Top 5 Gewinner der Goldenen Palme

Das Bild zeigt Alexia aus dem Film Titane. Über ihrem Gesicht ist ein weißer Rahmen in dem Top 5 Gewinner der Goldenen Palme steht

Die Goldene Palme von Cannes gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen der internationalen Filmwelt. Ein Symbol für künstlerische Vision, ästhetische Innovation und cineastische Exzellenz. Seit ihrer Einführung 1955 ehrt sie die herausragendsten Langfilme des Jahres und setzt Maßstäbe, die weit über das Festival hinaus wirken. In unserer neuen Ausgabe präsentieren wir die Top 5 Gewinner der Goldenen Palme und werfen einen Blick auf die Filme, die das Festival prägten, die Filmgeschichte beeinflussten und in der internationalen Kinolandschaft bis heute nachhallen.

Was die Goldene Palme so besonders macht, ist ihre Fähigkeit, nicht nur Qualität zu würdigen, sondern auch Mut. Viele der ausgezeichneten Werke waren ihrer Zeit voraus, haben Debatten ausgelöst oder neue filmische Wege eröffnet. Cannes belohnt nicht das Lauteste oder das Massentauglichste, sondern das Visionäre. Filme, die etwas riskieren, die Grenzen verschieben oder Emotionen auf ungewohnte Weise verhandeln. Genau deshalb übt dieser Preis bis heute eine solche Faszination aus. Er steht für ein Kino, das sich nicht anpasst, sondern herausfordert.

Ein Beitrag von: Riley Dieu Armstark

Die Rubrik „Die 5 BESTEN am DONNERSTAG“ erklärt 🌟🎥

Diese beliebte Rubrik wurde von der Bloggerin und Illustratorin Gorana Guiboud ins Leben gerufen und wir haben die Ehre erhalten, diese weiter zu führen, nachdem sie das Bloggen aufgegeben hatte. Jeden Donnerstag gibt es hier die spannendsten Listen, Rankings und Empfehlungen aus der Welt der Filme, Serien, Bücher oder anderer kreativer Themen.

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Was genau ist denn eigentlich die Goldene Palme? 🌴🏆✨

Die Goldene Palme (Palme d’or) stellt die höchstrangige Auszeichnung der jährlich ausgerichteten Internationalen Filmfestspiele von Cannes dar und honoriert den herausragendsten Langfilm im offiziellen Wettbewerbssegment. Sie fungiert als primäre Prestigetrophäe des Festivals und übertrifft in ihrer symbolischen Relevanz selbst den Großen Preis der Jury (Grand Prix du Jury bzw. Grand Prix). Das ikonographische Motiv der Palme wurde, analog zu den Emblemen des Goldenen Löwen, der Filmfestspiele von Venedig, sowie des Goldenen Bären der Berlinale, die jeweils auf die heraldische Tradition ihrer Austragungsorte rekurrieren, dem städtischen Wappen von Cannes entlehnt.

Über die Konferierung der Auszeichnung entscheidet eine Wettbewerbsjury, die sich in der Regel aus international renommierten Filmschaffenden zusammensetzt und deren Urteil maßgeblich die kuratorische Ausrichtung des Festivals prägt. Seit 2011 wird zusätzlich eine Ehrenpalme verliehen, die als lifetime-achievement-orientierte Würdigung das Gesamtwerk einer herausragenden Persönlichkeit des filmischen Schaffens ehrt.

Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: Wie die Goldene Palme entstand 🌿✨

Ernest Borgnine als Marty steht in einer Küche und hält ein Geschirrtuch, während Betsy Blair als Clara ihm zärtlich das Gesicht berührt; beide sind in einer warmen, alltäglichen Schwarz‑Weiß‑Szene aus dem Film Marty gezeigt. | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Erstmals mit dem neuen, finalen Desgin der Goldenen Palme ausgezeichnet — Marty | 1955 ©MGM
Werbegrafik für das Buch „Der Fremde“ von Albert Camus, passend zur Filmadaption. Gezeigt wird ein nachdenklich blickender Mann in Schwarz-Weiß, der nach oben schaut. Text auf dem Bild: „Das Buch zum Film!“, „Der Fremde – Albert Camus“, „Shop Now!“ sowie das Thalia-Logo. Hinweis auf das Foto: ©Weltkino Filmverleih.

Seit 1955 existiert die Bezeichnung Goldene Palme. Davor war der Filmpreis unter dem Namen Großer Preis der Internationalen Filmfestspiele (Grand Prix du Festival International du Film oder kurz Grand Prix) bekannt. Gewinnende erhielten bis 1954 Preistrophäen, die von bekannten, zeitgenössischen Kunstschaffenden entworfen wurden. Das Organisationskomitee lud erst Ende des Jahres 1954 mehrere Juweliere ein, um einen einheitlichen Siegespreis zu kreieren der an das Palmen-Motiv angelehnt war. Ausgangspunkt dieser Neugestaltung war eine Initiative des französischen Journalisten Robert Favre Le Bret.

Robert Favre Le Bret war außerdem langjähriger délégué général der Filmfestspiele von Cannes und prägte das Festival über mehrere Jahrzehnte maßgeblich. Unter seiner kuratorischen und organisatorischen Leitung entwickelte sich Cannes zu einem der einflussreichsten internationalen Filmforen. Durchgesetzt hat sich schließlich der Entwurf der bekannten französischen Designerin Lucienne Lazon. Erstmals wurde Lazons Trophäe in der 8. Auflage des Filmfestivals im Jahr 1955 an den US-Amerikaner Delbert Mann für sein Filmdrama Marty verliehen.

