Kung Fu in Rome – Filmkritik

Das Bild ist das Titelbild zur "Kung Fu in Rome" Filmkritik

Mit „Kung Fu in Rome“ erscheint nun ein Film in den deutschen Kinos, der das Potential hat zu überraschen, aber auch in Vergessenheit zu geraten. Zumindest erhielt der brillante Vorgängerfilm des Regisseurs in Deutschland nur eine Heimkino-Veröffentlichung und ist dementsprechend zu Unrecht unbekannt. „Kung Fu in Rome“ schickt sich auf jeden Fall wieder an ein kreativer Genre-Mix zu sein. Ob Mainetti die Vermählung zweier verschiedener Kulturen gelungen und trotz Überlänge ein sehenswerter Film entstanden ist, erfahrt Ihr in dieser Filmkritik.

Ein Beitrag von: Florian

Worum geht es in „Kung Fu in Rome“?

In „Kung Fu in Rome“ reist die mutige und leidenschaftliche Chinesin Mei (Yaxi Liu) nach Rom, um das mysteriöse Verschwinden ihrer älteren Schwester aufzuklären. Als zweites Kind einer armen Familie, die während der Ein-Kind-Politik in China lebte, verbrachte Mei ihre gesamte Kindheit im Verborgenen. Um die hohe Geldstrafe aufzubringen, die erforderlich war, damit Mei offiziell als Bürgerin anerkannt werden konnte, ging ihre Schwester einst nach Italien, um dort zu arbeiten – doch nun fehlt von ihr jede Spur. Statt auf ihre Schwester trifft Mei in Rom jedoch auf den Koch Marcello (Enrico Borello), der ebenfalls seit geraumer Zeit ein Familienmitglied vermisst. Gemeinsam begeben sie sich auf eine actionreiche und emotionale Suche nach der Wahrheit.

Gabriele Mainetti schlägt wieder zu

Yaxi Liu steht mit dem Rücken zur kamera in einem roten Kleid in einem rot beleuchteten Raum. Sie kämpft gegen mehrere männliche Gegner. Szene aus dem Film "Kung Fu in Rome".
Mei (Yaxi Liu) zeigt ihre Fähigkeiten im Kampf — Kung Fu in Rome | 2025 ©DCM
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Dass Frankreich seit geraumer Zeit die neue Hoffnung für europäisches Blockbusterkino ist, dürfte nicht mehr als Geheimnis gelte. Erst dieses Jahr erschienen mit „Der Graf von Monte Christo“ und „Beating Hearts“ zwei absolute Meisterwerke. Verbunden waren sie nicht nur durch die enorme Qualität und die gewaltigen Bilder, sondern auch durch das vergleichsweise hohe Budget. Aus Deutschland kam in den vergangenen Jahren mit „Hagen: Im Tal der Nibelungen“ nur ein konkurrenzfähiges Werk. Und selbst das konnte nicht annähernd mit den Franzosen mithalten.

Die kleine Überraschung kommt dafür aus Italien und hört auf den Namen Gabriele Mainetti. Sein „Freaks Out“ konnte vor allem durch Kreativität überzeugen. Ein Fantasy-Film im faschistischen Italien, bei dem sich Mutanten mit Nazis anlegen. Dieser lebte von liebenswürdigen und schrägen Figuren mit unterschiedlichen Traumata und auf der anderen Seite purer Bildgewalt. Letztere ließ Mainetti in einer spektakulären Actionsequenz voller Magie explodieren.

Pasta und Kung Fu

Dementsprechend war ich gespannt, welches Kunststück der Italiener seinem Publikum als Nächstes präsentieren würde. Die Messlatte lag hoch und das Kriterium der Kreativität für viele Filmemacher oft hinderlich. „Kung Fu in Rome“ versucht es nun mit einer Kultur-Kombination, die so wohl kaum jemand hat, kommen sehen. Der Titel verrät hier eigentlich schon alles. Fernöstliche Kampfkunst trifft auf italienischen Gangsterkrimi.

Pasta trifft auf Kung Fu. Sogar im wahrsten Sinne des Wortes, schließlich betreibt die Hauptfigur des Marcello gemeinsam mit seiner Mutter ein kleines Restaurant mitten in Rom. Mit Mei tritt der chinesische Kontrast in diese Welt ein. Anfangs noch klar voneinander getrennt, sowohl erzählerisch als auch visuell, gelingt es Mainetti mit der Zeit nicht nur die Hauptfiguren, sondern auch die Kulturen so miteinander zu vereinen, dass etwas Neues entsteht.

