Dracula
Veröffentlichungsjahr: 1931 | Genres: Fantasy, Horror, Literaturverfilmung, Mystery, Monsterfilm, Vampirfilm, Gothic Horror
Originaltitel: Dracula
Schauspieler: Bela Lugosi, Helen Chandler, David Manners, Dwight Frye, Edward Van Sloan, Herbert Bunston, Frances Dade, Joan Standing, Charles K. Gerrard, Anna Bakacs, Bunny Beatty, Nicholas Bela, Daisy Belmore, William A. Boardway, Barbara Bozoky, Tod Browning, Moon Carroll, Geraldine Dvorak, John George, Anita Harder, Carla Laemmle, Wyndham Standing, Cornelia Thaw, Dorothy Tree, Josefina Velez, Michael Visaroff, Florence Wix
Der 1931 erschienene, in Schwarzweiß gedrehte US‑amerikanische Horrorfilm Dracula gilt als die erste offiziell autorisierte Verfilmung von Bram Stokers Roman, orientiert sich inhaltlich jedoch stärker an dem Bühnenstück von Hamilton Deane und John L. Balderston. Unter der Regie von Tod Browning und produziert von Browning sowie Carl Laemmle jr. entstand ein Werk, das Bela Lugosi in der Titelrolle zum Star machte. Der Film, 75 Minuten lang und in englischer Originalsprache, wurde von Universal Pictures realisiert und erhielt in Deutschland eine FSK‑Freigabe ab 12 Jahren. Die Kamera führte Karl Freund, den Schnitt übernahmen Milton Carruth und Maurice Pivar.
Die Musik der ursprünglichen Fassung bestand aus klassischen Werken von Tschaikowski, Schubert und Wagner, während die restaurierte Version von 1999 eine neue Komposition von Philip Glass erhielt. In Deutschland lief der Film erstmals im Fernsehen zwischen 1967 und 1970. Im Jahr 2000 wurde Dracula in das National Film Registry der Library of Congress aufgenommen.
Der englische Makler Renfield (Dwight Frye) reist nach Transsylvanien, um mit Graf Dracula (Bela Lugosi) ein Immobiliengeschäft über die verfallene Londoner Abtei Carfax Abbey abzuschließen. Obwohl die Dorfbewohner:innen ihn eindringlich vor den düsteren Legenden der Region warnen, setzt Renfield seine Reise fort und wird am abgelegenen Borgo‑Pass von einer schwarzen Kutsche abgeholt, deren Kutscher auf mysteriöse Weise verschwindet, während eine Fledermaus über dem Bock schwebt. Im Schloss empfängt ihn Dracula mit höfischer Eleganz, doch hinter der kultivierten Fassade lauert etwas Unheimliches. Ein Abendessen, ein seltsamer Trunk und die Anwesenheit von Draculas drei Bräuten lassen Renfield bald in eine Welt gleiten, die sich jeder rationalen Erklärung entzieht. Von nun an folgt er dem Grafen willenlos nach England.
In London beginnt Dracula, von seinem neuen Domizil aus, die feine Gesellschaft zu durchdringen. Sein Interesse gilt zunächst Lucy Weston (Frances Dade), der Freundin von Mina Seward (Helen Chandler), deren Vater Dr. Jack Seward (Herbert Bunston) die örtliche Irrenanstalt leitet – ausgerechnet jene, in der der zunehmend verstörte Renfield untergebracht wird. Als Lucy unerklärlich erkrankt, zieht Seward den erfahrenen Professor Van Helsing (Edward Van Sloan) hinzu, der bald eine beunruhigende Vermutung äußert. Während Van Helsing, Seward und John Harker (David Manners) versuchen, dem Geheimnis des fremdländischen Grafen auf den Grund zu gehen, gerät Mina immer stärker in Draculas Bann. Schließlich verschwindet sie spurlos, und die Spur führt zurück zu jenem Ort, an dem alles begann: Carfax Abbey. Was dort auf sie wartet, bleibt im Schatten – und genau dort entfaltet der Film seine ganze unheimliche Kraft.
