Film

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Veröffentlichungsjahr: 2019 | Genres: Drama, Queer Cinema, Romanze
Originaltitel: Portrait of a Lady on Fire
Schauspieler: Noémie Merlant, Adèle Haenel, Luàna Bajrami, Valeria Golino, Christel Baras, Armande Boulanger, Guy Delamarche, Clément Bouyssou, Michèle Clément

„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (Originaltitel Portrait de la jeune fille en feu) ist ein französischer Spielfilm von Céline Sciamma aus dem Jahr 2019. Das Drama spielt im Frankreich des 18. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte der jungen Malerin Marianne (Noémie Merlant), die auf eine abgelegene Insel in der Bretagne reist, um heimlich ein Hochzeitsbildnis der Adeligen Héloïse (Adèle Haenel) anzufertigen. Héloïse weigert sich jedoch, Modell zu sitzen, da sie sich gegen die arrangierte Heirat mit einem Adeligen aus Mailand sträubt. Marianne gibt sich daher als Gesellschafterin aus und studiert Héloïse bei gemeinsamen Spaziergängen, um sie aus dem Gedächtnis malen zu können. Zunächst bleibt ihr Porträt blass und konventionell, doch als Héloïse erkennt, was Marianne wirklich vorhat, kritisiert sie das Bild vernichtend. Daraufhin zerstört Marianne das Gemälde. Unerwartet erklärt sich Héloïse dann doch bereit, für sie zu posieren, während ihre Mutter verreist ist. In dieser Zeit kommen sich die beiden Frauen immer näher, sie teilen unbeschwerte Tage, unterstützen gemeinsam die Hausangestellte Sophie bei einer Abtreibung und beginnen eine leidenschaftliche Liebesbeziehung. 

Céline Sciamma führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Sie hatte sich zwei Jahre intensiv mit der Künstlerinnenbewegung des 18. Jahrhunderts auseinandergesetzt und mit einer Kunstsoziologin zusammengearbeitet, um die Figur der Marianne historisch glaubhaft zu gestalten. Tatsächlich gab es damals über hundert Malerinnen, von denen heute kaum noch jemand spricht. Nach ihren Jugendfilmen „Water Lilies“, „Tomboy“ und „Mädchenbande“, in denen Sciamma bereits Geschlechterrollen und weibliche Perspektiven erforschte, wollte sie nun ein „erwachsenes Gefühl“ einfangen und den intimen Kern einer solchen Beziehung sichtbar machen. Für die Rolle der Héloïse besetzte sie Adèle Haenel, die schon in ihrem Debütfilm „Water Lilies“ mitgespielt hatte und mit der Sciamma zeitweise liiert war. Die männlichen Figuren treten in diesem Film fast gar nicht auf oder bleiben stumm, sodass sich die ganze Handlung auf die Dynamik zwischen den Frauen konzentriert.

Gedreht wurde der Film innerhalb von 34 Tagen im Herbst 2018 auf der Halbinsel Quiberon in der Bretagne, an den felsigen Küsten der Côte sauvage sowie in einem Schloss nahe Paris, das seit dem 18. Jahrhundert kaum verändert wurde. Auffällig ist, dass Sciamma bei diesem Projekt fast ausschließlich Frauen beschäftigte. Die Kameraarbeit von Claire Mathon war entscheidend dafür, dass die Blicke zwischen den Figuren so intensiv und zärtlich eingefangen werden konnten. Gemeinsam studierten Mathon und Sciamma dafür die Filme Ingmar Bergmans, der meisterhaft Intimität in Szene zu setzen verstand. Auf überladene Dekors verzichtete man bewusst, um die Konzentration ganz auf die Figuren zu lenken. Die Kostüme, entworfen von Dorothee Guiraud, orientierten sich zwar an der Epoche, verzichteten aber auf Verzierungen wie Stickereien, um eine klare, symbolische Lesbarkeit zu erzeugen. Die Gemälde selbst stammten von der Künstlerin Hélène Delmaire, die auch als Handdouble für Noémie Merlant fungierte, während diese Delmaire genau beobachtete, um deren Bewegungen und Gesten überzeugend in ihre Rolle zu übernehmen.

Die Musik spielt in diesem Film eine besondere Rolle. Die Komponisten Jean-Baptiste de Laubier und Arthur Simonini schufen eine Klanglandschaft, die oft nur aus Geräuschen, Stille und den Atemzügen der Liebenden besteht. Nur zwei Musikstücke treten prägnant hervor: ein beinahe atonales A-cappella-Stück, das in einen intensiven Chor mündet, und Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, das Héloïse am Ende zu Tränen rührt. Damit wird Musik zum Echo und Auslöser tiefster Emotionen.

„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ wurde am 19. Mai 2019 bei den Filmfestspielen in Cannes uraufgeführt und war dort für die Goldene Palme nominiert. Es folgten zahlreiche Festivalaufführungen weltweit, darunter in Melbourne, Jerusalem, Toronto, San Sebastián, Zürich, New York, Hamburg und London. In Frankreich startete der Film am 18. September 2019 im Kino, in Deutschland am 31. Oktober 2019, in den USA am 6. Dezember desselben Jahres. Die deutsche Synchronfassung entstand in Hamburg, unter der Leitung von Beate Klöckner, mit Maximiliane Häcke als Marianne und Mia Diekow als Héloïse.

Die FSK gab den Film ab 12 Jahren frei, da Themen wie Sex, Abtreibung oder Suizid nur zurückhaltend inszeniert und häufig mehr angedeutet als explizit gezeigt werden. Am Ende bleibt „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ eine berührende Geschichte über Kunst, weibliche Selbstbestimmung, Begehren und den Schmerz, eine große Liebe wieder verlieren zu müssen – erzählt in poetischen Bildern, die lange nachwirken.

Pressematerial ©Alamode 


Regie: Céline Sciamma
Drehbuch: Céline Sciamma
Produzent: Rémi Burah, Véronique Cayla, Bénédicte Couvreur, Olivier Père
Musik: Jean-Baptiste de Laubier, Arthur Simonini
Kamera: Claire Mathon
Schnitt: Julien Lacheray

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