Nomadland
Veröffentlichungsjahr: 2020 | Genres: Dokumentation, Drama, Literaturverfilmung, Roadmovie, Tragödie
Originaltitel: Nomadland
Schauspieler: Frances McDormand, Gay DeForest, Patricia Grier, Linda May, Angela Reyes, Carl R. Hughes, Douglas G. Soul, Ryan Aquino, Teresa Buchanan, Karie Lynn McDermott Wilder, Brandy Wilber, Makenzie Etcheverry, Bob Wells, Annette Webb, Rachel Bannon, Charlene Swankie, David Strathairn, Bryce Bedsworth, Sherita Deni Coker, Merle Redwing, Forrest Bault, Suanne Carlson, Donnie Miller, Roxanne Bay, Matt Sfaelos, Ronald O. Zimmerman, Derek Endres, Paige Dean, Paul Winer, Derrick Janis, Greg Barber, Carol Anne Hodge, Matthew Stinson, Terry Phillip, Bradford Lee Riza, Tay Strathairn, Cat Clifford, James R. Taylor Jr., Jeremy Greenman, Ken Greenman, Melissa Smith, Warren Keith, Jeff Andrews, Paul Cunningham, Emily Jade Foley, Mike Sells, Peter Spears, Cheryl Davis, Kyler Anderson, Nicole Anderson, Sophia Anderson, Miranda Andrew, Collin Andrew, Everly Andrew, Bennett Andrew, Asher Andrew, Megan Bachmann, Brad Barker, Ruth Barnett, Kim Bartling, Dean Bender, Pauline Besson, Royce Big Boy, John Brockelsby, James Calhoon, Aidan Carl, Melanie Carl, Mary Caulderon, Arlen Clairmont, Michael DeLauder, Steven DeWolfe, Nathan Dubray, Bruce Dunker uvm.
"Nomadland" ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 2020 unter der Regie von Chloé Zhao, die auch das Drehbuch verfasste. Der Film basiert auf dem 2017 erschienenen Sachbuch Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert von Jessica Bruder. In der Hauptrolle ist Frances McDormand zu sehen. Die Kamera führte Joshua James Richards, den Schnitt übernahm ebenfalls Chloé Zhao, und die Musik stammt von Ludovico Einaudi. Der Film hat eine Laufzeit von 108 Minuten und wurde in den USA produziert.
Im Zentrum der Geschichte steht Fern, eine Frau um die sechzig, die nach einem tiefgreifenden persönlichen und wirtschaftlichen Einschnitt ihr bisheriges Leben hinter sich lässt und mit einem Van durch die Vereinigten Staaten reist. Auf dieser Reise bewegt sie sich durch verschiedene Regionen des Landes, nimmt unterschiedliche Gelegenheitsarbeiten an und begegnet Menschen, die ebenfalls außerhalb klassischer gesellschaftlicher Strukturen leben. Der Film begleitet sie dabei in ruhigen, beobachtenden Bildern und zeichnet das Porträt einer modernen Nomadin, die zwischen Verlust, Selbstbestimmung und dem Wunsch nach Zugehörigkeit ihren eigenen Weg sucht. Statt auf klassische Dramaturgie setzt "Nomadland" auf Stimmungen, Begegnungen und das Erleben von Landschaften und Lebensrealitäten, wodurch ein sehr persönliches und zugleich universelles Bild vom Unterwegssein entsteht.
Chloé Zhao adaptierte für den Film das Sachbuch von Jessica Bruder, dessen Rechte sich Frances McDormand und Peter Spears gesichert hatten. Nachdem Zhao Bruders Buch gelesen hatte, begab sie sich gemeinsam mit Kameramann Joshua James Richards selbst auf eine Reise durch die USA, um die Gemeinschaft der Nomaden kennenzulernen. Dabei traf sie auch auf mehrere Menschen, die später im Film mitwirkten und dort Varianten ihrer selbst spielen. Die Regisseurin war über Jahre hinweg mit Recherchen beschäftigt und ließ viele reale Erfahrungen und Begegnungen in das Drehbuch einfließen.
Zhao beschreibt die Natur und die Landschaften als wesentlichen Bestandteil des inneren Prozesses der Hauptfigur. Der Film verknüpft das Unterwegssein eng mit Fragen von Identität, Heilung und Selbstfindung. Als Ausgangspunkt für die Geschichte diente der reale wirtschaftliche Niedergang der Bergbaustadt Empire in Nevada, deren Gipssteinbruch 2011 geschlossen wurde, was zum Wegzug eines Großteils der Bevölkerung führte.
