Prinzessin Mononoke – Filmkritik

Das Bild repräsentiert das Titelbild zur Filmkritik zum Film Prinzessin Mononoke

Vor fast 30 Jahren erschien Hayao Miyazakis Meisterwerk „Prinzessin Mononoke“. Ein Film, der längst als Klassiker gilt, als Meilenstein des Animationskinos und für viele der Türöffner in die wunderbare Welt des Animes war. Da ich den Film erst vor wenigen Jahren das erste mal sah, war es für mich bislang schlicht der stärkste Film aus dem Hause Ghibli.

Jetzt war es aber soweit und ich konnte „Prinzessin Mononoke“, einen Film den ich kannte und schätzte, zum ersten Mal auf der großen Leinwand erleben.

Warum dieser Film auch nach drei Jahrzehnten nichts von seinem Zauber verloren hat, weshalb seine Geschichte heute vielleicht sogar aktueller wirkt als damals – und wie sehr das Kinoerlebnis meine Wertung noch einmal vertieft und gefestigt hat, darum soll es in dieser Kritik gehen.

Ein Beitrag von: Martin K.

Worum geht es in „Prinzessin Mononoke“?

Im spätmittelalterlichen Japan wird der junge Krieger Ashitaka von einem Fluch gezeichnet, nachdem er ein von Hass erfülltes Waldwesen tötet, das sein Dorf angreift. Auf der Suche nach Heilung verlässt er seine Heimat und begibt sich in den Westen des Landes, wo er in einen erbitterten Konflikt zwischen Menschen und Natur gerät.

Dort trifft er auf die selbstbewusste Anführerin Lady Eboshi, die mit ihrer Eisenhütte Fortschritt und Wohlstand für Ausgestoßene und Leprakranke schafft – jedoch auf Kosten des umliegenden Waldes. Gleichzeitig begegnet Ashitaka San, einem von Wölfen aufgezogenen Mädchen, das die Menschen verachtet und als Beschützerin des Waldes gegen deren Zerstörung kämpft. Zwischen diesen Fronten versucht er, Verständnis zu stiften und einen Weg zu finden, der nicht in weiterer Gewalt endet.

Über allem wachen mächtige Naturgötter, uralte Wesen, deren Existenz ebenso ehrfurchtgebietend wie verletzlich ist. Während Misstrauen, Angst und Machtstreben die Spannungen verschärfen, entfaltet sich eine epische Erzählung über Verantwortung, Fortschritt und die fragile Balance zwischen Mensch und Natur.

Die Wiederentdeckung der Fantasie

San reitet auf einem weißen Wolf | Prinzessin Mononoke
Ein ikonisches Bild: San auf dem weißen Wolf — Prinzessin Mononoke | 1997 © Studio Ghibli | Wild Bunch Germany

Als „Prinzessin Mononoke“ 1997 erschien, war er mehr als nur ein weiterer Animationsfilm aus Japan. Während viele westliche Produktionen jener Zeit Animation noch primär als familienfreundliches Unterhaltungskino begriffen, wagte Hayao Miyazaki etwas anderes: eine düstere, politische, spirituelle Erzählung über Natur, Fortschritt und Verantwortung. Kein klarer Held, kein einfacher Bösewicht – statt eines simplen Gut-gegen-Böse gibt es Ambivalenz, Schmerz und moralische Reibung.

Schon bei meiner ersten Sichtung vor ein paar Jahren hatte ich das Gefühl, hier einem außergewöhnlichen Werk zu begegnen. Doch das wahre Ausmaß seiner Brillanz konnte ich damals noch nicht vollständig erfassen. Vielleicht war es mir unterbewusst klar. Vielleicht spürte ich bereits, dass hier ein Film größer dachte als viele Realfilme. Einer, der Fantasy nicht nur als Eskapismus verstand, sondern als Spiegel unserer Wirklichkeit. Ja, schon damals war es für mich das stärkste Werk aus dem Hause Ghibli.

