Marty Supreme – Filmkritik

Das Bild repräsentiert das Titelbild zur Filmkritik zum Film Marty Supreme mit Timothée Chalamet

Marty Supreme war für mich eine der beeindruckendsten Marketingaktionen der letzten Jahre. Zwei Monate Wartezeit bis zum deutschen Kinostart können sich ziehen – vor allem dann, wenn der Hype bereits Wellen schlägt, während man selbst nur von außen zusieht. Doch spätestens mit der diesjährigen Berlinale war meine Vorfreude wieder entfacht. Ein neuer Film aus dem Hause A24 – und dann auch noch ein Sportfilm? Für mich fühlte sich das fast wie eine Verpflichtung an.

Ich hatte mir frühzeitig in der Redaktion ein Sichtungsticket gesichert. Natürlich. Es ist ein Sportfilm. Und wer mich kennt, weiß: Sportfilme sind mein Terrain. Ich wollte diesen Film sehen. Ich wollte ihn mögen. Vielleicht wollte ich ihn sogar lieben.

Doch was ich an diesem Abend im Kinosaal erlebt habe, hatte nur wenig mit dem zu tun, was ich erwartet hatte.

Ein Beitrag von: Lennart Goebel

Machen wir einen Schritt zurück.

Ich bin kein chronisch Online-Mensch. Ja, ich verliere täglich sicher eine Stunde meines Lebens mit Doomscrolling – aber ich definiere mich nicht darüber. Und trotzdem: Wer sich in den filmischen Echochambers von Social Media bewegt, kommt an Marty Supreme nicht vorbei. Die Marketingkampagne war allgegenwärtig.

Feature-Parts von Hauptdarsteller Timothée Chalamet auf einen Possie-Remix Rap-Songs. Influencer und Profisportler, die spiele Jacken mit dem Logo des Films auf Social Media in ihren Post präsentieren. Und ja, ich gebe es zu: Ich will diesen verdammten Jacke auch im Schrank haben! Vielleicht finde ich irgendwann einen auf eBay, wer weiß … Dann die gigantische Promotion auf der Sphere in Las Vegas. Alles war groß. Barbie-groß. Für A24-Verhältnisse fast absurd groß.

Selbst Letterboxd war über Wochen dominiert vom verschwitzten, brillentragenden Chalamet auf dem Poster. Dann folgten neun Oscar-Nominierungen. Category-Mockdrafts überschwemmten meinen Feed. Alle schreien Chalamet for Best Actor! Der Algorithmus hatte mich fest im Griff – und ich war bereit, mich gefangen nehmen zu lassen.

Ich wollte diesen Film. Schnellstmöglich. Und ich wollte ihn mögen. Nicht zuletzt, weil ich das Sportfilm-Genre liebe.

Dann kam der deutsche Kinostart näher – und mit ihm erste kritische Stimmen. Unter anderem von Sophie Passmann, mit der ich nicht immer übereinstimme, deren Perspektive ich aber ernst nehme. Ihren feministischen Take blockte ich zunächst innerlich ab. Denn, seien wir ehrlich: Auch ein Film wie Rocky (1976) würde heutigen Maßstäben kaum standhalten – und trotzdem funktioniert er.

Doch als ich schließlich selbst im Saal saß, verstand ich relativ schnell, was sie meinte.

Marty Supreme ist nicht offen sexistisch. Aber feministisch? Politisch reflektiert? Oder auch nur im Ansatz empathisch gegenüber seinen weiblichen Figuren? Nein. In keiner Weise. Und genau das traf mich unerwartet. Ein Markenzeichen, das man auch den Safdie Brothers in ihren früheren Projekten zuschreibt – von denen ich bislang keines gesehen habe. Vielleicht hätte ich vorbereitet sein müssen. Vielleicht wollte ich es aber auch nicht. Und all das war zunächst irritierend. Wenn Vorfreude auf Erwartungsbruch trifft, fühlt sich das selten gut an.

Doch seltsamerweise ging ich nicht mit Wut ins Bett. Nicht mit Enttäuschung. Eher mit einem diffusen Nachhall. Ich brauchte eine Nacht, um das Gesehene einzuordnen.

Und jetzt sitze ich hier. Vor einer leeren Seite. Und versuche, meine Gedanken zu sortieren.

Also …

Worum geht es eigentlich in Marty Supreme?