„Kung Fu in Rome“ als Komödie

Yaxi Liu blickt in die Kamera. Im Hintergrund stehen mehrere Menschen. Szene aus dem Film "Kung Fu in Rome".
Yaxi Liu schlägt einem mann mit der Faust ins Gesicht. Szene aus dem Film "Kung Fu in Rome".
Yaxi Liu steht vor mehreren Kindern und bringt ihnen Kampfkunst bei. Szene aus dem Film "Kung Fu in Rome".
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Aber nicht nur in den Kulturen versucht sich „Kung Fu in Rome“ an einer wilden Mischung. Auch in den Genres kombiniert sich der Film durch verschiedenste Möglichkeiten. Der Kurzinhalt lässt einen düsteren Actionthriller erwarten. Doch „Kung Fu in Rome“ entpuppt sich auch immer wieder als Komödie. Das Spiel mit den Kulturen unternimmt Mainetti eben nicht ohne ein Augenzwinkern. Er ermutigt sein Publikum nicht alles für bare Münze und verleiht den Figuren, wie bereits in „Freaks Out“ erneut etwas Schräges. Dabei kommt allerdings selbst den Schurken immer noch eine Herzlichkeit zu, ohne sie zu überzeichnen.

Dementsprechend sie die beiden Gangsterbosse auch gleich der größte Spaßfaktor des Films. Marco Giallini als Annibale und Chunyu Shanshan als Wang spielen einander an die Wand. Das ist dank der vielschichtigen Charaktere möglich, aber auch weil beide voll in diesen aufgehen. Ihre Wortgewandtheit, ihre Ausstrahlungen dominieren jede Szene und lassen den Saal erbeben, wenn sie sich gegenüberstehen. Das ist mal bedrohlich, oft wirklich witzig, weil man sich fragt, wie die beiden Verrückten wirklich als Gangster erfolgreich werden konnten. Und manchmal sogar dramatisch.

„Kung Fu in Rome“ als Drama

Auf jeden lustigen Moment folgt einer, der niederschmetternd ist. Ausgangspunkt ist bereits die Thematik des Films. Mainetti übt harsche Kritik an der chinesischen Ein-Kind-Politik der Vergangenheit und dem gegenwärtigen Umgang damit. Daraus entspinnt sich eine Geschichte über Menschenhandel und die Liebe zur eigenen Familie. Zwei Menschen suchen unabhängig voneinander nach einer verschollenen Person, die ihnen viel bedeutet und stoßen auf Erklärungen, die ihnen den Lebensmut zu nehmen drohen. Mainetti inszeniert das emotional und mitreißend.

Allerdings verliert sich „Kung Fu in Rome“ daraufhin nicht in Selbstmitleid, sondern nutzt dies als Ausgangspunkt um Mei und Marcello zusammenzubringen. Vereint durch Schmerz suchen sie Gerechtigkeit und finden die Liebe ihres Lebens. Das klingt kitschig, ist aber überraschend rau und kantig umgesetzt. Ein Miteinander, das von Beginn an Probleme zu überwinden hat. Missverständnisse und Sprachbarrieren. Letzteres führt dann immer wieder zu charmantem Witz, der von Yaxi Lin und Enrico Borello auch schön eingefangen wird.

„Kung Fu in Rome“ als Actionfilm

Genre-Fans werden „Kung Fu in Rome“ allerdings vermutlich nicht wegen der Romanze und auch nicht primär aufgrund der Geschichte auf dem schirm haben. Der Titel verspricht auch einen Actionfilm. Das dritte große Genre, welches in den 138 Minuten untergebracht werden muss. Bei der Action handelt es sich dann natürlich um Martial-Arts-Kämpfe, die in erster Linie Mei bestreiten darf. Das ist in einem europäischen Film Wagnis und Chance zugleich. Mainetti traut sich an ein fremdes Thema, bekommt das aber überraschend gut hin.

Allerdings bietet er auch etwas weniger Action als man erwarten könnte und verbraucht die beiden spektakulärsten Szenen bereits in der ersten Hälfte des Films. Herausragend ist hier insbesondere die Eröffnung, die direkt die rohe Gewalt etabliert und in einer gleichsam fiesen, wie witzigen und öligen Eskalation endet. Die zweite größere Szene beeindruckt dann mit einer schönen roten Farbgebung. Bei alldem ist der Schnitt in Ordnung und die Choreographien gut, aber nicht herausragend. Das sollte von einem Neuling aber auch nicht erwartet werden. Lediglich das Finale wirkt leider ein wenig enttäuschend unspektakulär.

Tonalität und Laufzeit werden zum Problem

Yaxi Liu und Enrico Borello sitzen in der Nacht auf einem Moped. Szene aus dem Film "Kung Fu in Rome".
Marcello (Enrico Borello) zeigt Mei (Yaxi Liu) die Schönheit des nächtlichen Roms — Kung Fu in Rome | 2025 ©DCM
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Die entscheidende Frage ist nun, ob diese verschiedenen Elemente, die für sich genommen funktionieren, dies auch gemeinsam tun. Und genau hier beginnen die Probleme mit „Kung Fu in Rome“. Während die Genres für sich genommen allesamt unterhalten können, wirkt der Film als Gesamtkonstrukt dadurch sehr uneben. Auf einen skurrilen Witz folgt ein Schlag in die Magengrube, dann gibt es ein wenig Romanze, bevor irgendjemand zu kämpfen beginnt. Immer wieder zieht Mainetti das Tempo an, um es kurz darauf wieder komplett aus der Geschichte herauszunehmen.

