The Running Man – Filmkritik

Das Bild ist das Titelbild zur "The Running Man" Filmkritik

Edgar Wrights The Running Man hat mich seit dem Moment, in dem der Film angekündigt wurde, nervös gemacht – im besten Sinne. Es gibt Filme, die man nicht einfach schaut, sondern herbeisehnt, und dieser gehörte für mich genau zu dieser seltenen Sorte. Ob sich das Warten gelohnt hat und ob diese neue Adaption es schafft, der düsteren Vorlage von Stephen King treu zu bleiben, erzähle ich euch in der folgenden Kritik.

Ein Beitrag von: Lennart Goebel

Das Bild zeigt Glen Powell als Ben Richards im Film "The Running Man"
Ben Richards hat eine Mission: Er braucht Geld für seine kranke Tochter — The Running Man | 2025 ©Paramount Pictures
Nahaufnahme einer Person in schwarzer Lederjacke mit silbernen Nieten, vor dunklem Hintergrund. Die Jacke wirkt rebellisch und stilvoll. Begleitender Text bewirbt Lederjacken von EMP als Ausdruck von Persönlichkeit: „Du willst kein Outfit. Du willst ein Statement.“ Verschiedene Stile wie klassisch, Patchwork und Vintage werden erwähnt. Ein Button mit der Aufschrift „SHOP NOW“ lädt zum Kauf ein.

Es ist schon manchmal eine lustige Geschichte, wie sich die Dinge so zusammenbasteln.

Wer mich ein bisschen kennt, weiß:
Ich bin wahrscheinlich der größte lebende Edgar-Wright-Fan – und ja, das lasse ich genauso stehen.
Dementsprechend war es natürlich keine Überraschung, dass ich sofort aufgesprungen bin, als dann Anfang des Jahres endlich ein neuer Film meines Lieblingsfilmschaffenden angekündigt wurde. Er wurde zwar schon vor Jahren angeküdigt, aber ich meine konkret angekündigt! Und dann war das auch noch eine Adaption eines meiner liebsten Autoren – Stephen King, beziehungsweise Richard Bachman. Da konnte ich gar nicht anders, als sofort in der Redaktion lautstark anzukündigen:

Über diesen Film schreibe ich!
Nicht, dass mir ihn jemand hätte wegschnappen wollen oder können – aber sicher ist sicher.

Das Problem war nur: Der Kinostart wurde in letzter Minute, also einen Monat vorher, um eine Woche vorgezogen – mitten in die Woche meines Heimfestivals, dem Braunschweig International Film Festival. Ironischerweise ist genau dieses Festival überhaupt erst durch Edgar Wright in mein Leben getreten. Denn vor vier Jahren wollte ich eigentlich nur ein bisschen früher Last Night in Soho sehen – und bin dabei zufällig beim Braunschweig International Film Festival gelandet. Das war mein erster Besuch und heute ist es mein festester Termin im Kalender. Und jetzt, vier Jahre später, zwingt mich ausgerechnet Edgar Wright dazu, das Festival kurz zu verlassen. Der Kreis schließt sich.

Zur Feier des Anlasses habe ich natürlich wieder einen kompletten Edgar-Wright-Marathon hingelegt. Alle Spielfilme – die The Sparks Brothers-Doku mal außen vor – von Shaun of the Dead bis Last Night in Soho. Aber weil es sich so anbot Chronologisch Rückwärts. Hauptsächlich damit ich an meinem Geburtstag traditionell Baby Driver gucken konnte. Danach habe ich mich erneut in The World’s End und Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt gestürzt und dabei ist mir wieder klar geworden, warum ich Wright so liebe. Seine Filme sind wie energetische Zeitsprünge in den Kopf eines Perfektionisten: humoristisch bis ins Timing, geschnitten wie Musikvideos und so präzise auf Sound und Songtext getaktet, dass selbst Quentin Tarantino nervös mit dem nackten Fuß wippen würde.