Doch erst jetzt, im Kino, habe ich seine ganze Dimension wirklich begriffen.

Was auf dem heimischen Bildschirm beeindruckte, entfaltet auf der großen Leinwand eine ganz eigene Gravitation. Die Bilder gewinnen an Monumentalität, kleine Momente bekommen Gewicht, und die Musik von Joe Hisaishi trägt nicht nur – sie umhüllt. Plötzlich wird klar, wie präzise jeder Moment komponiert ist, wie sorgfältig Balance und Ambivalenz austariert sind. Wie komplex das Gefüge ist, das jede einzelne Facette dieser Geschichte zusammenhält.

Der Film ist nicht einfach gut gealtert. In einer Zeit, in der Fragen nach industrieller Ausbeutung, nach dem Umgang mit unserer Umwelt und nach gesellschaftlicher Verantwortung wieder lauter werden, wirkt Miyazakis Fantasie nicht wie bloße Unterhaltung. Sie wirkt beinahe zeitlos – vielleicht sogar dringlicher als damals. Und doch verliert sie dabei nie ihren Zauber, nie ihre Poesie.

Die Welt von „Prinzessin Mononoke“

Prinzessin Mononoke: Das Bild zeigt einen Hirsch mit einem mit einem Geweih mit 13 Enden. Er steht zwischen zwei großen Bäumen, hinter ihm leuchtet die Sonne golden
Prinzessin Mononoke: Auf dem Bild steht eine Kriegerin neben einem wei0en Wolf. Beide fletschen die Zähne
Das Bild zeigt kleine, weiße Waldwesen, deren Augen und Mund nur dunkle Löcher sind. Sie stehen in einer grünen Wiese
Der Waldgott verwandelt sich und reckt seinen Kopf zum Mond
Ashitaka, San, zwei Wölfe und ein Hirsch stehen auf einer grünen Wiese
Werbebild für Anime-Produkte im Thalia-Shop: Ein großer, stilisierter Mecha-Roboter vor blauem Himmel mit Wolken. Oben links steht der Schriftzug ‚ANIMES IM THALIA SHOP!‘, darunter ein Button mit ‚SHOP NOW‘ und dem Thalia-Logo.

Dieser Zauber entsteht in „Prinzessin Mononoke“ nicht allein durch seine Geschichte. Es ist die Welt, in der sie sich entfaltet. Studio Ghibli und Hayao Miyazaki erschaffen hier keine leere Fantasykulisse, die lediglich als dekorativer Hintergrund für ein Abenteuer funktioniert. Sie erschaffen ein Ökosystem. Eine Welt, die atmet, die sich bewegt – die lebt.

Jeder Baum scheint verwurzelt in einer Vergangenheit, jede Lichtung trägt Spuren von Geschichte. Jede Pflanze, jedes Wesen ist Teil eines komplexen Gefüges der Natur. Dem gegenüber steht die Eisenhütte, die kein generischer Schauplatz ist, sondern ein Ort mit Struktur, mit Hierarchien, mit sozialem Gefüge. Der Wald ist kein romantischer Rückzugsort, sondern ein lebendiger Organismus – geheimnisvoll, majestätisch, manchmal bedrohlich. Und die Eisenhütte wird zum Spiegel einer menschlichen Gesellschaft: strukturiert, geordnet, laut und lebendig.

Miyazakis Kreativität zeigt sich dabei in unzähligen Details. In den Kodama, den Baumgeistern, die wie stille Beobachter zwischen den Bäumen sitzen und weit mehr sind als nur niedliche Waldbewohner. In den gewaltigen Tiergöttern, die gleichermaßen Ehrfurcht wie Respekt einflößen. Und in der Gestaltung von Rüstungen, Waffen, Architektur und Landschaft. Alles wirkt fantastisch, doch niemals künstlich. Diese Welt fühlt sich greifbar an, fast historisch. Als hätte sie schon lange existiert, bevor wir sie entdecken durften.

