Queens of the Dead – Filmkritik

Grafik zu einer Filmkritik von Queens of the Dead: Auf einem Holztisch liegen eine Filmklappe, eine Schale Popcorn und eine Tafel mit der Aufschrift „FILM“. Daneben ist ein illustriertes Motiv zu sehen, das eine Person mit sternenbedecktem, dunkelblauem Haar und geöffnetem Mund zeigt. Rote Farbspritzer bilden den Hintergrund des Porträts. Herbstlaub ist über das gesamte Bild verteilt. Oben rechts steht der Filmtitel „Queens of the Dead“.

Mit Queens of the Dead übernimmt die nächste Generation der Romeros das Zepter in Sachen Zombiefilme. Dabei versucht sich Tina Romero, die Tochter von Zombie-Urvater George A. Romero, an einer queeren Interpretation der Zombie-Apokalypse. Sie kann dabei auf bekannte queere Schauspielende wie Katy O’Brien zurückgreifen. Doch wie schlägt sich diese queere Neuinterpretation im Vergleich zu anderen Zombiefilmen? Das erfahrt ihr in unserer Filmkritik, also lest gerne rein!
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Ein Beitrag von: Maddin

7–11 Minuten

Worum geht es in Queens of the Dead?

Im New Yorker Stadtteil Brooklyn organisiert DJ Dre (Katy O’Brian) eine große Lagerhaus-Party samt Drag-Show – und schon vor Beginn häufen sich die Probleme. Der geplante Hauptact springt ab, die Sanitäranlagen versagen, und ausgerechnet zum Start taucht eine Gruppe hetero Influencer auf, die für zusätzliche Spannung sorgt. Doch all das verblasst, als mitten in der Nacht eine Zombie-Apokalypse losbricht. Während die Untoten versuchen, in den Club einzudringen, müssen Dragqueens, Club-Kids und Partygäste ihre Konflikte und Eitelkeiten beiseiteschieben. Mit High Heels, Glitzer und Cocktailshakern bewaffnet, stellt sich die bunt gemischte Crew dem Kampf ums nackte Überleben.

Eine Person mit einem Bohrer schaut in die Kamera. Im Hintergrund halten zwei weitere Personen einen Zombie fest. | Queens of the Dead – Filmkritik
Pops (Margaret Cho) ist praktisch veranlagt — Queens of the Dead | 2025 © Filmperlen Filmverleih
K‑Pop‑inspirierte animierte Figuren aus „K‑Pop Demon Hunters“ performen auf einer farbenfrohen Bühne; dynamische Konzertatmosphäre mit Mikrofonen und Neonlicht, offizielles Promo‑Artwork von Sony Pictures Animation, beworben als EMP‑Merch.

Queens of the Dead – Auf George A. Romeros Spuren

Mit Die Nacht der lebenden Toten (Originaltitel: Night of the Living Dead, 1968) setzt George A. Romero vor knapp 80 Jahren neue Standards im Horrorgenre. Der Film gilt als eine der Geburtsstunden des modernen Zombies, auch wenn der Begriff im Film selbst nie fällt. Die Nacht der lebenden Toten ist auch einer der ersten Horrorfilme, welche sehr explizite Gewaltdarstellungen beinhalten. Die meisten vorher veröffentlichten Filme leben eher durch atmosphärischen Horror. In Romeros Film geht es deutlich blutiger zu. Romero arbeitet danach an weiteren Filmen und baute ein kleines Filmuniversum mit unter anderem Zombie (Dawn of the Dead), Zombie 2 (Day of the Dead) und Land of the Dead auf.

Die Romero-Familie scheint sich des wichtigen Status von George A. Romeros Werken bewusst zu sein und bereits 2014 versuchte George Cameron Romero, Sohn von George A. Romero, Geld für ein Prequel von Die Nacht der lebenden Toten zu sammeln mit dem Titel Rise of the Living Dead. Dieser Film ist aber bisher noch nicht in Produktion gegangen.

