Surrealismus, mystische Bilder, Traumata und eine heimliche Liebe im glitzernden schwarzen Kohlemeer des Bergwerks. Trương Minh Quý bringt mit seinem neuesten Werk Viet und Nam viele Dinge zusammen, die Vietnam beschreiben. Für ihn selbst, war es laut den Interview mit Salzgeber eine Art Befreiungsschlag, um sich von Vietnam zu lösen. Der Film beschreibt die Folgen des Krieges und thematisiert die Traumata, die daraus entstanden sind. Außerdem wirft er einen Blick auf schwierige Lebensumstände in Vietnam und fesselt sein Publikum mit poetischen Bildern. ⛏️🖤✨🌈
Ein Beitrag von: Riley Dieu Armstark
Worum geht es in Viet und Nam?
Viet und Nam (Originaltitel: Trong lòng đất, deutsch etwa „Untergrund“ oder „Herz der Erde“) ist ein vietnamesisch-philippinisches Liebesdrama aus dem Jahr 2024 von Trương Minh Quý, der auch das Drehbuch schrieb. Der Film Viet und Nam erzählt die Geschichte der jungen Bergleute Nam (Phạm Thanh Hải) und Viet (Đào Duy Bảo Định), die sich im Jahr 2001 in Vietnam lieben. Ihr Arbeitsplatz liegt 1000 Meter unter Tage, wo sie Kohle abbauen, während sie gleichzeitig nach Nams Vater suchen, der im Krieg verschollen ist. Auf ihrer Reise durchqueren sie Vietnam von Norden nach Süden. Gleichzeitig hegt Nam den Wunsch, im Ausland ein neues Leben zu beginnen, und als er plant, Vietnam in einem Schiffscontainer zu verlassen, droht ihre Beziehung zu zerbrechen. Weitere zentrale Figuren sind Hoa (Thi Nga Nguyen) und Ba (Daniel Viet Tung Le).
Die ästhetische Herkunft von Viet und Nam

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Trương Minh Quý ließ sich für seinen Film Viet und Nam von vielen Filmschaffenden beeinflussen und inspirieren. So treffen hier dokumentarische Aufnahmen auf surreale poetische Bilder untermauert von den klängen der Natur, die hier zum Soundtrack wird. Referenzen zu Werken von Ingmar Bergman und Andrei Arsenjewitsch Tarkowski sind deutlich spürbar. Zusätzlich hat sich der Regisseur und Drehbuchautor Trương Minh Quý, der aus der Kleinstadt Buon Ma Thuot im zentralen Hochland von Vietnam stammt, von vietnamesischen Propagandafilmen inspirieren lassen.
Ein Auftakt im Dunkel: Körper, Kohle, Konturen
Der Film beginnt mit purer Finsternis und erst nach und nach rücken Nam (Phạm Thanh Hải) und Viet (Đào Duy Bảo Định) in das Blickfeld der Audienz, eng umschlungen, schmutzig von der Kohle, die sie umgibt. Darauf folgt ein nachdenklicher Monolog: Nam erzählt über seine Ängste, während Viet ihm aufmerksam zuhört. Als eine Glocke erklingt und der Alltag für die beiden einläutet, geht Viet und Nam spielerisch zum Alltag der Protagonisten über. Trương Minh Quý verbindet geschickt eine poetische, surreale Welt, die verträumt und gleichzeitig bedrohlich wirkt, mit den alltäglichen Dingen seiner Figuren, wie arbeiten, essen oder Haare schneiden. Dabei wirkt alles im Einklang, verbunden, wie Ying und Yang, die zu einer Form werden.
Die Montage als Erkenntnisraum: Die zweiteilige Struktur von Viet und Nam