Endlich ist es soweit

Diese Woche, nach all dem Rewatch, gehe ich also ein bisschen überreizt durch das Festival, aber voller Vorfreude in Edgar Wrights neuesten Film: The Running Man.
Und ja, ich kenne natürlich auch die Version aus den 80s mit Arnold Schwarzenegger – die ist auf ihre eigene, trashig-geniale Art unterhaltsam. Klar, mit Stephen Kings Roman hat das Ding ungefähr so viel zu tun wie Superbad mit Blade Runner, aber es ist halt diese wunderbar absurde Mischung aus Muskel-Action und Game-Show-Satire, die man kann aber nicht muss. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass Wrights Version sich etwas stärker an der Vorlage orientiert – oder zumindest an dem Geist, den King (alias Bachman) damals getroffen hat.

Das klingt jetzt vermutlich so, als hätte ich das Buch gelesen – hab ich aber nicht. Noch nicht. Ich wollte, aber dann dachte ich: Lieber unvoreingenommen in den Film gehen. Vielleicht höre ich mir danach noch das Hörbuch an (Spotify Premium sei Dank – not sponsored) – Lennart hier einen tag später, ich habe buchstäblich aufm Heimweg das Hörbuch angefangen – und schaue den Film irgendwann ein drittes oder viertes Mal mit neuem Blick, wenn die Blu-ray ins Regal wandert.
Aber jetzt wird erstmal das Pflaster abgerissen – und bevor ich mich verliere, reden wir über das Wesentliche:

Worum geht es eigentlich in Edgar Wrights / Stephen Kings / Richard Bachmans The Running Man?

Das Bild zeigt Glen Powell in "The Running Man"
30 Tage überleben wärend die Welt dich jagd – das ist — The Running Man | 2025 ©Paramount Pictures
ALT-Text: Schwarz-weißes Promo-Bild zur Netflix-Serie „Stranger Things“ mit sechs Jugendlichen, die nebeneinander stehen und nach oben blicken; im Hintergrund bunte Feuerwerke. Textaufschrift: „Unerschrockene Looks für das epische Finale“ sowie „EMP – Shop Now“.

The Running Man ist ein dystopischer Science-Fiction-Film von Edgar Wright, der auf dem Roman Menschenjagd von Stephen King basiert. Die Handlung spielt im Jahr 2025 und folgt Ben Richards (Glen Powell), der vor große Herausforderungen gestellt wird. Um in einer gefährlichen und von Medien inszenierten Umgebung zu bestehen, muss er sich den tödlichen Prüfungen der Spielshow „The Running Man“ stellen, in der Teilnehmende unter extremen Bedingungen getestet werden. Moderator Bobby Thompson (Colman Domingo) führt die Show, während eine Gruppe von Jäger:innen, angeführt von Evan McCone (Lee Pace), die Kandidat:innen jagt. Richards’ Versuch, sich und seine Familie zu schützen, wird von einer Mischung aus Nervenkitzel, Spannung und dystopischen gesellschaftlichen Spiegelungen begleitet.

Vielleicht noch ein Wort vorweg: Sicherlich gibt es Kritiker:innen, die ein allgemeineres, neutraleres Bild dieses Films zeichnen können. Diese Kritik hier wird das nicht sein. Ich bemühe mich natürlich, die fanbrillige Euphorie ein wenig runterzufahren – aber ganz ohne geht es eben nicht. Eine Fankritik bleibt eine Kritik, nur eben mit etwas mehr Herzklopfen.

The Running Man: zwischen Fanservice und King-Kanten

Mit all dem vorweg kann ich sagen: Ich hatte eine großartige Zeit im Kino. The Running Man ist im direkten Vergleich zum 80er-Arnie-Film eine deutliche Verbesserung – auch wenn ihm natürlich der charmante 80s-Kitsch fehlt. Die dystopisch-kapitalistische Welt wirkt glaubwürdig, passend dreckig und visuell klar definiert. Das Worldbuilding aus dem Roman – den ich übrigens direkt auf dem Heimweg angefangen habe zu hören – ist sehr gelungen umgesetzt, auch wenn manches etwas generisch aussieht. Für mich reicht es trotzdem völlig, um die Szenerie zu tragen.

