Top 5 französische Film Noirs

Das Bild zeigt Jean Dujardin im Film Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille.

Passend zum tristen November geht es heute um Top 5 französische Film Noirs. Es heißt also abzutauchen in dunkle und düstere Kriminalgeschichten. In menschliche Abgründe und tragische Figuren, getrieben von endloser Einsamkeit. Gerade Letzteres wird im Fokus stehen, denn es geht nun mal um Werke des Film Noir, die explizit französischer Herkunft sind. Die Ära ist dabei egal, sodass sich neben dem klassischen Noir auch Einträge des Neo-Noirs in diesem Artikel finden lassen werden.

Ein Beitrag von: Florian

Top 5 französische Film Noirs: Ein vergessener Ursprung und der Mut zur Weiterentwicklung

Das Bild zeigt Alain Delon in einer Szene des Films Vier im roten Kreis. Ein Top 5 französischer Film Noir.
Einsame Gangster sind im französischen Film Noir und Neo Noir oft zu finden — Vier im roten Kreis | 1970 © STUDIOCANAL Germany | Comacico | Euro International Films | Fomo Roma | Les Films Corona | Selenia Cinematografica
Dunkles Werbemotiv von Thalia mit dem Titel „NOIR – Dunkle Geschichten, Tiefe Bilder“. Im Hintergrund ein Schwarz-Weiß-Foto einer Person mit Pistole, stilisiert im klassischen Film-Noir-Stil. Der Text beschreibt die Noir-Welt mit Begriffen wie Zwielicht, Zigarettenrauch und moralischer Grauzone. Thalia lädt ein, eine kuratierte Auswahl an Noir-Romanen, Krimis und Filmen zu entdecken – als Buch, DVD oder Blu-ray. Ein Button mit „SHOP NOW“ verweist auf die Sammlung.

Den Film Noir verbinden wir hauptsächlich mit Hollywood. Wir denken an rauchende Privatdetektive, nicht selten gespielt von Humphrey Bogart, und eventuell kommt uns auch der Begriff Schwarze Serie in den Sinn. Der Film Noir bleibt also ein primär amerikanisches Konzept. Denn ein Genre ist es nicht, eher ein Sammelbegriff für ein bestimmten Stil, sowohl inszenatorisch als auch erzählerisch. Und dieser Begriff stammt gar nicht aus den USA, sondern aus Frankreich.

Im Jahre 1946 war es mit Nino Frank ein französischer Filmkritiker, der den Begriff Film Noir erdachte. Das bezog sich zunächst natürlich nur auf eine bestimmte Strömung aus Hollywood, betrifft mittlerweile aber auch Filme aus anderen Ländern. Und sehr viele davon stammen aus Frankreich. Diese unterscheiden sich allerdings oftmals stark vom typischen amerikanischen Film Noir. Seltener begegnet dem Publikum eine Detektivgeschichte, noch mehr liegt der Fokus auf Gangstergeschichten. Insbesondere im Post- und Neo-Noir. Die französischen Werke dieser Gattung sind oft noch etwas distanzierter als die amerikanischen Vertreter und vor allem das Motiv der Einsamkeit rückt so sehr in den Fokus, wie sonst höchstens im Arthouse-Drama.

Ein paar Erklärungen zur Auswahl

Manch einem Lesenden mag meine nun folgende Auswahl seltsam vorkommen. Sie mag sogar überraschen, doch genau das ist auch ein wenig der Kern des französischen Noirs. Eine Form des Film Noir, welche nicht nur Hollywood kopierte, sondern weiterentwickelte. In der Folge wurde diesem dann auch ein düsterer Stempel aufgedrückt. Deswegen tauchen in meiner Top 5 Filme auf, die sich den gängigen Konventionen entzieht. Denn sie sind es, die herausstechen und die französischen Vertreter der Stilrichtung so besonders machen. Das schmälert den Verdienst von klassischen Vertretern, wie „Fahrstuhl zum Schafott“ gar nicht. Doch für mich haben andere Werke und vor allem anderen Ären hier die Nase vorn.