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Ursprünglich sollte Viet und Nam in linealischer Erzählstruktur erscheinen, so war zumindest das Drehbuch ausgelegt. Bei der Montage kristallisierte sich jedoch eine zweiteilige Struktur heraus. So erscheint der Titel des Films auch erst in der Mitte. Trương Minh Quý sagte in dem Interview mit Salzgeber, dass sie erst die Bilder sehen mussten, um zu verstehen und die Entscheidung fiel dann während des Schnittprozesses. Das ist künstlerisch ein raffinierter Kniff, für das Publikum teilweise aber auch schwer, die Handlung im Blick zu halten. Allerdings hat die nicht-lineare Erzählung auch einen einzigartigen Reiz, denn Zusehende müssen sich einfach treiben und von der Sogwirkung, die der Film hat, berauschen lassen.
Dabei wird kaum Musik eingesetzt, denn der Soundtrack ist die Natur. Leiser stetiger Regen wird hier zum poetischen Meister des Sounds, während Frösche und Zikaden ihre ganz eigenen Melodien beisteuern. Dazu liefert Son Doan unglaubliche Bilder auf 16mm-Film gedreht, die hypnotisierend und gleichzeitig poetisch wirken.
Queere Selbstverständlichkeit: Liebe ohne Pathos
Trương Minh Quý wollte nicht einfach einen Film über eine homosexuelle Beziehung machen, sondern wollte dieses Detail einfach als ganz verständlich darstellen. Die Liebe zwischen Viet und Nam wird nicht in Frage gestellt, dennoch ist sie ein zentraler Punkt in der Geschichte. Homosexuelle Beziehungen werden in Vietnam durchaus akzeptiert werden. In der Öffentlichkeit ist es auch möglich, einander Zuneigung zu zeigen ohne bedroht oder angegriffen zu werden. Dennoch wirkt in vielen schwulen Männern noch immer die internalisierte Erwartung nach, sich verbergen und unsichtbar machen zu müssen. Diese reale Angst spiegelt das Umfeld wieder, was Trương Minh Quý zum Ausdruck bringen wollte. Diesen Aspekt wollte er thematisieren, jedoch die Geschichte der beiden nicht dramatisieren. Und das gelingt ihm auch.
Kollektive Wunden: Trauma, Erinnerung und die Nachbeben des Krieges
Darüber hinaus setzt sich Viet und Nam mit den fortwirkenden Traumata der Vergangenheit auseinander. Der Vietnamkrieg ist im kollektiven Gedächtnis des Landes weiterhin präsent; viele Familien suchen noch immer nach Angehörigen, die als vermisst gelten. Der Film thematisiert den Prozess der Loslösung von diesen historischen Belastungen, die Möglichkeit der inneren Versöhnung und das Ringen um seelische Rekonvaleszenz. Damit öffnet der Film einen Raum, in dem persönliche und kollektive Wunden sichtbar werden.
Fazit zu Viet und Nam
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Viet und Nam ist ein Film, der sich jeder einfachen Kategorisierung entzieht. Trương Minh Quý erschafft ein Werk, das zwischen Dokumentation und Traumlogik schwebt, zwischen Intimität und Geschichte, zwischen poetischer Zartheit und der Schwere kollektiver Erinnerung. Die Liebe zwischen Viet und Nam bildet dabei nicht nur ein emotionales Zentrum, sondern auch einen stillen Widerstand gegen Unsichtbarmachung und historische Lasten. Durch seine hypnotischen Bilder, die radikale Reduktion des Soundtracks und die fragmentierte Erzählweise fordert der Film ein Publikum, das bereit ist, sich einzulassen, zu verweilen, zu hören.
Viet und Nam ist weniger ein Film, den man „versteht“, als einer, den man erfährt. Ein Werk, das nachhallt, weil es die Grenzen zwischen persönlicher Geschichte und nationalem Gedächtnis durchlässig macht. Damit öffnet Trương Minh Quý einen Raum, in dem sich Kino als Erinnerungspraxis entfaltet und in dem persönliche und kollektive Wunden sichtbar werden.
Werdet ihr euch Viet und Nam ansehen?
TRAILER: © Salzgeber & Company Medien


»If you ride like lightning,
you’re gonna crash like thunder.«
– The Place Beyond the Pines –
RILEY – Chief Editor
Queerer, professioneller Filmhasser & Arthouse Geek. ✨🌈💜
Ich blogge seit dem 14. Dezember 2014 auf passion-of-arts.de. Schon in meiner Jugend schrieb ich viele Gedichte und Kurzgeschichten. Seit mehreren Jahren widme ich mich professionell Filmrezensionen und war Guest Writer bei der Filmblogseite „We eat Movies“. Außerdem verfasste ich einige Artikel für das 35 MM Retro-Filmmagazin. Ich sterbe für Musik und gehe liebend gerne ins Kino, außer in 3D. TV ist überbewertet, ich gucke lieber DVD, Streaming oder Bluray.
Meine Lieblingsfilme sind unter anderem „La La Land“, „Barbie“ und „Blade Runner 2049“.
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Pressestimmen zu Viet und Nam
Andreas Köhnemann vom Sissy Magazin
„Viet und Nam“ ist ein Film, der vermeintliche Unvereinbarkeiten aufzeigt, um sie dann auf magische Weise zusammenzuführen. Er wähle stets einen Inszenierungsstil, der sich nach den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Sequenz richte, sagt der Drehbuchautor und Regisseur Trương Minh Quý in einem Interview. So treffen hier Bilder von surrealer Schönheit ganz selbstverständlich auf dokumentarisch anmutende Aufnahmen. Das Ergebnis ist durch und durch sinnliches Kino, das sich keine Grenzen setzt und damit die ideale Form findet, um vom Wunsch nach Befreiung zu erzählen.
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Elias Schäfer von film-rezensionen.de
Nach etlichen Werken, die sich eher im dokumentarischen Bereich bewegen, bringt Regisseur Truong Minh Quy mit „Viet und Nam“ ein Drama auf die Leinwand, das sich absichtlich jeglichen Charakterisierungen entzieht. Trotz der unschaffbar anmutenden Mammutaufgabe, Themenkomplexe von Sexualität über Krieg bis zur Verbindung zwischen Leben und Tod, gelingt es ihm über weite Strecken, ein düsteres, aber doch zauberhaftes Bild vom Nachkriegsvietnam zu zeichnen, das besonders in den ruhigsten, intimsten Momenten seine volle Kraft entfaltet. 7 von 10 Punkte.
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Thomas Abeltshauser von epd-film
Der vietnamesische Regisseur Minh Quy Truong zeigt mit hypnotischen Bildern und melancholischer Stimmung die Zerrissenheit seines Landes und erzählt von einer queeren Liebe unter schweren Lebensumständen. 4 von 5 Sterne.
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Fabian Lutz von critic.de
Regisseur Trương Minh Quý verarbeitet in Việt und Nam die Traumata seines Landes als Liebes- und Geistergeschichte. Ein Film voll dunkler Zwischenräume und rauer Intimitäten, durchsetzt mit Momenten subtilen Horrors.
Pressematerial: Viet und Nam | 2024 © Salzgeber & Company Medien