Der Film – wie das Buch – kommt ohne Umschweife zur Sache. Ein bisschen emotionaler Background, aber kaum echtes Charakterbuilding bis zur Credit-Montage. Sehr Edgar Wright. Danach geht’s schnell voran, vielleicht sogar etwas zu schnell. Bis hierhin bleibt alles noch relativ flach, aber Hand aufs Herz: Wir wollen doch sowieso, dass der Run endlich losgeht.

Und dann beginnt Wright, seine Stärken auszuspielen. Ihr wisst, ich kann einer guten Trainingsmontage nicht widerstehen – hier ist es nicht anders. Vermischt mit Flashbacks, die sowohl die Fähigkeiten als auch die Bruchstücke der Backstory unseres wütenden Protagonisten andeuten. Doe Art von Characterbuilding funktioniert für mich hervorragend.

Generell ist die erste Hälfte für mich purer Fanservice. Es macht Spaß, sieht gut aus, knallt da, wo es knallen soll. Vor allem die Konfrontation in der Veteranenunterkunft war für mich das Highlight des Films. Leider wurde diese Szene im Trailer schon so ausgereizt, dass sie im fertigen Film etwas wie ein Flickenteppich wirkt. Fast so, als würde man einen Film sehen, den man bisher nur in Tik Tok-Clips konsumiert hat.

„Not gonna lie, they got me in the first half“

Ab dem Punkt, an dem die Handlung nach Kings Maine wechselt, wird es etwas … nun ja, muffig. Ich kann nicht einmal genau sagen, warum. Die Sequenz im Landhaus ist „ja, cool“, aber wie Ben Richards selbst schon anmerkt, wirkt sie eher „unnötig“. Wahrscheinlich sehr buchgetreu, aber filmisch wirkt es wie ein weiteres Action Setpiece, das noch mit eingebaut werden musste.

Dann steuern wir auf den letzten Akt zu und hier greift für mich das berühmt-berüchtigte King-Klischee der holprigen Finalakte. Die Geiselnahme, die anschließende Konfrontation, das ganze Chaos im Flugzeug – für mich hat das tonal nicht mehr wirklich gepasst. Der Film baut einen massiven Showdown auf, endet in einer Explosion … und was danach kommt, müsst ihr selbst sehen. Nur so viel: Das Finale hat mich stark an Baby Driver erinnert. Doch aus Gründen, über die wir lieber ein andermal sprechen, wenn ich nicht ohnehin schon viel zu viel gespoilert habe.

Zusammengefasst: Die Story ist spaßig, direkt, solide – aber ich hätte gern mehr vom richtig Guten gehabt. Klingt offensichtlich, aber ich weiß selbst nicht, wie man es hätte besser balancieren sollen. Es wundert mich nur, dass Glen Powell hier nicht mal ansatzweise so viel rennen durfte wie Tom Cruise. Am liebsten hätte ich den Film noch mehr bis nahezu aus der Perspektive der Rover-POV-Tracking-Shots gesehen. Da lag so viel Potenzial, das wie ich fand, irgendwie zu wenig genutzt wurde.

Der Puma Fan wird zum wütenden Familienvater

Dann reden wir doch mal über den Puma-Fanboy Nummer Eins: Glen Powell (Top Gun: Maverick, Wo die Lüge hinfällt). Der Mann hat mittlerweile ein beinahe Willem-Dafoe-artiges Output-Format erreicht. Wahrscheinlich kann ihn nächstes Jahr das nur noch Zendaya in der Menge seiner Releases übertrumpfen. Powell ist schon eine Art Typecas! Eigendlich spielt er oft die selbe Rolle. Aber manch eine kleine Nuance bringt er mit, um dieser Figur eine eigene Färbung zu geben. Es macht einfach Spaß, ihm zuzusehen. Nicht zuletzt, weil er auch verdammt sympathisch wirkt.

