Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf

Das Bild zeigt Ryan Gosling in dem Film Only God Forgives

Es gibt Filme, die bei Release durchfallen, zerrissen oder einfach falsch verstanden werden – und Jahre später fragt man sich: War der wirklich so schlecht? Genau um diese Kategorie geht es heute. In unserer neuen Top 5 werfen wir einen Blick auf Filme, die eigentlich besser sind als ihr Ruf.

Ob Science-Fiction, Satire oder visuell ambitioniertes Blockbuster-Kino – viele dieser Filme sind nicht an mangelnder Qualität gescheitert, sondern an Erwartungen, Timing oder der öffentlichen Wahrnehmung. Manche wurden zu hart bewertet, andere schlicht missverstanden. Und genau deshalb lohnt es sich, ihnen heute nochmal eine zweite Chance zu geben.

Gemeinsam in der Redaktion haben wir fünf Filme ausgewählt, die polarisiert haben, diskutiert wurden – und die wir hier bewusst verteidigen wollen. Nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie mehr zu bieten haben, als ihnen oft zugestanden wird.

Also: Wenn ihr euch schon einmal dabei ertappt habt, einen vermeintlich „schlechten“ Film heimlich zu mögen – dann seid ihr hier genau richtig.

Ein Beitrag von: Lennart Goebel in Zusammenarbeit mit Florian & Riley

Die Rubrik „Die 5 BESTEN am DONNERSTAG“ erklärt 🌟🎥

Diese beliebte Rubrik wurde von der Bloggerin und Illustratorin Gorana Guiboud ins Leben gerufen und wir haben die Ehre erhalten, diese weiter zu führen, nachdem sie das Bloggen aufgegeben hatte. Jeden Donnerstag gibt es hier die spannendsten Listen, Rankings und Empfehlungen aus der Welt der Filme, Serien, Bücher oder anderer kreativer Themen.

Das Besondere: Jede Person mit einem eigenen Blog oder einer kreativen Plattform kann mitmachen! Ihr könnt eure eigenen Bestenlisten erstellen, sie in einem Beitrag veröffentlichen und auf unsere Rubrik verweisen. Oder eure Top 5 einfach in den Kommentaren unter unseren Beiträgen teilen. So entsteht eine lebendige, vielfältige Sammlung von Empfehlungen, die von der Community getragen wird. 💬🌟

Egal ob Klassiker, moderne Meisterwerke, Nischenperlen oder persönliche Favoriten. Hier zählt eure Sicht auf das Beste, eure Begeisterung und eure Perspektive. Die Rubrik bietet nicht nur Inspiration für Film- und Buchfans, sondern auch die Möglichkeit, sich zu vernetzen, auszutauschen und gemeinsam cineastische und kreative Highlights zu entdecken. 🎥🥋📚

Seid dabei, lasst euch inspirieren, diskutiert mit und zeigt, welche fünf Favoriten ihr für die kommende Woche auf eurem Radar habt. Die 5 BESTEN am DONNERSTAG sind eure Bühne! 🌟🍿✨

Die 5 Filme mit zu Unrecht schlechtem Ruf – Prolog

Babydoll (Emily Browning) schießt sich den Weg in die Freiheit frei! Das Bild ist aus dem Film Sucker Punch von Zack Snyder | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf
Sucker Punch | 2011 ©Warner Bros.
Werbebild zur Predator-Reihe mit einem Predator, der eine Frau in actionreicher Pose hält; dunkler, chaotischer Hintergrund verstärkt die Spannung. Deutscher Werbetext: „Bereit für die Jagd? Entdecke jetzt die Predator-Highlights bei Thalia“ mit „Shop Now“-Button. | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf

Heute wollen wir uns erneut an eine Top 5 wagen – eine, die tatsächlich aus einem ganz klassischen Brainstorming in der Redaktion entstanden ist. Es geht um fünf Filme, die besser sind als ihr Ruf.

Und seien wir ehrlich: Da hat vermutlich jede*r sofort ein paar Titel im Kopf. Filme, die man selbst mochte, obwohl sie von der Masse eher belächelt, ignoriert oder kritisch beäugt wurden. Ich spreche da auch aus Erfahrung – ich könnte hier vermutlich problemlos einen Case für den ein oder anderen Film von Edgar Wright machen.

Doch wie das in der Redaktion so ist, ging die Diskussion schnell los: Welche Filme passen wirklich auf so eine Liste? Welche sind tatsächlich unterschätzt – und welche verteidigt man nur aus persönlicher Nostalgie heraus?

Am Ende darf ich euch heute gemeinsam mit Flo und Riley fünf Filme präsentieren. Und das Beste: Die beiden mussten nicht lange überlegen – ihre Picks kamen quasi wie aus der Pistole geschossen. Ich selbst hatte zwar auch direkt einen Kandidaten im Kopf, habe dann aber doch länger darüber nachgedacht, wie man die Auswahl halbwegs „objektiv“ rechtfertigen kann.

Also habe ich mich an einem losen Konsens orientiert und bewusst nach Filmen gesucht, die eher eine durchschnittliche Bewertung, zum Beispiel auf Letterboxd, mitbringen. Schließlich geht es hier nicht darum, ohnehin gefeierte Werke nochmal zu loben, sondern genau die Filme herauszustellen, die irgendwo zwischen „mid“ und „missverstanden“ hängen geblieben sind.

