Die Odyssee – Filmkritik

Auf einer Holzoberfläche liegen ein Filmklappenbrett, eine Schüssel Popcorn und eine kleine Tafel mit dem Wort Film. Rechts daneben ist ein Poster zu sehen, das Matt Damon als Odysseus zeigt: Er trägt antike Rüstung mit rotem Helmbusch und hält ein Schwert. Hinter ihm brennt das trojanische Pferd, dessen hölzerne Struktur in Flammen und Rauch aufgeht. Der Titel „Die Odyssee“ ist sichtbar, dazu die Credits „© Syncopy Inc. | Universal Pictures“ und die Website „www.passion-of-arts.de“. Die Komposition verbindet klassische Mythologie mit moderner Filmästhetik.

Höret her, höret her, ihr Passioner! Lasst mich euch von der Odyssee erzählen. Von der Geschichte eines Mannes, der allen Widrigkeiten zum Trotz jede Mühe auf sich nahm, um seine Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Und ich habe sie gesehen.

Die Vision eines Regisseurs, der sich an einen der ältesten Mythen der Menschheitsgeschichte wagt. Ich habe sie gesehen – Christopher Nolans Die Odyssee.

So, wie sie gedacht war. In den magischen Hallen des Kinos, auf der gewaltigen Leinwand eines bis auf den letzten Platz gefüllten Saales.

Und so möchte ich euch nun von meiner eigenen Odyssee berichten: einer Reise durch die griechische Mythologie, durch eine von Christopher Nolan wieder zum Leben erweckte Welt der Epen und durch die zutiefst persönliche Geschichte eines Mannes auf der Suche nach Vergebung.

Doch soll diese Reise nicht beim Film selbst enden. Gemeinsam werfen wir einen Blick hinter den Mythos, tauchen ein in die Welt der Bronzezeit, folgen den historischen Spuren einer der ältesten Erzählungen der Menschheit und gehen der Frage nach, warum uns diese Geschichte auch nach beinahe dreitausend Jahren noch immer in ihren Bann zieht.

Ein Beitrag von: Martin K.

Worum geht es in Die Odyssee?

Mit Die Odyssee widmet sich Christopher Nolan einer der ältesten überlieferten Geschichten der Menschheit – einem Epos, in dem historische Überlieferungen und griechische Mythologie seit Jahrtausenden untrennbar miteinander verwoben sind.

Nach dem Ende des Trojanischen Krieges macht sich der legendäre König Odysseus (Matt Damon) auf den langen Weg zurück in seine Heimat Ithaka. Doch was als Heimreise beginnt, entwickelt sich zu einer jahrelangen Irrfahrt voller Gefahren, Prüfungen und übernatürlicher Begegnungen. Während Odysseus Göttern, sagenhaften Kreaturen und den Schrecken einer unbekannten Welt gegenübersteht, warten seine Frau Penelope (Anne Hathaway) und sein Sohn Telemachos (Tom Holland) auf Ithaka auf seine Rückkehr und müssen sich gegen jene behaupten, die den Thron des vermeintlich gefallenen Königs an sich reißen wollen.

Mit gewaltigen Bildern, monumentaler Inszenierung und einer engen Verbindung aus Mythos, Abenteuer und menschlichem Drama erzählt Die Odyssee von einer Reise, die weit über die bloße Heimkehr eines Helden hinausgeht.

Die Odyssee – Eine Geschichte, die immer wieder erzählt wird

Seit beinahe dreitausend Jahren erzählen wir uns dieselben Geschichten.

Nicht mit denselben Worten oder Bildern. Nicht einmal mit denselben Helden. Doch stets bleibt es dieselbe Reise. Was einst vermutlich als mündliche Überlieferung begann und schließlich in Homers Epen seinen literarischen Ausdruck fand, wurde über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu interpretiert. Als Theaterstück, Gemälde, Roman oder Oper – und natürlich auch als Film. Jede Epoche erschuf ihre eigene Odyssee und liest den Mythos auf ihre ganz eigene Weise.

Gerade deshalb wirkt es auf den ersten Blick fast überraschend, dass ausgerechnet Christopher Nolan, einer der prägendsten Regisseure unserer Zeit, sich nun einer Geschichte widmet, die älter ist als nahezu jede andere Erzählung, die bis heute überdauert hat.

Und gerade in einer Zeit, in der Hollywood häufig für mangelnde Originalität kritisiert wird und Neuverfilmungen als Zeichen fehlender Kreativität gesehen werden, könnte eine weitere Adaption eines fast dreitausend Jahre alten Stoffes zunächst wie der denkbar einfachste Weg erscheinen.

Doch ist genau das Gegenteil der Fall.

Diese zahllosen Adaptionen und Interpretationen von ein und derselben Geschichte zeugen nicht von mangelnder Kreativität. Vielmehr sind sie ein Zeugnis der Zeitlosigkeit ihrer Wirkung, deren universelle Erzählweise die Jahrtausende ebenso überdauerte wie die Geschichte selbst.