Das Bild zeigt ein Tischtennisball in ultra closeup | Marty Supreme
Ping Pong Made in America — Marty Supreme | 2025 © TOBIS Film
Das Bild zeigt einen Astronauten, der im All treibt. In weißen Lettern steht "Hol dir den Roman zum Film"
Foto: Buchcover von Will Staehle ©Unusual Co

Marty Supreme ist eine US-amerikanische Abenteuer-Komödie aus dem Jahr 2025 von Josh Safdie, die lose vom Leben des amerikanischen Tischtennisspielers Marty Reisman inspiriert ist, aber eine fiktive Geschichte in den 1950er Jahren erzählt. Regie führte Josh Safdie, der gemeinsam mit Ronald Bronstein das Drehbuch schrieb und auch den Schnitt übernahm.

Im Zentrum der Handlung steht Marty Mauser (Timothée Chalamet), ein junger Mann aus der Lower East Side von New York, der zwischen Arbeit im Schuhgeschäft seines Onkels Murray und dem Traum, ein erfolgreicher Tischtennisspieler zu werden, hin- und hergerissen ist. Marty pflegt eine heimliche Beziehung zu Rachel Mizler (Odessa A’zion) und erlebt zahlreiche Abenteuer, während er seinem Ziel nach Ruhm und Anerkennung folgt. Dabei trifft er unter anderem auf die ehemalige Filmdiva Kay Stone (Gwyneth Paltrow) und ihren Ehemann, den reichen Unternehmer Milton Rockwell (Kevin O’Leary), sowie auf seinen besten Freund Wally (Tyler Okonma). Weitere Figuren, die Marty auf seinem Weg begegnen, sind der Gangster Ezra Mishkin (Abel Ferrara), Martys Mutter Rebecca Mauser (Fran Drescher), der PR-Manager Merle (Isaac Mizrahi), Rachels Ehemann Ira Mizler (Emory Cohen) und viele andere, darunter auch Cameos von bekannten Persönlichkeiten wie Timo Boll.

🎭 Get this boy his gold: Timothée Chalamet als Marty Mauser

Das Bild Zeigt einen lächelten jungen Man der eine Plakette mit der USA Flagge darauf hochällt. | Marty Supreme
Das Bild zeigt eine Frau die durch die Heckscheibe eines Autos schaut.
Das Bild Zeigt eine Arena gefüllt mit Tischtennisplatten während eines Tuniers. | Marty Supreme
Zwei Männer spielen Tischtennis | Marty Supreme
Das bild zeigt ein einen jungen Tischtennisspieler während eines Sprung-schmetter-schlags | Marty Supreme
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Timothée Chalamet ist ohne Zweifel einer der prägendsten Schauspieler seiner Generation. Seit fast einem Jahrzehnt ist sein Gesicht aus Hollywood nicht mehr wegzudenken – spätestens seit Rollen in Interstellar, Call Me by Your Name und natürlich als Paul Atreides in Dune ist er mehr als nur ein Hype-Produkt. Er ist zur Galionsfigur einer neuen Schauspielgeneration geworden. Einer Generation, die oft in Typcasting-Schablonen gefangen bleibt – und doch schafft er es immer wieder, sich daraus zu befreien.

Mit Marty Supreme geht Chalamet allerdings noch einen Schritt weiter.

Berichten zufolge trainierte er über Jahre hinweg intensiv Tischtennis, bestand darauf, die Spielszenen selbst zu drehen, ohne Double. Für Regisseur Josh Safdie kam nichts anderes infrage – und offenbar auch für Timothée Chalamet nicht. Diese Hingabe spürt man. Es sind nicht einmal nur die sportlichen Sequenzen, die beeindrucken – obwohl sie es zweifellos tun –, sondern die Reaktionen dazwischen. Die Mikroausdrücke. Die kontrollierten Zuckungen im Gesicht. Die Momente, in denen man förmlich sieht, wie Marty reagiert, bewertet und manipuliert.

Marty Mauser ist kein Held. Er ist ein Narzisst. Ein Opportunist. Ein Mensch, der überzeugt davon ist, dass ihm die Welt zusteht – und der bereit ist, andere dafür zu benutzen. Menschen in seinem Umfeld werden instrumentalisiert, Beziehungen strategisch geführt, Loyalitäten ausgenutzt. Der Sport und der daraus entstehende Erfolg ist dabei weniger Selbstzweck als Obsession.