Und ja – ich habe sogar ChatGPT gefragt, welche Filme sich anbieten würden. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Offenbar hatte OpenAI großes Interesse daran, Twilight (2008) in dieser Liste zu sehen. Gleichzeitig wurden mir persönliche Lieblinge mit soliden 3,9-Bewertungen wie Das erstaunliche Leben des Walter Mitty (2013) vorgeschlagen – also Filme, die nun wirklich nicht unter einem schlechten Ruf leiden. Auf der anderen Seite standen dann Picks wie Sucker Punch (2011) oder gefühlt jeder zweite Zack-Snyder-Film.

Das Problem dabei: Entweder waren es offensichtlich schwache Filme, die man verteidigen müsste, als würde man sich in einer völlig aussichtslosen Diskussion verrennen – oder es waren Filme, die eigentlich längst rehabilitiert sind und höchstens zum Release etwas kritischer gesehen wurden.

Was mir bei der Recherche aber besonders aufgefallen ist: Gerade auf Plattformen wie Letterboxd gibt es erstaunlich oft einen ziemlich klaren Konsens. Es wirkt fast so, als hätten sich „Filmbros and Sis“ weltweit stillschweigend auf eine gemeinsame Bewertungsskala geeinigt. Natürlich gibt es Ausreißer – ich saß zum Beispiel neulich bei einem Filmquiz mit jemandem am Tisch, der felsenfest behauptet hat, Anora (2024) sei ein grauenhaft schlechter Film. Seitdem steht er auf meiner Watchlist. Einfach, weil ich verstehen will, wie man zu so einer Meinung kommt – und wie ein Film gleichzeitig den Oscar für den besten Film gewinnen kann.

Aber bevor wir uns hier komplett verlieren: Ich bin mir sicher, euch juckt es jetzt schon in den Fingern. Wahrscheinlich tippt ihr gedanklich bereits eure eigenen Kandidaten zusammen – Filme, die ihr immer wieder verteidigen müsst, obwohl sie von vielen als „mid“ oder sogar als Trash abgestempelt werden.

Und genau darum geht’s heute.

Ganz nach dem Motto: We listen and we don’t judge – schauen wir uns an, was die Passion of Arts-Redaktion für euch mitgebracht hat.

5. Passengers (2016)

Das Bild zeigt ein mann der liebevoll einer Frau an die Wangefasst, innerhalb eines sehr hellen und steril aussenden Raums. | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf
Zu früh aufgewacht und mehr als eine Lebenszeit bis zum Ziel — Passengers | 2016 ©Sony Pictures Entertainment
Das Bild zeigt einen Astronauten, der im All treibt. In weißen Lettern steht "Hol dir den Roman zum Film" | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf
Foto: Buchcover von Will Staehle ©Unusual Co

Wovon handelt Passengers?

Tausende von Menschen werden in einem Raumschiff zu einer Kolonie auf einem fernen Planeten transportiert. Die 120 Jahre dauernde Reise sollen sie im Kälteschlaf verbringen. Durch eine Fehlfunktion werden jedoch der Mechaniker Jim (Chris Pratt) und die Journalistin Aurora (Jennifer Lawrence) 90 Jahre zu früh geweckt. Als die beiden gerade beginnen, sich mit ihrem Schicksal abzufinden und ihre Gefühle füreinander zu entdecken, droht plötzlich Gefahr. Jim und Aurora sind die einzige Hoffnung für die noch schlafenden Passagiere.

Passengers | 2016 © Sony Pictures

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf – Filme sind eine Teamleistung

Ach ja, Passengers. Der Film, den man immer dann hervorholt, wenn man das Argument bringen will, dass das moderne Sci-Fi-Kino irgendwie nicht mehr funktioniert. Ein Hochglanzprojekt mit Chris Pratt (Guardians of the Galaxy, Jurassic World) und Jennifer Lawrence (Die Tribute von Panem, Silver Linings) in den Hauptrollen, inszeniert von Morten Tyldum (The Imitation Game). Also eigentlich nichts besonderes, Hollywood Playbook. Und trotzdem ist der Film heute eher als verpasste Chance in Erinnerung geblieben.

Zum einen: Jokes on you – spätestens seit Andy Weirs Der Astronaut wieder zeigt, wie gut isolationsbasierte Sci-Fi funktionieren kann. Zudem ist dieses „Sci-Fi ist tot“-Argument ohnehin schwierig geworden. Zum anderen bin ich seit einem bekannten YouTube-Essay ziemlich überzeugt davon, dass Passengers kein grundsätzlich schlechter Film ist. Sondern einer, der in der Postproduktion und im strukturellen Storytelling entscheidend falsch abgebogen ist.

Denn schaut man sich den Film isoliert an, ist da erstmal erstaunlich viel, was funktioniert. Die Prämisse ist stark: Zwei Menschen wachen auf einem Generationenschiff viel zu früh aus ihrem Hyperschlaf auf, Jahrzehnte vor ihrem Zielplaneten. Diese Ausgangssituation bringt alles mit, was gute Science-Fiction braucht – Einsamkeit, moralische Konflikte, existenzielle Entscheidungen.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Es geht um Perspektive

Gerade Chris Pratt als Jim Preston trägt einen großen Teil dieser ersten Filmhälfte allein – und das gar nicht mal schlecht. Seine Darstellung von Isolation und schleichendem Wahnsinn hat Momente, die fast schon an klassische One-Man-Sci-Fi erinnern und wie schon erwähnt zuletzt von Ryan Gosling perfektioniert wurde. Unterstützt wird das Ganze von einem visuell beeindruckenden Setting: Das Raumschiff wirkt steril, riesig und gleichzeitig klaustrophobisch – ein perfekter Spiegel für den mentalen Zustand seiner Hauptfigur, bla bla bla, ihr wisst worauf ich hinaus will!