Die Trophäe erfuhr im Verlauf der Festivalgeschichte zahlreiche ästhetische Rekonfigurationen, die sich jeweils am zeitgenössischen Kunstkanon orientierten. Zwischen 1964 und 1974 wurde aus juristischen Gründen erneut der Grand Prix als Hauptauszeichnung reaktiviert. Eine substanzielle Neugestaltung erlebte der Preis im Jahr 1997 anlässlich des 50‑jährigen Jubiläums der Filmfestspiele. Auf Anregung von Caroline Gruosi‑Schäufele aus dem Hause Chopard, dem offiziellen Partner des Festivals, entstand eine ikonographisch erneuerte Fassung: In präziser Filigranarbeit formte die Designerin den neunzehnblättrigen Palmwedel aus 24‑karätigem Gold und montierte ihn auf einen schlichten, von Hand zu einem rechteckigen Solitär aus Bergkristall geschliffenen Sockel. In dieser Form ist der Preis, der seit 1998 in den Schweizer Werkstätten von Chopard per Hand gefertigt wird, auch uns seit Jahren präsent.

Die Bedeutung der Goldenen Palme in der Filmwelt 🌟🌿

Marcello Mastroianni als Marcello und Anita Ekberg als Sylvia stehen in einer intimen Schwarz‑Weiß‑Nahaufnahme kurz davor, sich zu küssen. Das Bild ist aus dem Film Das süße Leben | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Wurde durch Cannes erst global sichtbar: Der Klassiker — Das süße Leben | 1960 ©Arthaus
Romantische Nahaufnahme zweier Personen, die sich fast küssen; darüber steht der Titel Sturmhöhe von Emily Brontë sowie ein Hinweis auf Thalia und die Filmvorlage.

Die Goldene Palme gilt heute als eine der prestigeträchtigsten Auszeichnungen der internationalen Filmkultur. Für viele Filmschaffende ist sie sogar die künstlerisch bedeutendste Ehrung, die ein Film erhalten kann. Während Preise wie der Oscar stark von der US‑amerikanischen Filmindustrie geprägt sind, steht die Goldene Palme für eine kuratorische, ästhetische und oft politisch bewusste Perspektive auf das Kino.

Cannes versteht sich seit seiner Gründung als Forum des Autor:innenfilms, als Ort, an dem filmische Handschriften, radikale Visionen und kulturelle Diskurse sichtbar werden. Eine Auszeichnung in Cannes bedeutet daher nicht nur Erfolg, sondern eine kanonische Weihe. Filme, die hier gewinnen, prägen häufig die internationale Filmgeschichte, beeinflussen Festivals weltweit und eröffnen ihren Regisseur:innen neue künstlerische und produktionelle Möglichkeiten.

Die Palme ist zudem ein Seismograph filmischer Strömungen. Sie markiert Wendepunkte, entdeckt neue Talente und setzt Impulse, die weit über das Festival hinausreichen. Viele heute als Klassiker verehrte Werke wie Das süße Leben (1960), Taxi Driver (1976) oder Parasite (2019) wurden durch Cannes erst global sichtbar. Darüber hinaus besitzt die Goldene Palme eine symbolische Strahlkraft, die eng mit dem Selbstverständnis des Festivals verbunden ist. Die Goldene Palme steht für cineastische Freiheit, für die Förderung unkonventioneller Stimmen und für die Idee, dass Filmkunst gesellschaftliche Debatten anstoßen kann. In einer Branche, die oft von Marktlogiken dominiert wird, fungiert die Palme als Gegenpol, als Auszeichnung, die ästhetische Innovation, kulturelle Relevanz und künstlerische Integrität in den Mittelpunkt stellt.

Kurz gesagt: Die Goldene Palme ist nicht nur ein Preis, sondern ein kulturelles Statement. Sie definiert, was Kino sein kann. Und sie erinnert daran, dass Filmkunst immer auch ein Spiegel ihrer Zeit ist.

Cannes‑Kontroversen: Regelbrüche, Debatten & außergewöhnliche Entscheidungen 🎬

Die Geschichte der Goldenen Palme ist aber nicht nur von filmischen Meisterwerken geprägt. Es gab auch Momente, in denen die Jury bewusst Regeln brach oder Entscheidungen traf, die bis heute im Diskussionskurs stehen. Im Jahr 2013 zum Beispiel entschied sich die Jury unter Steven Spielberg, das strenge Reglement zu ignorieren. Dies schreibt vor, dass ein Film neben der Goldenen Palme keine weiteren Hauptpreise erhalten darf. Der Film Blau ist eine warme Farbe beeindruckte die Jury jedoch so sehr, dass sie die Auszeichnung gemeinsam an Regisseur Abdellatif Kechiche, sowie an die beiden Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos vergab. Dieser Schritt war ein einmaliger Bruch der Festivalregeln und gilt bis heute als symbolische Würdigung einer außergewöhnlichen schauspielerischen Leistung.

Das strenge Reglement hatte der italienische Filmschaffende Nanni Moretti 2012 öffentlich kritisiert und löste dadurch eine heikle Diskussion aus. Als der Jurypräsident öffentlich erklärte, dass er dem Gewinnerfilm Liebe (2012) von Michael Haneke gern weitere Preise verliehen hätte. Darunter Darsteller:innen‑ und Drehbuchpreise. Das Reglement untersagt jedoch Mehrfachauszeichnungen für denselben Film. Morettis ungewöhnlich offene Kritik machte deutlich, wie sehr die starren Regeln manchmal im Widerspruch zur künstlerischen Bewertung stehen.

Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: 1993 – Der legendäre Doppelsieg 🏆

Im Jahr 1993 konnte sich die Jury nicht auf eine einzelne Auszeichnung einigen. Die Goldene Palme wurde daher geteilt zwischen den beiden ausgezeichneten Filmschaffenden Jane Campion für Das Piano und Chen Kaige für Lebewohl, meine Konkubine. Der Doppelsieg war ein seltenes Ereignis und markierte zugleich einen historischen Moment, denn Campion wurde damit die erste Frau, die je die Goldene Palme gewann. Beide Filme gelten heute als bedeutende Werke des Weltkinos, und der geteilte Preis zeigt, wie außergewöhnlich stark das Wettbewerbsjahr 1993 war.

