Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen

Das Bild zeigt vier Figuren aus dem Film Spiel mir das Lied vom Tod. Zwei der drei Männer tragen einen Relvover. Die Frau liegt am Boden. Der Hintergrund ist gelb. Titelbild zu den 5 Besten Eröffnungssequenzen von Filmen.

Weil meistens der erste Eindruck zählt suchen wir heute die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen. Es geht um die Minuten die uns direkt nach, manchmal aber auch schon vor dem Vorspann oder währenddessen versuchen in den Bann zu ziehen. Das mag auf den ersten Blick nicht spektakulär wirken, tatsächlich ist eine gute Eröffnung jedoch eine große Kunst. Ähnlich wie bei der Pilotfolge einer Serie kann von ihr abhängen, ob das Publikum überhaupt weiterschaut. Eine gute Eröffnungssequenz beginnt nicht nur einfach die Geschichte. Sie muss als eigenständiges Gesamtkunstwerk funktionieren. Genau das möchte ich in den folgenden Zeilen untersuchen.

Ein Beitrag von: Florian

Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen: Funktionen von Eröffnungssequenzen

Darth Vader schreitet von sturmtruppen begleitet durch einen Korridor. Eine Szene aus dem Film Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung. Eine der besten Eröffnungssequenzen von Filmen.
Darth Vader (David Prowse) rundet diese Eröffnung ab — Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung | 1977 ©The Walt Disney Company
Werbebanner für Star Wars Merchandise mit dem Schriftzug „STAR WARS MERCH“ und einem „SHOP NOW“-Button samt EMP-Logo. Im Hintergrund sind ikonische Charaktere und ein Raumschiff aus „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ zu sehen. Unten links befindet sich ein Bildnachweis von Disney.

Stellen wir uns zuerst die Frage, was eine Eröffnungssequenz eigentlich ist. Die ersten zur Handlung hinzugehörenden Momente. So viel steht fest. Animationen oder sonstige Spielereien ohne Erzählfunktion zu Vorspannen, wie es bei manchen Werken der Fall ist, können somit ignoriert werden. Dafür möchte ich die Eröffnungssequenz nicht auf eine einzelne Szene oder gar Einstellungen herunterbrechen. Keine Reduzierung auf nur einen speziellen Ort. Vielmehr soll die Eröffnungssequenz ein zusammenhängender Szenenkomplex sein.

Dieser besitzt die Aufgabe die Zuschauenden in die Szenerie einzuführen. Eine mögliche Herangehensweise kann reine Exposition sein. Hierbei soll die Grundlage für folgendes etabliert werden. Geschehen kann dies unter anderem durch einen erklärenden Prolog. Es ist aber auch möglich, dass sich diese Exposition auf die Einführung von Hauptfiguren beschränkt. Des Weiteren kann eine Eröffnung aber auch nur versuchen Impulse zu setzen. Eventuell schürt es Interesse, wenn die Zuschauenden noch nicht zur Gänze verstehen, was sie sehen. Oder aber man setzt auf einen Schock, der das Publikum emotional tangiert.

Berühmte und gute Eröffnungen

Das Bild zeigt ein Kind das mit seltsam ausgebreiteten Armen bei Nacht über eine Straße läuft. Eine der besten Eröffnungssequenzen von Filmen.
Ein Kind verschwindet in die Dunkelheit — Weapons – Die Stunde des Verschwindens | 2025 ©New Line Cinema | Domain Entertainment (II) | Subconscious
Das Bild ist eine Werbeanzeige zu Horrorfilmen auf Thalia

Das sind sogar nur ein paar Beispiele für Funktionen dieser Sequenzen. Statt noch weiter in das Thema einzutauchen, möchte ich lieber noch einzelne Szenen nennen. Geht es um den reinen Erinnerungswert, komme ich hierbei nicht um „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ herum. Dort überzeugen vor allem das Handwerk und die völlig neuartigen Bilder. Nach dem berühmten Opening Crawl schwenkt die Kamera von dem Hintergrund des Textes direkt auf eine Weltraum-Verfolgungsjagd. Noch eindrucksvoller ist lediglich der abschließende erste Auftritt von Darth Vader.