Der Kern des Problems liegt nicht in der Idee, sondern in der Perspektive. Passengers erzählt seine Geschichte aus der Sicht von Jim – und nimmt damit die spannendste Möglichkeit direkt vom Tisch. Denn stellt euch mal vor, der Film würde aus der Perspektive von Jennifer Lawrences Figur Aurora Lane beginnen.

Wir wachen mit ihr auf und verstehen nicht, warum sie wach ist. Wir lernen Jim kennen – scheinbar als Retter, als jemanden, der ihr hilft, sich in dieser Situation zurechtzufinden. Und erst nach und nach entfaltet sich die Wahrheit: Dass er sie bewusst aufgeweckt hat. Dass ihre gesamte Realität auf einer Entscheidung basiert, die sie selbst nie getroffen hat.

Plötzlich wäre Passengers kein Sci-Fi-Romance-Drama mehr, sondern ein psychologischer Thriller im Weltraum.

Und genau diese Version des Films scheint irgendwo noch durch. Chris Pratts Performance wirkt stellenweise fast irritierend fehl am Platz – als würde sie zwischen Sympathieträger und moralisch fragwürdiger Figur schwanken. Es ist gut möglich, dass genau das ursprünglich auch die Idee war. Doch irgendwo auf dem Weg hat sich der Film entschieden, sicherer zu werden. Zugänglicher. „Romantischer“.

Das Ergebnis ist ein tonal uneinheitlicher Film, der sich nicht traut, seine eigene Prämisse wirklich auszureizen.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Postproduktion

Und genau hier kommt das Thema „Postproduktion“ ins Spiel. Bei schauen des Film, aber vorallem im Trailer, fühlt sich etwas komsich an. ich glaube hier wurde im Schnitt entschieden, die Geschichte zu glätten. Ich önnte mir gut vorstellen das das testpublikum sich zu sehr von der Hauptfigur distanziert gefühlt hat. Das ist kein belegbarer Fakt, aber es ist ein Gefühl, das sich hartnäckig durchzieht.

Dabei zeigt gerade Passengers, wie entscheidend Struktur im Storytelling ist. Es ist kein Film, der an seiner Idee scheitert – sondern an der Art, wie diese Idee präsentiert wird.

Trotzdem – und das ist der Punkt, an dem ich ihn verteidigen würde. Bleibt der Film in seiner finalen Form moralisch verwerflich, evtl. auch unpsannend aber wenigstens unterhaltsam. Nicht brillant, nicht konsequent, aber weit entfernt von dem Totalausfall, als der er oft abgestempelt wird. Die Chemie zwischen Pratt und Lawrence funktioniert unter Gesichtspunkten der Perspektivenverschiebung. Der Score trägt die Stimmung, und visuell steht der Film den Vertretern seiner Zeit nichts nach.

Ja, die Dialoge sind teilweise holprig – sollten Sie wahrscheiunlich auch sein. Ja, die moralische Dimension ist mehr als nur problematisch und wird nicht konsequent genug reflektiert. Und ja – man kann absolut argumentieren, dass der Film gerade aus heutiger Perspektive schwierig zu bewerten ist.

Aber ihn einfach als „schlecht“ abzutun, greift zu kurz.

Passengers ist kein guter Film im klassischen Sinne. Aber er ist ein faszinierendes „Was wäre wenn?“. Ein Film, bei dem man permanent die bessere Version miterlebt, die irgendwo zwischen Drehbuch und Schnitt verloren gegangen ist.

Und genau das macht ihn so spannend.

Oder anders gesagt: Passengers ist wie seine eigene Hauptfigur – tragisch missverstanden.

4. Don’t Look Up (2021)

Passion of Arts: Dr. Randall Mindy und Kate Dibiasky sitzen vor Monitoren und machen betrübte Gesichter | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf
Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio v.) sieht unglücklich dem Weltuntergang entgegen — Don’t Look Up | 2021 ©Niko Tavernise/Netflix
LEGO‑Werbegrafik mit einem LEGO‑Stormtrooper aus Star Wars, der dynamisch in einer staubigen Szene steht. Links befindet sich das LEGO‑Logo, rechts ein kurzer Werbetext zu LEGO‑Produkten im Thalia‑Shop.

Worum geht es in Don’t Look Up?

Die Doktorandin Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence) entdeckt einen bisher unbekannten Kometen, doch die anfängliche Freude schlägt schnell in nacktes Entsetzen um. Gemeinsam mit ihrem Professor Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio) errechnet sie, dass der „Planetenkiller“ in etwa sechs Monaten direkt mit der Erde kollidieren wird. Als sie ihre Ergebnisse der US-Präsidentin Janie Orlean (Meryl Streep) präsentieren, reagiert diese jedoch gleichgültig und ist mehr um ihre Umfragewerte und die anstehenden Zwischenwahlen besorgt.

In ihrer Verzweiflung wenden sich die Wissenschaftler an die Medien, doch auch dort wird ihre Warnung zwischen Promi-Klatsch und Witzen zerredet. Während die Welt zwischen Leugnern („Don’t Look Up“) und Warnern („Just Look Up“) zerbricht, versucht der Milliardär, den Kometen für Profit kontrolliert abstürzen zu lassen.