Und so ist auch Die Odyssee weit mehr als eine Neuverfilmung eines berühmten Mythos. Es ist ein Monumentalfilm, der nicht nur von einer vergangenen Welt erzählt, sondern sich auch selbst anfühlt, als stamme er aus einer anderen Zeit. Und genau darin liegt für mich seine größte Stärke

Die Odyssee – Ein Film wie aus einer anderen Zeit

Trojaner ziehen mit vereinten Kräften ein hölzernes Pferd an Land, während ein Reiter das Geschehen beobachtet. Die aufwendig inszenierte Szene vermittelt die gewaltigen Dimensionen der Expedition.  | Die Odyssee
Die Geschichte vom Trojanischen Pferd: eine der ältesten Überlieferungen — Die Odyssee | 2026 © Universal Pictures | Syncopy Inc.

Es mag wie Vorbestimmung wirken, dass es ausgerechnet Christopher Nolan ist, der sich einer weiteren Adaption dieses Epos annimmt.

In einer Zeit, in der die großen Epen im Kino Mangelware sind, Sandalenfilme und monumentale Werke wie Relikte der Vergangenheit wirken, mutet auch Nolans Herangehensweise an das Filme machen wie eine Rückbesinnung auf alte Zeiten an.

Nolan ist kein Mann, der den einfachen Weg sucht. Wie Odysseus sieht er ein Problem und anstatt dieses Problem mit einfachen Mitteln wie CGI zu umschiffen, sucht er die perfekte Lösung, mag diese auch noch so aufwendig sein.

Der praktische Aufwand, welcher in Nolans Filme fließt, mag auf den ersten Blick wie eitler Selbstzweck wirken. Doch liegt gerade darin, die große Faszination an seinen Werken.

Die Odyssee ist der erste Spielfilm, der komplett mit IMAX-Kameras gedreht wurde. Ein Aufwand, den bisher kein Regisseur bringen wollte. Und vielleicht benötigen ruhige Dialog-Szenen auch nicht das epische Format des IMAX-Films. Doch ist es diese analoge Herangehensweise, welche ein Gesamtbild erzeugen, das nur mit einem Wort beschrieben werden kann: epochal.

Christopher Nolan macht Filme für das Kino. Und das spürt man in jeder einzelnen Szene. Die Ausstattung, die echten Kulissen, die unzähligen Statisten, das alles sind Details, die heutzutage einfach durch CGI ersetzt werden könnten. Doch Nolan besinnt sich auf das ursprüngliche Handwerk und geht somit jene Wege, welche die Monumentalfilme der 50er Jahre prägten.

Und genau deshalb wirkt Die Odyssee wie ein Film aus einer anderen Zeit. Nicht nur wegen seiner analogen Entstehung oder seiner monumentalen Bilder, sondern weil Christopher Nolan begriffen hat, dass Form und Inhalt hier untrennbar miteinander verbunden sind. Denn der enorme Aufwand erklärt nur, wie diese Welt erschaffen wurde. Doch es bleibt die Frage, warum diese Welt auch heute noch eine solche Faszination erzeugen kann.

Wie Mythos und Wahrheit zur Legende werden – Die Geschichte von Die Odyssee

Ein einzelner Helm und verstreute Waffen ragen aus den Dünen eines verlassenen Schlachtfeldes, während eine Gestalt schweigend vorbeigeht. Das eindringliche Motiv symbolisiert die Vergänglichkeit von Ruhm und die bleibenden Spuren des Krieges.  | Die Odyssee
Wenn aus den Folgen des Krieges Schuld wird — Die Odyssee | 2026 © Universal Pictures | Syncopy Inc.
Werbeanzeige mit klassischem Gemälde zweier mythologischer Figuren vor blaugrünem Hintergrund; darüber weißer Text ‚Literarische Werke über Mythologie‘ sowie ein Thalia‑Logo mit Button.
©Design mit Rawpixel Designs erstellt

Die Odyssee ist eine Geschichte, die tief in der Welt ihrer Entstehung verwurzelt ist. Einer Welt im Umbruch. Einer Welt, geprägt vom Glauben an die Götter, von der Suche nach der eigenen Bedeutung und von der Angst vor Mächten, die größer sind als der menschliche Verstand.

Und trotz dieser tief in ihrer Zeit und Herkunft verankerten Symbolik funktioniert ihre Erzählung bis heute. Warum? Nicht, weil ihre Worte die Jahrtausende überdauerten, sondern weil sie immer wieder neu gelesen und neu interpretiert werden kann.

Genau das versteht auch Christopher Nolan. Er verbindet in seiner Interpretation zwei Ebenen miteinander: den Mythos und die Erzählung.

Der Mythos

Christopher Nolans Filme waren bislang stets von einem ausgeprägten Anspruch an Realismus geprägt. Selbst seine Batman-Filme fühlten sich wie geerdete Thriller an, die ebenso gut in unserer eigenen Welt spielen könnten. Und auch Science-Fiction erklärte er meist mit einer wissenschaftlichen Präzision, die glaubwürdig wirkte und sich wie die Realität einer fernen Zukunft anfühlte.