Dabei verbindet Miyazaki japanische Mythologie mit einer universellen Erzählweise. Naturgeister, Tiergötter und spirituelle Kräfte fließen selbstverständlich in das Geschehen ein, ohne erklärt oder vereinfacht zu werden. Der Film vertraut darauf, dass wir uns auf diese Welt einlassen. Dass wir sie nicht hinterfragen, sondern erleben.

No Cuts!

Auf dem Bild ist eine junge Kriegerin, die ein Messer zum Angriff hält und die Zähne fletscht. Hinter ihr ist eine Gruppe von Menschen mit Waffen in den Händen | Prinzessin Mononoke
Jede Figur ist ein Teil des großen Ganzen — Prinzessin Mononoke | 1997 © Studio Ghibli | Wild Bunch Germany
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Miyazaki erschafft ein Konstrukt, das komplex ist und dennoch intuitiv begreifbar bleibt. Genau deshalb ist diese Welt nicht nach Belieben kürzbar. Jede Szene, jede Figur, jede ruhige Passage trägt zum Gleichgewicht dieser Welt bei. Als bei der internationalen Veröffentlichung westliche Produzenten den Film für den westlichen Markt kürzen wollten, reagierte Produzent Toshio Suzuki mit einer inzwischen legendären Geste. Er überreichte den Verantwortlichen in den USA ein Katana mit der eingravierten Botschaft „No Cuts“ – „Keine Schnitte“. Ob Mythos oder tatsächliches Ereignis – die Symbolik spricht für sich. „Prinzessin Mononoke“ ist kein Film, den man zurechtstutzen kann, um ihn gefälliger zu machen. Er ist ein komplexes Gefüge, dessen Wirkung durch jedes Detail entsteht – und gerade aus seiner Ungekürztheit.

Miyazaki erschafft keine simple Märchenwelt. Er erschafft eine Welt mit Geschichte, mit Schmerz, mit Mythologie. Eine Welt, die Eskapismus ermöglicht – und gleichzeitig Gewicht besitzt. Fantasy wird hier nicht zur Flucht aus der Realität, sondern zu einer Erweiterung derselben.

Diese Ernsthaftigkeit spürt man in jedem Frame. Nichts wirkt kindlich oder verharmlosend; selbst in Momenten von Schönheit und Poesie bleibt eine gewisse Gravität erhalten. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum „Prinzessin Mononoke“ auch Jahrzehnte später nichts von seiner Faszination verloren hat. Weil diese Welt nicht nur imaginiert, sondern durchdacht ist.

Zwischen Mensch und Natur – Die Figuren in „Prinzessin Mononoke“

Der Waldgott, ein Hirsch mit einem menschlichen Gesicht
Auf dem Bild ist ein junger Bogenschütze, der einen Pfeil in seinem Bogen eingespannt hat und ziehlt
Prinzessin Mononoke mit Blut im Gesicht schaut die Zuschauer:innen an.
Lady Eboshi hält einen Stift
Auf dem Bild ist eine Frau und ein Mann, die sich umklammern. Sie haben Schrammen im Gesicht
Ein großer Wolf liegt auf einem Felsen vor einem Sternenhimmel

Was „Prinzessin Mononoke“ jedoch endgültig von vielen anderen Fantasygeschichten abhebt, ist seine moralische Ambivalenz. Die meisten Erzählungen arbeiten mit einem deutlichen Bild: Hier das Gute, dort das Böse. Auch wenn es immer wieder fließende Übergänge gibt, sind es meist klare Fronten. Miyazaki interessiert sich für etwas anderes. Für Grautöne. Für Motive, die nachvollziehbar sind, selbst wenn ihre Konsequenzen zerstörerisch sein können.