Obwohl Das Piano (1993) als künstlerisch herausragend gilt und Jane Campion zur ersten Regisseurin machte, die die Goldene Palme gewann, wird der Film heute zunehmend kritisch rezipiert. Besonders aus feministischer Perspektive steht er im Verdacht, misogyne Strukturen zu reproduzieren, indem er eine Beziehung romantisiert, die auf Zwang, Machtungleichgewicht und sexueller Erpressung basiert. Die Darstellung weiblicher Sexualität wird häufig als problematisch bewertet, weil sie Gewalt und Übergriffigkeit ästhetisiert und in eine vermeintlich „leidenschaftliche“ Liebesgeschichte überführt. Diese Ambivalenz macht Das Piano zu einem Werk, das zwar filmhistorisch bedeutsam ist, zugleich aber eine differenzierte, kritische Betrachtung erfordert.

Auszeichnungen im Wandel: Zahlen, Tendenzen und die Ehrenpalme 🏆🌴🌿📈

Die Geschichte der Goldenen Palme spiegelt zugleich die Entwicklung des internationalen Kinos wider. Mit bislang 21 Auszeichnungen führen Filmschaffende aus den Vereinigten Staaten die Liste der prämierten Produktionen an, gefolgt von Frankreich, Italien und Großbritannien. Trotz der langen Festivaltradition konnten bisher lediglich vier Regisseurinnen den Hauptpreis erringen. Das ist ein Umstand, der immer wieder Debatten über Repräsentation und Diversität entfacht. Zu den Mehrfachgewinnenden zählen unter anderem Francis Ford Coppola, Michael Haneke, Emir Kusturica, Shōhei Imamura, die Brüder Dardenne sowie Ruben Östlund, deren Werke das Festival nachhaltig geprägt haben. Insgesamt zeigt sich Cannes traditionell europäisch orientiert, öffnet sich jedoch seit den 1990er‑Jahren zunehmend für globale Perspektiven und filmische Handschriften aus aller Welt.

Seit dem Jahr 2011 verleiht das Festival zusätzlich zur regulären Goldenen Palme eine Ehrenpalme (Palme d’or d’honneur), mit der Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, deren Gesamtwerk als besonders einflussreich gilt, die jedoch nie eine reguläre Palme erhielten. Dieser Preis versteht sich als lebenswerkorientierte Würdigung und folgt dem Beispiel anderer großer Festivals wie Venedig und Berlin. Zu den bisherigen Geehrten zählen unter anderem Bernardo Bertolucci, Agnès Varda, Alain Delon, Jodie Foster und Michael Douglas. Im Jahr 2024 wurde die Ehrenpalme erstmals an ein Künstlerkollektiv vergeben: das japanische Studio Ghibli. Dies unterstreicht die Offenheit des Festivals gegenüber kollektiven kreativen Prozessen.

Skandale und Kontroversen: Cannes als Bühne der Macht, Politik & Provokation

Standbild aus Gaspard Noés Love: Murphy und Electra liegen eng beieinander, warm und weich ausgeleuchtet. Die Nahaufnahme betont ihre emotionale Nähe und die sinnliche, verletzliche Atmosphäre, die den Film prägt. | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Gaspar Noés Film „Love“ löste auf Cannes Debatten über explizite Sexualdarstellungen aus — Love | 2015 ©Alamode Film
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Die Filmfestspiele von Cannes gelten als Inbegriff filmischer Eleganz, doch ihre Geschichte ist ebenso geprägt von politischen Eruptionen, moralischen Debatten und ästhetischen Grenzgängen. Kaum ein anderes Festival hat so viele Kontroversen hervorgebracht. Und kaum eines wurde so oft zum Spiegel gesellschaftlicher Konflikte. Im Jahr 1986 ereignete sich wohl der berühmteste Skandal des Festivals, während Frankreich von den Mai-Unruhen erschüttert wurde. Filmschaffende wie Jean‑Luc Godard und François Truffaut verhinderten Vorführungen, hingen sich an Vorhänge und forderten Solidarität mit den Protesten. Das Festival wurde schließlich abgebrochen. Dies war ein einmaliger Vorgang, der Cannes politisch neu definierte.

Schwierig ist auch die Beziehung zwischen Cannes und Roman Polanski. Dieses Kapitel gehört zu den umstrittensten des Festivals. Über Jahrzehnte wurde der Filmschaffende zum Event eingeladen und geehrt, trotz eines, seit 1977 bestehenden, Haftbefehls. Heftige Kritik wurde besonders laut, als er im Jahr 2013 in die Jury berufen wurde und galt als Symbol für die problematische Trennung von Werk und Person. Mit der #MeToo‑Bewegung verschärfte sich die Kritik weiter, doch Cannes hat sich nie eindeutig positioniert. Die Kontroverse steht exemplarisch für die Frage, wie Kulturinstitutionen mit Macht, Verantwortung und problematischen Biografien umgehen.

Für einen internationalen Aufschrei sorgte im Jahr 2011 auch der Filmemacher Lars von Trier bei der Pressekonferenz zu seinem Film Melancholia. Nachdem er den Satz „I sympathize with Hitler“ (ich sympathisiere mit Adolf Hitler) äußerte, wurde er von Cannes als „unerwünschte Person“ erklärt. Somit zeichnete dieses Ereignis den ersten offizielle Ausschluss eines Regisseurs in der Festivalgeschichte. Sein Film blieb jedoch trotzdem im Wettbewerb, was diese Entscheidung ziemlich ambivalent aussehen ließ. Ein weiterer Filmemacher, der Cannes immer wieder als Bühne für Provokation nutzt ist Gaspar Noé. Sein Film Irreversible (2002) führte zu Saalfluchten, Love (2015) löste Debatten über explizite Sexualdarstellungen aus, und Climax (2018) polarisierte erneut. Noé steht für die Frage, wie weit filmische Grenzüberschreitungen gehen dürfen. Und ob Cannes sie bewusst kultiviert.

