The Wild Boys
Veröffentlichungsjahr: 2017 | Genres: Erotik, Fantasy, Coming of Age, Queer Cinema
Originaltitel: Les garçons sauvages
Schauspieler: Vimala Pons, Diane Rouxel, Anaël Snoek, Mathilde Warnier, Pauline Lorillard, Sam Louwyck, Elina Löwensohn
"The Wild Boys" von Bertrand Mandico ist ein französischer Film aus dem Jahr 2017, der eine einzigartige Mischung aus Fantasy, Coming-of-Age und Erotik präsentiert.
Die Handlung dreht sich um fünf jugendliche Straftäter, die im Frankreich des frühen 20. Jahrhunderts für ihre schweren Verbrechen verurteilt werden. Anstatt ins Gefängnis zu kommen, werden sie auf eine abgelegene Insel geschickt, wo der exzentrische Kapitän (Sam Louwyck) sie auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise schickt.
Auf der Insel stoßen die Jungen auf eine mysteriöse Pflanze mit halluzinogenen Eigenschaften, die ihre Geschlechter verändert und ihnen übernatürliche Fähigkeiten verleiht. Die Jungen werden zu Mädchen und entwickeln einzigartige Kräfte. In dieser surrealen Umgebung müssen sie nicht nur lernen, mit ihren neuen Identitäten umzugehen, sondern auch die Naturgewalten und ihre eigenen Begierden meistern. Während ihrer Reise durch die exotische Landschaft der Insel durchlaufen die Charaktere verschiedene mystische Prüfungen, die ihre moralischen Überzeugungen und ihre Wahrnehmung von Geschlecht und Identität herausfordern. Der Film erforscht Themen wie sexuelle Identität, Rebellion, Natur und das Unbekannte auf ästhetisch ansprechende, aber auch verstörende Weise.
Besonders bemerkenswert ist dabei, dass alle fünf männlichen Hauptfiguren von Schauspielerinnen verkörpert werden. Zu den Darstellerinnen gehören Vimala Pons als Jean-Louis, Anaël Snoek als Tanguy, Diane Rouxel als Hubert, Mathilde Warnier als Sloane und Pauline Lorillard als Romuald. Sam Louwyck spielt den Kapitän und Elina Löwensohn die geheimnisvolle Séverin(e). Die Kameraarbeit übernahm Pascale Granel, der Schnitt stammt von Laure Saint-Marc, die Musik komponierte Pierre Desprats. Produziert wurde der Film von Ecce Films, in Frankreich lief er am 28. Februar 2018 an, seine Weltpremiere feierte er jedoch bereits am 4. September 2017 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig in der Reihe „International Critics’ Week“. Dort gewann er den Mario Serandrei – Hotel Saturnia Preis für den besten technischen Beitrag.
„The Wild Boys“ wurde von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen. Auf Rotten Tomatoes hält der Film eine Zustimmungsrate von 89 %, basierend auf 18 Kritiken. Bei Metacritic erreichte er eine Durchschnittswertung von 64 von 100 Punkten, was „generell wohlwollende Kritiken“ bedeutet. Cath Clarke vom Guardian bezeichnete den Film als „hemmungsloses, zutiefst bizarr anmutendes Geschlechtertausch-Drama“. Sie schrieb, manche könnten den Film als „skandalös selbstverliebt“ empfinden, aber sie selbst sei völlig in Mandicos hermetisch abgeschottete Welt der Merkwürdigkeiten hineingezogen worden.
Mandico schenke seinen Figuren eine Aufmerksamkeit, die viele experimentelle Filmschaffende oft vermissen ließen. So sei ein „wild seltsames Debüt entstanden, das zwingend zum Hinsehen einlädt“. Auch Andrew Todd von Birth.Movies.Death betonte den „kräftigen Hauch von Erotik“, der den gesamten Film durchziehe. Es sei „eine Art von Erotik, bei der man sich schmutzig fühlen könnte, wenn man wirklich hinterfragen würde, was man da sieht – aber Mandico inszeniere das mit solcher kindlicher Unschuld und spürbarer Sinnlichkeit, dass man gar nicht auf die Idee komme, es zu hinterfragen.“
Das renommierte französische Filmmagazin Cahiers du cinéma kürte „The Wild Boys“ 2018 sogar zum besten Film des Jahres.