Ebenfalls unvergessen ist auch die Eröffnungssequenz von „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“. Eine Stimme erklärt die Vorgeschichte, während diese eindrucksvoll bebildert wird. Selten war Exposition audiovisuell ein solcher Genuss. Gar nicht unähnlich ist der Ansatz den Zack Snyder in „Watchmen: Die Wächter“. Hier wird zu Bob Dylans The Times They Are Changing zu einer schönen Montage gegriffen, um die Ausgangslage zu erklären. Nur kommt die Montage leider erst nach einer guten, aber nicht außergewöhnlichen Eröffnungssequenz. Ein Beispiel für eine starke aktuelle Eröffnung bietet „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“. Wieder wird ein Monolog bebildert. Dabei entsteht manch schrecklich-schöne Einstellung.

Meine Auswahl für die 5 besten Eröffnungssequenzen in Filmen

Für die 5 besten Eröffnungssequenzen in Filmen möchte ich aber nun nicht einfach die berühmtesten wählen. Um ihren Status soll es hier nicht gehen. Daher dürften mindestens drei der genannten Filme überraschen. Dennoch halte ich deren Eröffnungssequenzen für genial. Damit ich dies aufzeigen kann, habe ich ein bestimmtes Vorgehen gewählt. Zunächst werde ich die gewählte Eröffnung beschreiben, dann in den Kontext des Filmes einordnen. Hierbei wird es zu Spoilern bezüglich der genannten Szenen kommen. Zu den Filmen an sich halte ich mich jedoch im Vagen.

5. Thalapathi (1991)

Rajinikanth in einer Szene des Films Thalapathi.
Surya (Rajinikanth) gerät in eine Zwickmühle — Thalapathi | 1991 © G. V. Films
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Wovon handelt „Thalapathi“?

Der Film „Thalapathi“ erzählt die Geschichte von Surya (Rajinikanth), einem Mann, der unter schwierigen Umständen aufwächst und sich auf der Seite der Unterdrückten und Schwachen stellt. Sein Leben nimmt eine entscheidende Wendung, als er Devaraj (Mammootty) begegnet, einem charismatischen Anführer, mit dem er eine tiefe Freundschaft entwickelt. Gemeinsam kämpfen sie für Gerechtigkeit, geraten jedoch bald in Konflikt mit Ramana (Arvind Swamy), einem idealistischen Beamten, der fest an das Gesetz glaubt. Auch die Begegnungen mit Subbulaxmi (Shobana) und Padma (Bhanupriya) bringen Surya in Situationen, in denen er zwischen Loyalität, Liebe und seinen eigenen Prinzipien entscheiden muss.

Thalapathi | 1991 © G. V. Films | Trailer: Mukesh Cuts

Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen: Ein emotionaler Paukenschlag

Thalapathi“ beginnt, wie es für indische Gangster-Epen jener Zeit nicht unüblich war mit einem einschneidenden Ereignis in der Geburt des Protagonisten. Mani Ratnam macht diese Verankerung in der Vergangenheit nicht nur durch das Einblenden einer Jahreszahl, sondern auch durch den Verzicht auf Farben deutlich. Ein Einstieg in Beige, der Einfachheit halber als schwarz-weiß zu bezeichnen. Dieser Anfang zeigt die Geburt von Surya.

Die Kamera schweift über eine kleine ländliche, mutmaßlich rückständige Ortschaft. Es ist Feiertag, die Menschen bereiten sich auf die Festlichkeiten vor. Doch einem jugendlichen Mädchen ist überhaupt nicht fröhlich zu Mute. Sich vor Schmerzen krümmend, schleppt sie sich von einem Haus zum nächsten. Nur will niemand der Schwangeren aus fehlgeleiteten Moralvorstellungen helfen. Allein bringt sie das Kind zur Welt und legt es auf einem vorbeifahrenden Zug ab. Der Wunsch, ihr Sohn möge eine bessere Zukunft haben bringt sie daher unter Tränen zu dieser Entscheidung. Für das Neugeborene beginn eine Zugfahrt, die damit endet, dass Surya auf einem kleinen Fluss in die Slums und sein neues Leben treibt.