✊ #MeToo und strukturelle Kritik (ab 2017)

Mit #MeToo geriet Cannes massiv unter Druck. Kritisiert wurden patriarchale Strukturen, mangelnde Diversität und der Umgang mit Machtmissbrauch. Am 12. Mai 2018 setzten 82 Frauen, darunter auch die Schauspielenden Cate Blanchett und Agnès Varda, ein starkes Zeichen, als sie gemeinsam auf dem roten Teppich protestierten. Im stillen Protest gingen sie die berühmten Stufen des Palais des Festivals hinauf. Oben angekommen stellten sich alle Frauen gemeinsam auf die Treppe. Sie wählten diesen Platz als einen symbolischen Ort, der die „Hürden“ repräsentieren sollte, die Frauen im Filmgeschäft überwinden müssen. Blanchett und Varda verlasen anschließend eine gemeinsame Erklärung, auf Englisch und Französisch, in der sie auf ungleiche Chancen, fehlende Repräsentation und strukturelle Barrieren hinwiesen.

Die Zahl 82 war bewusst gewählt: Sie stand für die 82 Filme von Regisseurinnen, die in der gesamten Festivalgeschichte bis dahin im Wettbewerb liefen, im Vergleich zu 1.645 Filmen von Regisseuren. So der damalige Bericht von Screen Daily. Unterstützung erhielten die Filmschaffenden unter anderem von Kristen Stewart, Marion Cotillard, Ava DuVernay, Salma Hayek und Léa Seydoux. Der Protest wurde von der Initiative 5050×2020 mitorganisiert, die sich für Geschlechterparität im französischen Kino einsetzt. Dieser Moment gilt als Wendepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung des Festivals.

Streaming, Stilfragen & die Grenzen des Festivals 🌐📺✨👠

Ein weiterer Konflikt entbrannte sich 2017 und 2018 zwischen Cannes und dem Streaming-Giganten Netflix. Das Festival führte eine Regel ein, nach der nur Filme mit französischem Kinostart um die Palme konkurrieren dürfen. Netflix zog sich daraufhin vollständig zurück. Der Streit markierte eine zentrale Debatte über die Zukunft des Kinos, Distribution und die Rolle von Streamingdiensten.

Auch der rote Teppich war immer wieder Schauplatz von Kontroversen: Frauen ohne hohe Schuhe wurden abgewiesen („High Heels“-Gate), es gab Bodyshaming‑Debatten und Diskussionen über Inklusion und Barrierefreiheit. Cannes wurde vorgeworfen, ein veraltetes Bild von Glamour zu verteidigen.

Die Skandale von Cannes sind kein Nebenschauplatz, sondern Teil seiner Identität. Sie zeigen, wie sehr das Festival zwischen Kunstfreiheit, politischer Verantwortung und öffentlicher Erwartung balanciert. Cannes ist nicht nur ein Ort filmischer Exzellenz, sondern ein kultureller Brennpunkt, an dem sich gesellschaftliche Konflikte verdichten: Manchmal laut, manchmal leise, aber immer sichtbar.

Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: Cannes‑Frischling mit wachsender Begeisterung

Das Bild zeigt Ryan Gosling in seiner Rolle als Driver in Nicholas Winding Refns Film Drive | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Gewann nicht die Goldene Palme, aber Nicolas Winding Refn erhielt den Preis für die beste Regie — Drive | 2011 ©24 Bilder Filmagentur
Das Bild zeigt einen Astronauten, der im All treibt. In weißen Lettern steht "Hol dir den Roman zum Film"
Foto: Buchcover von Will Staehle ©Unusual Co

Mein eigener Zugang zu Cannes ist noch relativ jung. Ich bin kein Festivalveteran, der seit den 90ern jede Palme mitverfolgt hat. Vieles habe ich erst nach und nach entdeckt. Manchmal sogar mit kleinen Irrtümern. Den Film Drive aus dem Jahr 2011 von Nicolas Winding Refn hielt ich lange für einen Palmengewinner, einfach weil das Logo so oft in meinem Arthouse‑Kosmos auftauchte. Allerdings gewann Drive nicht die Goldene Palme, sondern Nicolas Winding Refn erhielt den Preis für die beste Regie. Damit war der Film automatisch aus dem Rennen um den Hauptpreis.

Allerdings beschreibt das meinen Weg zu dem Festival auch ganz gut. Meine wachsende Liebe zum Arthouse-Kino musste mich schließlich auch zu Cannes führen. Die großen Debatten habe ich eher aus der Distanz wahrgenommen, wie beispielsweise den Eklat um Lars von Trier. Den Filmemacher halte ich ja leider für brillant und das widerstrebt mir durch und durch. Finde seine Filme sind unglaubliche Filmkunst, voller Ästhetik, kontrovers und holen das Publikum aus der Komfortzone. Aber der Typ selbst wirkt … sagen wir: herausfordernd. Und genau da rutsche ich automatisch in die alte Debatte hinein, wie weit man Kunst von Kunstschaffenden trennen kann.

Durch meine Sichtung von Gaspar Noés Irreversible erhielt ich einen weiteren Einblick hinter die Kulissen von Cannes. Ich verstehe auch jetzt erst, wie sehr das Festival die Filmwelt strukturiert und das finde ich tatsächlich sehr interessant. Vielleicht bin ich also ein Cannes‑Frischling, aber einer, der mit wachsender Begeisterung zuschaut. Und je mehr ich mich mit dem Festival beschäftige, desto klarer wird mir, dass die Goldene Palme für mich eine größere künstlerische Bedeutung hat als der Oscar.

Während Hollywood oft von Kampagnen, Geld und Lobbying geprägt ist, wirkt Cannes wie ein Ort, an dem die Kunst selbst im Fokus steht. Und ich finde das hat mehr Wert als alles andere, denn Film ist ebenso Kunst und man sollte diesen auch so betrachten. Naja okay es gibt auch Filme, die einen einfach nur unterhalten wollen, das ist auch okay, aber auch bei solchen Werken zeigt sich Kunst auf eine andere Weise. Oftmals ist es auch eine Kunst, andere zum Lachen zu bringen.

