Film

Following

Veröffentlichungsjahr: 1999 | Genres: Thriller, Mystery, Crime
Originaltitel: Following
Schauspieler: Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell, John Nolan

„Following“ ist ein britischer Neo-Noir-Kriminalthriller aus dem Jahr 1998 und das Spielfilmdebüt von Christopher Nolan. Der mit minimalem Budget in Schwarz-Weiß gedrehte Film erzählt von einem erfolglosen Schriftsteller, dessen ungewöhnliche Angewohnheit, fremde Menschen durch London zu verfolgen, ihn immer tiefer in eine Welt aus Einbrüchen, Manipulation und Täuschung hineinzieht. Bereits in seinem nur 70 Minuten langen Erstlingswerk finden sich zahlreiche Motive und erzählerische Techniken, die Nolans spätere Karriere prägen sollten – insbesondere die nichtlineare Erzählstruktur, unzuverlässige Wahrnehmungen und das Spiel mit Identität und Wahrheit.


Der erfolglose Schriftsteller Bill (Jeremy Theobald) lebt zurückgezogen in London und beginnt aus Langeweile und auf der Suche nach Inspiration damit, fremden Menschen durch die Straßen zu folgen. Für sich selbst stellt er Regeln auf, die verhindern sollen, dass er sich zu sehr für eine einzelne Person interessiert. Eines Tages bricht er jedoch seine eigenen Regeln und verfolgt einen Mann, der sein Verhalten bemerkt und ihn zur Rede stellt.


Bei dem Fremden handelt es sich um Cobb (Alex Haw), einen selbstbewussten Einbrecher mit einer ungewöhnlichen Philosophie. Ihm geht es bei seinen Einbrüchen weniger um wertvolle Gegenstände als darum, in das Privatleben fremder Menschen einzudringen. Er durchsucht ihre persönlichen Besitztümer und verändert bewusst Kleinigkeiten in ihren Wohnungen, damit die Opfer anschließend erkennen, wie viel Bedeutung sie ihren scheinbar alltäglichen Dingen beimessen. Fasziniert von Cobb beginnt Bill, ihn bei seinen Einbrüchen zu begleiten.


Bei einem ihrer gemeinsamen Streifzüge brechen die beiden in die Wohnung einer geheimnisvollen blonden Frau (Lucy Russell) ein. Bill entwickelt eine zunehmende Faszination für sie, verfolgt sie und spricht sie schließlich in einer Bar an. Zwischen beiden entsteht eine Beziehung, durch die Bill von ihrem angeblich gefährlichen ehemaligen Freund aus der Londoner Unterwelt erfährt. Als die Frau ihn schließlich um Hilfe bittet, lässt sich Bill immer tiefer in eine Situation hineinziehen, bei der er zunehmend die Kontrolle darüber verliert, wem er eigentlich vertrauen kann und welche Rolle Cobb in seinem Leben tatsächlich spielt.


„Following“ entstand unter ausgesprochen einfachen Bedingungen und mit einem Produktionsbudget von lediglich rund 6.000 US-Dollar. Christopher Nolan übernahm bei seinem Spielfilmdebüt nicht nur Regie und Drehbuch, sondern führte auch selbst die Kamera und war gemeinsam mit Gareth Heal für den Schnitt verantwortlich. Produziert wurde der Film von Nolan gemeinsam mit Jeremy Theobald und seiner späteren langjährigen Produktionspartnerin und Ehefrau Emma Thomas. Da kaum finanzielle Mittel zur Verfügung standen, bestand die Besetzung größtenteils aus Freunden und Familienmitgliedern. Jeremy Theobald stellte beispielsweise nicht nur Bill dar und produzierte den Film mit, sondern seine eigene Wohnung diente zugleich als Wohnung seiner Figur. Die Wohnung der blonden Frau gehörte wiederum Nolans Eltern, während Nolans Onkel John Nolan die Rolle des Polizisten übernahm. Besonders kurios ist, dass während der Produktionszeit tatsächlich in das Haus von Nolans Eltern eingebrochen wurde. Gedreht wurde überwiegend an Wochenenden, da die Beteiligten unter der Woche ihren regulären Berufen nachgingen. Nolan inszenierte den Film auf Schwarz-Weiß-Material und plante die einzelnen Szenen sehr präzise, um möglichst wenig teures Filmmaterial zu verbrauchen. Trotz der äußerst begrenzten Möglichkeiten zeigt „Following“ bereits viele der späteren Markenzeichen des Regisseurs. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sondern aus unterschiedlichen Zeitabschnitten zusammengesetzt, wodurch sich Zusammenhänge erst nach und nach erschließen – eine Technik, die Nolan bereits zwei Jahre später in „Memento“ noch wesentlich konsequenter weiterentwickelte. Auch Themen wie Identität, Obsession, Manipulation und subjektive Wahrnehmung sollten in seinem späteren Werk immer wieder auftauchen. Selbst der Name Cobb besitzt rückblickend eine interessante Verbindung zu Nolans Filmografie: Einen Protagonisten dieses Namens verwendete er zwölf Jahre später erneut in „Inception“. An Bills Wohnungstür befindet sich außerdem ein Batman-Logo – sieben Jahre bevor Nolan mit „Batman Begins“ seine eigene Interpretation der Figur ins Kino brachte. Die Musik komponierte David Julyan, mit dem Nolan später erneut bei „Memento“, „Insomnia“ und „Prestige – Die Meister der Magie“ zusammenarbeitete. „Following“ feierte 1998 seine Festivalpremiere und wurde anschließend unter anderem beim International Film Festival Rotterdam und beim Slamdance Film Festival ausgezeichnet. In Deutschland erschien der Film erst 2005 auf DVD. Aufgrund seiner Entstehungsgeschichte und der bereits deutlich erkennbaren Handschrift seines Regisseurs besitzt „Following“ heute vor allem als Ausgangspunkt der Karriere Christopher Nolans eine besondere filmhistorische Bedeutung.


Pressematerial © Next Wave Films
Trailer © Pandastorm Pictures
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)


Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Christopher Nolan
Produzent: Christopher Nolan, Jeremy Theobald, Emma Thomas
Musik: David Julyan
Kamera: Christopher Nolan
Schnitt: Gareth Heal, Christopher Nolan

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