Vorausdeutung der wichtigsten Themen

Indische Filme haben vielen anderen Filmindustrien eine Stärke voraus. Es die Kunst der puren Emotionalität, wodurch gemeinsam mit der perfekt passenden Musik auch die gewählte Anfangssequenz einmalig wird. Der Schmerz der Mutter wird verständlich dargestellt. Man leidet mit ihr, kann gar nicht nicht ergriffen von dem Gesehenen sein. Gleichzeitig ist da aber auch dieses Kind. Ein unschuldiges Wesen, das seiner eigenen Zukunft entgegenfährt.

Beeindruckend ist, wie gut Mani Ratnam bereits, ohne genau anzudeuten in welche Richtung der Film noch gehen soll, wichtige Themen und die Grundlage für zentrale Konflikte etabliert. „Thalapathi“ wird im weiteren Verlauf soziale Missstände, aber auch das Kastensystem und weitere gesellschaftliche Vorurteile kritisieren und anprangern. Auch die Familie ist wichtig. Die Beziehung einer Mutter zu ihrem Sohn. Die Grundlage dafür, dass sein Vorhaben auf emotionaler Ebene im späteren Verlauf gelingt, legt Ratnam schon in diesen ersten Minuten. Poetisch und voller versteckter Bedeutung.

4. From Dusk Till Dawn (1996)

George Clooney und Quentin Tarantino in einer Szene des Films From Dusk Till Dawn. Eine der besten Eröffnungssequenzen von Filmen.
Seth (George Cloones) und Richard (Quentin Tarantino) beginnen ihre Reise mit einem Überfall— From Dusk Till Dawn | 1996 © STUDIOCANAL

Worum geht es in „From Dusk Till Dawn“?

Der Film „From Dusk Till Dawn“ beginnt mit den kriminellen Brüdern Seth Gecko (George Clooney) und Richard Gecko (Quentin Tarantino), die nach einem Gefängnisausbruch und einem Bankraub auf der Flucht nach Mexiko sind. Unterwegs nehmen sie die Familie Fuller, bestehend aus Jacob Fuller (Harvey Keitel), Kate Fuller (Juliette Lewis) und Scott Fuller (Ernest Liu), als Geiseln. Sie gelangen schließlich zu einer abgelegenen Tabledance-Bar namens Titty Twister, wo sie die Nacht verbringen wollen. Doch die Bar entpuppt sich als tödliche Falle voller Vampire, und ein blutiger Kampf ums Überleben beginnt.

From Dusk Till Dawn | 1996 © STUDIOCANAL | Trailer: Moviedinho

Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen: Wenn da mal nicht Tarantino seine Finger im Spiel hatte

Dass Quentin Tarantino und Robert Rodriguez gute Freunde sind, ist kein Geheimnis. In den 90er Jahren revolutionierten sie beide das Kino, der eine mehr, der andere weniger. Ein Highlight ist natürlich das große Aufeinandertreffen der Beiden im Jahre 1996. Quentin Tarantino spielte hierzu eine Hauptrolle in Rodriguez Mischung aus Gangsterfilm und Vampirhorror. Je weiter der Film voranschreitet, desto klarer wird auch, dass dies der Film von Robert Rodriguez ist. Die Eröffnungssequenz jedoch könnte aus einem Tarantino-Film stammen. Vermutlich hat er daran nicht nur schauspielerisch mitgewirkt. Wenn ja, ist es seine Beste.

From Dusk Till Dawn“ beginnt mitten in der Einöde. Ein Sheriff betritt einen einsamen Laden und unterhält sich mit dem Besitzer über Belanglosigkeiten. Nachdem er auf Toilette geht, offenbart der Film seine Wendung. Die Brüder Seth und Richard Gecko sind im Begriff den Laden zu überfallen und haben den Kassierer sowie eine Kundin als Geiseln genommen. Nun steigt die Spannung mit jeder Sekunde. Die Brüder sind angespannt, die Situation droht zu eskalieren. Genau das passiert auch. Eine blutige Schießerei bricht sich ihre Bahnen und zeigt die Kaltblütigkeit der Gangster. Schließlich verlassen sie diskutierend und gemütlich den Laden, während er hinter ihnen in einem Feuerball explodiert.