Meine Auswahl der Top 5 Gewinner der Goldenen Palme 🏆🌿

Die Auswahl meiner Top 5 Gewinner der Goldenen Palme sind tatsächlich heute ein Ranking. Ich habe einfach geschaut, welche Filme ich bewertet habe und diese dann nach Wertung sortiert. Trotzdem ist eine spannende Mischung aus Filmen entstanden, die unterschiedlicher nicht sein können. Von Identitätsfindung, über melancholische Tragik über außergewöhnliche Musicals, ist alles dabei, was irgendwie beeindrucken kann. Außerdem habe ich noch einen Kult Klassiker aus meinem Koffer geholt.

5. Titane (2021)

Das Bild zeigt Alexia mit einem Stahlkorsett um den Kopf herum nach ihrem Unfall. Das Bild ist aus dem Film Titane aus dem Jahr 2021 | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Alexia mit einem Stahlkorsett um den Kopf herum nach ihrem Unfall — Titane | 2018 ©Koch Films
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Wovon handelt der Film Titane?

Titane erzählt die Geschichte von Alexia (Agathe Rousselle), einer Frau, die nach einem schweren Autounfall in ihrer Kindheit eine Titanplatte in ihren Schädel eingesetzt bekommen hat. Dieser Unfall hat nicht nur physische Spuren hinterlassen, sondern auch ihre Beziehung zur Welt und zu den Menschen um sie herum nachhaltig verändert. Alexia arbeitet als Tänzerin auf Automessen, wo sie die Aufmerksamkeit des Publikums durch ihre körperlichen Darbietungen und ihre Verbindung zu Autos auf sich zieht. Ihre Vorliebe für Metall und Maschinen entwickelt sich zu einer bizarren sexuellen Anziehung, die in einer Reihe von gewalttätigen und verstörenden Ereignissen gipfelt.

Nach einer Serie brutaler Morde, die sie begeht, befindet sich Alexia auf der Flucht vor der Polizei. Sie nimmt eine neue Identität an und gibt sich als Adrien aus, einen Jungen, der vor zehn Jahren verschwunden ist.

Titane | 2021 © Koch Films | tiff

Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: Julia Ducournaus Titane: Ein Film über Wandel und Zugehörigkeit

Der Film Titane von der französischen Regisseurin Julia Ducournau ist ein ganz besonderes Werk, auf das ich auf einem kleinen Filmserver in Discord gestoßen war. Vorher hatte ich weder die Regisseurin, noch den Film so richtig im Blickfeld. Die Aufmachung des Films sprach mich sofort an und die Handlung klang für mich auch interessant. Also riskierte ich mal einen Blick, mit der Skepsis, dass mir die Prämisse vielleicht doch nicht sehr zusagen würde. Aber Titane hat mich durch und durch abgeholt. Wenn man sich von gewissen Szenen, die eher unrealistisch sind, nicht abschrecken lässt und den Film als eine Art futuristische Fantasiegeschichte wahrnimmt, kann Titane durchaus begeistern.

Julia Ducournau spielt allgemein in ihren Filmen mit Metaphern und fügt ihren Werken immer einen gewissen Tiefgang hinzu. So ist auch Raw aus dem Jahr 2016 eine Charakterstudie, die mit einem Tabu Thema bricht. Titane arbeitet viel mit Körperlichkeit, aber nutzt dies nicht nur als Schockelement. Es ist mehr eine Metapher über Identität, Transformation und Zugehörigkeit. Da Titane nach dem Unfall mit einer Metallplatte im Kopf leben muss, ist sie unsicher, ob sie noch ein Mensch oder sogar eine Maschine ist.


»Es ist mir egal, wer du bist. Du bist mein Sohn.
Du wirst immer mein Sohn sein.
Wer auch immer du bist. Ist das klar.«

– Vincent (Titane, 2021)

Ducournau interessiert sich für Grenzerfahrungen, Tabus und die Frage, wie Menschen sich verändern, wenn sie aus ihren gewohnten Bahnen geworfen werden. Titane entpuppt sich unter seiner rauen Schale quasi als eine zarte Geschichte über Nähe, Annahme und die Sehnsucht nach Verbindung. Es wirkt am Ende überraschend, wie viel Wärme der Film unter dem kalten Stahl beherbergt.

Der Film Titane zeichnet einen Meilenstein in der Geschichte von Cannes, denn Julia Ducournau wurde erst die zweite Frau überhaupt, die die Goldene Palme gewann.

4. Paris, Texas (1984)

Das Bild zeigt Nastassja Kinski im Film "Paris, Texas" von Wim Wenders | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Nastassja Kinski im rosafarbenen Pullover: Ein Hauch von Pastell — Paris, Texas | 1984 © Arthaus

Davon handelt der Film Paris, Texas

Paris, Texas ist ein deutsch-französisches Roadmovie aus dem Jahr 1984 unter der Regie von Wim Wenders, das in englischer Sprache gedreht wurde. Das Drehbuch stammt von L. M. Kit Carson nach einer Vorlage des Bühnenautors Sam Shepard.

Der Film erzählt die Geschichte von Travis (Harry Dean Stanton), der nach Jahren der Abwesenheit in einer weiten, einsamen texanischen Landschaft wieder auftaucht und sich auf eine Reise begibt, um sich mit seiner Familie und seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. Auf diesem Roadtrip trifft er auf seinen Bruder Walt (Dean Stockwell) sowie auf seinen Sohn Hunter (Hunter Carson) und es entsteht eine fragile Dynamik zwischen ihnen, die von vorsichtigem Annähern und stillen Momenten geprägt ist. Gleichzeitig beginnt Travis, nach einer Frau aus seiner Vergangenheit, Jane (Nastassja Kinski), zu suchen, deren Gegenwart und Vergangenheit langsam enthüllt werden. 

Paris, Texas | 1984 © Arthaus

Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: Paris, Texas: Ein Film über Sehnsucht und stille Nähe

Paris, Texas von Wim Wenders ist auch eine Entdeckung, die ich erst spät gemacht habe. Tatsächlich hat mich das Bild von Nastassja Kinski im rosafarbenen Pullover total hypnotisiert und sofort angesprochen. Und das ist es, was Paris, Texas auch schafft, der Film funktioniert weniger über seine Handlung, sondern holt das Publikum mit seiner Stimmung und den Bildern ab, die eine emotionale Resonanz erzeugen. Allein schon die Eröffnungsszene, ein einsamer Mann in der Wüste, begleitet von Ry Cooders Slide‑Gitarre, setzt bereits den Ton. Ein Gefühl von Verlorenheit, Suche und wortloser Sehnsucht.