Eigentlich tue ich ihm sogar Unrecht, wenn ich das so sage. Erst kürzlich habe ich über ihn in A Killer Romance geschrieben. Dort verkörpert er eine komplett andere Type als den üblichen „Cool Dude“ zumindest den halben Film. Auch in The Running Man ist er nicht der lockere Charmebolzen, sondern ein fürsorglicher, gerechtigkeitsliebender Vater mit massiven Anger Issues. Ein Schaf im Wolfspelz, das gar nicht in eine revolutionäre Bewegung hineingezogen werden will. Trotzdem zwingt ihn das Network dazu mehr und mehr zum Märtyrer zu werden. Die Menschen, die ihm auf seinem Weg helfen, inspirieren ihn so sehr, dass er am Ende selbst zum Funken wird, der andere motiviert, das Richtige zu tun.

Ich finde, Powell macht das fantastisch. Gerade die POV-Sequenzen funktionieren durch seine physische Präsenz richtig gut. Gleichzeitig kann ich aber verstehen, wenn das manchen zu eindimensional ist – wie eigentlich fast alle Figuren in diesem Film. Mir hat es im Fall von Ben Richards gereicht. Auch wenn ich ehrlich sage: Ein Tom Hardy (Mad Max: Fury Road, The Dark Knight Rises) in dieser Rolle? Das hätte ich wirklich gern gesehen. Der Vibe erinnert schon sehr an Tom Hardys endlos brodelnde Mad Max-Performance.

Wenig Screentime – große Wirkung

Das Bild zeigt Josh Brolin als Dan Killian in der Neuverfilmung von Stephen Kings Roman "The Running Man"
Dan Killian der CEO oder so ähnlich von The Network — The Running Man | 2025 ©Paramount Pictures
Das Bild zeigt eine Werbeanzeige zum Buch "Menschenjagd" von Stephen King, das man im Thalia Shop kaufen kann

Powell ist aber natürlich nicht allein.

Josh Brolin (No Country for Old Men, Dune) liefert als Big-Corp-Bösewicht Dan Killian eine Performance ab, die man nur als delikat hassbar beschreiben kann. Ein CEO, der mit jedem Satz Öl ins Feuer gießt. Brolin hat diese Mischung aus stoischer Ruhe und sadistischem Grinsen einfach perfektioniert. Man liebt es, ihn zu hassen – und hasst sich ein bisschen dafür, ihn zu lieben.

Dann haben wir Michael Cera (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt, Barbie), der hier eine wunderbar schräg-unangenehme Nebenfigur spielt, wie eigentlich nur Cera es kann. Leider bekommt er nicht halb so viel Leinwandzeit, wie er verdient hätte. Aber jede Szene sitzt, auch wenn es eben die Szenen sind, die ich wohl am wenigsten aus dem Film mag.

Emilia Jones (CODA, Locke & Key) bringt ein überraschend glaubwürdiges Maß an moralischem Zweifel und emotionalem Understatement mit. Ihre Szenen, haben dennoch einen großen Impact auf den letzten Akt. Auch wenn Sie leider im Vergleich zum restlichen Sidecast spärlich sind. Davon hätte ich einfach gerne mehr gesehen; dann wäre ihre sehr schnell durchgezogene Charakterwende auch etwas glaubwürdiger gewesen. Das ging dann vielleicht doch etwas zu schnell.

Und schließlich Lee Pace (Halt and Catch Fire, Guardians of the Galaxy), der zeigt, dass er mit wenigen Blicken mehr Figurentiefe erzeugen kann als so mancher Hauptdarsteller. Aber man muss auch sagen, dass er die meiste Zeit hinter Maske und Sonnenbrille steckt. Seine Präsenz wirkt mehr durch seine Gestik und seiner Delivery überzeugend. Er bekommt zwar deutlich mehr Screentime als die anderen Nebendarsteller, hat für mich hier aber den besten Eindruck hinterlassen.