Don’t Look Up | 2021 © Netflix  

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Wir reden nicht über Politik, aber …

Ja gut … jetzt wird es unausweichlich politisch. Und wahrscheinlich auch ein bisschen kontrovers.

Ich glaube, jede*r, der Don’t Look Up gesehen hat, hat dazu eine Meinung. Und ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern, wie ich damals nach dem Abspann allein im Wohnzimmer saß und dem Film eine Solo-Standing-Ovation gegeben habe. Nicht zuletzt, weil die After-Credit-Szene dieses brachiale Ende nochmal auf eine fast schon absurde Weise auflockert und einem zumindest ein kleines Lächeln zurückgibt.

Satire ist immer schwierig. Denn sobald man sich über etwas lustig macht, macht man sich zwangsläufig auch über irgendjemandes Haltung lustig. Und genau daran hat sich der Film damals abgearbeitet – für viele zu platt, zu direkt, zu sehr mit dem Holzhammer.

Aber mit ein paar Jahren Abstand stellt sich für mich eher eine andere Frage:
War er wirklich zu platt – oder einfach nur zu nah dran?

Regisseur Adam McKay hat hier keinen subtilen Film gemacht, und das war nie die Intention. Mit Leonardo DiCaprio und Jennifer Lawrence als verzweifelte Wissenschaftler*innen, die versuchen, eine offensichtliche Katastrophe zu kommunizieren, zeichnet der Film ein Szenario, das schon damals unangenehm real wirkte. Heute wirkt es teilweise fast schon erschreckend plausibel.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Kann Kritik unterhalten?

Wir leben in einer Zeit, in der selbst offensichtlichste Fakten zur Verhandlung stehen. In der Diskussionen oft fernab jeder Vernunft geführt werden, in der Narrative wichtiger sind als Realität und in der es manchmal reicht, laut genug zu sein, um recht zu behalten – zumindest gefühlt.

Und genau hier trifft Don’t Look Up einen Nerv, den viele beim ersten Schauen vielleicht noch als überzogen empfunden haben.

Die Idee, dass eine existenzielle Bedrohung kollektiv relativiert, politisiert oder sogar bewusst ignoriert wird, wirkt heute weniger wie Satire und mehr wie ein leicht verzerrter Blick auf reale Dynamiken. Der Film übertreibt – klar. Aber er übertreibt in eine Richtung, die sich nicht mehr völlig abwegig anfühlt.

Natürlich kann man sagen: „Im echten Leben würden die Leute doch einfach hochschauen.“
Aber würden sie das wirklich?

Oder würden wir erst diskutieren, ob der Komet überhaupt existiert? Ob er wirklich so gefährlich ist? Ob vielleicht wirtschaftliche Interessen dagegen sprechen, etwas zu unternehmen?

„I doubt it.

Und genau in dieser unangenehmen Frage liegt die Stärke des Films.

Dabei hilft auch, dass die Performances bewusst überzeichnet sind. Leonardo DiCaprio spielt keinen klassischen Helden, sondern einen Mann, der zunehmend an der Absurdität der Situation zerbricht. Jennifer Lawrence ist direkter, wütender, kompromissloser – und wird genau dafür immer weiter aus dem Diskurs gedrängt.

Der Rest des Casts, von Meryl Streep bis Jonah Hill, bewegt sich irgendwo zwischen Satire und Karikatur. Und ja, das ist laut. Das ist drüber. Das ist teilweise anstrengend und unangenhem. Aber es ist auch konsequent.

Denn Don’t Look Up will nicht subtil sein. Der Film will nicht gefallen. Er will treffen.

Und das gelingt ihm – vielleicht heute sogar besser als zum Zeitpunkt seines Releases.

Man kann ihn kritisieren. Für seine Länge, für seine Wiederholungen, für seinen fehlenden Feinschliff. All das ist berechtigt. Aber man sollte ihm nicht absprechen, dass er etwas trifft, das viele Filme sich nicht einmal trauen anzusprechen.

Don’t Look Up ist unbequem, weil er überzeichnet Ehrlich ist und weil viele die Kritik nicht verstehen oder verstehen wollen.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Zusammenarbeit

Dieser Artikel ist diesmal ein bisschen anders als sonst – was vor allem daran liegt, wie das Thema überhaupt entstanden ist. Beim Brainstorming kam die Idee auf, und auch wenn ich sie in den Raum geworfen habe, kamen aus der Redaktion sofort Rückmeldungen. Nicht nur Zustimmung, sondern direkt konkrete Picks. Jeder hatte plötzlich diesen einen Film, den er unbedingt verteidigen wollte.

Also dachten wir uns: Warum nicht einfach mal ausprobieren?

Statt einer klassischen Einzelkolumne nähen wir diesen Artikel im Patchwork-Stil zusammen – mit mehreren Stimmen, unterschiedlichen Perspektiven und ganz eigenen Herangehensweisen. Ich persönlich finde es ohnehin immer spannend, verschiedene Schreibstile nebeneinander zu erleben. Und wenn sich der Ton innerhalb eines Artikels verändert, bringt das auch eine gewisse Dynamik rein.

Genug der Vorrede – ich gebe an dieser Stelle erstmal ab:
Zuerst an Flo, danach an Riley … und zum Schluss komme ich nochmal zurück und ziehe noch einen Pick aus dem Hut.

