Bugonia – Filmkritik

Das Bild ist das Titelbild zur "Bugonia" Filmkritik

Mit „Bugonia“ präsentiert der Grieche Yorgos Lanthimos erneut einen schrägen Einblick in seine Sicht auf die Welt. Vom Publikum und Kritikern erneut gefeiert, dürfen die Erwartungen bei Fans natürlich hoch sein. Zumal erneut Emma Stone und Jesse Plemons mit von der Partie sind, mit denen Lanthimos bereits zuvor zusammenarbeitete. Die außergewöhnliche Ausgangslage bietet zudem ein enormes Potential und lässt auf einen faszinierenden Genre-Mix hoffen. Doch kann „Bugonia“ das auch wirklich einlösen und können vielleicht auch jene überzeugt werden, die zuvor wenig angetan von Lanthimos Werk waren? All dies und noch mehr erfahrt Ihr in dieser Filmkritik.

Ein Beitrag von: Florian

Worum geht es in „Bugonia“?

Bugonia“ ist ein Science-Fiction-Komödienfilm von Regisseur Yorgos Lanthimos, der auf einem Drehbuch von Will Tracy basiert. Es handelt sich dabei um ein englischsprachiges Remake des südkoreanischen Films „Save the Green Planet!“ aus dem Jahr 2003 von Jang Joon-hwan. In den Hauptrollen sind Emma Stone und Jesse Plemons zu sehen.

Die Handlung dreht sich um zwei junge Männer, die von Verschwörungstheorien besessen sind und die Geschäftsführerin eines großen Pharmaunternehmens entführen, weil sie überzeugt sind, dass sie in Wirklichkeit eine Außerirdische ist, die die Erde zerstören will. Jesse Plemons spielt Teddy, einen verschwörungsgläubigen Imker, während Emma Stone Michelle, die CEO des Konzerns, verkörpert. Außerdem gehören Aidan Delbis, Stavros Halkias und Alicia Silverstone zum Cast.

Die schräge Prämisse von „Bugonia“

Das Bild zeigt Emma Stone in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt Jesse Plemons in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt Emma Stone mit kahlem Kopf in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt Jesse Plemons in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt Emma Stone mit kahlem Kopf in einer Szene des Films Bugonia
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Tatsächlich beginnt „Bugonia“ überaus vielversprechend. Das liegt an zwei Faktoren. Zum einen natürlich an der Idee. Zwei irritierende Figuren sind davon überzeugt, eine berühmte Konzernchefin sei ein Alien und würde dabei helfen, die Erde zu vernichten. Das klingt nicht nur schräg, sondern ist es auch und birgt massig Potential. Ein Kammerspiel, bei dem zwei mutmaßlich Verrückte eine Konzernchefin entführen. Spannungen sind vorprogrammiert und natürlich stellt sich irgendwann die Frage, wer hier wirklich verrückt ist.

Damit geht Yorgos Lanthimos anfangs auch sehr gekonnt um und kreiert die vermutlich beste erste halbe Stunde eines Lanthimos Films überhaupt. Das liegt auch daran, wie er die Exposition einbaut. Zum einen werden alle wichtigen Informationen aus dem Off erzählt, allerdings nur aus einer Perspektive. Parallel werden die verschiedenen Lebensrealitäten zweier ärmlicher Arbeiter gegen die einer reichen Firmenchefin geschnitten. Das ist handwerklich stark umgesetzt und besitzt einen kleinen, feinen Humor. Dieser wird dann auch im Moment der Entführung deutlich, die vollends bewusst nicht spannend geschnitten ist. Fast schon Slapstick wird hier geboten.

Ein Kammerspiel, dem es an Tempo mangelt

Danach sieht es für „Bugonia“ allerdings ganz schnell düster aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn nun spielt sich ein Großteil der Handlung nur noch in einem dunklen Keller ab. Hier werden Michelle Fuller erst die Haare abrasiert, dann wird sie mit einer Anithistamin-Creme eingerieben und schließlich infolge eines Verhörs gefoltert. Es gibt nur drei Möglichkeiten, wie Lanthimos sich aus dieser festgefahrenen Situation wieder befreien könnte. Entweder offenbart er Michelle als Alien, die Entführer als Verrückte oder er bricht die Situation durch ein unerwartetes Ereignis auf. Davon passiert aber bis zum Finale nichts.

In der Folge verliert „Bugonia“ rapide an Spannung. Andauernd wiederholen sich die immer gleichen Szenen. Sowohl an Abwechslung als auch an Kreativität mangelt es diesem Kammerspiel enorm. Denn immer, wenn Lanthimos eine neue Facette einführt, kann man sich schon denken, wie er dies schließlich ausspielen wird. Dabei kommen auch erwartbare Schwächen des Entführungskammerspiels zum Tragen, wie scheiternde Fluchtversuche. Und auch ohne Kenntnis des Originals ist leider schnell zu erahnen, wie Lanthimos seinen Film enden lassen wird.