Für Die Odyssee wählt er jedoch einen anderen Weg. Nolan respektiert den Mythos. Er greift ihn auf, ohne ihn erklären zu wollen.

Götter bleiben Götter. Monster bleiben Monster. Es findet keine Rationalisierung statt und Fantasy darf Fantasy bleiben. Selbst jene Momente, die direkt einem Horrorfilm entsprungen sein könnten, entfalten gerade deshalb ihre Wirkung. Weil das Mythische und Unbeschreibliche erhalten bleibt.

Doch gleichzeitig steckt hinter alldem noch eine weitere Ebene. Denn durch die Art, wie die Geschichte erzählt wird, bleibt Raum für Interpretation. Für die wahre Bedeutung der Monster. Für die psychologische Reise, der sich Odysseus stellen muss. Nolan hält beide Türen bewusst offen – und genau darin liegt die große Stärke der zweiten Ebene seiner Erzählung.

Die Erzählung

Homers „Odyssee“ gilt bis heute als eine der prägendsten Erzählungen der Literaturgeschichte. Es wurde später zu einer wichtigen Inspirationsquelle für das, was wir heute als klassische Heldenreise kennen.

Doch Nolans Die Odyssee ist genau das nicht.

Sie erzählt die Reise eines Helden – aber keine Heldenreise.

Am Ende wartet nicht der Triumph, sondern die Erkenntnis. Odysseus sucht keinen Ruhm, sondern Vergebung. Vergebung für jene Schuld, die er selbst auf sich geladen hat. Und Vergebung für die Schuld, die andere in seinem Namen auf sich nahmen.

Einen großen Teil der Geschichte erleben wir durch Odysseus‘ eigene Erzählung. Dadurch entsteht zwangsläufig die Frage: Wie viel davon ist Wahrheit und wie viel Erinnerung? Wie viel ist Selbstrechtfertigung und wie viel davon Ausdruck seiner Schuld?

Die Monster können gleichzeitig real sein oder lediglich psychologische Manifestationen. Gerade diese Ambivalenz verleiht den Bildern ihre besondere Kraft. Odysseus wird dabei kein unzuverlässiger Erzähler im klassischen Sinne. Vielmehr wird er zum Spiegel menschlicher Schuld – und einer Welt, die sich unaufhaltsam im Umbruch befindet.

Der Untergang einer Welt

Eine brennende Stadt versinkt im Chaos, während griechische Krieger durch die Straßen kämpfen. Gewaltige Feuer und einstürzende Gebäude zeigen die verheerenden Folgen des Krieges.  | Die Odyssee
Trojas Untergang ist mehr als nur das Ende einer Stadt — Die Odyssee | 2026 © Universal Pictures | Syncopy Inc.
Dramatisches Gemälde mit mehreren leidenden Figuren in dunklen Rot‑ und Brauntönen; darüber weißer Werbetext ‚Literatur zum 30‑jährigen Krieg – Shop now! – Thalia‘.
©Design mit Rawpixel Designs erstellt

Um diesen Umbruch und vor allem seine Bedeutung für den Film besser zu verstehen, lohnt sich eine kleine Zeitreise. Zurück in jene Epoche, in der der Mythos um Odysseus seinen Ursprung fand.

Auch wenn die historische Einordnung nach über fast 3000 Jahren schwer fällt und die genaue Entstehung von Homers Epen in der Geschichte verloren ging, lässt sich der gesellschaftliche Rahmen recht deutlich eingrenzen. Die Epen „Ilias“ und „Odyssee“ entstanden Schätzungen zu folge etwa um das Jahr 800 vor der Zeitenwende und erzählen selbst von einer Zeit, die weiter drei- bis vierhundert Jahre zurückliegt.

Ob Homers Epen tatsächlich bewusst als Spiegel dieser Zeit entstanden oder erst rückblickend so gelesen werden können, bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Gerade Christopher Nolans Interpretation macht diese historische Lesart jedoch überraschend greifbar.

Denn die Zeit um das Jahr 1200 vor der Zeitenwende war eine sehr turbulente im Mittelmeerraum. Jene Periode, die Wissenschaftler heute als Bronzezeitkollaps betiteln, war geprägt von politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen, vom Untergang großer Zivilisationen und einer Neustrukturierung der bekannten Ordnung. Die genaue Ursache dafür bleibt vage, am wahrscheinlichsten war ein Zusammenspiel aus unterschiedlichsten Faktoren. Faktoren, die den Mittelmeerraum destabilisierten und in deren Zusammenhang auch die rätselhaften Seevölker auftreten.

Es war eine Welt im Umbruch und genau diesen stellt Homer in seinen Epen dar.