In dieser Hinsicht erinnert die Performance fast an eine Fusion aus Andrew und Fletcher aus Whiplash – besessen vom Erfolg wie Andrew, manipulativ und machtorientiert wie Fletcher. Marty wirkt wie die logische, moralisch entkernte Weiterentwicklung dieser Dynamik: jemand, der die Lektion in sich aufgesogen hat und dabei die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt.

Und genau hier wird es spannend.

Ja, der Film – und damit auch die Performance – zeigt einen Umgang mit Frauen, der problematisch ist. Manipulation, Ausnutzung, instrumentalisierte Nähe. Die Kritik von Sophie Passmann ist nicht aus der Luft gegriffen. Und ich verstehe absolut, wenn man sich daran stößt.

Aber: Die Aufgabe von Kunst ist nicht zwangsläufig moralische Vorbildfunktion. Nicht jeder Film muss Barbie sein. Entscheidend ist, ob eine Figur glaubwürdig verkörpert wird – nicht, ob sie sympathisch ist. Und Timothée Chalamet spielt dieses Arschloch mit einer Präzision, die fast unheimlich ist. Gerade weil er im öffentlichen Auftreten als reflektiert und freundlich gilt, ist diese Verwandlung umso beeindruckender.

Das ist für mich echtes Schauspiel: nicht sich selbst spielen, sondern jemand völlig anderes werden.

Und auch wenn Micheal B. Jordan hier – zurecht – das Goldmännchen mit nach Hause nahm, würde ich nachdem der Trailer zu Dune: Part Three released wurde, behaupten, das es nicht die frage ist, ob Timothée Chalamet jemals ein Oscar bekommt, sondern so wie bei Leonardo DiCaprio nur die Frage ist, wann und für welchen Film!

Denn er hat hier eine Performance hingelegt, die in Erinnerung bleibt. Nicht wegen einzelner Momente, sondern wegen der Konsequenz, mit der er diese Figur durchzieht. Von den Tischtennis-Duellen über die Dialogszenen, in denen er sich nie aus der Fassung bringen lässt, bis hin zu dieser Autoszene mit Tyler, the Creator, die vor allem mir im Gedächtnis geblieben ist – all das brennt sich ein.

Wenn ich an Marty Supreme denke, denke ich zuerst an Chalamets Performance. Nicht an die Story. Nicht an die Kontroversen. Sondern an diese kompromisslose Verkörperung eines Menschen, der unbedingt „Supreme“ sein will.

Doch Schauspiel allein macht noch keinen guten Film.

Und damit kommen wir zur zweiten großen Stärke dieses Werks: seiner visuellen Wucht.

🎥 Zwischen Klaustrophobie und Katharsis: Regie & Bildsprache in Marty Supreme

Ein junger Man steht telefonierend in Unterhosen und Bademantel auf seinem Hotelbett
Das bild zeigt zwei Freunde lachend auf den Vordersitzen eines Taxis.
Das Bild zeigt eine Frau mit einem Schleier vor dem Gesicht die nach oben schaut.
Werbebanner von Thalia: Links steht groß das Wort ‚MUSIK‘ mit einem Button ‚Shop Now!‘ und dem Thalia‑Logo. Rechts ist eine Person mit roten Kopfhörern und rotem Pullover vor warmbraunem Hintergrund zu sehen. Daneben steht ein längerer Werbetext, der neue Hits, Klassiker und exklusive Alben verschiedener Genres bewirbt.

Bleiben wir noch kurz beim Oscar-Run und reißen das Pflaster direkt ab: Wenn man sich die bisherige Award-Season anschaut, dürfte wohl One Battle After Another in den Großen Nicht Schauspiel Kategorien dominieren. Doch das schmälert in keiner Weise die visuelle Qualität, die Josh Safdie gemeinsam mit Kameramann Darius Khondji hier auf die Leinwand bringt.

Denn Marty Supreme sieht anders aus als ein klassischer Sportfilm, er sieht eher wie eine klassische Safdie A24 Produktion aus. Schon früh verlässt der Film die vertraute Ästhetik von dramatischen Matchball, heroischen Totalen und lässt den triumphalen Zeitlupen-Shot gänzlich außen vor. Stattdessen kippt er in eine seltsame Mischung aus Drama und beinahe erotischem Thriller. Nach den im ersten Drittel gesammelten Matchszenen wechselt der Film in Dialoge und körperlicher Intimität – zeitweise fragt man sich tatsächlich, ob es mehr sportliche Duelle oder mehr sexuelle Konfrontationen gibt. Ok das ist evtl. übertrieben, aber ich denke nach den Eröffnungs-Credits schockt einen das nicht mehr wirklich.