Nun legt stattdessen Romeros Tochter Tina Romero mit Queens of the Dead ihr Langfilmdebüt vor und versucht das Erbe ihres berühmten Vaters anzutreten. Ob ihr das gelingt, lest ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Dragqueens vs. Zombies

Eine Dragqueen schaut gebannt nach hinten, wo ein Zombiepriester steht.
Mit diesem Priester ist nich zu spaßen — Queens of the Dead | 2025 © Filmperlen Filmverleih

Grundsätzlich gefällt mir erstmal der Rahmen, in dem der Film stattfindet. Wir befinden uns in einer queeren Umgebung bzw. der queeren Gemeinde von New York und New Yersey (die Drehorte). Es tauchen viele bunte Figuren auf: lesbische Pärchen, nonbinäre Menschen, Dragqueens und Menschen, die sich gerade in ihrer Transformationsphase befinden. Eine wirklich bunte Palette, welche schön die Vielschichtigkeit der queeren Gemeinschaft zeigt.

Die Figuren werden dabei von der Besetzung sehr gekonnt und zuweilen gefühlvoll gespielt. Katy O’Brian, mir bekannt aus Love Lies Bleeding und The Mandalorian, schaue ich immer gerne zu. Sie strahlt auch hier wieder voll Charisma und Esprit. Sie ist, neben Jaquel Spivey, eine der beiden Hauptfiguren und die beiden haben auch mit die wichtigsten Szenen zusammen.

Jaquel Spivey gefällt mir dabei ebenfalls sehr gut. Er ist im Grunde das gefühlvolle Herz des Films, da seine Figur eine Krise erlebt und sich deshalb als Dragqueen zurückgezogen hat. Im Film wird er mit dieser Entscheidung und den Konsequenzen konfrontiert und muss sich erneut die Frage stellen, ob er nicht zurückkehren will. Spivey hatte übrigens seinen ersten großen Auftritt in Mean Girls: Der Girls Club von 2024.

Queens of the Dead – Es steht wieder Fleisch auf dem Speiseplan

Zwei Personen stehen an einer Bar, eine schaut teilnahmslos, die andere erschreckt. | Queens of the Dead – Filmkritik
Nico (Tómas Matos) ist abgebrüht, Yasmine (Dominique Jackson) eher nicht — Queens of the Dead | 2025 © Filmperlen Filmverleih

Was mich ein bisschen stört, sind die teilweise stereotypen Figuren. Zumindest am Anfang sind mir manche Figuren etwas zu einseitig dargestellt. Der Film schafft es aber diese Stereotypen aufzubrechen und uns gleichzeitig viele Figuren ans Herz wachsen zu lassen. So tut es dann besonders weh, wenn einige davon ins Gras beißen. Hier schafft es der Film gerade in der zweiten Hälfte eine gute Balance zwischen komischen und ernsten Szenen zu finden.

Schön gesplattert und ausgeteilt wird natürlich auch. Besonders das Ende möchte ich hier hervorheben, da hier mehrere Entwicklungen zusammenkommen. Eine Figur legt endlich ihre wahre Gestalt an und legt dann richtig los. Allerdings ist an einige Stellen auch das kleine Budget der Independent-Produktion zu bemerken, denn wirklich viel Splatter ist nicht sichtbar. Das höchste der Gefühle sind eine Axt in einem Bein, Bisse in diversen Extremitäten und natürlich eine Horde von blau angelaufenen Zombies, wie sie für einen Romero-Film typisch sind.



Doch das heißt nicht, dass der Film schlecht aussieht. Ich finde er macht aus seinem geringen Budget das Beste. Die Zombies sind ganz viele, bunt gemischte Statist:innen. Finde die Zombies alle gut gelungen und sehr abwechslungsreich gestaltet. Kann da als Zombie-Film-Fan nicht meckern und Statist:innen sind mir viel lieber als eine Herde von CGI-Zombies. Das hat einfach mehr Charme.

Gesellschaftskritik aus einer queeren Perspektive

Zwei Personen stehen im Neonlicht eines Clubs.
Draußen ist die Zombie-Apokalypse ausgebrochen. Was nun? — Queens of the Dead | 2025 © Filmperlen Filmverleih
Passion of Arts Dein Fenster zur Filmkunst. Spendabler Kaffee.

Schon Romeros Die Nacht der lebenden Toten übte mehr oder weniger versteckte Gesellschaftskritik. Damals waren es die in den USA weit verbreiteten Rassenunruhen gegen die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung sowie die verzerrte Darstellung dieser in den Medien. Auch der Vietnamkrieg und die Paranoia während des Kalten Krieges spielte hinein.