Im Gegensatz zu Colman Domingo (Wicked: For Good, Michael), dessen Bobby T. zwar sehr viel Screentime eingenommen hat, von dem ich aber gern ein gutes Stück weniger gesehen hätte. Nicht, weil er schlecht gespielt hat, sondern einfach, um anderen Charakteren mehr Raum zu geben. Auch wenn das im Kontext der Story wahrscheinlich schwer gewesen wäre.

Kurz gesagt: Das Ensemble ist stark – teilweise stärker, als das Drehbuch es zulässt.

Schnitt, Rhythmus und Wrights technische Handschrift in The Running Man

Das Bild zeigt eine Szene aus dem Film "The Running Man"
Merkt euch sein Gesicht — The Running Man | 2025 ©Paramount Pictures
Das Bild ist eine Werbeanzeige zu Werken von Stephen King im Thalia Shop. Abgebildet ist das fiese Grinsen von Jack Nicholson aus "Shining"

Ich glaube, The Running Man wird vor allem durchs wiederholte Schauen besser, wenn einem all die kleinen Details auffallen. So wie es bei eigentlich allen Werken von Edgar Wright üblich ist. Wright ist einer dieser Filmschaffenden, die ihre Filme sozusagen komponieren. Man kann sie oberflächlich oder auch zum ersten Mal schauen und bekommt solide Action und geniale Comedy. Die eigentliche Würze steckt in den winzigen audiovisuellen Nuancen und der Liebe zum Detail. The Running Man ist voll davon – zumindest kam es mir so vor.

Zum Beispiel das Big-Red-Kaugummi. Überall liegen kleine visuelle Marker herum, die erst später (im Fall des Kaugummis früher als später) im Film payoffen – aber auf eine Weise, die sich nicht wie ein „Cheat-Trick“ anfühlt. Zumindest nicht bei erster Betrachtung. Das Drehbuch nimmt den Zuschauer ernst genug, um die Dinge nicht direkt zu benennen, so wie das ein oder andere Product Placement (darauf erstmal ein Monster Energy), ist aber smart genug, um das mit einem Augenzwinkern zu integrieren.

Und weil wir schon bei Payoffs sind: Es ist tatsächlich erstaunlich, wie konsequent der Film Plot-Convenience vermeidet – bzw. sie zumindest zu vermeiden versucht. The Running Man ist ein Film, der viel Action braucht, viel Chaos, viele „unwahrscheinliche Situationen“, um seinen Spannungsbogen zu halten. Aber trotzdem wirken die meisten Entwicklungen logisch motiviert oder zumindest nachvollziehbar. Wright mag es, kinetische Setpieces zu inszenieren, die sich aus den Figuren und der Umgebung heraus entwickeln – nicht aus billigen Zufällen. Das merkt man.

Zusammenarbeit mit alten bekannten

Damit landen wir bei seiner größten Stärke: der Postproduktion. Wright versteht Schnitt wie manche Leute Schach. Jeder Frame ist ein Zug, jeder Rhythmuswechsel eine Taktik. Dass er auch diesmal mit Paul Machliss (The Gentlemen, The Flash) arbeitet, ist wahrscheinlich die beste Nachricht, die man vor dem Kinobesuch bekommen konnte. Machliss schneidet Tempo, als wäre es ein Instrument. Seine Arbeit ist so präzise, dass man oft gar nicht merkt, wie viel davon eigentlich im Schnitt passiert – weil sich alles organisch anfühlt.

Die Rückkehr von Chung Chung-hoon (Oldboy, Heretic) als Kameramann ist das zweite Geschenk. Chung hat eine bildsprachliche Eleganz, die auch schon in Last Night in Soho grandios mit Wright harmonierte. Seine Kamera bewegt sich nie zur Show, sondern immer mit erzählerischem Fokus – was dann wiederum zur Show im Film wird, perfekt passend zur Thematik. Die Bilder, die er einfängt, sind schön anzusehen, auch wenn der Film weniger mit optischer Eleganz als mit schneller Action und verspielten Kameraeinstellungen punktet.

