Good Boy - Wir wollen nur dein Bestes
Veröffentlichungsjahr: 2026 | Genres: Drama, Horror, Krimi, Thriller, Psychothriller, Mystery, Psychodrama, Psychoanalyse, Psychologischer Horror, Crime
Originaltitel: Heel
Schauspieler: Stephen Graham, Andrea Riseborough, Anson Boon, Kit Rakusen, Monika Frajczyk, Savannah Steyn, Mila Jankowska, Callum Booth‑Ford, Noah Valentine, Noah Manzoor, Maciej Stepniak, Jessica Johnson, Austin Haynes, Helena Calvert, Jessica Polak, Katarzyna Adamczyk, Bazyli Mach, Adam Bilewicz, Hanna Koczewska, Agata Zataj, Mark Smalley
Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes (Originaltitel Heel) ist ein Psycho‑Thriller des polnischen Regisseurs Jan Komasa, entstanden als Koproduktion zwischen Polen und dem Vereinigten Königreich. Der Film feierte seine Premiere Anfang September 2025 beim Toronto International Film Festival und startet am 4. Juni 2026 in den deutschen Kinos. In den Hauptrollen sind Stephen Graham als Chris, Andrea Riseborough als Kathryn und Anson Boon als Tommy zu sehen.
Der 19‑jährige Tommy (Anson Boon) lebt ein rücksichtsloses Leben, feiert seine kriminellen Eskapaden online und hetzt seine Freunde immer wieder zu brutalen Gewalttaten an. Doch eine Nacht setzt seinem selbstgefälligen Höhenflug ein abruptes Ende: Ein Fremder entführt ihn, und als Tommy wieder zu sich kommt, ist er im Keller eines abgelegenen Vorstadthauses angekettet. Dort lebt sein Entführer Chris (Stephen Graham) gemeinsam mit seiner Frau Kathryn (Andrea Riseborough) und ihrem Sohn Jonathan. Das Trio ist fest entschlossen, Tommys zerstörerisches Verhalten zu „korrigieren“ und unterzieht ihn einer Reihe manipulativer psychologischer Experimente, die ihn zu einem „braven Jungen“ formen sollen. Während Tommy verzweifelt versucht, sich gegen die Kontrolle der Familie zu wehren, gerät er immer tiefer in ihre dysfunktionalen Strukturen – und wird gleichzeitig mit seinen eigenen verdrängten Bedürfnissen konfrontiert. Allmählich verschwimmen seine Gefühle: Hass und Sympathie, Fluchtinstinkt und der Wunsch nach Nähe prallen aufeinander, bis Tommy nicht mehr sicher ist, was er wirklich will.
Das Drehbuch stammt von Bartek Bartosik und Naqqash Khalid, die sich – wie Komasa bereits in seinen Filmen Corpus Christi und The Hater – mit den Folgen digitaler Fehltritte und sozialer Manipulation auseinandersetzen. Eine besondere Rolle spielt im Film Ken Loachs Klassiker Kes, den Chris (Stephen Graham) dem gefangenen Tommy zeigt, um dessen soziale Kompetenzen zu fördern. Die Geschichte des 15‑jährigen Billy Casper, der im Norden Englands unter seinem gewalttätigen Bruder leidet und in der Aufzucht eines Falken Halt findet, dient als Spiegel für Tommys eigene, verdrängte Menschlichkeit. Die Filmmontage übernahm Agnieszka Glińska, die zuvor an Produktionen wie Operation Hyakinthos, EO und Das Mädchen mit der Nadel beteiligt war.
Neben Graham, Riseborough und Boon spielen Kit Rakusen als Jonathan, der Sohn des Ehepaars, sowie Monika Frajczyk als Rina, eine illegale Einwanderin, die sich als Haushälterin auf dem abgelegenen Landgut bewirbt. Das Casting verantworteten Nina Gold und Martin Ware. Das Szenenbild stammt von Fletcher Jarvis, der bereits an Filmen wie A Beautiful Day, Edison – Ein Leben voller Licht und Flux Gourmet arbeitete. Gedreht wurde 2024 in Großbritannien und Polen, unter anderem in den TVN Warner Bros. Discovery XR Studios. Für die Kamera zeichnete Michal Dymek verantwortlich, ein Absolvent der Filmhochschule Łódź wie Komasa selbst, der zuletzt mit Werken wie EO, A Real Pain und Das Mädchen mit der Nadel hervorgetreten war. Die Musik komponierte Abel Korzeniowski, bekannt für Emily, Till – Kampf um die Wahrheit und They See You.
Der erste Trailer erschien im Januar 2026, gefolgt von einer deutschsprachigen Version Mitte März. Nach der Premiere in Toronto wurde der Film im Oktober 2025 beim London Film Festival gezeigt, im März 2026 in ausgewählten US‑Kinos gestartet und beim Glasgow Film Festival präsentiert. Weitere Stationen waren das Hong Kong International Film Festival, die Fantasy Filmfest Nights, das Neiße Filmfestival sowie das Sydney Film Festival im Juni 2026.
Die Kritik reagierte überwiegend positiv: Auf Rotten Tomatoes sind 88 Prozent der Besprechungen wohlwollend, während Metacritic einen Metascore von 63 ausweist. Damon Wise beschreibt in Deadline, der Film erinnere in seiner skurrilen Art an die Blütezeit des britischen Exploitation‑Kinos und ziehe Vergleiche zu Werken wie Mumsy, Nanny, Sonny and Girly, What the Peeper Saw oder Filmen von Peter Walker. Zudem verweise Komasa stärker auf Anthony Burgess’ Roman Uhrwerk Orange als auf dessen Verfilmung. Boon verkörpere Tommy mit erschreckender Überzeugung, indem er dessen intelligente wie ignorante Seiten sichtbar mache, während Graham als Chris eine unheimliche Jedermann‑Figur erschaffe, die an eine gutmütigere Version von Jigsaw erinnere. Jeannette Catsoulis betont in der New York Times, Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes sei weniger Horrorfilm als vielmehr ein Kommentar zum gesellschaftlichen Verfall, verpackt in die Mechanismen eines Psychothrillers. Besonders das Drehbuch zeige seine Stärke, wenn Tommy scheinbar Fortschritte macht, seine Fesseln gelockert werden und die Familie ihn wie ein Haustier umsorgt. Die Darbietungen von Boon und Graham hielten dabei die fragile Balance zwischen Angst und Absurdität. In einer zentralen Szene, in der Tommy beim Ansehen von Kes in Tränen ausbricht, werde sichtbar, wie schockiert er selbst über die Entdeckung seiner eigenen Menschlichkeit ist. Damit füge sich der Film nahtlos in Komasas Werk ein, das von düsteren Fabeln mit moralischem Kern geprägt ist.
Bei Festivals wurde Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes mehrfach ausgezeichnet: Beim Rome Film Fest 2025 erhielt Anson Boon den „Vittorio Gassman“-Award als Bester Schauspieler und der Film war im Progressive Cinema Competition nominiert. Beim Valladolid International Film Festival 2025 gewann er den SEMINCI Youth Award.
Pressematerial © X Verleih
Quellen: X Verleih, Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Jan Komasa
Drehbuch: Bartek Bartosik, Naqqash Khalid
Produzent: Matthew Baker, Aleksandra Bielska, Caroline Cooper Charles, Naomi Despres, Zbigniew Domagalski, Ivan Kelava, Michèle Marshall, Nick O\'Hagan, Ewa Piaskowska, Małgorzata Piaskowska uvm.
Musik: Abel Korzeniowski
Kamera: Michal Dymek
Schnitt: Agnieszka Glinska