Die Produktion des Films war von mehreren Schwierigkeiten geprägt. Obwohl das Bühnenstück von 1927 erfolgreich war, zögerte Universal zunächst, den Stoff zu verfilmen. Erst als Carl Laemmle jr. 1929 die Leitung übernahm, wurde das Projekt beschlossen. Ursprünglich waren Conrad Veidt als Dracula und Paul Leni als Regisseur vorgesehen, doch Veidt kehrte nach Deutschland zurück und Leni starb 1929. Lon Chaney sen., der als Graf Dracula vorgesehen war und als Kassengarantie galt, verstarb kurz vor Drehbeginn. Obwohl Laemmle jr. Bela Lugosi zunächst ablehnte, wurde dieser nach mehreren Absagen anderer Schauspieler doch getestet und erhielt die Rolle — zu einer für ihn ungewöhnlich niedrigen Gage, da er unbedingt mitwirken wollte.
Parallel zur US‑Version entstand eine spanische Fassung, Drácula, die nachts gedreht wurde und dieselben Kulissen nutzte. Sie ist etwa 30 Minuten länger. Für die Szene in der Royal Albert Hall wurden Kulissen aus The Phantom of the Opera (1925) wiederverwendet. Ein Prolog von Edward Van Sloan, ähnlich wie bei Frankenstein (1931), wurde später entfernt und gilt als verschollen. Das Studio strich außerdem eine Szene, in der Dracula den bewusstlosen Renfield beißt, da sie als zu homoerotisch empfunden wurde. Ursprünglich war eine große, romangetreue Big‑Budget‑Produktion geplant, doch die Weltwirtschaftskrise zwang Universal dazu, die kostengünstigere Bühnenfassung zu adaptieren. Einige ikonische Dracula‑Elemente fehlen im Film: Lugosis Fangzähne sind nie zu sehen, nur die Bisswunden der Opfer. Bette Davis war zunächst für die Rolle der Mina vorgesehen, wurde aber von Laemmle jr. abgelehnt. David Manners, der John Harker spielte, sah den fertigen Film nie. Das originale Filmplakat wurde 2012 für 503.000 US‑Dollar versteigert.
Die deutsche Synchronfassung entstand bei Studio Hamburg Synchron, mit Dialogen von Peter Höhne und Regie von Hermann Gressieker. Rolf Boysen sprach Dracula, Karin Lieneweg Mina, Claus Jurichs John Harker, Lutz Mackensy Renfield, Konrad Wagner Van Helsing und weitere Sprecher übernahmen die übrigen Rollen.
Die Kritiken fielen unterschiedlich aus. Das Lexikon des internationalen Films bezeichnete Dracula als „die erste und interessanteste Verfilmung der ‚Dracula‘‑Geschichte“. Reclams elektronisches Filmlexikon hob die unausgeglichene Struktur hervor, lobte jedoch die ikonische Wirkung von Browning und Lugosi. Cinema betonte die expressionistische Atmosphäre des ersten Filmteils und Lugosis erotisch‑fremdländische Ausstrahlung, die seinen Mythos prägte. Prisma hob Lugosis Darstellung und Karl Freunds Kameraarbeit hervor.
Universal setzte die Geschichte mehrfach fort: Draculas Tochter (1936) knüpft direkt an den ersten Film an und beginnt mit Van Helsings Verhaftung. Draculas Sohn (1943) erzählt eine unabhängige Geschichte über den ungarischen Grafen Alucard. In Frankensteins Haus (1944) und Draculas Haus (1945) kombinierte Universal mehrere Monsterfiguren. Den Abschluss bildete 1948 die Komödie Abbott & Costello treffen Frankenstein, in der Lugosi erstmals seit 1931 wieder Dracula spielte.
Der Film erschien in Deutschland mehrfach auf DVD, sowohl einzeln als auch als Teil der „Monster Legacy DVD Collection“. Die US‑Editionen enthalten die Originalversion, die restaurierte Fassung mit Philip Glass’ Musik sowie die spanische Version. Begleitende Literatur umfasst unter anderem Deane und Balderstons Bühnenstück Dracula. The Vampire Play, Eversons Klassiker des Horrorfilms, Prüssmanns Überblick über Dracula‑Filme und Bram Stokers Roman in deutscher Übersetzung.
Pressematerial © Universal Pictures
Trailer ©Rotten Tomatoes Classic Trailers
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Tod Browning, Karl Freund
Drehbuch: Hamilton Deane, John L. Balderston, Garrett Fort, Louis Bromfield, Tod Browning, Max Cohen, Dudley Murphy, Frederick Stephani, Louis Stevens, Bram Stoker (Romanvorlage)
Produzent: Tod Browning, Carl Laemmle Jr., E.M. Asher
Kamera: Karl Freund
Schnitt: Milton Carruth, Maurice Pivar