Film

The Wicker Man

Veröffentlichungsjahr: 1973 | Genres: Horror, Mystery, Folklore
Originaltitel: The Wicker Man
Schauspieler: Edward Woodward, Christopher Lee, Britt Ekland, Diane Cilento, Ingrid Pitt, Lindsay Kemp, Russell Waters, Roy Boyd, Irene Sunters, Jennifer Martin, Ian Campbell, Gerry Cowper, Donald Eccles, Aubrey Morris

„The Wicker Man“ ist ein britischer Folk-Horrorfilm aus dem Jahr 1973 von Regisseur Robin Hardy, der Elemente des Kriminalfilms, des Horrors und des Musicals miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht der strenggläubige Polizist Neil Howie, dessen Suche nach einem verschwundenen Mädchen ihn auf eine abgelegene schottische Insel mit vollkommen eigenen religiösen Vorstellungen führt. Mit Edward Woodward und Christopher Lee in den Hauptrollen entwickelte sich der zunächst problematisch veröffentlichte Film über die Jahre zu einem Kultklassiker und gilt heute als eines der prägendsten Werke des Folk-Horror-Genres.


Der tiefreligiöse Polizeibeamte Sergeant Neil Howie (Edward Woodward) erhält einen anonymen Brief, in dem vom Verschwinden der zwölfjährigen Rowan Morrison (Gerry Cowper) auf der abgelegenen schottischen Insel Summerisle berichtet wird. Howie reist auf die Insel, um den Fall zu untersuchen, stößt bei den Bewohnern jedoch von Beginn an auf Ablehnung und widersprüchliche Aussagen. Zunächst behauptet sogar Rowans vermeintliche Mutter May Morrison (Irene Sunters), niemals von einem Mädchen dieses Namens gehört zu haben.


Während seiner Nachforschungen entdeckt Howie, dass die Bewohner Summerisles einem heidnischen Glauben folgen, der Naturverehrung, Fruchtbarkeitsrituale und alte Bräuche miteinander verbindet. Für den streng christlichen und konservativen Polizisten stellt die freizügige Lebensweise der Inselbewohner einen fundamentalen Gegensatz zu seinen eigenen Überzeugungen dar. Auch Willow MacGreagor (Britt Ekland) und die Lehrerin Miss Rose (Diane Cilento) begegnen ihm mit einem Selbstverständnis, das seine moralischen Vorstellungen immer wieder herausfordert.


Schließlich sucht Howie den exzentrischen Besitzer der Insel, Lord Summerisle (Christopher Lee), auf. Dieser erklärt ihm, dass bereits sein Großvater die Bewohner zu alten Naturreligionen zurückgeführt habe und die heidnischen Traditionen inzwischen fest zum Leben auf Summerisle gehören. Je tiefer Howie in die Geschichte des verschwundenen Mädchens eindringt, desto mehr verdichtet sich sein Verdacht, dass Rowan einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein könnte. Als das traditionelle Maifest der Insel unmittelbar bevorsteht, beginnt für den Polizisten ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem er zunehmend erkennen muss, dass auf Summerisle kaum etwas so ist, wie es zunächst erscheint.


„The Wicker Man“ entstand unter ungewöhnlichen Bedingungen und wurde nach seiner Fertigstellung zunächst keineswegs als zukünftiger Klassiker betrachtet. Regisseur Robin Hardy verband gemeinsam mit Drehbuchautor Anthony Shaffer eine Kriminalgeschichte mit heidnischer Folklore, religiösen Konflikten und musikalischen Elementen. Statt auf klassische Monster oder übernatürliche Schockeffekte zu setzen, entsteht der Horror vor allem aus dem Gegensatz zwischen Howies kompromisslosem Christentum und dem ebenso selbstverständlich gelebten heidnischen Weltbild der Inselbewohner. Christopher Lee war von dem Projekt derart überzeugt, dass er bereit war, ohne Gage zu arbeiten. Nachdem er durch seine zahlreichen Dracula- und Horrorrollen berühmt geworden war, sah er in Lord Summerisle die Möglichkeit, eine wesentlich ungewöhnlichere Figur zu spielen, und bezeichnete die Rolle später als eine seiner persönlichen Lieblingsrollen. Ursprünglich war Michael York für Sergeant Howie vorgesehen, später wurde auch David Hemmings erwogen, bevor Edward Woodward die Rolle erhielt. Gedreht wurde 1972 überwiegend in Dumfries and Galloway im Südwesten Schottlands. Obwohl die Handlung im frühlingshaften Mai spielt, fanden die Dreharbeiten im kalten Oktober und November statt. Deshalb mussten unter anderem künstliche Blüten an Bäumen angebracht werden, während die Darsteller zwischen einzelnen Aufnahmen Eiswürfel lutschten, damit ihr Atem in der Kälte nicht sichtbar wurde. Eine Besonderheit des Films ist seine Musik von Paul Giovanni, deren Folk-Songs nicht nur als Begleitung dienen, sondern unmittelbar in die Handlung und die Rituale der Inselbewohner integriert sind. Nach Abschluss der Dreharbeiten kam es zu erheblichen Konflikten über die endgültige Fassung. Der Film wurde stark gekürzt und seine Veröffentlichung verzögert; verschiedene Schnittfassungen mit unterschiedlicher Laufzeit existieren bis heute, während Hardys ursprünglich vorgesehene längere Version als verschollen gilt. Diese schwierige Veröffentlichungsgeschichte trug langfristig zusätzlich zum Mythos des Films bei. Aus dem zunächst unterschätzten Werk entwickelte sich über die Jahre einer der einflussreichsten britischen Horrorfilme überhaupt und ein grundlegendes Beispiel des Folk Horror. Sein Einfluss lässt sich später unter anderem in Filmen wie „Kill List“, „Apostle“ und besonders „Midsommar“ erkennen. Auch außerhalb des Kinos hinterließ der Film deutliche Spuren: Iron Maiden benannten einen Song nach „The Wicker Man“, während Radioheads Musikvideo zu „Burn the Witch“ deutliche Anspielungen auf den Film enthält. 2006 entstand eine Neuverfilmung mit Nicolas Cage, die jedoch wesentlich weniger positiv aufgenommen wurde als das Original. Robin Hardy selbst kehrte 2011 mit „The Wicker Tree“ noch einmal zu den Motiven und Ideen seines Kultfilms zurück.


Pressematerial © StudioCanal
Trailer © Arthouse
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)


Regie: Robin Hardy
Drehbuch: Anthony Shaffer, David Pinner
Produzent: Peter Snell
Musik: Paul Giovanni
Kamera: Harry Waxman
Schnitt: Eric Boyd-Perkins

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