Eine clevere Etablierung der Hauptfiguren

Salma Hayek in einer Szene des Films From Dusk Till Dawn.
Salma Hayek ist eines der Highlights des Films — From Dusk Till Dawn | 1996 © STUDIOCANAL

Auf den ersten Blick ist die Funktion dieser Eröffnungssequenz ganz offensichtlich. Es handelt sich um klassische Exposition. Robert Rodriguez lässt seinen Film erklären, dass es um die Flucht zweier Ganoven gehen wird und stellt ebenjene vor. Seth Gecko ist der clevere der Beiden. Er handelt überlegt, ist sogar leicht sympathisch und dennoch ziemlich brutal. Das Verhalten von Richard Gecko hingegen grenzt an Wahnsinn. Er scheint das Chaos zu lieben, aufdringlich gegenüber Frauen zu sein und gerne Gewalt eskalieren zu lassen. Trotz ihrer Unterschiede halten die Brüder jedoch zusammen. Mehr braucht der Zuschauer nicht um interessiert zu sein.

Allerdings leistet dieser Auftakt noch einen weiteren Dienst. Innerhalb von wenigen Minuten zeigt Rodriguez seinem Publikum exakt die Struktur, welcher auch der gesamte Film unterliegt. Ein beschaulicher, ruhiger Auftakt, der von Dialogen geprägt ist. Dann kommt ungefähr in der Mitte die Wendung und aus dem ruhigen Beginn wird ein blutiges Spektakel. Das fasst auch „From Dusk Till Dawn“ in seiner Gesamtheit zusammen. Zunächst erhält das Publikum ein gemütliches Gangster-Road-Movie, bevor das Geschehen sich aus heiterem Himmel in Vampir-Splatter verwandelt. Auf beiden Ebenen funktioniert die Eröffnungssequenz des Films nahezu perfekt.

3. Die Sieger (1994)

Herbert Knaup in einer Szene des Films Die Sieger.
karl Simon (Herbert Knaup) steht vor einem schwierigen Fall — Die Sieger | 1994 ©Bavaria Film | Bavaria Filmverleih- und Produktions GMBH | Sentana Filmproduktion | ZDF

Wovon handelt „Die Sieger“?

Der Film „Die Sieger“ folgt dem SEK-Beamten Karl Simon (Herbert Knaup), der mit seinem Team bei einem Einsatz auf eine geheimnisvolle Spur stößt, die weit über den Auftrag hinausweist. Dabei gerät er in ein Netz aus Verrat, Korruption und verdeckten Machenschaften, das nicht nur seine Loyalität, sondern auch sein Vertrauen in die Institutionen ins Wanken bringt. Unterstützt wird er von seinem Kollegen Heinz Schaefer (Hannes Jaenicke), während sich seine Frau Sylvia (Eva Kryll) zunehmend um die Belastungen sorgt, die Karls Arbeit mit sich bringt. Als die Ermittlungen ihn auf unerwartete Gegner stoßen lassen, muss Simon zwischen Pflichtgefühl und persönlicher Integrität seinen Weg finden.

Die Sieger | 1994 ©Bavaria Film | Bavaria Filmverleih- und Produktions GMBH | Sentana Filmproduktion | ZDF | Trailer: Trailer World

Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen: Ein Schlaflied

Die Sieger“ beginnt mit einem Kontrast aus warmen Farben und einer bereits drückend erscheinenden Musik. In einem, vom Gelbstich heimgesuchten Düsseldorf, fährt ein Auto durch die Straßen, während Meret Beckers melancholische Stimme im Takt der Musik ein Schlaflied vorträgt. Daraus entsteht eine Stimmung, die sich aus warmer Atmosphäre und kühler Irritation zusammensetzt. Mit den Insassen Gefährts setzt sich dies fort. Karl und Heinz sind offenkundig Freunde, doch Kommunikation erscheint abgehackt. Trotz Obst und Blumenstrauß auf dem Schoss wirkt Heinz bedrückt. Der Schnitt der Kamera in sein Heim auf Hochzeitsfotos oder auf Kinder, welche eine Brücke überqueren, verstärkt die Melancholie.