»Ich konnte nicht, Travis. Ich hatte nicht das,
von dem ich wusste, dass er es brauchte. Ich wollte ihn nicht benutzen, um meine Leere zu füllen.«

– Jane (Paris, Texas, 1984)

Wim Wenders arbeitet stark mit Kontrasten, Pastell- und Erdtönen. Die Kamera bietet weite Landschaften und ruhigen Einstellungen. Die visuelle Sprache von Paris, Texas trägt die Geschichte fast genauso wie die Dialoge. Vieles bleibt unausgesprochen, aber für das Publikum immerzu spürbar. Der Film zeigt, wie Nähe und Distanz gleichzeitig existieren können, wie Menschen sich sehen wollen und wie schwer es ist, sich wirklich zu zeigen.

Für Menschen, die sich ruhiger Ästhetik hingeben können und wollen, sich irgendwie verloren fühlen und Anschluss und nach Antworten suchen, ist Paris, Texas genau der richtige Film.

3. Pulp Fiction (1994)

John Travolta als Vincent Vega und Samuel L. Jackson als Jules Winnfield stehen nebeneinander im Anzug in einem Zimmer und richten ihre Pistolen nach vorn, eingefangen in der typischen dramatischen Pose aus Pulp Fiction. | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
John Travolta als Vincent Vega und Samuel L. Jackson als Jules Winnfield in — Pulp Fiction | 1994 ©Miramax

Welche Geschichte erzählt der Film Pulp Fiction?

In Pulp Fiction dreht sich alles um die verwobenen Geschichten verschiedener Charaktere in Los Angeles. Der Film, unter der Regie von Quentin Tarantino im Jahr 1994 veröffentlicht, präsentiert eine nicht-lineare Erzählstruktur, die die Handlungsstränge von Gangstern, Boxern, Drogendealern und einem Gangsterpärchen miteinander verwebt.

Die Episoden sind nicht chronologisch angeordnet, sondern springen in der Zeit, wodurch sich die Beziehungen zwischen den Figuren erst nach und nach erschließen. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege. Manchmal zufällig, manchmal schicksalhaft. Im Zentrum stehen Themen wie Moral, Loyalität, Gewalt und Zufall, die Tarantino mit schwarzem Humor, ikonischen Dialogen und stilisierten Momenten verbindet. Durch diese Mischung wurde Pulp Fiction zu einem der einflussreichsten Filme der 1990er‑Jahre und prägte das moderne Independent‑Kino nachhaltig.

Pulp Fiction | 1994 ©Universal Pictures Home Entertainment | Rotten Tomatoes Trailers

Werbebild zur Predator-Reihe mit einem Predator, der eine Frau in actionreicher Pose hält; dunkler, chaotischer Hintergrund verstärkt die Spannung. Deutscher Werbetext: „Bereit für die Jagd? Entdecke jetzt die Predator-Highlights bei Thalia“ mit „Shop Now“-Button.

Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: Dialogkunst, Kultstatus und Cannes: Die Bedeutung von Pulp Fiction

Als ich bei meiner Recherche las, dass Pulp Fiction die goldene Palme gewonnen hatte, war ich sehr überrascht. Warum? Nicht weil der Film schlecht ist, wobei bei mir erst die zweite Sichtung des Filmes richtig zündete, sondern, weil ich den Film in diesem Festival gar nicht erwartet hatte. Ich hielt Pulp Fiction immer für zu sehr Mainstream und tatsächlich ist er das auch gar nicht. Nur weil ein Film viele kennen und lieben, heißt das nicht, dass er auch ein Mainstream Film ist. Und wie ich bereits erwähnte, ist jeder Film irgendwie Filmkunst, selbst wenn es eine witzige Buddy-Komödie ist.


»Ich hab Marvin ins Gesicht geschossen …«

– Vincent (Pulp Fiction, 1994)

Tatsächlich ist Pulp Fiction auch etwas besonderes. Der gigantische Cast rundet das Gesamtbild natürlich ab, aber allein schon die Dialoge sind von großer Kunst. Dass Quentin Tarantinos Filme sehr dialoglastig sind, ist jeder Person bekannt, die sich mit dem Medium auseinander setzt. Allerdings muss ich auch sagen, ist er ein richtiger Dialogkünstler. In Pulp Fiction sind diese in jeder Szene on Point und nicht nur das. Tarantino setzt auch eine gewisse Situationskomik ein, die das Publikum exakt dort abholt, wo es gerade steht. Der Humor hat etwas von Slapstick, aber gleichzeitig eine trockene Schärfe. Exakt mein Fall.

Der Film ist aber nicht nur Gewinner der goldenen Palme sondern hat das Kino der 90er maßgeblich geprägt und sich als Kultfilm etabliert. Zurecht! Darauf einen Big Kahuna Burger. 🍔

2. Die Regenschirme von Cherbourg (1964)

Catherine Deneuve als Geneviève in Die Regenschirme von Cherbourg steht in einem pastellfarbenen Raum mit aufgehängten Regenschirmen, trägt ein hellblaues Kleid mit Schleife und hält eine Glastür geöffnet, während sie zur Seite blickt. | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Meilenstein der Filmgesichte und ein bedeutsamer Beitrag in Cannes — Die Regenschirme von Cherbourg | 1964 ©Arthaus
Das Bild zeigt ein Paar unter einem Regenschirm, das sich innig zueinander wendet. Dazu steht rechts "romantische Filme & Serien" und links "shop now" mit dem Thalia Logo

Worum geht es in Die Regenschirme von Cherbourg?