Tina Romero holt in dieser Tradition moderne Themen der queeren Community in ihren Film. So berichtet eine Figur, welche sich gerade in der Transformation von Mann zu Frau befindet, dass sie Ärzten misstraut und auch ungern ins Krankenhaus geht, da dort „Deadnaming“ betrieben wird (sie hat also einen anderen Namen angenommen, aber ihr alter wird immer noch benutzt). Außerdem würde das Krankenhauspersonal ihre Situation nicht verstehen.

In einer anderen Szene drängeln sich zwei Hetero-Influencer lediglich für den Ruhm zu einer queeren berühmten Persönlichkeit und achten gar nicht auf sie. Hauptsache sie stehen in einem guten Licht da, auch wenn sie die Person gar nicht kennen.

Darüber hinaus greift der Film auf amüsante Weise die Abhängigkeit von Social Media und Handys auf, da selbst die Zombies noch an ihren Telefonen festhalten und sogar darauf reagieren können. Da bekommt der Begriff des „Smombie“ (Smartphone-Zombie) eine ganz andere Bedeutung.

Schöne Musikeinlagen

Verschiedene Charaktere aus dem Film Queens of the Dead stehen im Club und schauen gebannt in die Kamera. | Queens of the Dead – Filmkritik
Die bunte Truppe um Club-Besitzerin Dre (Katy O’Brian) plant ihre nächsten Schritte — Queens of the Dead | 2025 © Filmperlen Filmverleih
Schwarz-weiß-Werbegrafik mit zwei eng aneinander liegenden Personen, die einander sinnlich berühren. Links steht in großen orangefarbenen Buchstaben „QUEER LOVE STORYS“. Rechts unten befindet sich ein Button mit „SHOP NOW“ sowie das Thalia-Logo.

Musik spielt eine wichtige Rolle im Film, schließlich stehen Dragqueens und ihre Vorführungen im Zentrum. So gibt es auch einige sehr schöne Musik und Tanzeinlagen, welche mich sehr gut unterhalten können. Dies spielt sich vor allem im ersten Drittel ab, als alle zusammen die Show im im YUM-Club vorbereiten.

Generell macht die eingespielte Musik immer sehr viel Spaß und anfangs hat sie sogar große 80er Schwingungen, weshalb ich zunächst dachte, dass der auch in den 80er spielt. Später wird es dann moderner aber die Musik ist immer noch sehr eingängig. Ganz am Ende gibt es dann nochmal eine finale Musikeinlage, die mir auch sehr gut gefällt und schön in die Handlung integriert wird. Generell wird Musik als ein wichtiges Handlungselement genutzt, was diese immer wieder voranbringt.

Fazit zu Queens of the Dead

Die Horrorkomödie Queens of the Dead kann mich durchweg gut unterhalten. Auch wenn sie vielleicht nicht in allen Belangen 100% überzeugend ist, so hat sie doch das Herz am rechten Fleck und schafft es sehr gut mir die meisten Figuren näher zu bringen und ans Herz wachsen zu lassen. Ich kann dem Film daher einfach für nichts wirklich böse sein und die tolle Besetzung sowie Musikuntermalung bzw. Darbietung tut ihr Übriges.

Aus diesem Grund gebe ich gute 6,5 von 10 Punkte.

Werdet ihr euch Queens of the Dead im Kino ansehen?


TRAILER: © Filmperlen Filmverleih

Infografik zur Filmkritik von Queens of the Dead auf einem Holzuntergrund mit herbstlichen Blättern. Die Grafik listet Filmdaten wie Originaltitel, Produktionsland, Sprache, Erscheinungsjahr, Laufzeit, FSK, Regie, Drehbuch, Produktion, Musik, Kamera und Schnitt auf. Zudem sind zahlreiche Darstellerinnen und Darsteller sowie die Genres Horror, Komödie, Queer Cinema und Zombiefilm aufgeführt. Im unteren Bereich sind eine Filmklappe und eine Schale Popcorn zu sehen. Die Bewertung der Kritik wird groß hervorgehoben und lautet „6,5 von 10 Punkten“.

Ein impressionistisches Ölgemälde zeigt Maddin aus der Froschperspektive unter blauem Himmel. Er trägt dunkle Sonnenbrille, sein Gesicht ist warm vom Sonnenlicht beleuchtet, die Pinselstriche sind sichtbar und verleihen dem Porträt eine lebendige, strukturierte Wirkung. Maddin ist Gastautor bei Passion of Arts.

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Eine RiMa Koproduktion | Pressematerial: Queens of the Dead | 2025 © Filmperlen Filmverleih

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