The Watermelon Woman – Filmkritik

Filmklappe, Popcorn und pink‑violettes Poster zu „The Watermelon Woman“ auf Holzoberfläche, dekoriert mit weißen Federn – cineastische Still‑Life‑Szene mit Fokus auf klassischem Filmequipment und ikonischem Poster.

The Watermelon Woman ist ein queerer Kultfilm und war vor 30 Jahren der erste Film seiner Art. Gemacht von einer schwarzen, lesbischen Frau stellt er auch heute noch einen wichtigen Schritt im Queer Cinema da und prägte Generationen von jungen Filmemachenden. Ich konnte der Wiederaufführung auf der Berlinale 2026 beiwohnen, wo auch Regisseurin Cheryl Dunye und Produzentin Alexandra Juhasz Rede und Antwort standen. Beide verrieten interessante Fakten und erzählten wie damals die Produktion ablief. Wen euer Interesse geweckt ist, lest gerne rein!
🎥🍉👩🏿

Ein Beitrag von: Maddin

Worum geht es in The Watermelon Woman?

Cheryl (Cheryl Dunye) ist eine aufstrebende, queere Filmemacherin und Videoverleiherin in Philadelphia, die sich leidenschaftlich für Filmgeschichte interessiert – insbesondere für die Darstellung Schwarzer Frauen im klassischen Hollywoodkino. Als sie beim Ansehen eines alten Films auf eine unbenannte afroamerikanische Schauspielerin stößt, die nur unter dem Titel „The Watermelon Woman“ bekannt ist, beginnt sie eine persönliche und künstlerische Reise: Sie will herausfinden, wer diese Frau war und warum sie aus der offiziellen Filmgeschichte scheinbar ausgelöscht wurde.

Während sie Archive durchforstet, Interviews führt und selbst mit der Kamera dokumentiert, trifft Cheryl auf unterschiedliche Menschen, die ihre Suche beeinflussen – darunter ihre beste Freundin Tamara (Valerie Walker), die sie bei ihren Recherchen unterstützt, aber auch mit kritischen Fragen konfrontiert. Zudem beginnt Cheryl eine Beziehung mit Diana (Guinevere Turner), einer weißen Kundin aus der Videothek, was neue Spannungsfelder rund um Intersektionalität, Rassismus und Begehren eröffnet.

The Watermelon Woman ist ein queerer Klassiker

Diana steht in einem Videokassettenleihgeschäft und wartet mit ihrer Brieftasche in der Hand an der Kasse. | The Watermelon Woman Filmkritik
Diana flirtet direkt an der Kasse mit Cheryl — The Watermelon Woman | 1996 © Mubi | Dancing Girl
Das Bild ist eine Werbeanzeige zu Queere Geschichten auf Thalia im Shop

The Watermelon Woman hat auch bei seinem 30. Jubiläum nichts von seinem Kultfaktor verloren. Der Film wurde im Rahmen des 40. Jubiläums des queeren Teddy-Awards auf der Berlinale erneut aufgeführt. Mit dabei waren auch Regisseurin Cheryl Dunye und Produzentin Alexandra Juhasz. Beide lieferten spannende Einblicke in die Produktion, aber dazu später mehr.

Regisseurin Cheryl Dunye übernimmt hier selbst die Hauptrolle und will mehr über das Leben der sogenannten „Watermelon Woman“ herausfinden, um dies dann alles in ihrem ersten großen Film zu verarbeiten. Es stellt sich heraus, dass ihr korrekter Name Fae Richards ist und dass sie im Philadelphia der 20er und 30er Jahre in einigen kleineren Hollywood-Produktionen mitspielte. Dies auch weil sie vermutlich eine lesbische Beziehung mit der weißen Regisseurin Martha Page hatte.

Cheryl zieht also auf verschiedenen Wegen Erkundigungen ein. Zum Beispiel besucht sie auch das (fiktive) „Center for Lesbian Information and Technology (CLIT)“ (geilster Name den es gibt 🤣). Von diesem Zentrum hatte Produzentin Juhasz auch ein T-Shirt an beim Q&A. Außerdem macht Dunnye im Film Straßenumfragen zum schwarzen Nachtleben der 30er und 40er Jahre in Philadelphia.

Wahre Begebenheiten?

In einem Zimmer steht ein Fernseher. Darauf ein schwarz-weißes Bild mit zwei Frauen. | The Watermelon Woman Filmkritik
Wer ist die „Watermelon Woman“? — The Watermelon Woman | 1996 © Mubi | Dancing Girl
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Ich bin komplett blind in den Film gegangen, wusste also nichts. Ich nahm zunächst an, es sei ein normaler Spielfilm und konnte zunächst auch nicht zuordnen, dass Cheryl nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch Regisseurin des Films ist.

Nach dem Q&A fragten Dunye und die Produzentin, wie viele von den Zuschauenden annehmen, dass es die „Watermelon Woman“ wirklich gab. Alle, die den Film nicht kannten (was etwa 80% der Zuschauenden in der Berliner Kinemathek waren), hoben die Hand. Es stellte sich aber heraus, dass alles nicht stimmte. Also Fae „Watermelon Woman“ Richards ist keine historische Figur. Lustigerweise wird die weiße Regisseurin, welche wir im Film auf Fotos sehen, von keiner geringeren als der Produzentin Alexandra Juhasz selbst gespielt.

The Watermelon Woman – Eine unterrepräsentierte Gruppe

Dunye stellte bei Recherchen 1993 nämlich fest, dass es zwar einige schwarze Frauen im Filmgeschäft gab, aber alle im Abspann ihrer Filme nicht erwähnt werden. Generell gab es damals ein Mangel an großen Filmen mit schwarzen und queeren Hauptdarstellenden. Dies wollte Dunye mit dem Film ändern.

