüt „Für immer 16“ handelt zwar von Querelen am Set eines Low-Budget-Filmdrehs, ist aber selbst offensichtlich das Werk von Gleichgesinnten, die Spaß an der Freude haben.
Pressematerial: Für Immer 16 | 2026 © Kinofreund & Rapid Eye Movies