Und aus dieser Mischung entsteht ein audiovisuelles Set, das The Running Man zu dem Spektakel macht, das wir dort sehen: eine düstere, angespannt bebende Stimmung, durchzogen von einzelnen, spannungszerschneidenden Jumpscares, die tatsächlich sitzen und einer Menge Oneliner, die auch den stoischsten Zuschauer zum Schmunzeln bringen. Edgar Wright hat erneut die Grenze zwischen Horror und Comedy mithilfe von spaßiger Action deutlicher verwischt – und vielleicht ist das sogar das Spannendste am ganzen Film. Die „Cornetto-Energie“ ist subtiler, erwachsener geworden, aber noch da.

Der moderne Wright vs. der alte Wright

Das Bild zeigt Glen Powell in einer Szene als Ben Richards in "The Running Man"
Der Film zeigt Glen Powell als Ben Richards in "The Running Man" von Edgar Wright
Das Bild zeigt Ben Richards aus "The Running Man", der von Männern in Militäruniform festgehalten wird

Und trotzdem – ich gebe es zu – ein Teil von mir vermisst den alten Wright.
Nicht, weil er besser war, sondern weil er verspielter war.

The Running Man ist ein Film, der eindeutig in seiner „Erwachsenenphase“ liegt. Wright ist selbst älter geworden, reifer, vielleicht auch ernster. Die wilde Formüberraschung eines Scott Pilgrim oder die cartoonartige Energie der Cornetto-Trilogie sind nicht verschwunden, aber sie arbeiten heute eher undercover. Sie zwinkern, statt zu schreien.

Ich hätte mir mehr Plansequenzen gewünscht, mehr offensichtliches Mickey Mousing, mehr visuelle Gags, die so beiläufig sind, dass man sie fast übersehen könnte. Nicht, weil The Running Man etwas fehlt – sondern weil Wrights frühere Werke dieses Gefühl gaben, dass in jeder Ecke ein neues Detail versteckt ist. Vielleicht habe ich auch viele übersehen, vielleicht hat Wright es perfektioniert, sie nur noch subtil in die Szenen einzuarbeiten. Doch es fühlt sich an, als sei er selektiver geworden. Der große Scope greift stärker ins Geschehen ein. Die Welt ist größer, die Themen ernster, das Spektakel kontrollierter.

Aber: Es ist immer noch klar sein Film, seine Handschrift auf dem Filmplakat. Man erkennt Wright in Übergängen, in Montagen, im Timing, in der Art, wie er Soundtrack-Punkte setzt. Nur eben nicht mehr so – wie meine Führerschein-Unterschrift von vor zwölf Jahren auch kaum noch vergleichbar ist mit der heutigen Fahrweise, die ich an den Tag lege.

The Running Man hat mit Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt optisch kaum noch etwas gemein. Außer, dass die Action Spaß macht, der Film klasse aussieht und sich hervorragend weggucken lässt. Aber darüber hinaus sind diese beiden Vertreter sehr individuell: Früher verspielt um jeden Preis, mittlerweile berechneter – im besten Sinne.

Musik, Score & die leisen Zwischentöne in The Running Man

Zuletzt kommt noch der für Edgar Wright vielleicht wichtigste Punkt: der Score, die Needle-Drops, die Musik.
Sein langjähriger Partner Steven Price (Gravity, Fury) liefert auch diesmal einen stimmigen, atmosphärischen Soundteppich ab – nur spielt die Musik diesmal eben nicht die Hauptrolle, sondern eher die zweite Geige. Sie legt die richtige Stimmung unter jede Szene, stützt Spannung, Rhythmus und Tonalität, bleibt aber – abgesehen von ein paar hervorragend gesetzten Montagen – deutlich im Hintergrund.