3. Hurry Up Tomorrow (2025)

Abel Tesfaye läuft durch einen schmuckvoll augestatteten Flur, der durch mehrere Kronleuchter in ein gelbes Licht getaucht wird. | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf
Abel (The Weeknd) wandelt durch die Tiefen seiner Psyche — Hurry Up Tomorrow | 2025 ©Wild Bunch Germany
Passion of Arts Dein Fenster zur Filmkunst. Spendabler Kaffee. | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf

Wovon handelt Hurry Up Tomorrow?

 Der Film Hurry Up Tomorrow erzählt die Geschichte von Abel (The Weeknd), einem erfolgreichen Musiker, der unter Schlaflosigkeit leidet und sich in einer existenziellen Krise befindet. Als er eines Abends auf eine mysteriöse Fremde namens Anima (Jenna Ortega) trifft, beginnt eine surreale Reise, die seine Wahrnehmung der Realität und seine Selbstwahrnehmung auf die Probe stellt. Die Handlung ist geprägt von psychologischer Tiefe und einer intensiven Auseinandersetzung mit inneren Konflikten.

Der Film wurde von Trey Edward Shults inszeniert, der auch das Drehbuch gemeinsam mit Reza Fahim und The Weeknd schrieb. Produziert wurde der Film von Reza Fahim, Harrison Kreiss, Kevin Turen und The Weeknd. Die Dreharbeiten fanden in den USA statt, und die Filmmusik wurde von The Weeknd und Daniel Lopatin komponiert. Der Film ist eng mit The Weeknds gleichnamigem Album verknüpft, das als Abschluss seiner musikalischen Trilogie dient. Lionsgate sicherte sich die weltweiten Vertriebsrechte, und der Film wird am 15. Mai 2025 in Deutschland veröffentlicht.

Hurry Up Tomorrow | 2025 ©Wild Bunch Germany

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Das Problem des Vorurteils

Wann sind Filme besser als ihr Ruf? Diese Frage habe ich mir gestellt. Folglich war mir klar, dass es hier nicht um Guilty Pleasures gehen kann, denn das Wort besser ist in dem Fall eigentlich unbrauchbar. Es muss also viel mehr darum gehen einem Film eine Qualität zu attestieren, die ihm nicht zugestanden wird. Zusammenhängen sollte dies mit einem vorauseilenden Ruf, der für das breite Publikum eine offene Auseinandersetzung mit dem Film schon im Vorhinein unmöglich macht. Bei dieser Blickweise fällt mir ein Film ein, der, wie kein anderer, besser ist als sein Ruf.

Hurry Up Tomorrow hatte eigentlich schon verloren, bevor er überhaupt im Kino erschien. Hauptgrund dafür war der Hauptdarsteller The Weeknd (Abel Tesfaye), der auch das Zentrum des Films ist. Er spielt nun mal sich selbst und setzt sich mit seinem Album, nach dem der Film benannt wurde, auseinander. Allerdings war Tesfaye durch vorherige Film- und Serienprojekte eigentlich schon verbrannt. Die ganze Welt lachte über ihn und die Kontroversen um seine Person halfen auch nicht weiter. Als Hurry Up Tomorrow nun erschien wurde dementsprechend nur über Tesfayes schlechtes Schauspiel gesprochen, und darüber was für ein selbstverliebtes Ego-Projekt der Film eigentlich sei. Kaum ein positives Wort wurde über den Film verloren. Wer bei der ganzen Sache komplett vergessen wurde, ist Trey Edward Shults.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Ein künstlerisch-anspruchsvolles Wagnis

Jenna Ortega läuft mit einem Benzinkanister durch eine Schneelandschaft. Im Hintergrund brennt ein Haus. Ein Bild aus dem Film "Hurry Up Tomorrow". | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf
Jenna Ortega verleiht dem Film eine eigene Note — Hurry Up Tomorrow | 2025 ©Wild Bunch Germany
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Mich hatte die reine Neugier ins Kino gelockt, denn weder bin ich Fan von The Weeknd, noch hatte ich mich zuvor mit dessen Person auseinandergesetzt. Stattdessen konnten Trey Edward Shults auf dem Regiestuhl und Jenna Ortega sowie Barry Keoghan in Nebenrollen mein Interesse wecken. Erwartet hatte ich einen unkonventionellen Psychothriller und genau das liefert Hurry Up Tomorrow auch. Natürlich ist Abel Tesfaye kein geborener Schauspieler, aber gerade, wenn er hier sich selbst spielt, ist das vielleicht nicht gut, schlecht jedoch auch nicht. Denn auch wenn sich alles um The Weekend dreht, Hurry Up Tomorrow ist ein Trey Edward Shults Film.