Fast schon glücklich ist das Publikum bei der Ankunft am Krankenhaus. Endlich wird sich das Geheimnis um die Bedrückung lösen. Man rechnet mit einem Schicksalsschlag für Heinz, der nun allein weiter schreitet. Im Krankenhaus ebbt die Musik ab. Heinz geht zwischen Babys umher und tritt offenbar vor seinen Nachkommen. Egal mit welcher Auflösung der Situation man rechnete, nicht mit dieser. Ein schneller Schnitt, ein dumpfer Knall und der Aufschrei einer Krankenschwester. Blut am Fensterbrett, das Kind wurde vom Vater erschlagen. Graf schneidet zurück auf ein idyllisches Landschaftsbild und sein Name wird eingeblendet. Ein Statement.

Das bewusste Unterwandern der Erwartungen

Herbert Knaup flirtet mit katja Flint. Szene aus dem Film Die Sieger.
Die Gefühle spielen verrückt — Die Sieger | 1994 ©Bavaria Film | Bavaria Filmverleih- und Produktions GMBH | Sentana Filmproduktion | ZDF

Nach der Ankündigung eines großen deutschen Actionfilms gingen viele Interessierte von einem spektakulären Blockbuster aus. Seichte Kost, die eine gute Zeit beschert und in erster Linie der Unterhaltung dient. Genau das ist Dominik Grafs „Die Sieger“ jedoch nicht. Er schuf einen Polizeithriller, der die Polizisten einer Spezialeinheit, die ständig unter Druck stehen, nicht vermenschlicht, sondern ihre Abgründe aufzeigt. „Die Sieger“ soll und muss weh tun. Das stieß das Publikum der Premiere vor den Kopf und einige verließen noch während der Eröffnungssequenz den Saal.

Diese Eröffnung ist das Tor zu den düsteren Abgründen, welche Graf zeigen will. Düsternis, die in den Menschen brodelt, ohne, dass wir sie wahrnehmen. Zunächst wähnt uns der dabei Film in Sicherheit, suggeriert uns einen dramatischen Einstieg, um mit der betroffenen Figur mitfiebern zu können. Diese ist jedoch der Antagonist und liefert den Schock statt des Mitleids. Grafs Mut mit dem Mord an einem Säugling wurde einst jedoch nicht belohnt. Für mich ist es ein Grund über „Die Sieger“ zu schreiben, wenn es um die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen geht. Diese Szene ist nicht nur ein plumper Schock. Ihre Unmittelbarkeit weckt nicht nur unser Interesse an der Motivation für die Tat, denn sie rüttelt auch auf. Inszenatorische Brillanz rundet diesen schockierenden, allerdings brillanten Auftakt ab.

2. Spiel mir das Lied vom Tod (1968)

Drei Männer warten am Bahnhof. Eine Szene aus Spiel mir das Lied vom Tod. Eine der besten Eröffnungssequenzen von Filmen.
Worauf wird hier gewartet? — Spiel mir das Lied vom Tod | 1968 ©Paramount Pictures

Worum geht es in „Spiel mir das Lied vom Tod“?

Spiel mir das Lied vom Tod“ (Originaltitel: C’era una volta il West; englischer Titel: Once Upon a Time in the West) ist ein Italowestern aus dem Jahr 1968, inszeniert von Sergio Leone. Die italienisch-US-amerikanische Koproduktion gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Vertretern des Genres. Die Premiere fand am 21. Dezember 1968 in Rom statt, während der Film in der Bundesrepublik Deutschland am 14. August 1969 in die Kinos kam.

Der Film gilt als einer der ersten modernen Westernklassiker, der sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt und sowohl von der Kritik als auch vom Publikum überwiegend positiv aufgenommen wurde. 2009 wurde er in das National Film Registry aufgenommen, um seinen kulturellen Wert zu würdigen.