Am deutlichsten zeigt sich das an Lady Eboshi. Aus dramaturgischer Sicht kommt sie dem Bild einer Antagonistin wohl am nächsten. Schließlich ist es ihre Eisenhütte, deren Expansion den Wald bedroht. Doch Miyazaki zeichnet sie nie als einfachen Bösewicht. Eboshi handelt nicht aus Gier, Größenwahn oder Machtstreben. Sie handelt aus der Überzeugung heraus, das Richtige zu tun. Sie baut eine Gemeinschaft auf, gibt Ausgestoßenen eine Heimat und ermöglicht Menschen ein Leben in Würde. Frauen arbeiten hier selbstbewusst an den Waffen der Eisenhütte und verteidigen sie. Sie begegnen der Welt mit einer Stärke, die in historischen Darstellungen selten so präsent ist. Auch Aussätzige finden unter Eboshis Führung Schutz und werden nicht wie Ausgestoßene behandelt, sondern wie Menschen.

Dass ihre Entscheidungen dennoch verheerende Folgen für die Natur haben, macht ihre Figur nicht eindimensional böse – sondern menschlich.

Menschen gegen Götter

Doch auch die Natur wird nicht als makellose Gegenkraft inszeniert. Zwar liegt die emotionale Sympathie des Zuschauers meist auf Seiten des Waldes, doch Miyazaki zeichnet auch hier keine idyllische Harmonie. Die Tiergötter sind gewaltige, ehrfurchtgebietende Wesen, aber sie sind ebenso von Emotionen getrieben wie die Menschen. Besonders deutlich wird das bei Okkoto und den Wildschweinen, deren Wunsch nach Vergeltung sie in eine Spirale aus Hass und Zerstörung treibt. Auch San, die titelgebende „Mononoke“, ist kein idealisiertes Naturkind. Ihr Hass auf die Menschen, ihre Bereitschaft zur Gewalt und ihr unerschütterlicher Wille zur Rache machen sie zu einer Figur, die ebenso von Konflikten geprägt ist wie jene, die sie bekämpft.


„Seht alle her! Der Dämon heißt Hass und so sieht es aus, wenn er von einem Besitz ergreift. Er bringt mich um. Er frisst mich bei lebendigem Leibe auf. Der Zorn nährt ihn und macht ihn stärker.“

  – Ashitaka in „Prinzessin Mononoke“

Zwischen diesen Fronten steht Ashitaka. Am ehesten entspricht er noch dem klassischen Bild eines Helden – doch selbst er wird nicht als strahlender Erlöser inszeniert. Vielmehr übernimmt er eine Rolle, die auch der Zuschauer einnimmt. Die des neutralen Beobachters, der in einen uralten Konflikt geworfen wird. Er sieht beide Seiten, erkennt die Gründe für ihren Hass und versucht dennoch, einen Weg zu finden, der nicht in weiterer Zerstörung endet. In gewisser Weise wird Ashitaka damit zum moralischen Zentrum der Geschichte. Nicht weil er immer recht hat, sondern weil er versucht zu verstehen.

Genau darin liegt die große Stärke von „Prinzessin Mononoke“. Der Film urteilt nicht. Er beobachtet. Und indem er uns dazu zwingt, sowohl die Menschen als auch die Natur zu verstehen, verweigert er sich der einfachen Logik von Gut gegen Böse. Fortschritt, Mitgefühl, Zerstörung und Hoffnung existieren hier nebeneinander – oft sogar innerhalb derselben Figur.

Und genau diese Ambivalenz ist es, die „Prinzessin Mononoke“ so erwachsen wirken lässt.