Als solche kann der Psychothriller auch überzeugen. Shults spielt mit dem Medium, und zwar exzessiv. Andauernd ändert sich das Bildformat und je länger der Film andauert, desto surrealer wird das Geschehen. Andauernd wird dem Publikum der Boden der Logik unter den Füßen weggezogen. Shults führt uns tief in die Psyche eines Künstlers hinein, lässt Realität und Illusion miteinander verschwimmen. Daraus resultiert ein faszinierendes, mutiges aber eben auch herausforderndes Metaphernspiel, welches im ersten Moment kaum zu entwirren ist.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Ein gewagtes Gedankenspiel

Dementsprechend ist Hurry Up Tomorrow zu keinem Zeitpunkt ein Mainstreamfilm. Viel eher handelt es sich um einen verkopft-surrealen Thriller, der am ehesten im Arthousebereich zu verorten wäre. Nur ist das nicht geschehen. Nirgends hat Hurry Up Tomorrow Zuspruch gefunden. Das verleitet mich zu einem, Gedankenspiel. Was wäre, wenn dieser film vor 15 Jahren erschienen und von David Lynch mit David Bowie in der Hauptrolle gedreht worden wäre? Der gleiche Film nur mit anderen Namen. Ich bin mir sicher, Hurry Up Tomorrow würde als Meisterwerk gelten. Die Wahrheit zur Qualität des Films liegt vermutlich irgendwo in der Mitte, doch allein die handwerklichen Stärken müssen dem Film eigentlich im positiven Bereich verorten. Und das macht Hurry Up Tomorrow zu einem der Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf.

2. Only God Forgives (2013)

Ryan Gosling als Julian in „Only God Forgives“, stehend in einem rot-gelb beleuchteten Raum, mit erhobenen Händen vor einer kämpferischen Statue im Hintergrund; atmosphärisch düstere Neonästhetik. | Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf
Eine düstere Geschichte über Gewalt, Rache und die Abgründe der menschlichen Psyche — Only God Forgives | 2013 ©Sunfilm
Werbeanzeige für Eastern- und Martial-Arts-Filme: Im Zentrum eine dynamische Illustration eines kämpfenden Martial-Arts-Künstlers in stilisierten Pinselstrichen. Rechts daneben steht deutscher Werbetext, der eine kuratierte Auswahl an Eastern-Filmen bei Thalia ankündigt. Unten befindet sich ein „Shop Now“-Hinweis sowie das Thalia‑Logo.

Worum geht es in Only God Forgives ?

Only God Forgives ist ein kontroverser Thriller aus dem Jahr 2013, geschrieben und inszeniert von Nicolas Winding Refn. Der Film spielt in Bangkok, Thailand, und präsentiert eine düstere Geschichte über Gewalt, Rache und die Abgründe der menschlichen Psyche. Die Handlung dreht sich um Julian (Ryan Gosling), der in Bangkok ein Boxstudio betreibt, das jedoch nur als Fassade für seine kriminellen Aktivitäten dient. Julian ist ein verschlossener und geheimnisvoller Mann, der tief in kriminelle Machenschaften verstrickt ist.

Als sein Bruder Billy (Tom Burke) grausam ermordet wird, heftet sich Julians dominante und sadistische Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) an seine Fersen. Crystal, die in der Unterwelt Bangkoks eine Machtposition innehat, fordert von Julian Rache für den Tod seines Bruders. Sie ist skrupellos und beherrscht ihren Sohn emotional. Julian gerät in einen inneren Konflikt, da er sich zwischen seiner unterdrückten Wut und seiner Unfähigkeit, sich gegen seine Mutter aufzulehnen, befindet. Während er nach den Mördern seines Bruders sucht, trifft er auf den rachsüchtigen Polizisten Chang (Vithaya Pansringarm), der seine eigene Form der Gerechtigkeit praktiziert und nicht davor zurückschreckt, brutale Strafen zu verhängen.

Only God Forgives | 2013 ©Sunfilm | Tiberius Film

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Neon, Schuld & Stille: Die Entstehung von Only God Forgives

Nach dem großen Erfolg von Drive (2011) mit Ryan Gosling in der Hauptrolle war die Filmwelt gespannt, welches Projekt Nicolas Winding Refn als Nächstes realisieren würde. Als bekannt wurde, dass Gosling auch in Only God Forgives erneut die Hauptrolle übernehmen würde, stiegen die Erwartungen an das Duo enorm. Gleichzeitig setzte sich Refn selbst stark unter Druck, wie er später in Interviews und Dokumentationen erzählte.

Schon lange hegte er den Wunsch, einen Film in Bangkok zu drehen. Er verbrachte Monate mit intensiver Vorbereitung, der Suche nach passenden Drehorten und dem Ausarbeiten erster Ideen. Um ein Gefühl für die Ästhetik von Martial Arts zu bekommen, belegte er sogar einen Kampfkunstkurs. Auch Ryan Gosling trainierte verschiedene Techniken, da Refn ursprünglich plante, stärker auf Martial-Arts-Elemente zu setzen.

Kurz vor Drehbeginn entschied sich Refn jedoch um: Die Figur Julian wurde komplett neu konzipiert, und das Projekt entwickelte sich weg vom Martial-Arts-Film hin zu einer düsteren, innerlich zerrissenen Charakterstudie. Themen wie Gewalt, Schuld und innere Fäulnis dominieren den Film, der weniger eine klassische Handlung erzählt als vielmehr einen emotionalen Zustand. Die Inszenierung wirkt wie ein surrealer, neongetränkter Trip, getragen von Symbolik, Ritualen und Körperbildern. Ryan Gosling spricht im gesamten Werk nur 17 Sätze – die Intensität entsteht durch Bilder, nicht durch Worte.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Zwischen Brutalität & Brillanz: Warum Only God Forgives bis heute verkannt wird

Für das breite Publikum im Jahr 2013 war vor allem die obsessive Gewalt ein Problem. Der Film galt vielen als zu brutal und wurde von der Kritik eher verhalten aufgenommen, trotz der Nominierung für die Goldene Palme in Cannes. Verstärkt wurde die negative Wahrnehmung dadurch, dass Refn in dieser Phase öffentlich oft als arrogant wahrgenommen wurde.