Die Odyssee und der Bronzezeitkollaps

Königreiche verschwanden, die Zeit der Helden neigte sich dem Ende zu, Ordnung wich dem Chaos. Und durch die Zerstörung Trojas, durch den Tod von Achilles und durch die nie enden wollende Reise des Odysseus findet man genau diese Elemente in der Odyssee wieder.

Die Königshäuser des Priamos und Menelaos verloren an Bedeutung, legendäre Helden wie Hektor und Achilles starben und die geordnete Welt, die Odysseus einst kannte, steht vor einer ungeahnten Bedrohung.

Genau diese Aspekte schafft der Film nun besonders hervorzuheben. Denn was wie eine einfache Abenteuerreise beginnt, bekommt schnell eine weitere Ebene. Wenn man merkt, dass Odysseus nicht einfach nur nach Hause kommt. Sondern er in eine Welt zurückkehrt, die gar nicht mehr existiert. Die Bedrohung betrifft nicht nur ihn als Person, die gesamte Struktur seiner Zeit wird angegriffen.

Auch das historische Element der Seevölker wird hier besonders gut aufgegriffen. Anfangs noch eine ungreifbare, vage Bedrohung, die lange namenlos bleibt, enthüllt sich gegen Ende ihr wahres Sein und gibt der gesamten Reise eine weitere, viel tiefere Bedeutung.

Odysseus Verlangen nach der Heimkehr schließt dabei die Klammer, die mit dem Untergang Trojas aufgemacht wurde. Die Heimkehr bedeutet nicht die Wiederherstellung der alten Ordnung. Sie bereitet den Weg für eine Neue.

Und genau hier offenbart sich eine weitere Stärke der Geschichte. Der Film erzählt eine Geschichte, die groß, episch und weltumfassend ist. Christopher Nolan erzählt den Untergang einer ganzen Welt nicht über Könige, Schlachten oder politische Umwälzungen. Er erzählt ihn über Menschen. Über Schuld, Verlust und Heimkehr. Gerade dadurch wird der Bronzezeitkollaps nicht zum historischen Hintergrund, sondern zu einer Erfahrung, die wir gemeinsam mit seinen Figuren erleben.

Christopher Nolan erzählt Homer

Eine Phalanx riesiger silberner Krieger stellt sich einem einzelnen griechischen Kämpfer entgegen. Die monumentale Szene greift die mythischen Gefahren aus Homers Epos eindrucksvoll auf.  | Die Odyssee
Ein griechischer Krieger tritt mit gezogenem Schwert aus einer dunklen Höhle ins Licht. Die dramatische Beleuchtung verstärkt die geheimnisvolle und bedrohliche Stimmung.  | Die Odyssee
Ein griechisches Langschiff mit leuchtend rotem Segel kämpft sich über das offene Meer. Das Schiff wird zum Sinnbild für Odysseus' lange und gefahrvolle Heimreise.  | Die Odyssee
Odysseus (Matt Damon) steht vor einer brennenden Stadt, während Flammen den nächtlichen Himmel erhellen. Die Silhouette des Helden betont die zerstörerischen Folgen des Krieges.  | Die Odyssee

Und was für ein Erlebnis das ist! Denn trotz der Nähe zu den Figuren, trotz der persönlichen Sichtweise auf ein Epos, bleibt der Film genau das: ein Epos. Ein Werk, das wie aus einer anderen Zeit wirkt. Und ein Film, wie ihn wohl nur Christopher Nolan heute noch inszenieren würde.

Nolans Filme waren schon immer geprägt von dem Anspruch, ihre Welten nicht nur glaubhaft zu erzählen, sondern sie tatsächlich entstehen zu lassen. Wo andere längst auf digitale Lösungen setzen würden, sucht er nach Wegen, das Greifbare zu bewahren. Nicht aus Prinzip, sondern weil sich eine Welt erst dann wirklich lebendig anfühlt, wenn sie existiert und nicht nur simuliert wird.

Die Odyssee ist der erste Spielfilm, der vollständig mit IMAX-Filmkameras gedreht wurde. Ein Aufwand, der angesichts ruhiger Dialogszenen oder kleiner Charaktermomente fast übertrieben erscheinen mag. Doch gerade daraus entsteht eine Konsequenz, die den gesamten Film prägt. Es gibt keine gewöhnlichen Szenen. Jede Einstellung besitzt dieselbe Sorgfalt, dieselbe Größe und denselben Anspruch wie die monumentalen Bilder, für die Nolan bekannt ist.

Der Aufwand ist in jeder einzelnen Szene sichtbar.

Die gewaltigen Kulissen, echte Schiffe, tausende Statisten und aufwendig gebaute Sets verleihen der Welt eine Greifbarkeit, die modernen Blockbustern häufig fehlt. Selbst dort, wo digitale Effekte unverzichtbar werden – etwa beim Zyklopen oder gewaltigen Wasserstrudeln –, bleibt CGI ein Werkzeug und kein Ersatz. Es unterstützt die Illusion, anstatt sie zu erschaffen. Genau deshalb wirken selbst die fantastischsten Momente erstaunlich greifbar.