Was Safdie hier inszeniert, fühlt sich gar nicht wie ein Sportfilm an, sondern eher wie ein fiebriger Safdie-Trip – irgendwo zwischen Heist-Movie, Abwärtsspirale und nervösem Großstadtmärchen. Das Pacing ist unruhig. Zeit wirkt gedehnt, dann wieder komprimiert. Die lineare Handlung fühlt sich phasenweise fragmentiert an, fast so, als würde man Martys Wahrnehmung teilen. Orientierungslosigkeit inklusive.

Und dann diese Räume.

Kaum Weite. Kaum Luft. Kleine Apartments, enge Flure, stickige Autos. Die Kamera bleibt dicht an den Figuren, häufig in Headshots – (Trust me, das isn Insider) besonder die Nahaufnahmen von Timothée Chalamet. Sein Gesicht füllt das Bild, sein Ego sprengt es beinahe. Marty steht nicht nur metaphorisch mit dem Rücken zur Wand – die Inszenierung drückt ihn physisch in sie hinein. Man hat das Gefühl, seine Nasenspitze würde gleich die gegenüberliegende Wand berühren. Es ist eine Mise-en-Scène der Selbstverengung: Jede Lüge, jede Entscheidung zieht die Wände enger zusammen.

Und genau hier setzt der visuelle Bruch an.

Sobald der Sport wieder ins Zentrum rückt, öffnet sich der Film. Die Räume werden klarer strukturiert, die Bewegungen präziser. Die Kamera gewinnt an Rhythmus. Plötzlich gibt es Ordnung in der Handlung, es geht nur um das eine und wenn es nicht Sex ist ist es Tischtennis. Die Platte wird zur Bühne, zum Schlachtfeld – aber auch zum einzigen Ort, an dem Marty so etwas wie Kontrolle besitzt. Während sein Privatleben visuell implodiert, wirkt das Spielfeld fast kathartisch.

Gerade weil der Film im ersten Drittel so viele Fäden auslegt – Intrigen, Beziehungen, Machtspiele – ist es beeindruckend, mit welcher visuellen Konsequenz Safdie diese wirre und zugleich gradlinige Handlung zusammenhält. Das Chaos fühlt sich nie zufällig an. Es ist kalkuliert. Unruhig, aber nicht unkontrolliert.Und vielleicht ist genau das die größte Stärke der Inszenierung:
Sie macht Martys innere Enge sichtbar, bevor die Geschichte sie explizit ausspricht.

Knackpunkt: Handlung von Marty Supreme

Und dann kommen wir zur wohl schwierigsten Baustelle dieses Films: der Geschichte selbst.

Denn ja – sie war zunächst mein größter Kritikpunkt. Chaotisch, sprunghaft, stellenweise fast frustrierend in ihrer Konsequenz. Erwartungen werden aufgebaut, nur um sie wieder zu unterlaufen. Figuren werden eingeführt, emotional aufgeladen – und dann von Marty überrollt wie alles andere auf seinem Weg zur Weltrangspitze.

Doch je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr verschiebt sich mein Blick darauf.

Marty Supreme erzählt weniger eine klassische Aufstiegsgeschichte als vielmehr das Porträt eines unzerstörbaren Traums. Marty Mauser glaubt kompromisslos an sich selbst. An seinen Platz ganz oben. Und er ist bereit, dafür Menschen zurückzulassen – oder über sie hinwegzugehen. Beziehungen zerbrechen, Loyalitäten werden verraten, moralische Grenzen verschwimmen. Und doch verliert der Film nie diesen inneren Kern: den Glauben eines jungen Mannes, der sich weigert, klein zu denken.

All das bündelt sich in einer letzten Szene, die ich hier nicht spoilern möchte, die aber vieles neu rahmt. Plötzlich wirkt der Film weniger wie eine zynische Demontage und mehr wie die Geschichte einer Reifung. Aus dem Träumer wird ein Mann. Kein besserer Mensch. Wahrscheinlich weiterhin ein Arschloch. Aber jemand, der versteht, was sein Traum wirklich bedeutet – und was er ihn gekostet hat.

Und hier wird es unbequem.