Nach zwei Filmen, in denen die Musik fast schon als eigener Charakter im Zentrum stand, wirkt es hier fast ungewohnt, dass Price sich zurücknimmt. Aber es fühlt sich nicht wie ein Verlust an, eher wie eine bewusste Entscheidung: The Running Man will nicht über Musik cool sein, sondern über seine Welt, seine Action, sein Tempo. Der Score arbeitet wie ein unsichtbares Rückgrat, das alles trägt, ohne Aufmerksamkeit einzufordern.

Und damit bewege ich mich langsam Richtung Fazit – und muss an dieser Stelle wohl mein unvermeidliches Aber kanalisieren.

Das große Aber bei The Running Man

Das Bild zeigt Ben Richards gespielt von Glen Powell im Film "The Running Man"
Der Lauftest während der „Traingsmonatge“ der einzige wirklich Moment in dem Man Glen Powell laufen sieht — The Running Man | 2025 ©Paramount Pictures
Nahaufnahme einer Tasse mit Espresso auf einem Tisch, umgeben von Kaffeebohnen und einer Zeitung. Der Text in großer Schrift lädt dazu ein, die Arbeit der Kreativen zu unterstützen: „Dir gefällt was wir machen? Spendier uns einen Kaffee. Vielen Dank für deinen Support!“ Ein Button mit der Aufschrift „Kaffee ausgeben“ rundet die Botschaft ab.

Ich liebe diesen Film. Wirklich. Das 4K-Steelbook ist längst vorbestellt und ich freue mich wie ein kleines Kind darauf, den Film noch einmal mit Freunden in OV im Kino zu schauen. Und trotzdem – und das fällt mir selbst schwer auszusprechen – wird er nicht mein Film des Jahres. Er wird auch nicht mein liebster Wright. Nicht einmal mein zweitliebster. Er nistet sich irgendwo im soliden Mittelfeld meiner Edgar-Wright-Rangliste ein. Ein geiler Film, keine Frage, einer, der Wright hoffentlich genug Zeit und Rückenwind gibt, um jetzt am nächsten Projekt in Ruhe herum zu meißeln. Aber … ja. Aber.

War meine Vorfreude zu groß? War ich zu sehr im Hype? Oder ist der Film am Ende einfach ein Stück zu sehr Mainstream-Blockbuster? Zu sehr Stephen King, zu wenig Wright? Zu viel davon, zu wenig hiervon? Ich kann es selbst nicht genau sagen. Nur so viel: Der Film ist gut – teilweise großartig – aber eben nicht so großartig wie andere Werke aus seinem Schaffen. Und, ganz ehrlich, ich würde sogar so weit gehen zu behaupten: Es war nicht einmal der beste Film, den ich während der Festivalwoche gesehen habe. Und das trifft mich härter, als es sollte.

Ich kann unglaublich viel Positives über den Film sagen, aber ebenso viele Punkte ausmachen, an denen ich durch meine rosarote Fanbrille schaue und Potenzial zur Kritik sehe. Dinge, die Menschen, die nicht so riesige Fans sind wie ich, wahrscheinlich eher stören würden. Ich möchte ihn aber auch nicht schlechter reden, als er ist. Trotzdem fühle ich mich hin- und hergerissen.

Nicht zuletzt, weil die Themen, die King in seinem Roman verarbeitet, ein klein wenig aus der Zeit gefallen wirken – nicht, weil sie unaktuell wären, ganz im Gegenteil. Wir schreiben inzwischen das Jahr 2025 und so weit entfernt von Kings Dystopie sind wir im echten Leben gar nicht. Der Film stellt gewisse Punkte aber so plakativ überspitzt dar, dass die Kapitalismuskritik nicht besonders treffsicher landet. Und da viele spätere Werke – darunter einige inzwischen selbst verfilmte Bücher – von The Running Man inspiriert wurden, fühlt sich das Ganze nicht an wie die Neuerfindung des Rades. Eher wie eine Mischung aus Blade Runner und Die Tribute von Panem, irgendwo dazwischen schwebt Wrights Version. Für treue Fans bestimmt unvergesslich, für die Filmgeschichte vielleicht eher ein „Ach ja, der auch noch“-Titel. Und das macht mich traurig.

