Revenge
Veröffentlichungsjahr: 2017 | Genres: Action, Horror, Thriller, Rape and Revenge
Originaltitel: Revenge
Schauspieler: Matilda Lutz, Kevin Janssens, Vincent Colombe, Guillaume Bouchède, Jean-Louis Tribes
„Revenge“ ist ein französischer Rape-and-Revenge-Thriller aus dem Jahr 2017 und das Spielfilmdebüt von Regisseurin und Drehbuchautorin Coralie Fargeat. Mit Matilda Lutz in der Hauptrolle erzählt der Film eine ebenso kompromisslose wie visuell außergewöhnlich stilisierte Überlebens- und Rachegeschichte, die klassische Motive des Exploitationkinos aufgreift und zugleich mit dessen Geschlechterbildern spielt. Besonders die intensive Farbgestaltung, die sonnendurchflutete Wüstenlandschaft und die exzessive Gewaltdarstellung machten „Revenge“ zu einem viel beachteten Beitrag des modernen Genrefilms.
Die junge Jen (Matilda Lutz) reist gemeinsam mit ihrem wohlhabenden, verheirateten Liebhaber Richard (Kevin Janssens) in ein luxuriöses, abgeschiedenes Anwesen mitten in der Wüste. Eigentlich wollen die beiden dort einige ungestörte Tage verbringen, bevor Richard sich mit seinen Freunden zu einem traditionellen Jagdausflug trifft. Doch als Stan (Vincent Colombe) und Dimitri (Guillaume Bouchède) überraschend früher eintreffen, nimmt der geplante romantische Kurzurlaub eine unangenehme Wendung.
Nach einem zunächst ausgelassenen gemeinsamen Abend verändert sich die Stimmung am nächsten Morgen schlagartig. Während Richard unterwegs ist, bedrängt Stan die junge Frau und vergewaltigt sie schließlich. Dimitri wird Zeuge des Übergriffs, greift jedoch nicht ein. Als Richard zurückkehrt, versucht er, den Vorfall herunterzuspielen und Jen mit Geld zum Schweigen zu bewegen. Diese verlangt stattdessen, sofort nach Hause gebracht zu werden, und droht damit, Richards Ehefrau von ihrer Affäre zu erzählen.
Die Situation eskaliert und Jen flieht zu Fuß in die umliegende Wüstenlandschaft. Doch die drei Männer nehmen die Verfolgung auf und sind entschlossen, ihre Tat um jeden Preis zu vertuschen. Schwer verletzt und in der lebensfeindlichen Umgebung vollkommen auf sich allein gestellt, muss Jen fortan um ihr Überleben kämpfen. Allerdings haben ihre Verfolger eines nicht bedacht: Die vermeintlich hilflose junge Frau ist wesentlich widerstandsfähiger, als sie angenommen haben. Schon bald entwickelt sich aus der Jagd auf Jen ein erbarmungsloser Kampf, in dem die Rollen von Jägern und Gejagter zunehmend verschwimmen.
„Revenge“ markiert das Langfilmdebüt der französischen Regisseurin und Drehbuchautorin Coralie Fargeat, die mit ihrem Erstlingswerk eine ebenso radikale wie selbstbewusste Neuinterpretation des klassischen Rape-and-Revenge-Kinos vorlegte. Statt sich ausschließlich an den bekannten Konventionen des Subgenres zu orientieren, verbindet Fargeat die Geschichte mit Elementen des Survival-Thrillers, des Exploitationfilms und einer beinahe surrealen Bildsprache. Dabei spielt sie bewusst mit der anfänglichen Darstellung ihrer Protagonistin als vermeintlich oberflächliches, sexualisiertes Anhängsel eines reichen Mannes, bevor sie diese Perspektive im weiteren Verlauf konsequent umkehrt. Die Inszenierung setzt auf kräftige Farben, extreme Nahaufnahmen, eine zunehmend körperliche Bildsprache und eine ausgesprochen explizite Gewaltdarstellung, die stellenweise bewusst die Grenzen des Realistischen überschreitet. Gedreht wurde in Marokko, dessen weitläufige Wüstenlandschaften und karge Felsformationen eine zentrale Rolle für die visuelle Gestaltung des Films einnehmen. Mit lediglich fünf Darstellern fällt die Besetzung ungewöhnlich klein aus, wodurch sich die Geschichte nahezu vollständig auf Jen und ihre drei Verfolger konzentriert. Das Produktionsbudget wird auf rund drei Millionen US-Dollar geschätzt. Für die Kameraarbeit zeichnete Robrecht Heyvaert verantwortlich, während die elektronische, treibende Filmmusik von Robin Coudert stammt, der auch unter dem Künstlernamen Rob bekannt ist. Seine Weltpremiere feierte „Revenge“ am 10. September 2017 beim Toronto International Film Festival. Anschließend wurde der Film auf zahlreichen weiteren Genre- und internationalen Filmfestivals gezeigt, darunter beim Sitges Festival, wo Coralie Fargeat als beste Regisseurin ausgezeichnet wurde. Der französische Kinostart erfolgte im Februar 2018, während der Film in Deutschland zunächst im April desselben Jahres beim Fantasy Filmfest präsentiert wurde. Trotz eines vergleichsweise geringen weltweiten Kinoeinspielergebnisses von rund 938.000 US-Dollar erlangte „Revenge“ insbesondere innerhalb der Genre-Community große Aufmerksamkeit. Häufig wurde der Film auch im Zusammenhang mit der damaligen #MeToo-Debatte betrachtet, da Fargeat die traditionellen Machtverhältnisse des Rape-and-Revenge-Genres aus einer weiblichen Perspektive neu interpretiert. Rückblickend gilt „Revenge“ zudem als wichtiger Ausgangspunkt für die weitere Karriere der Regisseurin, die 2024 mit ihrem Body-Horrorfilm „The Substance“ international große Aufmerksamkeit erlangte. Bereits in ihrem Debüt sind zahlreiche ihrer späteren stilistischen Markenzeichen erkennbar, insbesondere die Verbindung aus übersteigerter Körperlichkeit, gesellschaftlicher Kritik und einer kompromisslosen, visuell auffälligen Inszenierung.
Pressematerial © M.E.S. Productions | Koch Media
Trailer © Shudder
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Coralie Fargeat
Drehbuch: Coralie Fargeat
Produzent: Marc-Etienne Schwartz, Marc Stanimirovic
Musik: Robin Coudert
Kamera: Robrecht Heyvaert
Schnitt: Jérôme Eltabet, Coralie Fargeat, Bruno Safar