Wir feiern in anderen Filmen kompromisslosen Ehrgeiz. Wir bewundern Figuren, die alles ihrem Ziel unterordnen. Doch hier sympathisieren wir mit den Menschen, die Marty zurücklässt – und verurteilen ihn dafür. Gleichzeitig zeigt der Film deutlich, dass auch Marty selbst nur Teil eines größeren Systems ist. Hinter ihm stehen noch größere Arschgeigen. Männer in Anzügen, für die Sportler nichts weiter sind als Assets. Investitionen. Hündchen, die Stöckchen holen, solange sie performen.

Der Traum ist individuell – das System dahinter gnadenlos.

Vielleicht war genau das mein Problem: Ich wollte Whiplash mit Pingpong. Eine klare Dramaturgie, eine stringente Eskalation, ein sportliches Katharsis-Finale. Stattdessen bekam ich ein Whiplash mit Pingpong – und einer gehörigen Portion Selbstzerstörung, Manipulation und Systemkritik.

Meine Erwartungshaltung wurde zu einer der Leichen auf Martys Weg.

Und mit etwas Abstand muss ich mir eingestehen: Gerade weil der Film sich weigert, der klassische Sportfilm zu sein, ist er am Ende vielleicht doch mehr einer, als ich ihm zugestehen wollte.

Denn was ist Sport, wenn nicht der radikale Glaube an sich selbst?

Fazit zu Marty Supreme

Das Bild zeigt einen junge Tischtennis Spieler der mit dem Schläger auf seinen Kontrahenten zeigt. | Marty Supreme
Du bist der Nächste — Marty Supreme | 2025 © TOBIS Film
LEGO‑Werbegrafik mit einem LEGO‑Stormtrooper aus Star Wars, der dynamisch in einer staubigen Szene steht. Links befindet sich das LEGO‑Logo, rechts ein kurzer Werbetext zu LEGO‑Produkten im Thalia‑Shop.

Was bleibt also am Ende zu sagen?

Zunächst einmal: Ich habe meinen ersten Solo-Kinobesuch dieses Jahres sehr genossen. Marty Supreme war anders, als ich ihn erwartet habe – und vielleicht war genau das sein größter Reiz. Er ist experimenteller, sperriger, weniger klassisch unterhaltsam, als ich gehofft hatte. Aber gleichzeitig ist er genau die Art von Film, die ich mir vom zeitgenössischen Autorenkino wünsche.

Das hier ist kein Challengers, das die Mischung aus Sport und Drama elegant und publikumswirksam perfektioniert. Stattdessen bekommen wir einen Film, der in erster Linie von einem Menschen erzählt, dessen Leben durch den Sport an den Rand seiner Existenz gedrückt wird – und der dabei niemanden verschont, der sich nicht rechtzeitig von ihm abwendet.

Es ist eine Sportler-Katharsis. Keine heroische, keine saubere – sondern eine unbequeme.

Es ist eine Sportler-Katharsis. Keine heroische, keine saubere – sondern eine unbequeme.

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr wächst der Film in mir. Ich kann nicht aufhören, über ihn zu sprechen, über Szenen nachzudenken, über Entscheidungen zu grübeln. Ich werde ihn mir definitiv noch einmal im Originalton ansehen – auch wenn die Preview im Astor leider nur auf Deutsch lief. Das ändert nichts an meiner grundsätzlich positiven Haltung.

Auf Letterboxd habe ich vier Sterne vergeben – und war dennoch unentschlossen. Deshalb fühlt sich die 7,5 von 10 Punkten hier ehrlicher an. Ein halber Schritt zwischen Begeisterung und Vorbehalt.

Denn bei allem Lob kann ich die Kritik nicht einfach wegwischen. Ja, ich verstehe die Stimmen, die den Umgang mit weiblichen Figuren problematisieren. Ich weiß nicht, ob ich möchte, dass solche Darstellungen auch in zwanzig Jahren noch selbstverständlich sind – selbst wenn sie zur Figur passen oder ein Zeitbild zeichnen sollen. Nicht jeder Film muss progressiv sein. Aber jeder Film sollte reflektiert mit dem umgehen, was er zeigt.

Und trotzdem: Ich mochte diesen Film. Sehr sogar.

Gerade weil es ein Originalstoff ist. Weil er unbequem ist. Und weil er sich nicht anbiedert. Solche Filme braucht das Kino. Filme, über die man streitet, über die wir die Essays schreiben. Filme, die im Gedächtnis bleiben, ob mit oder ohne weitere Academy Awards.