5. Brutale Schatten (1972)

Das Bild zeigt Jean-Louis Trintignant in einer Szene des Films Brutale Schatten.
Ein Top 5 französischer Film Noir.
Lucien (Jean-Louis Trintignant) ist auf der Hut — Brutale Schatten | 1972 © Cité Films | General Production Company | Les Productions Artistes Associés
Nahaufnahme einer Tasse mit Espresso auf einem Tisch, umgeben von Kaffeebohnen und einer Zeitung. Der Text in großer Schrift lädt dazu ein, die Arbeit der Kreativen zu unterstützen: „Dir gefällt was wir machen? Spendier uns einen Kaffee. Vielen Dank für deinen Support!“ Ein Button mit der Aufschrift „Kaffee ausgeben“ rundet die Botschaft ab.

Wovon handelt „Brutale Schatten“?

Der Film „Brutale Schatten“, ein Kriminal-Thriller unter der Regie von Jacques Deray und erschienen im Jahr 1972, verbindet die kühle Präzision des französischen Gangsterfilms mit der raubeinigen Law-and-Order-Ästhetik des amerikanischen Neo-Noir.

Der französische Profikiller Lucien Bellon (Jean-Louis Trintignant) reist nach Los Angeles, um den Milliardär Victor Kovacs (Ted de Corsia) auszuführen, wird jedoch unmittelbar nach dem Auftrag zum Gejagten. Als sein Pass entwendet wird und sich ein Auftraggeber hinter ihm herstellt, ist Bellon gezwungen, in einer fremden Stadt auf der Flucht neue Verbündete zu suchen – darunter die ehemalige Freundin Nancy Robson (Ann-Margret), die ihm hilft, unterzutauchen. Gleichzeitig verstrickt er sich in ein tödliches Spiel aus Auftragsmördern, Machtansprüchen und Verrat, in dem Loyalität eine kurzlebige Währung bleibt und das Ende unausweichlich erscheint.

Brutale Schatten | 1972 © Cité Films | General Production Company | Les Productions Artistes Associés | Trailer: ©ErsterTFC

Schwarz-weiß-Werbung von Thalia mit dem Titel „QUEER LOVE STORYS“. Links steht der Schriftzug in großen schwarzen Großbuchstaben. Darunter ein Button mit der Aufschrift „Shop Now“ und dem Thalia-Logo mit einem kleinen Vogel. Rechts im Bild küssen sich zwei Personen mit langen, hellen Haaren zärtlich. Die Szene vermittelt Intimität, Liebe und Sichtbarkeit queerer Beziehungen.

Top 5 französische Film Noirs: Allein im fremden Land

Brutale Schatten“ von Jacques Deray passt sehr gut in eine bestimmte Phase des französischen Neo-Noirs in den 70ern oder auch schon späten 60ern. Hier standen öfter Verbrecher im Fokus und sehr oft auch Auftragskiller. Anhand dieser wurde dann ein typisches Motiv heraufbeschworen. Das der Einsamkeit. Ein Mensch, dessen Leben nach einem genauen Uhrwerk verläuft, für den ein Menschenleben nur ein Job ist. Ein Job, dem sich ohne Verbindung und ohne Emotionen einfach besser nachgehen lässt.

Diese Einsamkeit verstärkt „Brutale Schatten“ noch durch ein paar Besonderheiten. Die eindrucksvollste ist der Schauplatz. Ein französischer Killer in den Vereinigten Staaten, fern von Daheim. Als dann nach getaner Arbeit plötzlich sein Pass und sein Gepäck weg sind ist er endgültig allein. Jean-Louis Trintignant ist hierbei als Killer Lucien das Herz des Films. Kühl und einsam sucht er nach der Wahrheit und irgendwie auch nach sich selbst. Sein Spiegelbild ist ein ebenfalls unberechenbarer Roy Scheider, der ähnlich wortkarg und blutig zu Werke geht. Dieses Duell führt nun immer wieder zu Spannungsmomenten, schön inszenierten Verfolgungsjagden sowie Gewaltakten. Dennoch vergisst „Brutale Schatten“ nie die ruhige Melancholie eines anonymen Amerikas.

4. Diva (1981)

Das Bild zeigt Frédéric Andréiund Thuy An Luu in einer Szene des Films Diva.
Ein Top 5 französischer Film Noir.
Jules (Frédéric Andréiund) liebt Musik — Diva | 1981 ©Les Films Galaxie | Greenwich Film Productions | Antenne 2 (A2)
Das Bild ist eine Werbeanzeige zu Werken von Stephen King im Thalia Shop. Abgebildet ist das fiese Grinsen von Jack Nicholson aus "Shining"

Worum geht es in „Diva“?