Wenn Bilder und Klang die Emotionen wecken

Das Bild zeigt eine junge Kriegerin, die lächelt und einem Reh das Kinn grault
Der Nachtwandler aus dem Film "Prinzessin Mononoke" blickt über den Wald
Prinzessin Mononoke: Das Bild zeigt eine junge Frau, die neben einem knurrenden, weißen Wolf steht
Die Eisenhütte, ein großes Gebäude, von Nebel und Dampf umgeben
Prinzessin Mononoke: Das Bild zeigt ein totes, großes, weißes Schwein. Dahinter liegen noch ein paar tote Schweine in dunklen Farben. Vor dem großen Schwein steht eine junge Kriegerin mit einer Lanze bewaffnet

Neben seiner erzählerischen Tiefe lebt „Prinzessin Mononoke“ vor allem von seiner audiovisuellen Kraft. Hayao Miyazaki erschafft Bilder von einer Anmut und Poesie, die selbst Jahrzehnte nach der Veröffentlichung nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Die Wälder wirken endlos. Das Licht bricht sanft durch das Blätterdach, Nebel liegt über Landschaften, die zugleich wunderschön und melancholisch erscheinen. Es sind Bilder, die nicht nur erzählen – sie atmen.

Gerade im Kino entfalten sie eine ganz eigene Wirkung. Die Weite der Landschaften, die Dunkelheit des Waldes, die beinahe spirituelle Erhabenheit des Waldgeistes – all das gewinnt auf der großen Leinwand eine Monumentalität, die auf dem heimischen Bildschirm nur schwer zu reproduzieren ist. Selbst einfache Momente bekommen eine besondere Intensität. Wenn Ashitaka auf Yakul durch eine Stille Landschaft reitet, liegt in dieser Ruhe eine Melancholie, die den Zuschauer förmlich umhüllt.

Einen entscheidenden Anteil daran hat die Musik von Joe Hisaishi. Sein Score ist nicht bloß Begleitung, sondern emotionaler Motor des Films. Im Kino wird diese Wirkung noch einmal verstärkt. Die Musik ist nicht nur zu hören – sie ist zu spüren. Sie trägt Szenen, hebt sie an, lässt sie wachsen, ohne sie jemals zu überladen. In den ruhigen Passagen verleiht sie den Bildern eine beinahe meditative Atmosphäre, während sie in den großen Momenten eine epische Wucht entfaltet.

Gerade dieses Zusammenspiel aus Bild und Musik macht „Prinzessin Mononoke“ so besonders. Opulente Szenen voller Bewegung und Energie stehen neben stillen Momenten, in denen scheinbar wenig geschieht – und doch alles erzählt wird. Ein Blick, ein Windstoß im Wald, ein einzelner musikalischer Akkord. Miyazaki versteht es meisterhaft, diese Gegensätze miteinander zu verbinden.

Die deutsche Synchro von „Prinzessin Mononoke“

Ein Aspekt, der dabei oft unterschätzt wird, ist die deutsche Synchronisation. Für mich gehört sie ganz selbstverständlich zum Filmerlebnis dazu, doch nur selten wird darüber gesprochen, wie viel Atmosphäre sie tatsächlich erzeugt.

Auch bei „Prinzessin Mononoke“ funktioniert sie bemerkenswert gut. Die Stimmen wirken präzise gewählt, ernsthaft gespielt und vermeiden jede Form von übertriebener Theatralik. Stattdessen entsteht ein Tonfall, der erstaunlich gut zur Welt des Films passt: ruhig, würdevoll und stellenweise fast mystisch.

Ich hatte die Gelegenheit, den Film innerhalb weniger Tage sowohl im japanischen Original als auch in der deutschen Synchronfassung im Kino zu sehen. Dadurch kam ich zu dem Schluss, dass die deutsche Version dem Original in nichts nachsteht – im Gegenteil: Die Synchro gefiel mir sogar besser. Nicht, weil das Original schwächer wäre, sondern weil die deutsche Fassung eine ganz eigene Atmosphäre erzeugt, die hervorragend zu dieser Welt passt.

Es ist diese besondere Art der Synchronisation jener Zeit. Sie trägt eine Ruhe und Ernsthaftigkeit in sich, durch die ein beinahe nostalgisches Gefühl entsteht – selbst dann, wenn man den Film nicht schon seit der Kindheit kennt.