Dabei beeindruckt nicht nur das Bild. Ludwig Göranssons monumentaler Score und das kompromisslose Sounddesign entwickeln im Kinosaal eine Wucht, die den Zuschauer förmlich in den Sitz drückt. Mitunter ist der Film sogar überwältigend laut – so laut, dass die Musik stellenweise hinter der schieren Kraft des Klangs zurücktritt. Doch gerade diese akustische Gewalt verleiht den Stürmen, den Schlachten und selbst den ruhigeren Momenten eine physische Präsenz, die auf dem heimischen Fernseher kaum dieselbe Wirkung entfalten dürfte.

Auch visuell versteht es Nolan mit seinem Stammkameramann Hoyte van Hoytema, Größe und Intimität miteinander zu verbinden. Die IMAX-Bilder sind atemberaubend, beinahe überwältigend in ihrem Maßstab. Gleichzeitig bleibt die Kamera erstaunlich häufig nah an ihren Figuren. Sie verliert sich nicht im Spektakel, sondern nutzt die monumentalen Bilder, um die persönliche Geschichte von Odysseus noch eindringlicher zu erzählen. Selbst gut platzierte Momente, die einem Horrorfilm entsprungen sein könnten, entfalten ihre Wirkung nicht durch Schockeffekte, sondern durch Atmosphäre, Ungewissheit und die Kraft des Unbekannten.

Genau darin liegt für mich Christopher Nolans größte Leistung. Er erzählt eine Geschichte aus einer vergangenen Welt mit einer Art des Filmemachens, die selbst immer seltener wird. Inhalt und Form spiegeln sich gegenseitig. Die Odyssee fühlt sich nicht nur an wie eine Reise in eine andere Zeit – der Film wurde auch erschaffen, als wäre er selbst ein Werk aus einer anderen Epoche.

Doch all die monumentalen Bilder, der enorme technische Aufwand und die beeindruckende Inszenierung wären kaum mehr als leere Hüllen, würden sie nicht von Figuren getragen werden, deren Schicksale uns berühren. Denn so gewaltig Christopher Nolan seine Welt auch inszeniert – im Mittelpunkt stehen nie die Schlachten, die Monster oder die Götter. Im Mittelpunkt stehen immer die Menschen, die diese Welt durchleben.

Zwischen Monumentalfilm und Menschlichkeit – Die Figuren in Die Odyssee

Odysseus (Matt Damon) schaut konzentriert auf eine Person vor ihm. Die Nahaufnahme zeigt den gezeichneten Helden in einem stillen Moment der Reflexion.
Penelope (Anne Hathaway) steht mit einem Bogen vor ihrem Webstuhl und blickt entschlossen nach vorn. Die Szene verbindet ihre Stärke mit dem berühmten Motiv des unvollendeten Gewebes.
Telemachos (Tom Holland) blickt auf dem Deck eines Schiffes entschlossen in die Ferne. Das düstere Licht und das offene Meer spiegeln die Gefahren seiner Reise wider.
Antinoos (Robert Pattinson) sitzt nachdenklich an einer festlich gedeckten Tafel. Sein goldverzierter Harnisch erinnert an die Pracht und den Nachhall des Trojanischen Krieges.
Eumaios (John Leguizamo) steht nachdenklich in einer von Fackeln erleuchteten Halle. Seine ruhige Präsenz verleiht der Szene Würde und Melancholie.
Odysseus (Matt Damon) führt seine Männer nach der Landung entschlossen vom Strand ins Landesinnere. Die Krieger verlassen ihre Langschiffe und betreten unbekanntes Terrain.
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So gewaltig Christopher Nolan seine Welt auch inszeniert – letztlich entscheidet sich die Wirkung des Films nicht an seinen Schlachten, seinen Monstern oder seinen monumentalen Bildern. Sie entscheidet sich an den Menschen, die diese Welt bewohnen. Denn eine untergehende Zivilisation berührt uns erst dann wirklich, wenn wir jene kennenlernen, die mit ihr unterzugehen drohen.

Die Figuren erzählen dabei nicht nur die Geschichte dieser Welt – sie werden selbst zu einem Spiegel ihres Umbruchs. Manche klammern sich an die Vergangenheit, andere verkörpern das Chaos der Gegenwart und wieder andere stehen bereits für den Beginn einer neuen Ordnung. Gerade dadurch wird der historische Wandel nicht zu einem abstrakten Ereignis, sondern zu einer zutiefst persönlichen Erfahrung.

Die Vergangenheit

Im Mittelpunkt dieser alten Welt steht Odysseus selbst. Matt Damon verkörpert ihn nicht als strahlenden Helden, sondern als einen Mann, der sichtbar an den Folgen seiner Entscheidungen zerbricht. Seine Heimkehr ist kein Triumphzug, sondern eine lange Suche nach Vergebung. Gerade diese Mischung aus Entschlossenheit, Verletzlichkeit und stiller Reue macht Damon zur Idealbesetzung und verleiht der Figur jene Menschlichkeit, die den gesamten Film trägt.