Die Geschichte dreht sich um den Bau einer Eisenbahnstrecke und entfaltet sich zu einem epischen Drama voller Rache, Gier und Mord, in dessen Mittelpunkt vier Hauptfiguren stehen. Es handelt sich um eine Schachtelgeschichte, deren Lösung am Ende des Films in Form eines szenischen Rückblicks erfolgt (Analepse).

Spiel mir das Lied vom Tod | 1968 ©Rafran Cinematografica | San Marco | Paramount Pictures

Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen: Drei Pferde sind zwei zu viel

Das Warten. Viele Menschen dürften sich darauf einigen, dass das Warten auf etwas, zu den schlimmsten Momenten gehören dürfte, die man sich ausmalen könnte. Vor allem, wenn man nicht weiß, wann es ein Ende finden wird.  Dieses Phänomen ist stellvertretend für die ersten Minuten von Sergio Leones Western-Meisterwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“. Nie wieder wurde das Warten im Film so brillant, so nervenaufreibend eingefangen wie ihr. Weil das ständige Heulen des Windrads stellenweise die Musik ersetzt, werden sowohl das Publikum als auch die Figuren am Bahnhof langsam in den Wahnsinn getrieben. Und dennoch kann man seinen Blick nicht abwenden, ist gefangen in dem Willen zu erfahren, worauf gewartet wird. Warum ließ man das Wasser auf die Stirn tropfen? Warum ließ man sich von der Fliege stören.

Die Ankunft des Zuges nach fast sieben Minuten ist eine Erlösung für alle Wartenden. Nur sieht dies unterschiedlich aus. Eine Erlösung, weil das Warten ein Ende. Ein Erlösen von der Anspannung und für drei schräge Zeitgenossen ein Erlösen von ihrem irrelevanten Dasein. Sergio Leone hingegen erlöst den Zuschauer mit dem, worauf sie bei einem Western sehnsüchtig warten. Coole Sprüche, darüber, dass die Gangster zwei Pferde zu viel und nicht eines zu wenig haben, und ein cooler Charles Bronson, der in Revolverheld-Manier seine Gegner beseitigt.

Eignung als Kurzfilm

Das Bild zeigt die Eröffnungsszene des Films "Spiel mir das Lied vom Tod" in dem drei Cowboys an einem hölzernen Bahnsteig, einem angereisten Cowboy gegenüber stehen. Eine der besten Eröffnungssequenzen von Filmen.
Ein Gunfight zum Auftakt — Spiel mir das Lied vom Tod | 1968 ©Paramount Pictures

Bei dem Thema Die 5 besten Eröffnungssequenzen in Filmen komme ich nicht drumherum über „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu schreiben. Es ist die offensichtlichste Wahl, aber eben auch eine Zwingende. Wer den soeben beschriebenen Auftakt einmal gesehen hat wird ihn nie wieder vergessen wollen. Als hätte man etwas Magischem beigewohnt. Das Warten, welches den Zuschauenden in die Szenerie hineinzieht, ohne zu langweilen. Dafür ist der Schnitt zu überlegt und die Spielereien zu clever.

Gleichzeitig bietet Sergio Leone hier aber auch im Grunde einen funktionalen Kurzfilm auf. Betrachtet man die Eröffnungssequenz separat, mag für dieses Format nichts zu fehlen. Tatsächlich finden sich in diesen wenigen Minuten nahezu alle wichtigen Elemente eines Westerns wieder. Beginnend mit der Hinführung zu einem Showdown und endend mit eben jenem Schusswechsel. Charles Bronson gibt hierbei den üblichen Revolverhelden, dessen Mysterium so im Unklaren bleibt, dass die Bereitschaft, ihm durch einen ganzen Film zu folgen, vorhanden ist. Und so ist nicht nur das reine Handwerk, die phänomenale Inszenierung und die fast noch bessere Musik, welche diese Sequenz einmalig machen.