Schräge Figuren sind nicht genug

Das Bild zeigt Emma Stone in einem Kampf mit einer maskierten Person in einer Szene des Films Bugonia
Michelle (Emma Stone) wird entführt — Bugonia | 2025 ©Focus Features
Werbebild zur Predator-Reihe mit einem Predator, der eine Frau in actionreicher Pose hält; dunkler, chaotischer Hintergrund verstärkt die Spannung. Deutscher Werbetext: „Bereit für die Jagd? Entdecke jetzt die Predator-Highlights bei Thalia“ mit „Shop Now“-Button.

Nun existieren aber bereits zahlreiche Entführungsthriller, die sich in das Gewand des Kammerspiels kleiden und einige davon sind sogar richtig gut. Das liegt daran, dass solche Filme in den meisten Fällen von den Charakteren getragen werden. Mit ihnen steht und fällt daher der Film. In „Bugonia“ sind die Figuren nun vor allem schräg. Teddy ist besessen von der Vorstellung seine Chefin wäre eine Außerirdische, während sein Cousin Don einfach nur macht, was Ted ihm sagt. Hinzu kommt dann noch ein übergewichtiger Polizist, der sich schämt, Ted in seiner Kindheit gemobbt zu haben. Damit ist die Figurenzeichnung auch beendet.

Darstellerisch gibt es hier aber immerhin nichts auszusetzen. Jesse Plemons als Ted ist grandios. Grandios, weil er den Wahnsinn so glaubwürdig verkauft. Das Publikum kann ihm abnehmen, dass seine Figur wirklich glaubt, was sie sagt, so verrückt es auch klingen mag. Ebenso stark ist aber auch Aiden Deblis als Don. Er bringt den inneren Konflikt der Figur gut auf die Leinwand. Man bekommt sogar etwas Mitleid mit ihm. Der ganz große Star hingegen enttäuscht. Das liegt aber nicht daran, dass Emma Stone schlecht spielen würde. In Wahrheit ist ihre Figur der Michelle Fuller lediglich so eindimensional, dass Emma Stone einfach keine Grundlage für eine beeindruckende Leistung besitzt.

„Bugonia“ verzettelt sich in zu vielen Themen

Abgesehen vom Schrägsein taugen die Figuren zu nichts. Sie bleiben weder lange im Gedächtnis, noch fiebert man mit ihnen mit. Es fehlt schlicht und einfach eine Identifikationsfigur, ein Charakter für den sich Lanthimos interessiert hätte. Nur trifft das auf niemanden zu. Deutlich wird das auch daran, dass „Bugonia“ Themen, die Teds Figur betreffen, anschneidet und direkt wieder fallen lässt. So wird in den Gesprächen mit Fuller über psychologische Krankheitsbilder, Traumata und Gaslighting gesprochen, ohne dass dies später noch relevant würde. Lanthimos bleibt der Oberflächlichkeit seines Films treu und lässt auch diese Momente ins Nichts laufen.

Doch was will Lanthimos mit „Bugonia“ eigentlich erzählen? Die Antwort ist einerseits leicht und andererseits verdammt schwer. Alles und Nichts. Natürlich geht es um Konzerne, die ihre Arbeiter ausnutzen. „Bugonia“ reißt soziale Unterschiede, die Kluft zwischen arm und reich an, nur um schließlich bei einer erschreckend einfachen Aussage herauszukommen. Diese ist natürlich absolut plump und erinnert an Thomas Hobbes These, der Mensch sei von Natur aus böse. Nur, während der Philosoph dies vor mehreren Jahrhunderten noch verargumentierte, verzichtet „Bugonia“ gleich ganz auf eine nachvollziehbare Herleitung. Um Substanz ging es Lanthimos aber ohnehin noch nie.

Blut und Verschwörungstheorien

Das Bild zeigt Jesse Plemons in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt Emma Stone mit kahlem Kopf in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt zwei Imker in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt Emma Stone mit kahlem Kopf in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt Jesse Plemons in einer Szene des Films Bugonia
Das Bild zeigt eine Werbeanzeige zum Buch "Menschenjagd" von Stephen King, das man im Thalia Shop kaufen kann

So sitzt man dann irgendwann nur noch entnervt im Kinosaal und fragt sich, ob in diesem Film noch irgendetwas passiert. In „Poor Things“ konnte Lanthimos ja immerhin noch mit einer einzigartigen Optik und visueller Verspieltheit glänzen. Obgleich „Bugonia“ rund 15 Millionen US-Dollar teurer war, sieht der Film deutlich billiger aus. Schauwerte, die das Interesse hochhalten, werden vergebens gesucht. Das Einschlafen verhindert im Finale dann nur noch der Splatter. Ohne Vorwarnung versucht sich der Film in billigste Schockeffekte zu retten, die überhaupt nicht zum bisherigen Tonfall passen.