Dabei wird Only God Forgives bis heute unterschätzt. Der Film ist ein Kleinod an Filmkunst, dessen Ästhetik eine völlig eigene Bildsprache entwickelt. Die Gewalt ist zwar allgegenwärtig, wirkt jedoch eher wie ein konstantes, unheilvolles Summen in einer Welt voller verkommener Figuren, die in ihren eigenen Dilemmata gefangen sind. Der Soundtrack verstärkt diese Atmosphäre und zieht das Publikum mit einer unangenehmen Sogwirkung in eine kriminelle, blutgetränkte Realität.

Für mich wird Only God Forgives in seiner Feinheit verkannt. Refn schuf hier pure Filmkunst durch Ästhetik, Surrealismus und emotionale Intensität. Das Ensemble trägt entscheidend dazu bei, dem Werk seine düstere, fast rituelle Note zu verleihen. Only God Forgives ist kein Film über Gewalt, sondern über Menschen, die in einer Spirale aus Gewalt leben und kaum einen Weg finden, damit umzugehen. Ein verkanntes Meisterwerk – und definitiv besser als sein Ruf.

In einem Interview mit Kino TV erwähnte Ryan Gosling zudem, dass er und Nicolas Winding Refn dazu bestimmt seien, gemeinsam eine Trilogie zu schaffen. Eine Aussicht, über die ich mich sehr freue und auf deren Umsetzung ich gespannt warte.

1. Valerian – Die Stadt der tausend Planeten (2017)

Zwei komisch angezogene Menchen in einer Wüstigen Landschaft
Spezialagent Valerian und seine neue Partnerin Laureline — Valerian | 2017 © Leonien
Das Bild ist eine Werbanzeige zu "Romanen von Andy Weir" die man im Thalia Shop erwerben kann

Worum geht es in Valerian ?

Im 28. Jahrhundert sorgen der Spezialagent Valerian (Dane DeHaan) und seine neue Partnerin Laureline (Cara Delevingne) für Recht und Ordnung in der gesamten Galaxis. Ihr neuester Auftrag, den sie von ihrem raubeinigen Kommandanten Arun Filitt (Clive Owen) bekommen, führt die beiden ungleichen Gesetzeshüter in die gigantische Metropole Alpha, in der unzählige unterschiedliche Spezies aus verschiedensten Teilen des Universums zusammenleben. Mit der Zeit haben sich die Bewohner der Stadt so weit einander angenähert, dass sie all ihr Wissen vereint haben und dies zum Vorteil für alle nutzen. Allerdings kann sich längst nicht jeder mit den herrschenden Verhältnissen anfreunden. Einige schmieden insgeheim Pläne, die nicht nur Alpha, sondern die gesamte Galaxis ins Chaos stürzen könnten. Valerian und Laureline setzen daher alles daran, um das drohende Unheil abzuwenden.

Valerian | 2017 © Leonine

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Sci-Fi ist Tod

Mein letzter Film ist Valerian – Die Stadt der tausend Planeten. Ein Projekt von Luc Besson, das heute oft als riesige Enttäuschung abgestempelt wird. Und das kommt natürlich nicht von ungefähr.

Besson hat mit Das fünfte Element einen echten Meilenstein des Sci-Fi-Kinos geschaffen – einen Film, der bis heute für seinen Stil, seine Kreativität und seine Eigenständigkeit gefeiert wird. Wenn man sich dann Jahre später erneut ins Genre wagt, sind die Erwartungen automatisch riesig.

Und genau daran ist Valerian für viele gescheitert.

Dabei muss man erstmal festhalten: Der Film basiert auf der französischen Comicreihe Valérian und Veronique und bringt damit eine Vorlage mit, die seit Jahrzehnten als extrem einflussreich gilt. Besson adaptiert hier also nicht einfach irgendeine Geschichte, sondern ein Stück Sci-Fi-Kulturgeschichte – und man merkt, wie wichtig ihm das ist.

Denn wenn man über Valerian spricht, kommt man an einem Punkt nicht vorbei: diesem unfassbaren Worldbuilding.

Das CGI bewegt sich hier auf einem Niveau, das man fast schon als Peak einer bestimmten Ära bezeichnen kann – kurz bevor viele Blockbuster visuell wieder austauschbarer wurden. Jede Welt, jede Spezies, jede einzelne Sequenz steckt voller Details. Es gibt Momente in diesem Film, in denen mehr Kreativität und Production Design stecken als in kompletten Franchises.

Allein die Eröffnungssequenz oder die Multidimensional-Markt-Szene zeigen, was hier eigentlich möglich gewesen wäre. Und genau deshalb tut es fast weh, dass der Film an einer so zentralen Stelle scheitert: seinen Hauptfiguren.

Dane DeHaan und Cara Delevingne funktionieren für viele schlicht nicht. Vor allem DeHaan wirkt in einer Rolle, die eigentlich einen charismatischen Abenteurer verlangt, oft fehlbesetzt. Und während Delevingne sich meiner Meinung nach noch halbwegs schlägt, wird das eigentliche Problem im Zusammenspiel der beiden offensichtlich.