Pressematerial ©Ecce Films
Filmtrailer ©kinofilme
Regie: Bertrand Mandico
Drehbuch: Bertrand Mandico
Produzent: Emmanuel Chaumet, Mathilde Delaunay
Musik: Pierre Desprats
Kamera: Pascale Granel
Schnitt: Laure Saint-Marc
Ein Kommentar1 Kommentare
Ich habe „Clockwork Orange“ bisher nicht gesehen, aber bei „The Wild Boys“ irgendwie ähnliches von der Thematik her erwartet. Die Stimmen der Community haben mich stutzig gemacht, da es sich anhörte, als würde ich den Film besonders abartig, grotesk oder ähnliches finden. Mein Wicht schrieb sogar „ich hoffe du hasst mich dann nicht.“
Demensprechend, war ich skeptisch, was mich bei „The Wild Boys“ erwartet und ob ich ihn den mögen würde. Es hieß, er sei speziell und das ist er auch. Aber wenn man sich darauf einlässt, entdeckt man hier eine kleine Filmperle.
Angefangen bei der Optik, ist „The Wild Boys“ ein künstlerisches Meisterwerk. Die Szenen sind überwiegend in Schwarz-Weiß gedreht, hin und wieder liefert der Film aber auch Farbe und das in besonderen Momenten. Pascale Granel hat ein unglaubliches Gespür für Bilder und setzt die Protagonist*innen künstlerisch in Szene. Auch die Licht- und Schattenspiele gliedern sich perfekt in die Handlung ein, wirken einerseits wie Kunst und andererseits grotesk und skurril.
„The Wild Boys“ ist ein moderner Film, der perfekt in die Gegenwart passt. In der Zeit der Fluidität der Geschlechter hat sich der Film bereits ernsthaft damit auseinander gesetzt. „The Wild Boys“ strotzt vor sexueller Vielfalt, allein die Tatsache, dass die Jungs von Schauspielerinnen verkörpert werden, geht über klassische Geschlechterrollen hinaus.
In einer schillernden Geschichte erzählt Bertrand Mandico ein Abenteuer der Identitäten und Geschlechter, das sich oftmals wie der Klassiker „Herr der Fliegen“ anfühlt. Der Experimentalfilmer hat sich für sein Werk die Vorlage „The Wild Boys: A Bood of the Dead“ von William S. Burroughs genommen, das in seiner Erzählung eine homosexuelle Jugendbewegung portraitiert, die die westliche Zivilisation überwinden will. Zudem nahm er sich den Klassiker „Zwei Jahre Ferien“ von Jules Verne zum Vorbild. Diese einzigartige Mischung geht auf, vor allem, wenn man unvoreingenommen und ohne Vorwissen an „The Wild Boys“ heran geht. So ging es mir, ich wusste nicht worum es geht und war fasziniert, wie sich die Geschichte Stück für Stück entpuppt.
Anfänglich waren die Jungen sehr unsympathisch und Mitleid hielt sich in Grenzen. Allerdings wächst man im Laufe des Films mit ihnen mit und lernt an Erfahrung. Die Wandlung fühlt sich an wie eine Wiedergeburt, ein Start in ein neues Leben.
Die schauspielerischen Leistungen sind durch die Bank großartig. Tatsächlich war ich überrascht, als ich den Cast las, da mir zu keiner Minute auffiel, dass es vier Frauen sind, die die Hauptcharaktere verkörpern. Dies zeigt jedoch noch ausführlicher, wie sehr das Konzept des Drehbuchs aufgeht.
FAZIT:
„The Wild Boys“ ist ein Fiebertraum, der sein Publikum in den Bann zieht. Die Auseinandersetzung mit der Fluidität der Geschlechter ist großartig braucht aber seine Zeit, sich zur Schlusspointe durch zu beißen. An manchen Stellen ein bisschen zu grotesk, ansonsten ein Meisterwerk der Filmkunst.