Gerade in Zeiten, in denen Originalfassungen immer leichter verfügbar sind und deutsche Synchros von manchen Filmfans belächelt oder als überflüssig betrachtet werden, lohnt sich ein genauerer Blick darauf. Filme wie „Prinzessin Mononoke“ zeigen eindrucksvoll, welche Qualität in dieser Kunstform steckt – und dass sie mehr sein kann als eine bloße Übersetzung, sondern eine eigene klangliche Identität des Films erschafft.

Und genau deshalb verdienen die Synchronschauspielerinnen und Synchronschauspieler hinter diesen Stimmen mehr Anerkennung und Würdigung.

Filme gehören ins Kino

Prinzessin Mononoke: Das Bild zeigt eine junge Kriegerin, die auf einem weißen Wolf sitzt. Neben ihr ist noch ein Wolf, der die Nase rümpft | Prinzessin Mononoke
Sowohl ruhige, als auch epische Momente entfalten eine unglaubliche Wucht — Prinzessin Mononoke | 2024 © Studio Ghibli | Wild Bunch Germany
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So sehr „Prinzessin Mononoke“ auch von seiner Geschichte, seiner Welt und seinen Figuren lebt – die Sichtung im Kino hat mir vor allem eines noch einmal deutlich gemacht: Manche Filme entfalten ihre volle Kraft erst im Kino.

Natürlich funktioniert Miyazakis Werk auch auf dem heimischen Bildschirm hervorragend. Seine Bilder, seine Themen und seine Figuren behalten ihre Wirkung unabhängig vom Ort der Sichtung. Doch auf der großen Leinwand verändert sich die Wahrnehmung spürbar. Die Landschaften wirken weiter, der Wald dichter, die Stille intensiver. Und wenn Joe Hisaishis Musik den Saal erfüllt, wird aus einer ohnehin starken Szene plötzlich ein Moment, der einen vollkommen einnimmt.

Im Kino entsteht eine Konzentration, die zu Hause nur schwer zu erreichen ist. Kein Blick aufs Handy, keine Ablenkung – nur die Bilder, die Musik und die Geschichte. Gerade ein Film wie „Prinzessin Mononoke“, der so stark von Atmosphäre, Rhythmus und emotionalen Zwischentönen lebt, gewinnt in diesem Umfeld noch einmal eine ganz eigene Intensität.

Vielleicht liegt genau darin eine der größten Stärken des Kinos als Erlebnisraum. Es erlaubt uns, Filme nicht nur zu sehen, sondern sie wirklich zu erleben.

Und genau deshalb sind Wiederaufführungen wie diese so wertvoll. Sie geben uns die Möglichkeit, Filme neu zu entdecken – selbst dann, wenn wir sie längst zu kennen glaubten.

Fazit zu „Prinzessin Mononoke“

„Prinzessin Mononoke“ war für mich schon vor dieser Wiederaufführung ein außergewöhnlicher Film. Für mich war er immer das stärkste Werk aus dem Hause Ghibli. Ein Film, der Fantasy mit Ernsthaftigkeit verbindet, der moralische Grautöne zulässt und eine Welt erschafft, die zugleich wunderschön, brutal und zutiefst menschlich ist.

Doch erst diese erneute Begegnung auf der großen Leinwand hat mir die ganze Größe dieses Werkes wirklich vor Augen geführt. Die Kraft der Bilder, die Wucht von Joe Hisaishis Musik, die Ruhe seiner leisen Momente und die Komplexität seiner Figuren entfalten im Kino eine Intensität, die mich den Film noch einmal völlig neu erleben ließ.

Was zuvor mein persönlicher Favorit unter den Ghibli-Filmen war, ist für mich nun endgültig zu einem Meisterwerk gewachsen.