Im Film gibt es auch diverse Cameo-Auftritte von bekannten queeren Aktivist:innen der Zeit, was Dunye direkt auch melancholisch stimmt, als sie den Film auf der Berlinale erneut sieht. Eine der bekannteren Schauspielerinnen ist Guinevere Turner, welche außerdem Drehbuchautorin ist. Sie schrieb beispielsweise das Drehbuch zu American Psycho (2000) nach dem Roman von Bret Easton Ellis.

Überraschend schock-verliebt

Cheryl sortiert in einem Videokassettenleihgeschäft VHS-Kassetten ein. Im Hintergrund ist Diana zu sehen, welche gerade nach einem Film sucht. | The Watermelon Woman Filmkritik
Cheryl ist Regisseurin, arbeitet aber neben bei in einem Videoverleih — The Watermelon Woman | 1996 © Mubi | Dancing Girl
Schwarz-weiß-Werbung von Thalia mit dem Titel „QUEER LOVE STORYS“. Links steht der Schriftzug in großen schwarzen Großbuchstaben. Darunter ein Button mit der Aufschrift „Shop Now“ und dem Thalia-Logo mit einem kleinen Vogel. Rechts im Bild küssen sich zwei Personen mit langen, hellen Haaren zärtlich. Die Szene vermittelt Intimität, Liebe und Sichtbarkeit queerer Beziehungen.

Der Film selbst überzeugt mich durch seinen Humor und Leichtigkeit. Er schneidet so viele Themen an (Feminismus, Queer-Aktivismus, Beziehungen zwischen schwarzen und weißen, Leben in den 30er/40er-Jahren) und bleibt dabei doch immer leicht und unterhaltsam. Dies, trotz der vielen schweren Themen, so zu schaffen ist schon eine Leistung für sich.

Ich mag auch den manchmal abstrusen Humor, zum Beispiel als Cheryl im CLIT-Archiv ist, wo es ganz spezielle Regeln gibt, oder wenn Tamara (Valarie Walker) und Cheryl im Videoverleih frotzeln. Auch das Thema Sexualität wird gut aufgegriffen. Alles wirkt sehr intim zwischen Diana und Cheryl und gar nicht voyeuristisch. Dunye betont im Q&A auch, dass sie dies damit erreichen wollte. Eine möglichst normale Darstellung von lesbischer Sexualität, die Intimität und Liebe ausdrückt.

Und das alles setzte sie mit nur einem Budget von knapp 300.000 Dollar um. Dies gebührt Respekt und ich ziehe meinen imaginären Hut dafür.

Cheryl (Cheryl Dunye) | The Watermelon Woman
Cheryl und Tamara sitzen auf einer kurzen Treppe eines Hauses, trinken und rauchen.
Cheryl steht an einer Nebenstraße mit einem kleinen rechteckigen Behälter auf dem Rücken. | The Watermelon Woman
Eine Person mit Gitarre lehnt an einer graffitibesprühten Wand und singt. Links steht Cheryl mit einer Tasche in der Hand.
Cheryl telefoniert an einer Telefonzelle. | The Watermelon Woman
Diana (mit einem Weinglas in der Hand) und Cheryl sitzen vor einem Fernseher.

Fazit zu The Watermelon Woman

Dies ist eine Mockumentary, die es faustdick hinter den Ohren hat. Sehr unterhaltsam, zu weilen lustig und eine schöne Verbeugung vor der queeren Gemeinschaft der 1990er Jahre und den vielen unbekannten schwarzen Stars in alten Filmen. Ich kann diesen queeren Klassiker daher allen nur ganz herzlich empfehlen.

Aus diesen Gründen gebe ich gute 8,5 von 10 Wassermelonen. 🍈🍉

Werdet ihr euch The Watermelon Woman ansehen?


TRAILER: © Mubi | Dancing Girl

Infoposter zu „The Watermelon Woman“ auf Holzuntergrund mit Filmklappe, Popcorn und weißen Federillustrationen; enthält Produktionsdaten, Credits, Genreangaben und eine 8,0‑Bewertung.
Grafisches Berlinale‑Poster 2026 mit einem aus bunten Punkten gestalteten Bären auf dunkelblauem Hintergrund; daneben weißer Schriftzug ‚76. Berlinale – 12.–22. Februar 2026‘.
2026 © Internationale Filmfestspiele Berlin / Claudia Schramke, Berlin

Passion of Arts Maddin

 

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Weitere Meinungen zum Film aus der Redaktion



Pressestimmen zu The Watermelon Woman:

Anne Küper von Queer.de
Denn die Archive bleiben verloren. Nicht ihre Zugänge sind es, die verschüttet daliegen – da gibt es nichts in ihnen, was sich finden ließe und Ruhe verspricht. Die Gespenster ziehen weiter, die Welt, wie wir sie uns wünschen, bleibt „under construction“. „The Watermelon Woman“ hat das 1996 verstanden und ruft dazu auf, sich leidenschaftlich dem Zuhören, Erzählen und Fabulieren von Geschichten hinzugeben. Zwischen einer „Black sapphic genealogy“ und den „plantation memories“ erfindet Dunye sich und das, was Kino sein könnte. Persönlich ist das allemal, intersektional, cheeky, cinephil, bestens informiert und witzig allerdings auch.

Eine RiMa Koproduktion | Pressematerial: The Watermelon Woman | 1996 © Mubi | Dancing Girl

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