1. She Said (2022)

She Said: Auf dem Bild sind zwei Frauen an einem Tisch. Die eine sitzt auf dem Tisch, die andere stützt sich mit den Armen darauf und sitzt daran. Sie hält ein Handy hoch, sodass beide eine Sprachnachricht anhören können
Megan (Carey Mulligan) und Jodi (Zoe Kazan) suchen nach der Wahrheit — She Said | 2022 ©Universal Pictures

Worum geht es in „She Said“?

She Said“ ist ein Drama, das die wahre Geschichte hinter dem berühmten Enthüllungsbericht über sexuellen Missbrauch in der Unterhaltungsindustrie erzählt. Der Film folgt den Journalistin Megan Twohey und Jodi Kantor, die für die „New York Times“ arbeiten. Beide sind entschlossen, die Wahrheit über die systematische sexuelle Belästigung und den Missbrauch von Macht innerhalb der Filmindustrie aufzudecken.

Durch akribische Recherche und die Interviews mit mutigen Frauen, die ihre Erfahrungen teilen, decken sie die Vergehen eines einflussreichen Produzenten auf und enthüllen ein System des Schweigens und der Einschüchterung. Ihr Bericht hat weitreichende Konsequenzen und löst weltweit eine Welle der Diskussion und des Wandels aus.

She Said | 2022 ©Universal Pictures

Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen: Ein Schockmoment zu Beginn

Eine Eröffnungssequenz, die ausschließlich mit Impulsen arbeitet und auf verbale Exposition komplett verzichtet. Es soll ein Gefühl vermittelt werden. Das Ergebnis ist aber auch ein Meisterwerk in visueller Erzählkunst. Und dafür braucht es kein Spektakel. Die ersten Minuten von „She Said“ sind vor allem schön, mag man zunächst meinen. Eine junge Frau schlendert durch eine idyllische Landschaft. Die Natur wird fühlbar. Schließlich tauchen historische Soldaten auf und es wird klar, sie befindet sich bei einem Filmdreh.

Der Zuschauer verspürt den Enthusiasmus, die Begeisterung für das Medium. Es ist ein magischer Moment. Doch „She Said“ ist kein Film über die Magie des Filmemachens. Stattdessen geht es darum, die Romantisierung aufzubrechen und die Schrecken nach außen zu kehren, im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar zu machen. Hier geschieht dies durch einen geschickten Schnitt, der einen Kontrast offenbart. Eben jene, vor kurzem noch glücklich wirkende Frau läuft plötzlich weinend und offenkundig verstört durch die abendlichen Straßen. Es bedarf keiner weiteren Erklärung. Was ungefähr geschehen sein muss, kann sich jeder grob problemlos ausmalen. Zurück bleibt ein effektiver Schockmoment, der mehr ist als das, weil er sofort zu Beginn für das heikle Thema sensibilisiert.

Die Essenz des Films in wenigen Minuten

Mehrere Menschen starren auf einen Computerbildschirm. Szene aus dem Film She Said.
Der letze Moment vor der Veröffentlichung — She Said | 2022 ©Universal Pictures

Mit diesen wenigen Minuten greift „She Said“ die gesamte Thematik schon einmal vorweg. Das Publikum wird sofort in die Problematik hineingeworfen. Dafür benötigt es keine Worte. Show don’t tell ist bei richtiger Dosierung immer noch am effektivsten. Die Brillanz dieser Eröffnung, die sich klassischer Exposition entzieht und nicht die Hauptfiguren etabliert, ist aber eine andere. Man könnte meinen, die Sequenz wäre ein üblicher Prolog. Nur ist dieser rein inhaltlich verzichtbar. Weder wird ein Mysterium aufgebaut noch werden Informationen etabliert, ohne die man den Film nicht verstehen könnte. Die folgenden zwei Stunden wären in sich nicht weniger schlüssig, möglicherweise jedoch weniger effektiv.

