November
Veröffentlichungsjahr: 2017 | Genres: Drama, Fantasy, Märchen, Horror, Liebesfilm, Literaturverfilmung, Romanze, Independent-Film, Avantgarde, Episodenfilm, Folklore, Tragödie, Arthouse, Experimentalfilm, Gothic Horror, Dark Fantasy
Originaltitel: November
Schauspieler: Rea Lest, Jörgen Liik, Arvo Kukumägi, Heino Kalm, Meelis Rämmeld, Katariina Unt, Taavi Eelmaa, Dieter Laser, Jette Loona Hermanis, Jaan Tooming, Klara Eighorn, Ene Pappel, Enn Lillemets, Sepa Tom, Tiina Keeman, Heino Paljak, Ilmar Meos, Aare Lutsar, Mari Abel, Aire Koop, Jonathan Peterson, Linda Porkanen, Maria Aua, Mart Laoväli, Jaak Juhkam, Aksella Liimets, Ado Tikerpäe, Joshua Albano, Sally Mometti, Karin Moog, Linnar Priimägi, Margus Prangel, Ester Kuntu
November ist ein estnisch-niederländisch-polnischer Fantasy-Horrorfilm aus dem Jahr 2017 von Rainer Sarnet, der auch das Drehbuch verfasste. Der in eindrucksvollem Schwarzweiß gedrehte Film basiert auf dem Roman Der Scheunenvogel (Rehepapp) des estnischen Schriftstellers Andrus Kivirähk, dessen außergewöhnliche Vorlage lange als unverfilmbar galt. Sarnet erschafft daraus eine eigentümliche, düstere Welt, in der estnische Folklore, schwarzer Humor, Fantasy, Horror und eine tragische Liebesgeschichte miteinander verschmelzen.
Die Hauptrollen spielen Rea Lest, Jörgen Liik, Arvo Kukumägi, Katariina Unt, Taavi Eelmaa und Dieter Laser. Die Filmmusik stammt von Michal Jacaszek, die Kamera führte Mart Taniel, für den Schnitt war Jarosław Kamiński verantwortlich und produziert wurde der Film von Katrin Kissa.
Die Geschichte führt in ein verschneites estnisches Dorf des 19. Jahrhunderts, in dem der November nicht nur eisige Kälte, sondern auch Krankheit, Hunger und eine unheimliche Welt voller Geister, Hexen und Werwölfe mit sich bringt. Zwischen Aberglauben und bitterer Realität kämpfen die Menschen ums Überleben und schrecken dabei weder vor Lügen noch vor Betrug oder Diebstahl zurück. Eine besondere Rolle spielen die sogenannten Kratts – bizarre Wesen, die aus alten Werkzeugen und Gegenständen zusammengesetzt werden und ihren Besitzenden die Arbeit abnehmen. Doch um einen Kratt zum Leben zu erwecken, muss ein Mensch seine Seele dem Teufel verschreiben. Hat das Wesen seine Aufgabe erfüllt oder wird es nicht mehr gebraucht, kann sich sein vermeintlicher Helfender schnell als tödliche Bedrohung erweisen.
Inmitten dieser grotesken und zugleich faszinierenden Welt steht die junge Liina (Rea Lest), die verzweifelt um die Liebe von Hans (Jörgen Liik) kämpft. Hans wiederum hat sein Herz an die Tochter des Barons verloren. Beide versuchen, ihre unerfüllten Wünsche mithilfe dunkler Magie wahr werden zu lassen, doch ihre Sehnsüchte führen sie immer tiefer in eine Welt, in der Liebe, Tod und Aberglaube untrennbar miteinander verbunden sind. Die Handlung wird dabei weniger geradlinig erzählt, sondern entfaltet sich in einer episodenhaften Folge aus Begegnungen, Zeitsprüngen und märchenhaft-grotesken Nebenhandlungen.
Die ungewöhnliche Vorlage Der Scheunenvogt (Rehepapp) von Andrus Kivirähk galt lange als unverfilmbar. Regisseur Rainer Sarnet beschäftigte sich bereits seit 2005 mit einer möglichen Adaption, scheiterte jedoch über Jahre hinweg immer wieder am Drehbuch und an der Frage, wie sich die eigenwillige Welt des Romans visuell umsetzen ließe. Erst die Fotografien des estnischen Fotopioniers Johannes Pääsuke gaben ihm schließlich die entscheidende Inspiration für den Look des Films. Gedreht wurde November an insgesamt 60 Drehtagen zwischen 2014 und 2016. Dabei setzte Sarnet fünf verschiedene Kameras und sogar ein Mobiltelefon ein. Um die eigentümliche, winterliche Atmosphäre zu erzeugen, wurden Teile des Films im Sommer mit Infrarotfilm gedreht.
Für die visuelle Gestaltung ließ sich Sarnet von sehr unterschiedlichen Einflüssen inspirieren. Neben Jim Jarmuschs Dead Man und A Chinese Ghost Story finden sich Anleihen an den expressionistischen Stummfilm, etwa Das Cabinet des Dr. Caligari und Die Nibelungen, ebenso wie Einflüsse von Ingmar Bergman und Akira Kurosawa. Aus diesen verschiedenen Vorbildern entstand eine ganz eigene Bildsprache, die November zu einem außergewöhnlichen Erlebnis macht: Das körnige Schwarzweiß, die verschneiten Landschaften und die grotesken Figuren lassen die Welt des Films zugleich märchenhaft, archaisch und unheimlich erscheinen.
Entsprechend wurde November auf zahlreichen Filmfestivals gezeigt und mit mehreren Festivalpreisen ausgezeichnet. Auch die Kritiken fielen überwiegend positiv aus. Besonders der surreal-poetische Look des Films stieß auf große Anerkennung. Rudolf Worschech von epd film beschrieb November als einen Film, der ein eigenes Universum erschaffe und sich mit seiner visuellen Poesie von der Realität löse, während er zugleich Motive der Schwarzen Romantik und archaischer Mythen miteinander verbinde. Auch der Filmdienst hob weniger die bewusst schlicht gehaltene Handlung als vielmehr die ungewöhnliche und skurrile Sagenwelt hervor. Gerade die Verbindung aus morbider Atmosphäre, archaischen Mythen und einer beinahe traumartigen Bildsprache macht den Film für viele seiner Betrachter zu etwas Besonderem. In Deutschland kam November am 29. November 2018 durch Donau Film in die Kinos. Die Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray folgte am 22. Februar 2019.
Pressematerial © Donau-Film
Trailer © Estonian Film Institute
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Rainer Sarnet
Drehbuch: Andrus Kivirähk, Rainer Sarnet
Produzent: Katrin Kissa, Łukasz Dzięcioł, Ellen Havenith
Musik: Michal Jacaszek
Kamera: Mart Taniel
Schnitt: Jarosław Kamiński