Der französische Film Die Regenschirme von Cherbourg (Les Parapluies de Cherbourg) von Jacques Demy ist ein einzigartiges Musical-Drama, das vollständig gesungen ist. Die Geschichte spielt in der nordfranzösischen Hafenstadt Cherbourg und dreht sich um die junge Geneviève Emery (gespielt von Catherine Deneuve), die mit ihrer Mutter ein kleines Geschäft für Regenschirme betreibt. Sie ist verliebt in den charmanten Automechaniker Guy (Nino Castelnuovo), doch äußere Umstände stellen ihre Beziehung auf eine harte Probe.

Die melancholische Liebesgeschichte wird in drei Akten erzählt und zeichnet sich durch ihre lebhafte Farbgestaltung, die ikonische Musik von Michel Legrand und die poetische Inszenierung aus. Der Film ist ein Klassiker des französischen Kinos und wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 1964 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

Die Regenschirme von Cherbourg | 1964 © Parc Film | Madeleine Films | Beta Film | StudiocanalUK

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Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: Ein Film wie ein Pastelltraum: Die Regenschirme von Cherbourg

Jacques Demys Die Regenschirme von Cherbourg hat mich vor allem mit seiner Ästhetik sofort abgeholt. Der Film ist tatsächlich komplett in Pastelltönen gehalten und ich liebe Pastellfarben sehr. Rosa, Blau, Gelb, Mint, alles ist weich, leuchtend und zugleich melancholisch. Diese Farbwelt trägt die tragische Liebesgeschichte fast wie ein eigenes Gefühl mit und genau das liebe ich an dem Film.

Spannend finde ich auch, dass der Film vollständig gesungen ist. Keine gesprochenen Dialoge, sondern ein durchkomponiertes Musical, das trotzdem nie kitschig wirkt. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, denn die Musik verstärkt die Sehnsucht, die Unausweichlichkeit und die Traurigkeit der Figuren. Für mich macht gerade diese Kombination aus Pastellästhetik, musikalischer Form und emotionaler Klarheit den Film so besonders. Mit Die Regenschirme von Cherbourg setzte sich Jacques Demy gegen starke Konkurrenz um die goldene Palme in Cannes, durch. Ein starkes Statement, da Musicals nicht unbedingt Festival-Tauglich sind.


»Nein, du bist nicht hässlich. Du bist nicht die Schönste von allen, aber du bist weder hässlich noch dumm. Du hast noch jede Menge Zeit. Du glaubst, du wärst verliebt, aber Liebe ist etwas anderes. Man verliebt sich nicht einfach in ein Gesicht auf der Straße.«

– Madame Emery (Die Regenschirme von Cherbourg, 1964)

Die Jury lobte vor allem die formale Innovation des Films. Die Regenschirme von Cherbourg ist eine Mischung aus Leichtigkeit und tragischer Tiefe und besitzt teilweise eine klare, fast opernhafte Struktur. Der Gewinn des Awards machte Schauspielerin Catherine Deneuve international bekannt. Sie war vorher in Frankreich ein bekannter Name, aber Die Regenschirme von Cherbourg katapultierte sie in die Weltkinogeschichte. Der Film gilt bis heute als einer der poetischsten Palmengewinner überhaupt. Viele Kritiker:innen sehen ihn als Beispiel dafür, dass Cannes auch mutige, stilistisch radikale Filme auszeichnet.

1. Dancer in the Dark (2000)

Auf dem Bild tanzt und lächelt Selma Jezkova (gespielt von Björk) im Film "Dancer in the Dark" | Top 5 Gewinner der Goldenen Palme
Herzenskino mit Sängerin Björk in der Hauptrolle — Dancer in the Dark | 2000 ©Constantin Film
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Wovon handelt der Film Dancer in the Dark?

Dancer in the Dark ist ein dänisch-schwedisches Filmdrama von Regisseur Lars von Trier aus dem Jahr 2000. Der Film erzählt die herzzerreißende Geschichte von Selma Jezkova, gespielt von der isländischen Sängerin und Schauspielerin Björk.

Selma leidet an einer erblichen Augenkrankheit, die sie blind macht. Sie arbeitet in einer Fabrik, um Geld für eine Augenoperation für ihren Sohn Gene zu sparen, da dieser ebenfalls von der Krankheit betroffen ist. Selma liebt Musik und verliert sich oft in Tagträumen von Musicals. In ihrer Fantasiewelt sieht sie sich als Hauptdarstellerin in einem eigenen Musikfilm.

Dancer in the Dark | 2000 ©Constantin Film | GermanTrailerPark

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Top 5 Gewinner der Goldenen Palme: Ein Meisterwerk, das weh tut: Dancer in the Dark

Und hier taucht er leider auch auf, der umstrittene Regisseur Lars von Trier. Aber der Film muss in meine Top 5 und auch unbedingt auf Platz 1. Dancer in the Dark wurde mir schon mehrmals und sehr früh auch empfohlen. Den Film hab ich aber nie so richtig ran gekriegt. Als Arte dann einmal mehrere Filme von Lars von Trier in einer Kollektion präsentierte und die in Mediathek stellte, musste ich zugreifen. Dancer in the Dark hat mich sehr bewegt und von Anfang bis Ende mitgenommen. Björk spielt eingängig und fantastisch. Die Geschichte könnte tragischer nicht sein und somit sind hier Taschentücher als Beilage zu Empfehlen. Der Film lässt mich bis heute nicht los. Außergewöhnlich erzählt mit viel Herz und Liebe. Zurecht hat der Film die goldene Palme gewonnen, denn eins kann man sagen. Auch wenn Lars von Trier ein umstrittener Mensch ist, der Aussagen tätigt, die an seinem Geistesverstand zweifeln lassen. So schafft er es dennoch, das Arthauskino mit seinen Filmen zu bereichern.