Marty Supreme ist kein Film für den Familienabend. Er will es auch nicht sein. Er ist roh, egoistisch, fiebrig – genau wie seine Hauptfigur. Und vielleicht liegt genau darin seine Stärke.

Meine Erwartungshaltung liegt jetzt irgendwo in Josh Safdies Keller.
Aber ich nehme es ihm nicht übel.

Werdet ihr euch Marty Supreme ansehen?


TRAILER: © TOBIS Film 

Das Bild listet Cast & Crew des Films Marty Supreme auf

Filmkritik: Indiana Jones und das Rad des Schicksals

 

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Weitere Meinungen zu Marty Supreme aus der Redaktion





Pressestimmen zu Marty Supreme

Franziska Tretter von Adoring Audience
Nach einer kurzen Einführung der Figuren wird MARTY SUPREME zur Achterbahnfahrt. Ein Mensch bricht in einer Badewanne durch die Decke. Ein verschwundener Hund muss gesucht werden, weil der reiche Besitzer ihn gerne wiederhätte. Dazwischen die Tischtennis-Matches und die Suche nach einer Finanzierung der Reise zum Tischtennisturnier. Dieses Tempo hat anfangs durchaus seinen Reiz. Im letzten Drittel hat mich die schiere Menge an Nebenhandlungen dann aber überfordert. 7.5 Punkte von 10.

Julian Bonsu von Cinema Forever
Marty Supreme ist ein mehr als würdiger Nachfolger zu Josh (und damals auch noch Benny) Safdies vorherigen Spielfilmen Good Time und Der schwarze Diamant. Er hat dieselbe packende, rasende, wilde Atmosphäre, die zu Josh Safdies Markenzeichen geworden ist. Marty Supreme wirkt jedoch deutlich opulenter, natürlich auch wegen des Budgets in Höhe von knapp 65 Millionen Dollar. Es ist in der Tat ein monumentales Epos eines großen Filmemachers. Es scheint, als hätte sich auch Josh Safdie den Marketingslogan des Films angeeignet: DREAM BIG! 7 von 8 Sterne.

Patrick Heidmann von epd film
Timothée Chalamet glänzt als ambitionierter Pingpong-Spieler und Überlebenskünstler Marty Mauser, der in den 1950er Jahren den Weltmeistertitel im Tischtennis anstrebt, und ergänzt seine Schauspiel­karriere um einen weiteren Höhepunkt. 5 von 5 Sterne.

Yannick Vollweiler von Filmrezensionen.de
Unter der Prämisse einer fiktionalisierten Sportbiografie ist Marty Supreme ein bildgewaltiges Period-Piece und gleichzeitig eine intime Charakterstudie. Timothée Chalamet vereint als Marty Mauser Talent, Arroganz und Egoismus mit dem Optimismus und der Hybris des New Yorks der 50er Jahre. Trotz seiner fraglichen Charaktereigenschaften fesselt Mausers Charme ebenso wie Chalamets Schauspiel. Rasantes Erzähltempo, pointierter Humor und ein exzellentes Ensemble machen Marty Supreme bereits jetzt zu einem der besten Filme 2026. 10 von 10 Punkte.

Ilija Glavas von KinoMeister
Marty Supreme ist kein klassisches Biopic und kein Wohlfühl-Sportfilm. Josh Safdie folgt auf Bennys The Smashing Machine mit einem ungeschliffenen, elektrisierenden Porträt eines Getriebenen. Mit entfesselter Energie, handwerklichen Mut und einem düsteren Blick auf den amerikanischen Traum wird aus Tischtennis großes Kino. Spiel. Satz. Supreme! 10 von 10 Punkte.

Sebastian Gerdshikow von Going to the Movies
„Marty Supreme“ ist ein sehr interessanter Film. Regisseur und Autor Josh Safdie scheint mehr Talent für Filme zu haben als sein Bruder Benny (dessen „The Smashing Machine“ nicht wirklich berauschend gewesen ist). Josh Safdie zeigt uns die 50er Jahre, die sich dank 80er Jahre Soundtrack fast schon ein wenig surreal anfühlen – weil man eben die Zeit nicht greifen kann. Das verschwimmt hier alles ein wenig – auch weil „Marty Supreme“ nie zur Ruhe kommt. Wenn der Film erstmal losgeht, beginnen auch die Sorgen und Probleme für Marty selbst […] 7 von 10 Punkte.

Pressematerial: Marty Supreme | 2025 © TOBIS Film

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