Denn ich halte die Fahne hoch. Der Film ist geil. Er macht saumäßig Spaß. Es ist ein Film, den ich mit meiner Freundin schauen kann, bei einem entspannten Get-together, oder allein mit Popcorn und Jogginghose. Aber wenn wir in zehn Jahren auf dieses Filmjahrzehnt zurückschauen – wie oft wird dann noch über The Running Man gesprochen?

Das Buch hat die Zeit überdauert. Der Schwarzenegger-80s-Trashfilm hat die Zeit überdauert. Aber ob das vorlagentreue Remake von meinem Lieblingsfilmschaffenden diese Prüfung ebenfalls besteht … das bleibt abzuwarten.

Werdet ihr euch The Running Man im Kino ansehen?


TRAILER: ©Paramount Pictures

Das Bild listet den Cast und die Crew zum Film "The Running Man"

Das Bild zeigt Lennart Goebel aus der Passion of Arts Redaktion

 

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Pressestimmen zu „The Running Man“

Philippe Paturel von Cinema Forever
Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch, Medien- und Kapitalmacht zu kritisieren, und der eigenen Kommerzialität mag befremdlich wirken, ändert jedoch nichts daran, dass der Film einfach durchgehend grandios inszeniert ist und Spaß macht. 6 von 8 Sterne.

Frank Arnold von epd film
Unter seinem Pseudonym Richard Bachman veröffentlichte Stephen King 1982 den Roman »The Running Man«, der 1987 mit Arnold Schwarzenegger verfilmt wurde. Demgegenüber hat Glen Powell als Durchschnittsmensch, der über sich hinauswächst, eine ganz anders gelagerte Überzeugungskraft. Das aber reicht nicht aus, um diese Neuverfilmung zu einem guten Film zu machen. Selbst wenn das Drehbuch die Möglichkeiten des Widerstands gegen eine autoritäre Gesellschaftsordnung erörtert, bleibt der neue Film von Edgar Wright ziemlich plakativ.
3 von 5 Sterne.

Bastian G. von Filmfutter
„The Running Man“ ist nach „The Long Walk“ bereits die zweite dystopische – und erschreckend aktuelle – Story, die es aus einem alten Stephen-King-Roman dieses Jahr auf die große Leinwand geschafft hat. Mit analogen und physischen Mitteln wie Videobändern, Flugblättern oder Graffiti wird in Wrights zuversichtlich-spaßigem Reißer der Aufstand eingeläutet. Ob einem diese Variante oder der konsequente, pechschwarze Ausgang von Francis Lawrences thematisch verwandter Arbeit mehr zusagt, muss man selbst entscheiden. 3,5 von 5 Sterne.

Oliver Armknecht von Filmrezensionen.de
In „The Running Man“ läuft ein Mann in einer Fernsehshow 30 Tage um sein Leben, um mit dem Preisgeld seine kranke Tochter versorgen zu können. Das ist schon unterhaltsam, greift aktuelle Themen auf und punktet mit einem spielfreudigen Ensemble. Doch der Film ist zu lang, schießt an manchen Stellen übers Ziel hinaus und hinterlässt am Ende keinen wirklichen Eindruck. 6 von 10 Punkte.

Ilija Glavas von KinoMeister
Es ist eine Satire, die oft trifft. Es ist ein Blockbuster, der sich seiner Widersprüche bewusst ist. Er berührt dann, wenn Glen Powell Raum bekommt. Er verfehlt den großen emotionalen Bogen, weil das Drehbuch familienbezogene Motive andeutet und anschließend liegen lässt. Das Ergebnis ist sehenswert und in Teilen brillant aufgebaut. Gleichzeitig bleibt es deutlich hinter seinen eigenen Ambitionen zurück. 6.5 von 10 Punkte.

Pressematerial: The Running Man | 2025 ©Paramount Pictures

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