Bernie Lengström stand morgens vor dem Spiegel. Er zupfte seinen Pullunder zurecht, straffte den Hemdkragen und setzte sich seine Brille auf, die mit dem schwarzen Gestell. „Heute wird ein guter Tag.“, sagte er zu sich selbst. „Ein guter Tag.“ Er hatte die ganze Nacht an dem Projekt gesessen, es bis zur Vollendung perfektioniert. Ja der Chef würde Augen machen! Bernie arbeitete bereits 40 Jahre in der Firma, er war praktisch Mitglied des eingeschweißten Teams und wartete schon auf eine Beförderung. Diesmal würde er sie kriegen und dann würde sich alles ändern. Vielleicht fand er dann endlich auch eine Frau, die ihn liebte.
Blutmond
Müde sitzt er da und starrt aus dem Fenster.
Steif sind seine Glieder, verschlossen ist sein Gemüt.
Seine Lider flackern.
Der Mond geht auf, verdrängt die Sonne, strahlend hell.
Dunkelheit kehrt ein.
Ein roter Schleier umfließt die große, runde Scheibe am Himmel.
Er strafft leicht seine Schultern, sie schmerzen vor Kälte.
Sein Atem zieht kleine, zarte Rauchschwaden.
Die Erschöpfung sitzt tief, zu viel hat er erlebt.
Stumpf ist sein Geist, Gleichgültigkeit beherrscht ihn.
Zu viel hat er durch gemacht, zu viel hat er gesehen.
Nostalgie
Wo ist die Zeit geblieben?
Wie unbeschwert wir waren, als wir noch Kinder waren.
Als wir unsere Augen öffneten und die farbenprächtige Welt sahen, die uns nun so grau und trist erscheint.
Wo ist sie hin, die Zeit als wir noch gemeinsam lachen konnten, Cola tranken und durch die Küche rülpsten?
Das Ende des Tages
Die Sonne geht unter, noch benetzen die letzen Sonnenstrahlen den Asphalt. Ein zarter, goldener Schimmer liegt auf dem Kopfsteinpflaster der alten Stadt, Regentropfen perlen sich auf den großen, feuchten Steinen ab. Es beginnt ganz langsam erst wieder zu regnen. Tropfen für Tropfen wäscht das Wasser die Sonnenstrahlen hinweg und machen Platz für die Dunkelheit.
Das Ende der Regenzeit
Reglos stehen die trockenen Grashalme da. Ein Summen dringt aus den Tiefen der Erde. Kein Lüftchen weht. Die Sonne verbrennt die letzten Reste der Spitzen des einst so saftigen Grüns. Gierig reckt es sich dem Himmel entgegen, als wolle es nach etwas greifen. Ihm dürstet nach Wasser, doch das kühle, erholsame Nass bleibt aus. Schon wochenlang dauert die gähnende Hitze an. Die Insekten tummeln sich an den Halmen; suchend und forschend bewegen sie sich vorwärts. Nichts.
Der Sprung ins kalte Wasser
Ich fuhr mit dem Rad durch die Straßen.
Nur wage erinnere ich mich an die richtige Einfahrt.
Ist es der richtige Weg, den ich einschlage?
Bekämpfe ich nun die Dämonen, die mich seid Jahren quälen?
Ich muss springen, es wagen, denn wenn ich es nicht tue,
werde ich niemals erfahren, ob es die richtige Entscheidung war.
Mein Herz pocht!
Wohnen sie noch dort?
Oder sind sie bereits weggezogen?
Das Schicksal hätte längst entschieden, wenn sie nicht mehr dort wohen würden.
Langsam gehe ich zur Türschwelle.
Das Namensschild stimmt noch.
Ich habe Schmetterlinge in meinem Bauch, doch ich wage es!
Ich läute die Türglocke und warte.
Nichts tut sich erst, doch dann …
Dann öffnet sich die Tür und ich wusste, dass es die richtige Entscheidung war!
3. April 2010
Weltanschauung
Helga: Oh Henry, oh Henry!
Henry: Mmh?
Helga: Was ist nur los in dieser Welt?
Henry: Mmh.
Helga: Das ganze Leid und Elend.
Henry: Mmh.
Helga: Diese Hungersnöte.
Henry: Mmh.
Helga: Der ganze Regen und das kommende Hochwasser.
Henry: Mmh.
Helga: Die armen Menschen.
Henry: Mmh.
Helga: Die Kriege, die wir durchgestanden haben. Wie haben wir gelitten.
Henry: Mmh.
Helga: Hörtest du von den Epidemien? Hast du das gehört? Auch so viele Tiere sind dabei gestorben.
Henry: Mmh.
Helga: Die Arbeitslosenzahl ist schon wieder gestiegen. Steht hier in der Zeitung. Wie soll das denn noch weiter gehen?
Henry: Mmh.
Helga: Aber Henry, nun sag doch auch mal etwas dazu. Hast du denn überhaupt keine Meinung?
Henry: Mmh.
Helga: Henry!
Henry: Helga, hör doch mal auf, die Welt immer nur von einer Perspektive zu sehen.
2. Februar 2010
Schenke nicht jedem dein Herz,
sondern schenke dein Lächeln,
denn niemand gibt dir die Zuversicht,
dass dein Herz dort wohlbehütet ist.
Niemand weis, ob du auch
das Herz des anderen bekommst,
aber schenkst du ein Lächeln so ist es gewiss,
so bekommst du eins wieder
wenn auch nur für einen kurzen Augenblick
19. Januar 2008