Der Film „Diva“, ein stilistisch markanter Thriller unter der Regie von Jean-Jacques Beineix und erschienen im Jahr 1981, verbindet auf elegante Weise die Leidenschaft für Oper mit den harten Codes des Verbrechens und gilt als prägendes Werk des sogenannten Cinéma du look.

Im Mittelpunkt steht der Postbote Jules (Frédéric Andréi), der heimlich eine erstklassige Schallaufnahme der gefeierten Sängerin Cynthia Hawkins (Wilhelmenia Wiggins Fernandez) anfertigt – eine Aufnahme, die niemals veröffentlicht werden darf. Parallel gerät Jules durch eine Verwechslung in den Besitz eines Tonbands, das Zeugenaussagen gegen hohe Polizeikreise enthält. Von der Gangsterorganisation des Inspektors Saporta (Jacques Fabbri) gejagt, tritt Jules in eine Welt aus Untergrund, Verfolgung und weißer Opern-Maske ein. Er findet Unterschlupf bei der geheimnisvollen Alba (Thuy An Luu) und wird von dem Kriminellen Gorodish (Richard Bohringer) verfolgt. Zwischen Liebe zur Musik, Schuld und Flucht entfaltet sich eine elegante und bedrohliche Verfolgungsjagd durch Paris und das Pariser Métro-System.

Diva | 1981 ©Les Films Galaxie | Greenwich Film Productions | Antenne 2 (A2) | Trailer: ©StudiocanalUK

Top 5 französische Film Noirs: Bildgewaltige Hommage an den Film Noir

Diva“ ist dabei bereits ein kleiner Spezialfall in dieser Liste. Denn auch wenn die Film Noir Aspekte unbestreitbar sind, wird dem Film in erster Linie einer anderen Strömung zugeordnet. In den 1980er Jahren kam in Frankreich das Cinéma du look auf. Dieses zeichnet sich durch seine künstlerische Gestaltung, sowie eine sehr starke Stilisiertheit aus. Fast schon surreal wird im folgenden auch die Geschichte von einsamen, meist eigenwilligen Figuren erzählt, die irgendwie in ihrer eigenen Welt leben. Jean-Jacques Beineix tut dies in „Diva“ unter klarem Rückbezug nicht nur auf die Nouvelle Vague sondern auch auf den Film Noir.

Es ist eine Geschichte über Liebe und Verschwörung, aber auch über Einsamkeit. In ebenso hypnotischen wie wunderschönen Bildern, voller bläulicher Farbtöne, entwickelt „Diva“ einen Sog, der in zwei Welten führt. Zum einen, die der Musik und zum anderen, die der Ermittler und Gangster. Eine konventionelle Geschichte, welche durch die Noir-Ästhetik, sowie die distanzierten Charaktere und das ruhige Tempo so unkonventionell erzählt wie nur möglich. Die Musik von Vladimir Cosma und die Kamera von Phillip Rousselot machen „Diva“ endgültig zu einem Erlebnis, dass sich nicht durch Worte beschreiben lässt. Zurecht ein Klassiker des französischen Films und eine eindrucksvolle Hommage an den Film Noir.

3. Die Teuflischen (1955)

Das Bild zeigt Simone Signoret und Véra Clouzot in einer Szene aus dem Film zu "Die Teuflischen" aus dem Jahr 1955. Ein Top 5 französischer Film Noir.
Etwas geht nicht mit rechten Dingen zu — Die Teuflischen | 1955 ©Concorde Home Entertainment
Werbung für POC-Literatur von Thalia. Links steht in großer weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund: „POC Literatur: Stimmen, die gehört werden müssen“. Darunter ein erklärender Text über die Bedeutung und Vielfalt von Literatur von People of Color, mit Fokus auf Identität, Herkunft, Ungleichheit und Selbstermächtigung. Unten links befindet sich ein schwarzer Button mit weißer Schrift „Shop Now“ und dem Thalia-Logo. Rechts ist ein Porträt eines Menschen mit dunkler Haut zu sehen, der sich mit einer weiß bemalten Hand teilweise das Gesicht bedeckt – ein starkes visuelles Symbol für Ausdruck und Sichtbarkeit.

Wovon handelt „Die Teuflischen“?

