Film

Reservoir Dogs – Wilde Hunde

Veröffentlichungsjahr: 1992 | Genres: Drama, Krimi, Thriller, Gangsterfilm, Psychodrama, Independent-Film, Kammerspiel, Heist, Exploitation, Gore, Torture Porn, Neo Noir, Crime, Tragödie, Videospiel Verfilmung, Rache-Geschichte, Arthouse
Originaltitel: Reservoir Dogs
Schauspieler: Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Randy Brooks, Kirk Baltz, Edward Bunker, Quentin Tarantino, Rich Turner, David Steen, Tony Cosmo, Stevo Polyi, Michael Sottile, Robert Ruth, Lawrence Bender, Linda Kaye, Suzanne Celeste, Steven Wright, Laurie Lathem, Maria Strova, Burr Steers, Craig Hamann, Scott McElroy, Jeffrey Erin Shea, Gerard van Gent, Rowland Wafford, Sheb Wooley

Reservoir Dogs – Wilde Hunde ist Quentin Tarantinos erster Kinofilm – ein raues, dialoggetriebenes Heist-Drama, das 1992 erschien und später vom Empire Magazine als „größter Independentfilm aller Zeiten“ gefeiert wurde. Gedreht in den USA, 99 Minuten lang, FSK 18, und produziert von Lawrence Bender, markiert der Film den Beginn von Tarantinos unverwechselbarem Stil: verschachtelte Erzählweise, scharfkantige Figuren, schwarzer Humor und brutale Konsequenzen. Die Kamera führte Andrzej Sekuła, den Schnitt übernahm Sally Menke, und die Musik stammt von Karyn Rachtman – inklusive ikonischer 70er-Jahre-Songs, die Tarantino bewusst als Kontrast zur Gewalt einsetzt.

Im Zentrum steht eine Gruppe Krimineller, die sich für einen Diamantenraub zusammenfinden – Männer, die einander kaum kennen und Decknamen wie Farben tragen. Schon die Eröffnungsszene zeigt sie beim Frühstück, wo sie über Trinkgeld und Madonnas Like a Virgin diskutieren. „Bis auf den Verbrecherboss Joe Cabot und dessen Sohn, den ‚Netten Eddie‘, benutzen alle Decknamen nach Farben.“ Diese Mischung aus Alltagsgesprächen und unterschwelliger Spannung ist typisch für Tarantino und macht sofort neugierig auf das, was kommen wird.

Der geplante Coup geht schief – und der Film setzt genau dort an, wo andere Heist-Filme enden würden. Statt den Überfall zu zeigen, konzentriert sich Reservoir Dogs auf das Chaos danach: Misstrauen, Panik, Loyalität, Verrat. Mr. White (Harvey Keitel) versucht verzweifelt, den schwer verletzten Mr. Orange (Tim Roth) zu beruhigen. Mr. Pink (Steve Buscemi) ist überzeugt, dass ein Maulwurf in der Gruppe steckt. Mr. Blonde (Michael Madsen) taucht mit einem gefesselten Polizisten auf und bringt eine unberechenbare, gefährliche Energie in das Lagerhaus, das als Hauptschauplatz dient. Dazu kommen Joe Cabot (Lawrence Tierney), der alte Boss, und sein Sohn Eddie (Chris Penn), die versuchen, die Kontrolle zu behalten, während die Situation immer weiter eskaliert.

Die Handlung springt zwischen Gegenwart und Rückblenden, die zeigen, wie die Männer rekrutiert wurden, wie sie sich vorbereiteten und welche Beziehungen sie zueinander haben. Tarantino nutzt diese Struktur, um die Figuren zu schärfen und die Spannung zu steigern. 

Die Besetzung ist beeindruckend: Neben Keitel, Roth, Buscemi, Madsen, Penn und Tierney spielt Tarantino selbst Mr. Brown (Quentin Tarantino). Dazu kommen Mr. Blue (Edward Bunker), der im echten Leben tatsächlich Bankräuber war, Detective Holdaway (Randy Brooks), Officer Marvin Nash (Kirk Baltz), Sheriff (Rich Turner), K-Billy DJ (Steven Wright) und junger Polizist (Lawrence Bender). Die Nebenrollen reichen von Hotelpersonal über Farmer bis hin zu Mitgliedern der Gangstercrew – alle tragen dazu bei, die Welt des Films glaubwürdig und schmutzig wirken zu lassen.

Der Film wurde in einem verlassenen Lagerhaus gedreht, das früher eine Leichenhalle war – ein Ort, der perfekt zu der klaustrophobischen Atmosphäre passt. Die Produktionskosten waren niedrig, aber der Einfluss des Films enorm. Tarantino ließ sich von Klassikern wie City on Fire, Die Rechnung ging nicht auf und Der vierte Mann inspirieren, und die Farb-Pseudonyme stammen aus Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123.

Der Soundtrack ist legendär: 70er-Jahre-Hits, Radiomoderationen von Steven Wright und die berühmte Folterszene zu Stuck in the Middle with You. Tarantino wollte ein „1950er-Feeling mit 1970er-Musik“ erzeugen – ein Stil, der später zu seinem Markenzeichen wurde.

Reservoir Dogs feierte Premiere beim Sundance Film Festival und lief anschließend weltweit auf zahlreichen Festivals. Die Kritiken waren intensiv: Das Lexikon des internationalen Films nannte ihn ein „glänzend gespieltes pessimistisches Drama um Vertrauen und Verrat“, während andere seine moralische Komplexität und Shakespeare-hafte Tragik hervorhoben. Der Film kostete rund 1,2 Millionen Dollar und spielte etwa 2,8 Millionen ein – ein Erfolg, der Tarantinos Karriere begründete.

Der Film hinterließ Spuren: Die Figur Vic Vega (Michael Madsen) ist möglicherweise der Bruder von Vincent Vega (John Travolta) aus Pulp Fiction. Die Folterszene wurde vom Italowestern Django inspiriert. Es gibt ein Videospiel, ein indisches Remake (Kaante), und zahllose popkulturelle Referenzen – von der Bloodhound Gang bis Payday 2.

Pressematerial © Ascot Filmverleih | Universum Film (UFA)
Trailer © Arthaus
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)


Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino, Roger Avary
Produzent: Lawrence Bender, Richard N. Gladstein, Monte Hellman, Ronna B. Wallace, Harvey Keitel
Musik: Karyn Rachtman
Kamera: Andrzej Sekula
Schnitt: Sally Menke

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