Und dennoch liegt eine der größten Stärken von „Prinzessin Mononoke“ vielleicht gerade darin, dass dieser Film überall funktioniert. Im Kino überwältigt er. Zu Hause bleibt er ebenso kraftvoll, ebenso faszinierend und ebenso zeitlos.

Doch eines steht für mich nach diesem Erlebnis fest: Filme wie dieser erinnern uns daran, warum Kino mehr sein kann als nur ein Ort, an dem Filme gezeigt werden. Es ist ein Ort, an dem wir Geschichten intensiver fühlen, Bilder größer erleben und manchmal sogar Werke neu entdecken können, von denen wir glaubten, sie längst zu kennen.

Und genau das ist mir mit „Prinzessin Mononoke“ passiert.

Habt ihr „Prinzessin Mononoke“ schon gesehen? Was ist euer liebster Ghibli-Film?


TRAILER: © Wild Bunch Germany

Das Bild listet Cast und Crew des Films Prinzessin Mononoke auf

Ein Mann mit Bart, Sonnenbrille und schwarzer Cap hält eine Bulldogge im Arm. Er trägt einen orangefarbenen Hoodie mit schwarzem Schriftzug. Im Hintergrund ist eine hügelige Landschaft mit kahlen und immergrünen Bäumen unter blauem Himmel zu sehen.

 

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Weitere Meinungen aus der Redaktion zu „The Toxic Avenger“:


„Prinzessin Mononoke“ ist ganz großes Kino bestehend aus einer vielschichtigen Geschichte, komplexer Mythologie und grossartigen Animationen. Dadurch gilt der Film völlig zurecht als Meisterwerk des Animations- und Fantasyfilms.

– Flo


Dieser Film hat mich einfach weggeblasen!
Er sieht einfach wunder-, wunderschön aus. Jede Einstellung, jeder Frame ist einfach mal ein Gemälde, was ich mir definitiv zu Hause aufhängen würde. Aber das sieht nicht nur schön aus, sondern ist teilweise auch sehr dynamisch geschnitten und es werden interessante Perspektiven gewählt. Einfach eine Augenweide!

– Maddin


Weiterhin mag ich auch, dass Emotionen zwar eine große Rolle spielen, eine klassische Liebesgeschichte aber ausbleibt und auch, dass die scheinbaren Antagonisten genauso wie aber auch die scheinbaren Protagonisten eine klare Entwicklung durch machen und am Ende tatsächlich anders denken und handeln. In so konsequenter und wenig durch eine notwendige Dramaturgie hingebogener Weise habe ich das selten erlebt.

– Rick


Pressestimmen zu Prinzessin Mononoke

Tobias Bangemann von Moviebreak
„Prinzessin Mononoke“ ist ein optisch und inhaltlich vollkommenes Meisterwerk, das jung und alt gleichermaßen begeistert und für ewig einen Platz im Anime-Olymp sicher hat!

Michael Sagenhorn von Phantasaria
Prinzessin Mononoke gehört zu Recht zu den Top-Produktionen von Studio Ghibli. Die Beliebtheit der Geschichte wird wahrscheinlich nur noch von Chihiros Reise ins Zauberland übertroffen. Auf diese Geschichte gehe ich in meiner nächsten Anime-Rezension ein. Ich selbst kann zwischen den beiden keinen klaren Favoriten bestimmen. Prinzessin Mononoke hat sich einen bleibenden Platz in meinem Film-Herzen erobert.

Jörg Gerle von filmdienst.de
Selten hat es ein (Zeichentrick-)Film besser verstanden, die Kraft der Poesie und Fantasie mit humanistischen Werten zu verbinden. In der Welt von „Prinzessin Mononoke“ gibt es kein plakatives Gut und Böse, kein einfaches Schwarz und Weiß. Alle Protagonisten tragen positive und negative Seiten in sich, und selbst die Götter beanspruchen kein uneingeschränktes Recht für sich.

Pressematerial: Prinzessin Mononoke | 1997 © Studio Ghibli | Wild Bunch Germany

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