Die Teuflischen“ (Originaltitel: Les Diaboliques) ist ein französischer Psychothriller aus dem Jahr 1955 von Regisseur Henri-Georges Clouzot, der gemeinsam mit René Masson, Jérôme Géronimi und Frédéric Grendel auch das Drehbuch verfasste. Der Film basiert auf dem Roman Celle qui n’était plus (deutsch: Die Teuflischen, 1952) von Pierre Boileau und Thomas Narcejac und gilt als stilbildendes Meisterwerk des Genres. In den Hauptrollen brillieren Simone Signoret, Véra Clouzot und Paul Meurisse, begleitet von Charles Vanel, Michel Serrault und Pierre Larquey.

Die Handlung spielt in einem abgelegenen französischen Internat, dessen tyrannischer Direktor Michel Delassalle seine Umgebung mit Brutalität und Zynismus beherrscht. Seine Ehefrau Christina, eine fragile Frau mit Herzleiden und seine Geliebte Nicole, eine resolute Lehrerin, sind gleichermaßen Opfer seiner Grausamkeit. Statt Rivalinnen zu sein, schließen sich die beiden Frauen zu einem unheilvollen Bündnis zusammen, das bald einen gefährlichen Plan entstehen lässt. Doch was zunächst wie eine Befreiung wirkt, führt zu einer Kette unheimlicher Ereignisse, bei denen Realität und Wahn zunehmend verschwimmen.

Die Teuflischen | 1955 ©Concorde Home Entertainment | Trailer: ©Klokline Cinema

Top 5 französische Film Noirs: Wahnsinn im Internat

Mit „Die Teuflischen“ haben wir nun den einzigen Vertreter der klassischen Ära des Film Noir in dieser Liste. Zumindest was die zeitliche Einordnung betrifft, denn erzählerisch geht auch dieses Werk sehr eigene Wege und präsentiert sich der Zuschauerschaft als Psychothriller mit Einschüben des Horrorfilms. Schließlich geht es um eine Ehefrau, die unter ihrem tyrannischen Gatten leidet und nach einem schockierenden Ereignis langsam beginnt den Verstand zu verlieren.

Henri-Georges Clouzot inszeniert dabei fantastisch. In schwarz und weiß wirkt das Gemäuer des Internats unfreundlich gar unheimlich. Letzteres wird durch manches Geschehen noch verstärkt. Denn nicht nur in der Stimmung und Atmosphäre führt Clouzot nahezu meisterhaft durch den Film. Gerade auf erzählerischer Ebene hat die düstere Geschichte viel zu bieten. Dadurch fragt man sich zurecht lange, wer eigentlich wirklich die Teuflischen aus dem Titel sind. Immer wieder wird der Zuschauer in die Irre geführt und findet sich in einem diabolischen Intrigenspiel wieder. „Die Teuflischen“ ist bitterböse, taucht tief in menschliche Abgründe ab und bringt erst mit dem Auftauchen eines zwielichtigen Ermittlers Licht ins Dunkel.

2. Vier im roten Kreis (1970)

Das Bild zeigt Alain Delon in einer Szene des Films Vier im roten Kreis. Ein Top 5 französischer Film Noir.
Corey (Alain Delon) ist ein einsamer Kleinganove — Vier im roten Kreis | 1970 © STUDIOCANAL Germany | Comacico | Euro International Films | Fomo Roma | Les Films Corona | Selenia Cinematografica
Nahaufnahme einer Person in schwarzer Lederjacke mit silbernen Nieten, vor dunklem Hintergrund. Die Jacke wirkt rebellisch und stilvoll. Begleitender Text bewirbt Lederjacken von EMP als Ausdruck von Persönlichkeit: „Du willst kein Outfit. Du willst ein Statement.“ Verschiedene Stile wie klassisch, Patchwork und Vintage werden erwähnt. Ein Button mit der Aufschrift „SHOP NOW“ lädt zum Kauf ein.

Worum geht es in „Vier im roten Kreis“?

Der Film „Vier im roten Kreis“, ein französischer Kriminalthriller von Jean-Pierre Melville aus dem Jahr 1970, verbindet in präziser, kühler Inszenierung klassische Elemente des Film Noir mit dem Stil eines existenziellen Gangsterdramas und gilt als eines der stilprägenden Werke seines Regisseurs.