Und wer nun noch nicht verwirrt genug ist, bekommt noch ein Verschwörungstheorien Best-Of vom Feinsten dazu. Denn irgendwann reiht Lanthimos diese einfach nur noch willkürlich aneinander und begibt sich auf gefährliches Glatteis. Durch seine vorherigen Werke kann man sich durchaus erschließen, dass der renommierte Regisseur das gar nicht so ernst meint. Aus dem Film selbst geht dies allerdings nicht mehr hervor. Das ist dann nicht mehr nur ärgerlich, sondern schlichtweg fahrlässig.

Fazit zu „Bugonia“:

Bugonia“ gelingt es mit einer eigenwilligen ersten halben Stunde Interesse zu wecken. Hierbei handelt es sich um einen Auftakt, der die Zuschauerschaft gekonnt herausfordert und irritiert. Vor allem entsteht aber die Frage, worauf dies noch hinauslaufen wird. Die Antwort findet sich in unfassbar starken schauspielerischen Leistungen von Jesse Plemons und Aidan Delbis.

Der gesamte Rest ist vergessenswert. Alles, was nach dieser halben Stunde passiert, ist uninteressant gefilmt und ziellos erzählt. Lanthimos findet nie den Punkt, den er setzen will und irrt wirr um unzählige Themen herum. Es scheint, als wolle er unbedingt einen schrägen Film machen wollen, ohne darüber nachgedacht zu haben, wie es danach dann weitergeht. Das Ergebnis ist eine zwei Stunden lange Geduldsprobe, die weder zum Nachdenken anregt noch mit faszinierenden Figuren überzeugen kann.

Für Fans von Lanthimos scheint dies jedoch kaum von Belang zu sein. Wer allerdings bisher nichts mit den Werken des Regisseurs anzufangen wusste, wird von „Bugonia“ nicht bekehrt werden.

Werdet ihr euch „Bugonia“ im Kino ansehen?


TRAILER: © CJ ENM | Element Pictures | Fremantle | Focus Features

Das Bild listet den Cast und die Crew zum Film "Bugonia"

Passion of Arts Redaktion Florian

 

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Weitere Meinungen zu „Bugonia“ aus der Redaktion




Andere Meinungen zu „Bugonia“:

Marius Joa von vieraugen.com
Intensiv-tragisches, stark gespieltes, Entführungsdrama, das aber an Lanthimos’ letzte Highlights nicht ganz anknüpfen kann. 7 von 10 Punkten.

Michael Gasch von cinemaforever.net
Am Ende ist es wieder ein Film, mit dem Lanthimos mehr tut, als nur seine typische Bizarrheit fortzuführen – er schlägt erneut eine neue Richtung abseits seines bisherigen Werks ein. 7 von 8 Sternen.

Oliver Armknecht von Film-Rezensionen.de
„Bugonia“ erzählt von zwei Cousins, die eine Unternehmerin entführen, weil sie diese für ein Alien halten. Das Remake der südkoreanischen Science-Fiction-Komödie „Save the Green Planet!“ kombiniert dabei Absurdität mit Gesellschaftskritik. Subtil ist das nicht, zudem teilweise vorhersehbar. Aber der Film macht Spaß, auch wegen der bewährten Besetzung der tollen Bilder. 8 von 10 Punkten.

Ilija Glavas von Kinomeister
Bugonia ist ein verstörend sarkastischer und intellektuell scharf gezeichneter Thriller über Macht, Wahn und gesellschaftliche Selbstzerstörung. Die Inszenierung ist stilistisch präzise, mutig und provokativ. Stone und Plemons zeigen ihre Klasse in einem Machtspiel, das sich konsequent verweigert, einfache Antworten zu liefern. Es ist definitiv kein Wohlfühlkino, allerdings auch kein perfekter Film. 7 von 10 Punkten.

Jens Balkenborg von epd Film
In Lanthimos‘ filmischer Evolution erscheint »Bugonia« logisch und mit Blick auf unsere selbstzerstörerische Gegenwart auch heftig konsequent. Weil der Film mit genüsslichem Ekel auf seinem Punkt herumhackt, kommt aber dieses Mal auch nicht viel mehr herum. Ab nach Andromeda, denn die sich bekriegende, auf das Klima und die Wahrheit scheißende Menschheit krepiert an sich selbst. Haha, Schenkelklopfer! 3 von 5 Sternen.

Antje Wessels von wessels-filmkritik.com
„Bugonia“ ist ein typischer Lanthimos – präzise inszeniert, eigenwillig im Ton und voller verstörender Momente. Doch gerade in dieser Perfektion liegt auch seine Schwäche: Der Film wirkt kalkulierter als frühere Werke, weniger roh, weniger unberechenbar. Trotz starker Darstellerleistungen und einer visuell beeindruckenden Inszenierung bleibt ein Gefühl der Distanz, das den Zuschauer eher analysieren als mitfühlen lässt.

Pressematerial: Bugonia | 2025 © CJ ENM | Element Pictures | Fremantle | Focus Features

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2 Kommentare

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