Film

Anders als die Andern

Veröffentlichungsjahr: 1919 | Genres: Drama, Krimi, Liebesfilm, Historienfilm, Queer Cinema, Stummfilm
Originaltitel: Anders als die Andern
Schauspieler: Conrad Veidt, Leo Connard, Ilse von Tasso-Lind, Alexandra Willegh, Ernst Pittschau, Fritz Schulz, Wilhelm Diegelmann, Clementine Plessner, Anita Berber, Reinhold Schünzel, Helga Molander, Magnus Hirschfeld, Karl Giese

Anders als die Andern ist ein deutscher Spielfilm von Richard Oswald aus dem Jahr 1919, der unter Mitwirkung des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld entstand. Der Film gilt als eines der frühesten filmischen Werke, das Homosexualität offen, ernsthaft und gesellschaftskritisch thematisiert – zu einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Beziehungen in Deutschland durch den §175 des Strafgesetzbuchs kriminalisiert wurden. Als Aufklärungsfilm konzipiert, verbindet er dramatische Elemente mit einem deutlichen politischen Anliegen: die öffentliche Sensibilisierung für die zerstörerischen Folgen von Stigmatisierung und Erpressung.

Im Zentrum der Handlung steht der erfolgreiche Violinist Paul Körner, der aufgrund seiner sexuellen Orientierung ins Visier eines Erpressers gerät. Die Bedrohung wächst, während Körner versucht, sein Privatleben zu schützen und gleichzeitig seine berufliche Existenz zu bewahren. Der Film zeigt die psychische Belastung, die gesellschaftliche Ächtung und die Angst vor öffentlicher Bloßstellung auslösen können. Die Geschichte legt den Fokus insbesondere auf die Mechanismen der Erpressung und die sozialen Strukturen, die sie erst möglich machen.

Anders als die Andern entstand im Umfeld der progressiven Berliner Film- und Theaterlandschaft der frühen Weimarer Republik. Richard Oswald arbeitete bewusst mit Magnus Hirschfeld zusammen, der im Film selbst auftritt und seine wissenschaftliche Perspektive einbringt. Die Produktion war Teil einer Reihe von sogenannten „Aufklärungsfilmen“, die Oswald zwischen 1917 und 1920 realisierte und die gesellschaftliche Tabuthemen wie Geschlechtskrankheiten, Sexualmoral und eben Homosexualität behandelten. Der Film wurde nach seiner Veröffentlichung heftig diskutiert und bald darauf zensiert; große Teile gelten heute als verschollen, nur Fragmente und Rekonstruktionen sind erhalten. Dennoch bleibt das Werk ein Meilenstein der queeren Filmgeschichte und ein frühes Beispiel für aktivistische Filmkunst.


Pressematerial © Richard-Oswald-Produktion | Filmmuseum München | Alive Vertrieb und Marketing
Trailer © UCLA Film & Television Archive
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)


Regie: Richard Oswald
Drehbuch: Magnus Hirschfeld, Richard Oswald
Produzent: Richard Oswald
Musik: Joachim Bärenz, Bernd Schultheis
Kamera: Max Fassbender
Schnitt: Stefan Drössler, Klaus Volkmer

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