Neben Frances McDormand und David Strathairn besteht ein großer Teil der Besetzung aus Laiendarstellenden, die im Film fiktive Versionen ihrer selbst spielen und tatsächlich in dieser nomadischen Lebensweise unterwegs sind. Dadurch verwischt "Nomadland" bewusst die Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm. Das Ergebnis ist ein semifiktionales Roadmovie, das stark von Authentizität und beobachtendem Realismus geprägt ist. Dieser Stil knüpft an Zhaos frühere Arbeiten an, in denen sie ebenfalls mit nicht-professionellen Darstellenden und realen Lebensgeschichten gearbeitet hat.
Die Dreharbeiten begannen im September 2018 und führten die Crew über mehrere Monate durch verschiedene US-Bundesstaaten, darunter South Dakota, Nebraska, Nevada, Kalifornien und Arizona.
Die Filmmusik stammt von Ludovico Einaudi und basiert größtenteils auf seinem Werk Seven Days Walking sowie weiteren Kompositionen aus früheren Alben. Die Musik wurde nicht speziell für den Film geschrieben, passt jedoch durch ihren von Natur und Bewegung inspirierten Charakter sehr gut zur Atmosphäre von "Nomadland". Zhao entschied sich bewusst für diese Stücke, da sie die Verbindung zwischen Landschaft, innerer Bewegung und emotionaler Entwicklung der Hauptfigur unterstreichen. Ergänzend dazu erschien ein Soundtrack-Album mit weiteren Musikstücken verschiedener Künstler:innen.
"Nomadland" feierte seine Premiere am 11. September 2020 gleichzeitig bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig und dem Toronto International Film Festival. In Venedig wurde der Film mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, in Toronto gewann er den People’s Choice Award. Weitere Präsentationen folgten unter anderem in Telluride, New York, London, Wien, Zürich und Hamburg.
In den USA startete der Film im Februar 2021 in ausgewählten Kinos sowie im Streaming, in Deutschland kam er pandemiebedingt erst im Juli 2021 in die Kinos. Während der Film in den USA ein höheres Altersrating erhielt, wurde er in Deutschland ohne Altersbeschränkung freigegeben.
Durch den Einsatz von Laiendarstellenden und realen Biografien bewegt sich "Nomadland" zwischen Spielfilm und Dokumentation. Oft wird er als semifiktionales Roadmovie beschrieben, das zugleich Elemente eines dokumentarischen Porträts und eines klassischen amerikanischen Unterwegs-Mythos in sich trägt. Kritiker:innen sehen in ihm sowohl eine Überlebens- als auch eine leise Abenteuergeschichte, teilweise sogar Anklänge an den Western – allerdings ohne dessen typische Genre-Merkmale. Im Mittelpunkt steht weniger das Drama als vielmehr die Beobachtung eines Lebensentwurfs jenseits fester gesellschaftlicher Strukturen.
Der Film wurde von der internationalen Kritik nahezu einhellig gefeiert. Auf Plattformen wie Rotten Tomatoes und Metacritic erreichte "Nomadland" Spitzenwerte und wurde vielfach als einer der besten Filme des Jahres 2020 bezeichnet. Besonders hervorgehoben wurden die ruhige Inszenierung, die Kameraarbeit, die Authentizität der Darstellenden und Frances McDormands zurückhaltende, eindringliche Darstellung der Hauptfigur.
Auch kommerziell war der Film im Arthouse-Bereich erfolgreich und erreichte weltweit ein Einspielergebnis von rund 24,6 Millionen US-Dollar. In Deutschland führte er mehrere Wochen die Arthouse-Kinocharts an.
Nach dem internationalen Erfolg des Films kam es in China zu Kontroversen um Chloé Zhao, ausgelöst durch frühere Aussagen der Regisseurin über ihr Herkunftsland. In der Folge wurden Werbemaßnahmen zurückgezogen, Hashtags in sozialen Medien gesperrt und der Kinostart des Films in China letztlich nicht realisiert. Auch die Oscar-Auszeichnungen des Films wurden in chinesischen Medien kaum oder gar nicht thematisiert.
"Nomadland" gehört zu den meistprämierten Filmen seines Jahrgangs. Er wurde unter anderem bei den Filmfestspielen von Venedig, den Golden Globe Awards, den BAFTAs, den Critics’ Choice Awards und zahlreichen Kritikervereinigungen ausgezeichnet. Bei der Oscarverleihung 2021 gewann der Film die Preise für den besten Film, die beste Regie und die beste Hauptdarstellerin und erhielt weitere Nominierungen, unter anderem für Drehbuch, Kamera und Schnitt. Darüber hinaus wurde er von vielen Institutionen in die Listen der besten Filme des Jahres aufgenommen.
Pressematerial © Searchlight Pictures
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Chloé Zhao
Drehbuch: Chloé Zhao, Jessica Bruder (Sachbuch)
Produzent: Mollye Asher, Jessica Bruder, Emily Jade Foley, Dan Janvey, Geoff Linville, Frances McDormand, Taylor Shung, Peter Spears, Chloé Zhao
Musik: Ludovico Einaudi
Kamera: Joshua James Richards
Schnitt: Chloé Zhao