Her Private Hell
Veröffentlichungsjahr: 2026 | Genres: Drama, Horror, Science-Fiction, Thriller, Melodram, Mystery, Psychodrama, Film Noir, Dystopie, Neo Noir, Arthouse, Experimentalfilm
Originaltitel: Her Private Hell
Schauspieler: Sophie Thatcher, Charles Melton, Havana Rose Liu, Kristine Froseth, Shioli Kutsuna, Aoi Yamada, Dougray Scott, Diego Calva, Hidetoshi Nishijima, Lola Corfixen, Boy Ewald, Elin Rebecka Jivarp, Faithfull Destiny Jonsson, Jason Hendil-Forssell, Parker Sawyers, Yeji Yeon, Qyoko Kudo, Yoshihiro Minami, Kazutoshi Nakazawa, Kôji Nakamura, Haruki Takano, Kenji Takahashi, Lilje Min Hee Lysholt Hansen, Laura Grassi, Daisuke Nagakura, Minaka Ono, Yui Yokoyama, Larissa Diniz, Mari Nishimura, Dai Nakashima, Takayuki Suzuki, Ricki Hendil-Forssell, Mark Gosse, Fab Leigh, Adam Sattrup, Naoki Nakamura, Meito Abe, Takahiro Kikuchi
Her Private Hell ist ein Science-Fiction-Thriller aus dem Jahr 2026 von Regisseur und Drehbuchautor Nicolas Winding Refn, der gemeinsam mit Esti Giordani auch das Drehbuch verfasste. Der Film wurde als dänisch-amerikanische Produktion von Neon und byNWR realisiert und markiert Refns erste Spielfilmregie seit dem Horror-Thriller „The Neon Demon“ aus dem Jahr 2016. Seine Weltpremiere feierte das Werk am 18. Mai 2026 außerhalb des Wettbewerbs bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Der US-amerikanische Kinostart folgte am 24. Juli 2026. Mit Sophie Thatcher, Charles Melton, Kristine Froseth und Havana Rose Liu in den Hauptrollen entführt der rund 120 Minuten lange Film in eine retrofuturistische Metropole, die von Neonlichtern, Gewalt und einer bedrohlichen Atmosphäre geprägt ist.
Die Handlung spielt in einer futuristischen Großstadt, über die sich ein toxisch schimmernder Nebel legt. Gleichzeitig macht die Legende eines brutalen Killers namens Leatherman die Runde, der seine Opfer mit diamantenbesetzten Lederhandschuhen zerfetzt. Während die Stadt zunehmend in Angst versinkt, begibt sich die junge Elle (Sophie Thatcher), eine zurückhaltende Schauspielerin, auf die Suche nach ihrem Vater. Ihr Leben gerät aus den Fugen, als sie mit dem Verrat ihrer ehemaligen besten Freundin Dominique (Havana Rose Liu) konfrontiert wird. Diese heiratet ausgerechnet Elles Vater Johnny Thunders (Dougray Scott), einen einflussreichen Regisseur, dessen Zuneigung Elle nie wirklich gewinnen konnte. Parallel dazu kämpft sich der amerikanische Soldat Private K (Charles Melton) durch die Unterwelt der Metropole, um seine entführte Tochter zu retten, die er in den Tiefen dieser Hölle gefangen glaubt. Während sich die beiden zunächst getrennt verlaufenden Schicksale entfalten, verbindet Refn einen Neo-Noir-Horrorfilm mit den Elementen eines opulenten Melodrams.
Zum weiteren Ensemble gehören Kristine Froseth als Hunter, Shioli Kutsuna als Ms. T, Aoi Yamada als Ms. S, Diego Calva als Nico, Hidetoshi Nishijima als Detective Hayashi und Parker Sawyers als Frank. Dougray Scott verkörpert Johnny Thunders. Ergänzt wird die Besetzung durch die Candyfloss Girls, dargestellt von Lola Corfixen, Boy Ewald, Elin Rebecka Jivarp und Faithfull Destiny, sowie Jason Hendil-Forssell als Leatherman.
Die Dreharbeiten begannen im Mai 2025 in Tokio. Für die Kameraarbeit zeichnete Magnus Nordenhof Jønck verantwortlich, den Schnitt übernahm Matthew Newman. Das Szenenbild gestaltete Gitte Malling, während Jane Marshall Whittaker für die Kostüme und Louise Bruun für Haare und Make-up zuständig waren. Die Filmmusik stammt von Pino Donaggio, der für die Zusammenarbeit mit Refn aus seinem Teilruhestand zurückkehrte. Der italienische Komponist ist insbesondere für seine Arbeiten mit den Regisseuren Brian De Palma und Dario Argento bekannt. Seine Musik verbindet opernhafte Klänge, eindringliche Arien und dissonante Elemente zu einer Klangwelt, die den surrealen Charakter des Films unterstreicht.
Für Nicolas Winding Refn ist Her Private Hell eine sehr persönliche Arbeit und zugleich eine Art künstlerischer Neubeginn. Nach einem Herzfehler, durch den er dem Tod nahekam, entwickelte er das Bedürfnis, seine veränderte Perspektive auf das Leben in einem neuen Film auszudrücken. Die Erfahrung, dem Tod entkommen zu sein, beeinflusste insbesondere die Geschichte von Private K. Refn sieht in dem amerikanischen Soldaten eine Art Alter Ego, dessen verzweifelte Suche nach seiner Tochter auch von seinen eigenen Gefühlen als Vater geprägt wurde. Die zweite zentrale Geschichte um Elle beschäftigt sich dagegen mit einer schwierigen Vater-Tochter-Beziehung, emotionalem Verrat und der Sehnsucht nach Anerkennung.