Top 5 Filme die besser sind als ihr Ruf: Die Chemie der Protagonisten

Denn der Film versucht, eine Liebesgeschichte zu erzählen. Und genau diese Chemie – oder besser gesagt das Fehlen davon – ist der Punkt, an dem Valerian für viele komplett auseinanderfällt. Die Beziehung wirkt konstruiert, teilweise sogar unangenehm unnatürlich. Und wenn ein Film emotional nicht trägt, hilft auch das beste Worldbuilding nur bedingt.

Das ist ein valider Kritikpunkt. Und den kann man auch nicht einfach wegdiskutieren.

Aber – und das ist der Punkt, an dem ich den Film verteidigen würde – es ist auch zu kurz gedacht, ihn darauf zu reduzieren.

Denn Valerian ist einer dieser Filme, die man eher erlebt als klassisch „durcherzählt“ bekommt. Es geht weniger um Plot oder Figurenentwicklung und viel mehr um das Eintauchen in eine Welt. Um Ideen. Um visuelle Fantasie.

Und in genau dieser Hinsicht ist der Film einfach viel zu gut, um ihn als gescheitert abzustempeln.

Ich hatte jedes Mal Spaß, wenn ich ihn geschaut habe. Und ja – ich habe ihn sogar auf Blu-ray im Regal stehen. Zugegeben, das ist vielleicht kein Qualitätsmerkmal (ich besitze auch Wir sind die Millers), aber trotzdem: Der Film funktioniert für mich.

Nicht, weil er perfekt ist. Sondern weil er sich etwas traut.

In einer Zeit, in der viele große Produktionen auf Sicherheit setzen, wirkt Valerian fast schon wie ein Anachronismus. Überladen, chaotisch, manchmal unfokussiert – aber eben auch kreativ, mutig und visuell eigenständig.

Und ganz ehrlich: Wenn wir über Filme hinwegsehen können, die narrativ schwächeln, solange sie uns unterhalten (und ja, ich schaue hier in Richtung diverser Superheldenfilme), dann sollte man Valerian zumindest dieselbe Chance geben.

Er muss kein Meisterwerk sein.

Aber er ist auch ganz sicher kein Totalausfall.

Und vielleicht ist genau das der Punkt: Valerian ist kein gescheiterter Film – sondern einer, der an seinen Ambitionen gemessen wird.

Und daran gehen die meisten Filme ohnehin kaputt.

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  • Pokémon Meisterdetektiv Pikachu (2019)
  • Man of Steel (2013)
  • Jason X (2001)
  • Spider-Man 3 (2007)
  • Aquaman (2018)
  • Game Changer (2025)
  • The Last Stand (2013)
  • Amsterdamned 2 – Verfluchtes Amsterdam (2025)
  • Love Hurts (2025)
  • 65 (2024)
  • Prometheus – Dunkle Zeichen (2012)
  • The Neon Demon (2016)
  • Crimson Peak (2015)
  • A Cure for Wellness (2016)
  • The Gray Man (2022)
  • House of Wax (2005)
  • Leave the World Behind (2023)
  • Snow White and the Huntsman (2012)
  • Scream 7 (2026)
  • The Nice Guys (2016)

Fazit zu 5 Filmen die besser sind als ihr Ruf

Wenn man sich diese Top 5 im Gesamtbild anschaut, fällt vor allem eines auf: Keiner dieser Filme ist wirklich „schlecht“ im klassischen Sinne. Was sie eint, ist vielmehr, dass sie an Erwartungen scheitern – an den eigenen, an denen des Publikums oder an denen, die durch frühere Werke oder große Namen aufgebaut wurden.

Egal ob es die strukturellen Probleme bei Passengers, die politische Agenda von Don’t Look Up, das schlechte Acting von Valerian – all diese Filme haben etwas gemeinsam: Sie gehen Risiken ein. Und genau das ist oft der Punkt, an dem sich die Geister scheiden.

Denn wir sind es mittlerweile gewohnt, dass Filme funktionieren. Dass sie bestimmten Mustern folgen, uns abholen, uns nicht zu sehr herausfordern. Sobald ein Film aus dieser Komfortzone ausbricht – sei es erzählerisch, tonal oder in seiner Inszenierung – wird er schnell als „zu viel“, „zu komisch“ oder eben als „schlecht“ abgestempelt.

Dabei sind es oft genau diese Filme, die im Nachhinein spannender werden.

Und genau darum ging es bei dieser Liste: nicht darum, Meisterwerke neu zu bewerten, sondern Filme hervorzuheben, die mehr verdienen als ihr Ruf ihnen zugesteht. Filme, bei denen es sich lohnt, nochmal hinzuschauen – vielleicht mit etwas Abstand, vielleicht mit einer anderen Erwartungshaltung.

Denn manchmal liegt zwischen „mid“ und „missverstanden“ nur eine zweite Chance.

Und genau die wollten wir diesen fünf Filmen heute geben.

Welche sind eure 5 Filme die besser sind als ihr Ruf?


Mitwirkende am Artikel

Filmkritik: Indiana Jones und das Rad des Schicksals

 

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Ein stilvoll gekleideter Mann im Stil der 1940er Jahre trägt einen dunklen Fedora-Hut und einen dreiteiligen Anzug mit Krawatte. Sein Gesichtsausdruck ist ernst und geheimnisvoll, mit einem Schatten, der teilweise über seine Augen fällt. Die Farbgebung des Bildes ist in einem warmen Sepia-Ton gehalten, was den Eindruck eines klassischen Film-Noir-Porträts verstärkt.
Passion of Arts Redaktion Florian

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