»Sie sagen, es sei das letzte Lied.
Aber sie kennen uns nicht, verstehst du.
Es ist nur das letzte Lied, wenn wir es zulassen.«

– Dancer in the Dark (2000)

Weitere Top 5 Gewinner der Goldenen Palme aus der Redaktion

  • Triangle of Sadness (2022)
  • Parasite (2019)
  • Das Piano (1993)
  • Taxi Driver (1976)
  • Der Pianist (2002)
  • Die Blechtrommel (1979)
  • Lohn der Angst (1953)
  • Anora (2024)
  • Apocalypse Now (1979)
  • Der dritte Mann (1949)
  • Anatomie eines Falls (2023)
  • Der Dialog (1974)
  • Der Leopard (1963)
  • Die Kraniche ziehen (1957)
  • The Square (2017)
  • Blau ist eine warme Farbe (2013)
  • Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte (2009)
  • Dumbo (1941)

Fazit zu Top 5 Gewinner der Goldenen Palme

Je länger ich mich mit Cannes beschäftige, desto mehr merke ich, wie sehr mich dieses Festival verändert hat. Nicht im großen, dramatischen Sinne, sondern in diesen kleinen Momenten, in denen ein Film plötzlich etwas in mir anstößt. Ein Gefühl, ein Gedanke, eine Erinnerung. Die Goldene Palme steht für genau diese Art von Kino. Filme, die nicht nur geschaut, sondern erlebt werden. Filme, die bleiben, auch wenn der Abspann längst vorbei ist.

Meine Top 5 sind also dennoch weniger ein Ranking als eine kleine Spurensuche durch das, was mich an Filmkunst berührt. Manche dieser Werke haben mich herausgefordert, andere getröstet, manche haben mich komplett aus der Bahn geworfen. Aber alle haben mir gezeigt, wie vielfältig Kino sein kann. Laut oder leise, zärtlich oder brutal, bunt oder monochrom, verspielt oder schmerzhaft ehrlich.

Vielleicht bin ich noch ein Cannes‑Frischling, aber einer, der mit offenem Herzen zuschaut. Und je mehr ich entdecke, desto klarer wird mir: Die Goldene Palme ist nicht nur ein Preis. Sie ist ein Versprechen. Ein Versprechen, dass Filmkunst mutig sein darf. Dass sie unbequem sein darf. Dass sie uns etwas zumutet und uns gleichzeitig etwas schenkt. Und genau deshalb finde ich diese fünf Filme so fantastisch. Sie haben mich begleitet, überrascht, irritiert, verzaubert. Sie haben mir gezeigt, warum ich Kino brauche und liebe.

Das waren meine Top 5 Gewinner der Goldenen Palme. Jetzt seid ihr dran!

Welche sind eure Top 5 Gewinner der Goldenen Palme?


Ein stilvoll gekleideter Mann im Stil der 1940er Jahre trägt einen dunklen Fedora-Hut und einen dreiteiligen Anzug mit Krawatte. Sein Gesichtsausdruck ist ernst und geheimnisvoll, mit einem Schatten, der teilweise über seine Augen fällt. Die Farbgebung des Bildes ist in einem warmen Sepia-Ton gehalten, was den Eindruck eines klassischen Film-Noir-Porträts verstärkt.

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Hinweis: Einige historische und faktische Angaben wurden anhand öffentlich zugänglicher Quellen wie Wikipedia recherchiert (Lizenz: CC BY‑SA). Die Auswertung und Formulierungen sind eigenständig.

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Ein Kommentar

  1. Ich muss sagen, ich sehe schon einiges kritisch an den Filmfestspielen Cannes. Einige Punkte hast du genannt. Aber es gab tatsächlich in den Jahrzehnten auch Gewinner der Goldene Palme die mir gefallen und auch berechtigt so eine Auszeichnung verdienten. Von deine Liste kenne ich nur „Die Regenschirme von Cherbourg“ nicht. Haben trotzdem keine Übereinstimmung.

    MASH (Robert Altman, 1970): Ein Beleg wie politisch das Festival sein kann. Es geht um ein mobiles Feldlazarett während des Koreakriegs. Aber eindeutig war damals der Krieg in Vietnam gemeint. Der Film macht viel Spaß und ist sehr unterhaltsam. Aber gleichzeitig eine bitterböse und harte Satire. In dieser Kombination, auch wie der Film bis heute missverstanden wird, gibt es nur noch einen Film, „Starship Troopers“.

    Taxi Driver (Martin Scorsese, 1976): Ich finde es erschreckend, dass der Film heute eigentlich aktueller ist als damals. Die Figur des Travis Bickle ( genial gespielt von Robert De Niro), wird heute gerne mal verklärt. Aber gerade heute kann man ihn und sein Handeln als Odyssee eines Wutbürgers begreifen. Ein Film von zeitloser Relevanz.

    Kagemusha (Akira Kurosawa, 1980): Es gibt sicherlich Filme von Kurosawa die eine Auszeichnung mehr verdient hätten, wie Rushomon oder DIe sieben Samurai. Aber das ist auch wieder von der Erzählung, bei der er sich wieder teilweise bei Shakespeare bediente, und der Inszenierung ein Meisterwerk. Es geht wieder tief in die japanische Geschichte, der Wechsel von der Sengoku zur Edo-Zeit die durchaus blutig war. Ein grandioser Soundtrack und Samurais werden hier auch mal als Krieger dargestellt mit viel Humor.

    Underground (Emir Kusturica, 1995): Eine Polit-Groteske aus dem ehemaligen Jugoslawien und der damalige Bürgerkrieg war auch gemeint. Unter dem kommunistischen Diktator Tito lässt ein Kapitalist ehemalige Kameraden im glauben Jugoslawien sei noch von den Nazis besetzt, nach 20 Jahren. Bis welche langsam skeptisch werden und dann wird es noch schräger. Der Film lässt einen immer schwanken lautem Lachen und Unfassbarkeit.

    Das weiße Band (Michael Haneke, 2009): Es geht um sehr böse Streiche von Kindern am Vorabend des ersten Weltkriegs. Das mal ganz kurz zum Inhalt. Aber auch wenn der Film um 1913 spielt, gibt es kaum einen Film der das Wesen und die Ursachen des Nationalismus jemals besser beleuchtete. Ein Film den jeder mal schauen sollte der gerne so Sätze sagt wie: „Das hat uns früher auch nicht geschadet.“

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