Das sorgt dafür, dass sich „Kung Fu in Rome“ ab und zu zieht. Weil die verschiedenen Elemente nicht konsequent ineinandergreifen, fehlt immer wieder die Dynamik und der Erzählfluss. Ursprung für dieses Problem ist die Laufzeit. 138 Minuten sind gemessen an dem, was Mainetti hier zu erzählen hat einfach zu viel und zu unnötig. Zu lange hält er sich mit dem Aufbau der Situation auf, zu sehr zieht sich das Finale in die Länge. „Kung Fu in Rome“ hätte gestrafft werden müssen. Die einzelnen Genres hätten so in komprimierter Form besser zusammenspielen und die tonale Unebenheit ausgleichen können.

Gabriele Mainetti liebt nicht nur Rom, sondern auch seinen eigenen Film

Da Mainetti aber fraglos ein begnadeter Regisseur ist, stellt sich die Frage, warum er diese Fehler begeht. Die Antwort ist einfach. Mainetti liebt das Medium über alles, somit aber auch seinen eigenen Film. Er kann sich nur schwer von den einzelnen Szenen, der Geschichte und den, von ihm erschaffenen, Figuren trennen. Diese unverhüllte Liebe macht Mainettis Werke so magisch. Sie sind ehrlich und wunderschön. Aber es macht Mainetti eben auch ein wenig blind dafür, dass die Struktur seines Filmes eventuell darunter leidet.

In „Kung Fu in Rome“ kommt nun noch erschwerend hinzu, dass sich diese Liebe nicht nur über den Film, sondern auch über Rom erstreckt. Mehrere Minuten lässt er seine Figuren durch die klare Nacht in der italienischen Hauptstadt fahren. Jene Stadt, der er hier ein persönliches Denkmal setzen möchte. Das gelingt ihm auch. Visuell ist der Film eine Wucht. Seien es die Sehenswürdigkeiten, die kleinen Gassen oder auch nur das Restaurant der männlichen Hauptfigur. Jede Szene lebt durch die Liebe, mit der sie konzipiert und schließlich auch gefilmt wurde.

Fazit zu „Kung Fu in Rome“:

„Kung Fu in Rome“ zu empfehlen fällt dadurch schwerer als erhofft. Nicht weil ich diesen Film nicht empfehlen könnte, sondern weil er es den Zuschauenden nicht immer leicht macht. Es ist die Bereitschaft gefordert sich auf Mainettis Liebesbrief an das Geschichtenerzählen, fremde Kulturen, Kampfkunst und Rom einzulassen. Das kann zum Teil zäh und ziellos wirken, zeigt aber auch mit einem einzigartigen Gefühl und einer Atmosphäre in den Bann.

Am Ende steht ein nicht immer runder, etwas zu langer Film da, der aber das Herz am rechten Fleck hat und mit Kreativität, Action und Figuren mit Wiedererkennungswert zu unterhalten weiß.

Werdet ihr euch „Kung Fu in Rome“ im Kino ansehen?


TRAILER: ©DCM

Das Bild listet den Cast und die Crew zum Film "Kung Fu in Rome" auf

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Passion of Arts Redaktion Florian

 

Andere Meinungen zu „Kung Fu in Rome“:

Oliver Armknecht von von film-rezensionen.de
„Kung Fu in Rome“ hält, was der Titel verspricht, wenn sich eine Chinesin in der italienischen Hauptstadt durchprügelt und dabei einem Restaurantbetreiber näherkommt. Der Mix aus Action, Krimi und Romanze ist zwar nicht ganz schlüssig, der Film insgesamt auch zu lang. Die Kämpfe, die Aufnahmen und der eine oder andere schöne Moment machen das Ergebnis aber sehenswert. 7 von 10 Punkte.

Lukas Hoffmann von Kino-Zeit
[…] Doch unkonventionelle Schauplätze allein können die fehlende emotionale Tiefe nicht ausgleichen, die entsteht, wenn die Charaktermotivationen der Hauptfiguren erst nach knapp 90 Minuten enthüllt werden und der aufgesetzten Liebesbeziehung schließlich nur eine halbe Stunde bleibt, um sich zu entfalten. 2,5 von 5 Sterne.

Lida Bach von Moviebreak.de
Trotz guter Einzelleistungen in Choreografie, Kameraarbeit, sowie Lius Schauspiel bleibt Gabriele Mainetti Versuch einer Art italo-asiatischen Kung-Fu-Mär inmitten Roms multikulturellen Bezirken letztlich unausgewogen. Hier und da bietet der überladene Genre-Reigen einige leidlich unterhaltsame Sequenzen, doch das Gesamtbild bleibt ästhetisch fragmentiert und dramaturgisch überfrachtet. Kampfchoreografie und visuelle Gestaltung ringen beständig zwischen stilistischem Anspruch und erzählerischer Orientierungslosigkeit. Herausfordernde Themen wie Xenophobie, Korruption und Ghettoisierung werden angeschnitten, aber nie ausgearbeitet. Statt cineastische Tropen zu demaskieren, werden diese zelebriert. 4,5 von 10 Punkte.

Pressematerial: Kung Fu in Rome | 2025 ©DCM

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