Auch stilistisch schlägt Refn einen ungewöhnlichen Weg ein. Inspiriert wurde die Erzählweise unter anderem von seinen Kindheitserinnerungen an das Durchschalten verschiedener Fernsehkanäle. Die daraus entstehenden fragmentarischen Eindrücke und unerwarteten Verbindungen zwischen unterschiedlichen Bildern übertrug er auf die Struktur des Films. Statt eine möglichst realistische Welt abzubilden, wollte er eine künstliche, unwirkliche Umgebung erschaffen, die zwar Erinnerungen an etwas Vertrautes weckt, sich letztlich aber jeder eindeutigen Zuordnung entzieht. Die neongetränkte Bildsprache, der Nebel und die surrealen Schauplätze erinnern dabei an seine früheren Arbeiten „Drive“, „Only God Forgives“ und „The Neon Demon“.
Auch beim Casting verfolgte Refn einen besonderen Ansatz. Die Zusammenstellung des Ensembles dauerte rund ein Jahr und wurde von den Casting-Direktorinnen Courtney Bright und Nicole Daniels verantwortet. Dabei wurden Tausende von Selbstaufnahmen aus verschiedenen Städten weltweit gesichtet. Die Dreharbeiten fanden chronologisch statt, wobei das Drehbuch während der Produktion immer wieder verändert und weiterentwickelt werden konnte. Von den Darstellerinnen und Darstellern verlangte diese Arbeitsweise ein hohes Maß an Flexibilität und die Bereitschaft, sich auf eine bewusst offene Erzählstruktur einzulassen. Sophie Thatcher erhielt bei der Gestaltung ihrer Figur Elle vergleichsweise große kreative Freiheiten und konnte eigene Ideen in die Entwicklung der Rolle einbringen. Charles Melton wiederum vertraute unmittelbar auf Refns Vision und reizte besonders die Möglichkeit, sich auf einen Film einzulassen, der stärker von Emotionen als von einer klassischen Handlungsstruktur getragen wird. Auch Havana Rose Liu schätzte die Offenheit des Regisseurs, der es den Beteiligten überließ, ihre eigene Interpretation der Geschichte zu entwickeln.
Her Private Hell versteht sich in erster Linie als audiovisuelles und emotionales Erlebnis, das nicht unbedingt jedem gefallen möchte. Nicolas Winding Refn begrüßt unterschiedliche Interpretationen und Reaktionen ausdrücklich, da diese für ihn Ausdruck einer intensiven Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk sind. In den USA erhielt der Film eine R-Rating-Freigabe, während er in Großbritannien mit BBFC 18 eingestuft wurde.
Die Kritiken fielen entsprechend unterschiedlich aus. Christoph Petersen vergab auf Filmstarts.de zweieinhalb von fünf Sternen. Er würdigte die persönliche und außergewöhnliche Leinwandvision des Regisseurs, empfand die Inszenierung jedoch häufig als so steif und sperrig, dass der Zugang zu dem albtraumhaften Filmerlebnis erschwert werde. Simon Eberhard bewertete den Film auf OutNow.ch mit vier von sechs Sternen. Zwar kritisierte er die eher flachen Figuren, die aufgesetzt wirkenden Dialoge und eine Geschichte, deren Zusammenhänge nicht immer nachvollziehbar seien, hob jedoch Sophie Thatcher, die Musik von Pino Donaggio sowie das aufwendig gestaltete Produktionsdesign und die stilisierten Bilder positiv hervor. Yannick Vollweiler vergab auf Film-Rezensionen.de sechs von zehn Punkten und beschrieb den Film als hypnotischen Fiebertraum aus Neonlicht, Nebel und fragmentarischer Symbolik. Trotz der eindrucksvollen audiovisuellen Gestaltung und der faszinierenden Atmosphäre verliere sich die Geschichte seiner Ansicht nach zunehmend in emotionaler Distanz und bedeutungsschwerer Abstraktion.
Deutlich kritischer fiel das Urteil von Natascha Jurácsik auf Filmpluskritik.com aus, die lediglich 44 von 100 Punkten vergab. Sie bemängelte neben dem langsamen Erzähltempo eine wenig überzeugende interne Mythologie und sah abseits der Ästhetik und der Darstellerinnen und Darsteller nur wenig, was den Film interessant mache. Peter Osteried kam ebenfalls zu einem negativen Urteil und vergab einen von fünf Sternen. Er bezeichnete Refns Rückkehr auf die große Leinwand als bildgewaltig, bemängelte jedoch das Fehlen wirklicher Spannung und empfand das Ergebnis als gepflegte Langeweile.
Pressematerial © Plaion Pictures | Studiocanal
Quellen: Plaion Pictures | Studiocanal| Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Esti Giordani
Produzent: Nicolas Winding Refn, Lene Børglum, Marcus Clausen, Jeff Deutchman, Christina Erritzoe, Kristen Figeroid, Ryan Friscia, Godfred Hansen-Nord, Kim Magnusson, Tom Quinn, Martin Skouboe, Takuma Takasaki, Kimberly Willming, Karen Baumbach, Esti Giordani
Musik: Pino Donaggio
Kamera: Magnus Nordenhof Jønck
Schnitt: Matthew Newman