Fabian oder Der Gang vor die Hunde
Veröffentlichungsjahr: 2021 | Genres: Drama, Romanze
Originaltitel: Fabian oder Der Gang vor die Hunde
Schauspieler: Tom Schilling, Saskia Rosendahl, Albrecht Schuch, Meret Becker, Michael Wittenborn, Petra Kalkutschke, Elmar Gutmann, Aljoscha Stadelmann, Anne Bennent, Eva Medusa Gühne, Oliver Reinhard, Brian Völkner, Michael Hanemann, Lukas Rüppel, Thomas Dehler, Lena Baader, Luise Aschenbrenner, Jörg-Uwe Schröder, Sascha Maaz, Caroline Adam Bay, Catalina Navarro Kirner
„Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 2021 von Regisseur Dominik Graf und basiert auf Erich Kästners 1931 veröffentlichtem Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“. Mit Tom Schilling, Saskia Rosendahl und Albrecht Schuch in den Hauptrollen zeichnet der knapp dreistündige Film ein ebenso lebendiges wie zunehmend düsteres Bild des Berlins am Ende der Weimarer Republik. Graf verbindet Liebesgeschichte, Gesellschaftsporträt und politische Zeitdiagnose mit einer bewusst experimentellen Inszenierung, die unterschiedliche filmische Formate und Stile miteinander vermischt.
Berlin zu Beginn der 1930er-Jahre: Der 32-jährige Germanist und angehende Schriftsteller Dr. Jakob Fabian (Tom Schilling) verdient seinen Lebensunterhalt als Werbetexter für einen Zigarettenhersteller. Während Deutschland von wirtschaftlicher Krise und zunehmender politischer Radikalisierung geprägt ist, beobachtet Fabian seine Umgebung mit einer Mischung aus Ironie, Skepsis und Fatalismus.
Gemeinsam mit seinem besten Freund Stephan Labude (Albrecht Schuch) zieht Fabian nachts durch Bars, Kabaretts, Bordelle und Künstlerlokale der Hauptstadt. Während Fabian dem politischen und gesellschaftlichen Treiben weitgehend distanziert gegenübersteht, glaubt der aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Labude weiterhin an die Möglichkeit gesellschaftlicher Veränderung. Als Fabian schließlich seine Arbeitsstelle verliert, gerät jedoch auch sein eigenes Leben zunehmend ins Wanken. Gleichzeitig macht ihm die wohlhabende Irene Moll (Meret Becker) eindeutige Avancen.
Eine entscheidende Veränderung tritt ein, als Fabian die 25-jährige Cornelia Battenberg (Saskia Rosendahl) kennenlernt, die im selben Haus wie er wohnt und von einer Karriere als Schauspielerin träumt. Zwischen beiden entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die Fabian erstmals aus seiner distanzierten Haltung gegenüber dem Leben herauszureißen scheint. Doch Cornelia verfolgt zugleich entschlossen ihre beruflichen Ziele und begegnet dabei dem einflussreichen Filmproduzenten Makart (Aljoscha Stadelmann). Während sich die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse um sie herum immer weiter zuspitzen, müssen Fabian, Cornelia und Labude ihren eigenen Platz in einer Welt finden, deren bisherige Ordnung zunehmend auseinanderbricht.
„Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ basiert auf Erich Kästners 1931 erschienenem Roman „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“, der zu den bedeutenden literarischen Porträts der späten Weimarer Republik zählt. Kästner hatte sein Werk ursprünglich unter dem wesentlich düstereren Titel „Der Gang vor die Hunde“ veröffentlichen wollen, musste den Roman vor der Veröffentlichung jedoch kürzen und den Titel ändern. Die Nationalsozialisten betrachteten das Buch später als „entartet“; Kästners Werke gehörten zu jenen Büchern, die 1933 öffentlich verbrannt wurden. Erst 2013 erschien der Roman in einer Fassung, die Kästners ursprünglicher Konzeption entsprach. Die Figur Jakob Fabian trägt zudem autobiografische Züge ihres Autors, insbesondere in ihrer pazifistischen Haltung und ihren Erfahrungen mit den gesellschaftlichen Folgen des Ersten Weltkriegs. Bereits 1980 hatte Wolf Gremm den Roman mit Hans-Peter Hallwachs in der Hauptrolle verfilmt. Für seine Neuinterpretation schrieb Dominik Graf gemeinsam mit Constantin Lieb das Drehbuch und setzte weniger auf eine konventionelle historische Rekonstruktion als auf eine bewusste Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Besonders deutlich wird dieser Ansatz bereits zu Beginn, wenn die Kamera durch den heutigen Berliner U-Bahnhof Heidelberger Platz fährt und den Zuschauer gewissermaßen direkt aus der Gegenwart in das Jahr 1931 führt. Kameramann Hanno Lentz drehte überwiegend mit Handkameras und im fast quadratischen Akademieformat 1,33:1, das an das Kino der dargestellten Epoche erinnert. Gleichzeitig kombiniert der Film verschiedene Bildästhetiken und Materialien, darunter körnige Aufnahmen, historische Bilder und moderne digitale Optiken. Die Dreharbeiten begannen im Juli 2019 und fanden unter anderem in Berlin, Görlitz und Kleinwelka statt. Görlitz diente dabei teilweise als Ersatz für Dresden. Auch musikalisch verbindet der Film unterschiedliche Ebenen: Neben der von Florian van Volxem und Sven Rossenbach komponierten Filmmusik kommen historische Schellackaufnahmen zum Einsatz. Seine Premiere feierte „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ im Juni 2021 im Wettbewerb der Berlinale. Die ungewöhnliche formale Gestaltung und die Aktualität von Kästners Gesellschaftsporträt wurden zu zentralen Bestandteilen der Rezeption. Beim Deutschen Filmpreis 2021 erhielt der Film die Silberne Lola als Bester Spielfilm sowie Auszeichnungen für Hanno Lentz’ Kameraarbeit und Claudia Wolscht für den Schnitt. Lentz wurde außerdem mit dem Bayerischen Filmpreis für die Beste Bildgestaltung ausgezeichnet. Mit einer Laufzeit von fast drei Stunden nimmt sich Grafs Adaption ungewöhnlich viel Zeit für Kästners Figuren und das gesellschaftliche Panorama der untergehenden Weimarer Republik und entwickelte sich zu einer der vielbeachteten deutschen Literaturverfilmungen der 2020er-Jahre.
Pressematerial © Lupa Film | DCM Pictures | ZDF | ARTE
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Erich Kästner, Constantin Lieb, Dominik Graf
Produzent: Felix von Boehm
Musik: Florian van Volxem, Sven Rossenbach
Kamera: Hanno Lentz
Schnitt: Claudia Wolscht