Das Blut eines Dichters
Veröffentlichungsjahr: 1932 | Genres: Fantasy
Originaltitel: The Blood of a Poet
Schauspieler: Enrique Rivero, Lee Miller, Pauline Carton, Odette Talazac, Jean Desbordes, Fernand Dichamps, Lucien Jager, Féral Benga, Barbette, Jean Cocteau
"Das Blut eines Dichters" (Originaltitel: Le Sang d’un poète) ist ein experimenteller, mittellanger französischer Spielfilm von Jean Cocteau aus dem Jahr 1930. Der Film, der weitgehend stumm gedreht wurde, entstand unter der Produktion des kunstsinnigen Grafen Charles de Noailles, der eine Million Francs für das Projekt bereitstellte. Die Musik stammt von Georges Auric, die Kameraarbeit übernahm Georges Périnal, während Jean d’Eaubonne für die Filmbauten verantwortlich war. In den Hauptrollen sind Enrique Rivero als Dichter, Lee Miller als Statue sowie Féral Benga als schwarzer Engel zu sehen. Neben ihnen wirkten unter anderem Pauline Carton, Jean Desbordes, Odette Talazac, Fernand Dichamps, Lucien Jager und Barbette mit.
"Das Blut eines Dichters" von Jean Cocteau ist ein surrealistischer und atmosphärisch dichter Film, der die inneren Konflikte und die kreative Welt eines Künstlers in poetischen, oftmals rätselhaften Bildern erkundet. Der Film verzichtet auf eine klassische Erzählstruktur und nimmt stattdessen das Publikum mit auf eine Reise durch traumartige Sequenzen, in denen Realität, Fantasie und Symbolik ineinanderfließen.
Im Mittelpunkt steht ein Dichter, dessen Gedanken und Gefühle in ungewöhnlichen, teils verstörenden Bildern dargestellt werden. Die Szenen zeigen mystische Begegnungen mit Statuen, seltsame Figuren und surreale Situationen, die das kreative Leiden und die Suche nach künstlerischer Wahrheit spiegeln. Durch diese kaleidoskopartige Abfolge von Eindrücken hinterfragt der Film Identität, Leben und Tod sowie das Wesen von Kunst und Inspiration. "Das Blut eines Dichters" wurde vermutlich bereits 1930 erstmals gezeigt, auch wenn die IMDb den 20. Januar 1932 als Pariser Premierentermin nennt. In Deutschland lief der Film erst nach dem Zweiten Weltkrieg am 18. November 1963 in der ARD.
Der Film gilt als Schlüsselwerk des Surrealismus und wurde oft in eine Reihe gestellt mit Buñuels Ein andalusischer Hund und Das goldene Zeitalter. Reclams Filmführer hob hervor, dass Cocteau ursprünglich einen Zeichenfilm plante, dann aber einen „realen Film“ drehte, der so frei sein sollte wie ein Animationsfilm. Entstanden sei ein Werk voller poetischer Einfälle, paradoxer Erfindungen und skurriler Widersprüche, das nur unzureichend inhaltlich zusammengefasst werden könne. Cocteau selbst beschrieb seinen Film als „realistischen Dokumentarfilm über unwirkliche Ereignisse“ und betonte das Traumhafte, indem er den Film mit Bildern eines einstürzenden Fabrikschornsteins beginnen und enden ließ.
Kay Weniger nannte den Film in seinem Personenlexikon des Films ein Hauptwerk des Surrealismus, das in seiner Originalität nur mit Buñuels frühen Filmen vergleichbar sei. Georges Sadoul sah dagegen eher einen subtilen, bis zur Manieriertheit formvollendeten Film, der zwar surrealistische Einflüsse zeige, aber vor allem von Cocteaus eigenen Themen und einem Hang zum Künstlichen geprägt sei. Das Lexikon des Internationalen Films bezeichnete Das Blut eines Dichters als eine ebenso virtuose wie spielerische Auslotung der poetischen und tricktechnischen Möglichkeiten des Mediums, während Jerzy Toeplitz den Film als ein inneres Abenteuer und eine metaphysische Selbstbeobachtung des Autors beschrieb, ohne eigentliche Fabel. Für Buchers Enzyklopädie des Films schließlich war es schlicht „ein allegorischer Fantasiefilm“.
Pressematerial ©ARTHAUS
Trailer ©Indiecinema
Regie: Jean Cocteau
Drehbuch: Jean Cocteau
Produzent: Le Vicomte de Noailles
Musik: Georges Auric
Kamera: Georges Périnal
Schnitt: Jean Cocteau