An seiner Seite steht Anne Hathaway als Penelope. Sie ist weit mehr als die wartende Ehefrau. Sie verkörpert den schmerzhaften Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ihr Herz hält an Odysseus fest, während ihre Welt sie zwingt, sich einer neuen Realität zu stellen. Hathaway spielt diesen inneren Zwiespalt mit großer Intensität, auch wenn ihre Darstellung stellenweise bewusst nahe am Theatralischen bleibt. Gerade dadurch wirkt sie wie eine Frau, die verzweifelt versucht, eine Welt festzuhalten, die ihr längst entgleitet.

Auch Jon Bernthal setzt mit vergleichsweise wenig Leinwandzeit bemerkenswerte Akzente. Seine Figur steht für die letzten aufrechten Vertreter der alten Königshäuser – für eine Ordnung, die zwar dem Untergang geweiht ist, sich diesem Schicksal aber noch ein letztes Mal entgegenstellt. Bernthal verleiht dieser Haltung eine beeindruckende Präsenz.

Die Gegenwart

Zwischen Vergangenheit und Zukunft liegt eine Welt, die bereits begonnen hat auseinanderzubrechen. Genau hier entfaltet Robert Pattinson seine vielleicht ungewöhnlichste Stärke. Seine Figur wirkt unangenehm, aufdringlich und stellenweise geradezu nervtötend – und genau deshalb funktioniert sie so gut. Pattinson verkörpert das Chaos einer Ordnung, die ihre Grenzen längst verloren hat und nur noch von Machtgier und Eigennutz zusammengehalten wird.

Den Gegenpol dazu bildet John Leguizamo. Seine Figur versucht, Stabilität und Vernunft in einer Welt zu bewahren, die beides zunehmend verliert. Gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen ihm und Pattinson macht den gesellschaftlichen Zerfall greifbar, ohne dass der Film ihn jemals erklären müsste. Besonders bei meiner zweiten Sichtung fiel mir auf, wie viel Gewicht Leguizamo seiner Rolle mit vergleichsweise wenigen Szenen verleiht.

Die Zukunft

Den Blick nach vorne richtet schließlich Telemachos. Tom Holland nutzt seine natürliche Ausstrahlung hier vielleicht besser als in jeder anderen Rolle seiner bisherigen Karriere. Wo sie andernorts gelegentlich zu jugendlich oder zu unbekümmert wirkte, wird sie hier zu einer echten Stärke. Seine Figur verkörpert keine vollendete Heldenfigur, sondern einen jungen Mann, der erst lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Gerade dadurch steht Telemachos sinnbildlich für jene neue Welt, die am Ende des Films langsam ihren Anfang nimmt.

Auch Elliot Page überzeugt mit einer angenehm zurückhaltenden Darstellung. Seine Figur drängt sich nie in den Vordergrund und trägt dennoch dazu bei, dass der Übergang zwischen alter und neuer Ordnung glaubwürdig wirkt. Gerade diese ruhige Präsenz fügt sich hervorragend in das Ensemble ein.

Jenseits der Zeit

Odysseus (Matt Damon) und Athene (Zendaya) stehen am Ufer und blicken entschlossen über die weite Küstenlandschaft. Die ruhige Szene unterstreicht die mythische Atmosphäre von „Die Odyssee“ (2026).  | Die Odyssee
Athene weist Odysseus meist den richtigen Weg — Die Odyssee | 2026 © Universal Pictures | Syncopy Inc.

Über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schwebt schließlich Athene. Zendaya erhält zwar deutlich weniger Raum, als ihre Präsenz zunächst vermuten lässt. Ihre eigentliche Bedeutung liegt jedoch ohnehin nicht in der Größe ihrer Rolle. Sie verkörpert jene Schuld, die Odysseus durch seine gesamte Reise begleitet, zugleich aber auch eine göttliche Welt, deren Zeit sich ebenso dem Ende zuneigt wie die der sterblichen Helden. Gerade dadurch wirkt ihre Figur größer als ihre eigentliche Leinwandzeit. Umso bedauerlicher ist es, dass dies weder ihre Darstellung noch ihre Präsenz immer widerspiegeln. Nicht, weil Zendaya ihrer Rolle schauspielerisch nicht gerecht werden würde, sondern weil sie neben den vielen starken Figuren des Ensembles überraschend häufig in den Hintergrund rückt. Gemessen an der zentralen Bedeutung Athenes für die Geschichte hätte ich mir hier etwas mehr Gewicht gewünscht.

Gerade dieser kleine Kritikpunkt unterstreicht im Gesamtbild die eigentliche Stärke des Ensembles. Christopher Nolan versammelt hier nicht einfach eine Reihe großer Hollywood-Namen, sondern Figuren, die unterschiedliche Ebenen derselben Geschichte verkörpern. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft begegnen sich ebenso wie Menschen und Götter. Gemeinsam erzählen sie vom Ende einer Welt und vom vorsichtigen Beginn einer neuen. Gerade dadurch wird der Untergang einer ganzen Zivilisation nicht nur zu einem historischen Ereignis, sondern zu einer zutiefst menschlichen – und zugleich mythischen – Erfahrung.