Die Eröffnungssequenz in „She Said“ besitzt in erster Linie eine emotionale Funktion. Im besten Fall ist der Zuschauer nach diesen wenigen Bildern emotional zerrissen und am Boden zerstört. Bei mir hat das funktioniert. Daher stellt sich die Frage, was aus diesem Vorteil folgt. „She Said“ brauchte sich nicht mehr um meine Aufmerksamkeit bemühen, mich nicht mehr für sich einnehmen. Davon profitiert der erste Akt, der ansonsten als klassischer Journalismus-Film eventuell einen Teil des Publikums verliert, immens. Mich als Zuschauer muss er dadurch nur noch halten. Etwas, das Maria Schrader problemlos gelingt. Der gesamte Erfolg von „She Said“ wird durch diese clevere Eröffnung verstärkt. Das macht für mich somit die beste Eröffnungssequenz der Filmgeschichte aus.

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Weitere starke Eröffnungssequenzen aus der Redaktion

  • Der König der Löwen (1994)
  • Der Herr der Ringe: Die Gefährten (2001)
  • Der Soldat James Ryan (1998)
  • Inglorious Basterds (2009)
  • The Dark Knight (2008)
  • Final Destination 2 (2003)
  • Drive (2011)
  • Matrix (1999)
  • Barbie (2023)
  • Nosferatu – Der Untote (2025)
  • Scream – Schrei (1996)
  • It Follows (2014)
  • The Batman (2022)
  • Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (1979)
  • Zurück in die Zukunft (1985),
  • Eiskalte Engel (1999),
  • Mission: Impossible II (2000)

Fazit zu Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen

Eröffnungssequenzen sind mannigfaltig und wichtig. Dabei gibt es unzählige Möglichkeiten eine solche anzulegen. Alles kommt auf den gewünschten Effekt an. Die besten dieser Eröffnungssequenz wollen hierbei mehr als nur die Geschichte zu beginnen. Entweder lassen sie sich im Nachhinein ganz anders interpretieren als zuvor oder sie machen den Film schlichtweg besser. Beides wollte ich mit meiner 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen aufzeigen.

Das waren meine Die 5 besten Eröffnungssequenzen in Filmen. Jetzt seid ihr dran!

Welche sind eure 5 besten Eröffnungssequenzen in Filmen?


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Passion of Arts Redaktion Florian

 


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Created by Gorana Guiboud | Header Elements: Die 5 besten Eröffnungssequenzen von Filmen – Passion of Arts Design | Spiel mir das Lied vom Tod | 1968 ©Paramount Pictures

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11 Kommentare

  1. Sehr schönes Thema und bei mir wird sich auch einiges wiederholen.

    Spiel mir das Lied vom Tod: Ist eigentlich fast ein Klischee, aber die Eröffnungsszene ist filmisch, inszenatorisch einfach zutiefst beeindruckend.

    Blade Runner: Die Nahaufnahme des Auges mit den Flammen und dann der Blick auf diese gigantische Metropole mit den Hochhäusern und den fliegenden Autos. Haut mich jedesmal um.

    Der Pate: Ich mag den Anfang mit dem ersten Satz: Ich liebe Amerika. Der ganze Dialog macht sofort klar mit wem man es zu tun, charakterisiert Marlon Brando als Paten schon perfekt.

    Jäger des verlorenen Schatzes: Klar nenne ich den auch. Der Anfang ist einfach super und macht schon unglaublich viel Spaß.

    Snake Eyes: Aus den 90er Jahren von Brian de Palma mit Nicolas Cage. Die ersten 15 Minuten sind eine Kamerafahrt bei einem Boxkampf in einem One Shot. Exzellent gefilmt.

  2. Die Eröffnung auf dem Bahnhof bei Spiel mir das Lied vom Tod ist natürlich epochal geil, hat es bei mir tatsächlich nur in die Honorably Mentioned geschafft. Den Anfang von From Dusk till Dawn mag ich auch sehr gerne, sehe ich aber nicht unter den Besten. Die anderen Filme kenne ich leider nicht (Die Sieger steht schon ewig und einen Tag auf meiner Watchlist).

    Meine Liste erscheint um 0 Uhr: https://thehomeofhorn.wordpress.com/2025/09/11/meine-5-besten-eroeffnungsszenen-aus-filmen

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