Im Zentrum der Handlung steht der gerade aus dem Gefängnis entlassene Corey (Alain Delon), der auf seiner Reise nach Paris dem entflohenen Häftling Vogel (Gian Maria Volonté) begegnet. Gemeinsam planen die beiden einen raffinierten Juwelenraub, der ihnen ein neues Leben ermöglichen soll. Unterstützt werden sie von dem schweigsamen Scharfschützen Jansen (Yves Montand), einem ehemaligen Polizisten, der mit seiner eigenen Vergangenheit kämpft. Doch Kommissar Mattei (André Bourvil) ist den Männern dicht auf den Fersen – ein kühler, geduldiger Jäger, der den Kreis langsam, aber unerbittlich schließt. In der Welt dieser Figuren existiert kein Platz für Zufall oder Hoffnung, nur für das stille Wissen, dass Loyalität und Verrat oft nur einen Herzschlag voneinander entfernt sind.

Vier im roten Kreis | 1970 © © STUDIOCANAL Germany | Comacico | Euro International Films | Fomo Roma | Les Films Corona | Selenia Cinematografica

Top 5 französische Film Noirs: Ein lautloser Raub als Spannungs-Highlight

Eigentlich sollte hier ein anderer Film stehen, der auch ohne Zweifel meine Nummer 1 geworden wäre. Denn der beste französische Film Noir ist nun mal „Der eiskalte Engel“ von Jean-Pierre Melville. Allerdings wurde dieser Meisterwerkstatus bereits in den beiden Artikeln Top 5 zeitlose Klassiker des Film Noirs und Die 5 besten Filme aus den 60er Jahren mit einem ersten, beziehungsweise fünften Platz gewürdigt. Grund genug, um einem anderen Film die Aufmerksamkeit zu schenken. Und da dieser ebenfalls von Jean-Pierre Melville und mit Alain Delon ist, bot sich dies an. Für die Spitzenposition reicht es bei „Vier im roten Kreis“ jedoch nicht.

Trotzdem handelt es sich beim Heist-Movie aus den 70er Jahren um einen beeindrucken Thriller. Insbesondere der Raub bildet eine ganz besondere Erfahrung. Nicht nur dauert er fast zwanzig Minuten an, während dieser Zeit wird auch kein einziges Wort gesprochen. Trotzdem ist die Spannung zum Greifen. Jeder kleine Fehler könnte in einer Katstrophe enden. So fiebert man mit den verschiedenen Gaunern mit. Sie alle sind distanziert, einsam und besitzen ganz eigene Beweggründe. Auch der Ermittler, welcher als Jäger agiert. Mit seiner Überlänge und der recht spartanischen Geschichte ist „Vier im roten Kreis“ für mich nicht der ultimative Höhepunkt in Melvilles Schaffen. Dank Alain Delon, Bourvil, Gian Maria Volonté und Yves Montand ist er allerdings dennoch ein beeindruckender Gangsterfilm.

1. Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille (2014)

Das Bild zeigt Jean Dujardin und einen Kollegen in einer Szene des Films Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille. Ein Top 5 französischer Film Noir.
Das sonnige Marseille ist ein heißes Pflaster — Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille | 2014 © Legende Films | Gaumont | Scope Pictures

Worum geht es in „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“?

Der Film „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ ist ein intensiver französischer Krimi-Thriller unter der Regie von Cédric Jimenez, erschien im Jahr 2014 und zeichnet mit kühler Eleganz und dokumentarischer Genauigkeit den ungleichen Kampf zwischen einem aufrechten Richter und einem mächtigen Drogenkartell im Marseille der 1970er-Jahre.

Im Mittelpunkt steht der Untersuchungsrichter Pierre Michel (Jean Dujardin), der frisch nach Marseille versetzt wird und sich der gefährlichsten Organisation seiner Zeit stellt – der sogenannten French Connection, einem international agierenden Drogenring, den der skrupellose Gaëtan Zampa (Gilles Lellouche) mit eiserner Hand kontrolliert. Zwischen Korruption, Gewalt und persönlicher Besessenheit setzt Michel alles daran, die Strukturen der Unterwelt zu zerschlagen. Doch sein unerbittlicher Feldzug gegen das organisierte Verbrechen zieht ihn zunehmend in einen Strudel aus moralischen Konflikten, familiären Opfern und lebensgefährlichen Entscheidungen. In atmosphärisch dichten Bildern entfaltet sich eine Geschichte über Pflichtgefühl, Macht und den Preis der Gerechtigkeit.

Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille | 2014 © Legende Films | Gaumont | Scope Pictures | Trailer: ©Rotten Tomatoes Indie

Top 5 französische Film Noirs: Wenn die Gerechtigkeit zur Obsession wird

Um Gangster geht daher es auch in meinem ersten Platz. Gleichzeitig ist „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ aber auch der modernste Eintrag in dieser Liste. Damit steht er stellvertretend für eine Entwicklung im französischen Kino, welche spätestens in den letzten gut zehn Jahren immer deutlicher wurde. In keinem europäischen Land erstrahlen Filme in einer solchen Wertigkeit, wie in Frankreich. Dafür sind vor allem Regisseure wie Cédric Jimenez, die ihr Handwerk eindrucksvoll beherrschen, verantwortlich.

Dadurch „Der Unbestechliche – Mörderisches Marseille“ fängt das sommerliche Marseille der 70er wundervoll ein. Sonne und Hitze, während ein ehemaliger Jugendrichter dem organisierten Drogenhandel den Krieg erklärt. Es entsteht förmlich ein Krieg zwischen Pierre Michel und dem Gangster Zampa, die sich in ihrer Fehde langsam gegenseitig zu Grunde richten. Jean Dujardin brilliert in der Rolle des Jägers. Er verstrickt sich in moralische Konflikte und verfällt schließlich dem Drang für Recht zu sorgen verfällt. Auf der anderen Seite spielt Gilles Lellouche nicht das pure Böse, sondern einen Gangster mit Ausstrahlung. Das macht den Kampf zweier Männer, die sich ihren Obsessionen verlieren noch intensiver und einzigartiger.

Weitere tolle französische Film Noirs aus der Redaktion

  • Wie Raubkatzen (1964)
  • Der Clan der Sizilianer (1969)
  • Lautlos wie die Nacht (1963)
  • Der Chef (1973)

Fazit zu Top 5 französische Film Noirs

Der französische Film Noir steht vor allem für Vielfalt. Neben klassischen Gangstergeschichten der 50er Jahre, lebt die französische Interpretation der Strömung aber auch von der Emanzipation von der amerikanischen Vorlage. Genau das wollte ich anhand der fünf gewählten Filme aufzeigen. Sie alle sind in gewisser Weise Film Noirs. Sie alle haben die Grundlage dieser Stilrichtung auf erzählerischer Ebene ein wenig weitergedacht. Es sind Filme, die zeigen wie mannigfaltig nicht nur der Film Noir, sondern auch das französische Kino insgesamt sein kann.

Das waren meine Top 5 französische Film Noirs. Jetzt seid ihr dran!

Welche sind eure Top 5 französische Film Noirs?


Passion of Arts Redaktion Florian

 

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6 Kommentare

  1. Moin zusammen – da ich zu wenige Filme kennen, die in die „Besten 5“ passen würden, kann ich heute keinen Beitrag beisteuern, dafür aber vielleicht in der Kommentarspalte diejenigen, die dafür in Frage kommen könnten.

    1. Fahrstuhl zum Schafott: Hier hätte ich vermutlich folgendes geschrieben
    „Ein vermeintlich todsicherer Coup, der nach und nach aus dem Ruder läuft und wegen eines kleinen Fehlers in einer Katastrophe mündet. Hier ist es nicht nur die Bildsprache, die eine desillusionierte Jeanne Moreau beim ziellosen Streifen durch nächtliche Straßen zeigt, sondern vor allem auch die kühle Jazzmusik von Miles Davis, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten, knapp anderthalbstündigen Kriminalfilm zieht.“

    2. Außer Atem: Ist ewig her, dass ich den gesehen habe.

    3. Mademoiselle: Jeanne Moreau in der Rolle einer sadistisch veranlagten Lehrerin, die äußerlich einem unterkühlten Engel gleicht und ihre Frustrationen in Bosheiten und sich steigernden Grausamkeiten kanalisiert.

    1. @blaupause7
      Als ich das Thema ausgewählt hatte, dachte ich auch, ich würde mehr Filme kennen. Dann stellte sich heraus,m dass in dem bereich eher meine Watchlist riesig ist und nicht die Liste der gesehenen Filme.

      Du hast aber trotzdem drei schöne Filme gefunden. Fahrstuhl zum Schafott mag ich auch sehr und Mademoiselle ist ab jetzt auf meiner Watchlist.

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