Kino als Ereignis

Nachdem wir nun gemeinsam durch Mythos, Geschichte und die vielen Ebenen von Die Odyssee gereist sind, möchte ich den Blick noch einmal verändern. Weg von der Analyse, hin zu dem Gefühl, das Christopher Nolans Filme bei mir seit Jahren auslösen.

Denn am Ende bleibt nicht nur die Frage, warum Die Odyssee als Geschichte bis heute überdauert hat. Es bleibt auch die Frage, warum ausgerechnet Christopher Nolan der Regisseur ist, der mich immer wieder dazu bringt, diese Reise mitzugehen. Warum ich monatelang auf seine Filme hinfiebere, warum ich für sie ins IMAX-Kino fahre und warum sich jeder neue Nolan für mich weniger wie ein gewöhnlicher Kinostart als vielmehr wie ein echtes Ereignis anfühlt.

Vielleicht liegt es daran, dass Kino heute oft anders funktioniert. Filme erscheinen im Wochentakt, verschwinden nach wenigen Tagen wieder aus den Gesprächen und werden immer häufiger zu Content, der zwischen Serien, Social Media und Streamingdiensten um Aufmerksamkeit konkurriert. Das Kino selbst verliert dabei manchmal seinen Charakter als besonderer Ort. Als Ort, an dem man sich bewusst Zeit nimmt, um für zwei oder drei Stunden vollständig in eine andere Welt einzutauchen.

Christopher Nolan erinnert mich immer wieder daran, warum ich das Kino lieben gelernt habe.

Natürlich trägt inzwischen auch sein Name zu dieser Erwartungshaltung bei. Nolan ist längst selbst eine Marke geworden und das Marketing seiner Filme lebt von diesem Ruf. Doch anders als so viele große Namen schafft er es für mich immer wieder, diese Erwartungen auch einzulösen. Nicht, weil jeder seiner Filme perfekt wäre, sondern weil hinter jedem einzelnen spürbar wird, mit welchem Ehrgeiz, welcher Konsequenz und welchem Respekt vor dem Medium Kino er entstanden ist. Der enorme Aufwand, über den so häufig gesprochen wird, ist für mich nie bloßer Selbstzweck. Man sieht ihn. Man hört ihn. Und vor allem: Man spürt ihn.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich seine Filme so besonders anfühlen. Sie besitzen eine Größe und eine Epik, die mich seit Jahren faszinieren. Treffen diese Qualitäten dann auch noch auf einen Stoff, der mich ohnehin begeistert – Geschichte, Mythologie und die großen Erzählungen vergangener Kulturen –, dann entsteht für mich tatsächlich ein perfektes Zusammenspiel.

Ich liebe es, ins Kino zu gehen. Mich für ein paar Stunden vollständig einem Film hinzugeben. Den Alltag draußen zu lassen, das Handy zu vergessen und in Welten einzutauchen, die mich herausfordern, berühren oder einfach nur staunen lassen. Bei Christopher Nolan gelingt mir genau das immer wieder. Ich weiß, dass ich gefordert werde. Dass ich aufmerksam bleiben muss. Dass ich mich auf seine Erzählweise einlassen muss. Und gerade deshalb kann ich mich in seinen Filmen so wunderbar verlieren. Seine Welten mögen fantastisch sein, doch sie fühlen sich stets greifbar, glaubwürdig und erstaunlich lebendig an.

Warum fasziniert mich Christopher Nolan also so sehr?

Weil er für mich zu den letzten Regisseuren gehört, deren Filme sich noch wie ein echtes Ereignis anfühlen. Das soll keineswegs bedeuten, dass andere Filmemacher keine großartigen Werke schaffen – im Gegenteil. Es entstehen jedes Jahr beeindruckende Filme, oft auch im kleinen Maßstab, mit geringeren Mitteln, mit noch größerer Kreativität. Doch gerade Werke wie Die Odyssee erinnern mich daran, welchen besonderen Zauber das Kino entfalten kann.

Wenn ein bis auf den letzten Platz gefüllter Saal nicht zur störenden Menschenmenge wird, sondern zu einer Gemeinschaft, die sich gemeinsam auf dieselbe Reise begibt. Und wenn für ein paar Stunden niemand darüber nachdenkt, ständig erreichbar sein zu müssen oder etwas zu verpassen. Wenn der Trubel des Alltags draußen bleibt und nur noch die Geschichte auf der Leinwand zählt.

Christopher Nolan macht deshalb für mich nicht einfach Filme.

Er macht Kinofilme. Und genau darin liegt heute vielleicht seine größte Stärke.

Fazit zu Die Odyssee

Odysseus (Matt Damon) kniet erschöpft auf einem dunklen Schlachtfeld, während seine Männer schweigend hinter ihm warten. Die Szene vermittelt die Last des Krieges und den Beginn seiner langen Heimreise. | Die Odyssee
Odysseus und seine Mannschaft am nächsten Punkt ihrer Reise — Die Odyssee | 2026 © Universal Pictures | Syncopy Inc.
Passion of Arts Dein Fenster zur Filmkunst. Spendabler Kaffee.

Christopher Nolan erzählt Homers Epos nicht neu. Er modernisiert es nicht, erklärt seine Mythen nicht rational und versucht auch nicht, die Geschichte an unsere Zeit anzupassen. Stattdessen vertraut er darauf, dass eine gute Erzählung ihre Kraft nicht verliert – selbst nach beinahe dreitausend Jahren.

Und genau dieses Vertrauen macht Die Odyssee für mich zu einem ganz besonderen Film. Es mag nicht Nolans bester Film sein und auch keine perfekte Erzählung. Doch je länger ich über ihn nachdenke, desto mehr wächst meine Bewunderung für das, was Christopher Nolan hier geschaffen hat.

Denn Die Odyssee ist weit mehr als ein weiterer Monumentalfilm. Sie ist ein Film über das Ende einer Welt, erzählt mit einer Art des Filmemachens, die selbst langsam zu verschwinden scheint. Genau dadurch spiegeln sich Inhalt und Form auf eine Weise, die nur wenigen Filmen gelingt.

Und vielleicht erzählen wir uns diese Geschichte deshalb noch immer.

Nicht wegen der Monster, nicht wegen der Götter, nicht wegen der Helden.

Sondern weil sie uns daran erinnert, dass auf das Ende jeder Welt auch immer der Anfang einer neuen folgen kann.

Aber wie seht ihr das? Habt ihr euch schon auf die Reise begeben und Die Odyssee im Kino angeschaut? Und falls nicht:

Werdet ihr euch Die Odyssee im Kino anschauen?


TRAILER: © Universal Pictures Germany

Eine Infotafel zum Film „Die Odyssee“ liegt auf einer Holzoberfläche, dekoriert mit weißen Federillustrationen. Rechts unten stehen eine Schüssel Popcorn und eine Filmklappe. Die Tafel zeigt Produktionsdaten wie deutscher und originaler Titel, Produktionsländer, Erscheinungsjahr, Laufzeit und Altersfreigabe. Außerdem sind Credits zu Illustration und Filmfoto angegeben. Darunter folgen Angaben zu Regie (Christopher Nolan), Drehbuch, Produktion, Musik, Kamera und Schnitt sowie die Genres. Eine lange Liste der Darstellenden, darunter Matt Damon, Mia Goth, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Zendaya und Tom Holland, ist ebenfalls aufgeführt. Am Ende steht eine Bewertung von 9,0 von 10 Punkten.

Ölgemälde von Martin Kostenzer mit Sonnenbrille, schwarzer Kappe und gelbem Hoodie, der einen Bulldoggen im Arm hält. Im Hintergrund erstrecken sich bewaldete Hügel und eine sonnige Landschaft unter blauem Himmel.

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Weitere Meinungen zu Die Odyssee aus der Redaktion:





Pressestimmen zu Die Odyssee:

Antje Wessels von wessels-filmkritik.com
Wenn Christopher Nolan den Menschen hinter dem Mythos sucht, bleibt „Die Odyssee“ bisweilen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Wo er den Mythos selbst auf die Leinwand bringt, gehört der Film dagegen zum Eindrucksvollsten, was das Blockbusterkino der vergangenen Jahre hervorgebracht hat. Allein für dieses kompromisslose Bekenntnis zum handgemachten Monumentalkino lohnt sich die Reise.

Marcus Stiglegger auf epd Film
»Die Odyssee« aber lebt trotz aller Monster und Wunder von Sehnsucht. Sie ist die Geschichte eines Mannes, der nach Hause will, und einer Frau, die nicht aufhört zu warten. Penelope ist keine Nebenfigur, sondern der moralische Mittelpunkt des Epos. Sie bleibt integer, während Odysseus selbst erfährt, dass die Bewohner des Mittelmeerraums unter dem marodierenden Seevolk leiden. Der Film legt nahe, dass Odysseus letztlich selbst einer dieser Plünderer ist. Der Film ähnelt hier der Mythendekonstruktion im kürzlich gestarteten »The Death of Robin Hood« (2026): Der Abgrund des Helden bleibt auch hier seine größte Herausforderung.

Bastian G. von Filmfutter
Mit „Die Odyssee“ wagt sich Christopher Nolan aus der sonst eher naturwissenschaftlich fundierten Komfortzone und zeigt, dass er auch fantastischen Sagen einiges abgewinnen kann. Als episodenhaftes Leinwand-Abenteuer funktioniert das ausgezeichnet, auch wenn der Oscarpreisträger seine zerebralen Qualitäten diesmal ein Stück vermissen lässt.

Pressematerial: Die Odyssee | 2026 © Universal Pictures | Syncopy Inc.

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