Das Wunder von Bern
Veröffentlichungsjahr: 2003 | Genres: Drama, Historienfilm, Familienfilm, Sportfilm
Originaltitel: Das Wunder von Bern
Schauspieler: Louis Klamroth, Peter Lohmeyer, Johanna Gastdorf, Mirko Lang, Birthe Wolter, Katharina Wackernagel, Lucas Gregorowicz, Peter Franke, Sascha Göpel, Knut Hartwig, Holger Dexne, Simon Verhoeven, Jo Stock, Martin Bretschneider, Christian Broos, Andreas Bath, Sylvester Pezena, Jan Holland, Tobias Hartmann, Christian Leonard, Gotthard Lange, Dirk Szczepaniak, Matthias Sellmann, Thomas Stodulka, Jens Busch, Michael Herkendell, Alexander von Moers, Thomas Geerlings, Markus Mozin, Torsten Rother, Henrik Bemboom, Guido Berghoff, Joris Gratwohl, Andreas Kontra, Michael Wurst, Michael Borzek, Jörg Bednarzyk, Martin Limberg, Markus Haupt, Claas Junge, Jochen Keller, Andreas Obering, Joachim Kappl, Uli Weidenbach, Rainer Mohr, Peer Jäger, Christian Tasche, Jürgen Mikol, Axel Häfner, Felix Vörtler, Samuel Finzi, Verena Zimmermann, Pierre Siegenthaler, uva.
"Das Wunder von Bern" ist ein deutscher Sport- und Familienfilm aus dem Jahr 2003 unter der Regie von Sönke Wortmann, der gemeinsam mit Rochus Hahn auch das Drehbuch schrieb. Der Film verbindet die historische Geschichte des überraschenden Sieges der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern – bekannt als das „Wunder von Bern“ – mit der fiktiven Geschichte einer Familie im Nachkriegsdeutschland. Neben dem sportlichen Triumph erzählt der Film vor allem von den persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen der frühen Bundesrepublik, insbesondere von der schwierigen Rückkehr eines Kriegsgefangenen in sein früheres Leben und von der allmählichen Annäherung zwischen einem Vater und seinem Sohn.
Im Jahr 1954 kehrt der Bergmann Richard Lubanski (Peter Lohmeyer) nach über zwölf Jahren Kriegsdienst und sowjetischer Gefangenschaft in seine Heimat im Ruhrgebiet zurück. Seine Familie hat in seiner Abwesenheit gelernt, ohne ihn zu leben: Seine Frau Christa (Johanna Gastdorf) führt selbstständig eine Kneipe, der ältere Sohn Bruno (Mirko Lang) interessiert sich für politische Ideen des Kommunismus, Tochter Ingrid (Birthe Wolter) orientiert sich an der neuen westlichen Jugendkultur, und der jüngste Sohn Matthias (Louis Klamroth) verehrt den Fußballstar Helmut Rahn (Sascha Göpel) als großes Vorbild. Während Richard Schwierigkeiten hat, seinen Platz in der Familie wiederzufinden, verfolgt ganz Deutschland gespannt die Spiele der Nationalmannschaft unter Trainer Sepp Herberger (Peter Franke) bei der Weltmeisterschaft. Die Ereignisse rund um das Turnier und die persönliche Entwicklung der Familie verlaufen parallel und zeigen, wie Hoffnung, Zusammenhalt und neue Perspektiven langsam in das Leben der Menschen zurückkehren.
Der Film gehört zu den erfolgreichsten deutschen Kinoproduktionen der frühen 2000er-Jahre und verbindet historische Sportereignisse mit einer persönlichen Familiengeschichte. Regisseur Sönke Wortmann wollte bewusst keinen reinen Sportfilm drehen, sondern ein Werk schaffen, das gleichzeitig die gesellschaftliche Situation der jungen Bundesrepublik widerspiegelt. Die Geschichte der Familie Lubanski steht dabei stellvertretend für verschiedene Erfahrungen der Nachkriegsgeneration: Der Vater Richard verkörpert die traumatisierten Heimkehrer, die nach Jahren an der Front und in Gefangenschaft Schwierigkeiten haben, in ein ziviles Leben zurückzufinden. Seine Frau Christa repräsentiert die sogenannten „Trümmerfrauen“, die während der Abwesenheit der Männer Verantwortung übernahmen und neue Existenzen aufbauten. Die Kinder symbolisieren wiederum die unterschiedlichen Wege der jungen Generation – vom politischen Idealismus über kulturelle Öffnung gegenüber dem Westen bis hin zur Suche nach neuen Vorbildern.
Ein zentraler historischer Bezugspunkt ist der überraschende WM-Sieg der deutschen Nationalmannschaft am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorfstadion gegen die favorisierte ungarische Mannschaft. Dieser Erfolg wurde später zum Symbol für den emotionalen Neubeginn Deutschlands nach den Jahren des Krieges und der moralischen sowie wirtschaftlichen Krise. Der Film nutzt dieses Ereignis als dramaturgische Klammer, um zu zeigen, wie sportliche Erfolge gesellschaftliche Hoffnung und ein neues Gemeinschaftsgefühl auslösen können.
Besonderen Wert legte die Produktion auf Authentizität in den Fußball-Szenen. Viele Darsteller der Spieler hatten tatsächlich Fußballerfahrung auf hohem Niveau. So hatte etwa Knut Hartwig, der im Film Fritz Walter darstellt, in der 2. Bundesliga gespielt. Auch andere Schauspieler hatten Oberliga- oder Profierfahrung, wodurch die Spielszenen realistischer wirken sollten. Einige Darsteller waren zudem im Amateur- oder Nachwuchsbereich bekannter Vereine aktiv gewesen.
Der junge Hauptdarsteller Louis Klamroth, der Matthias spielt, ist im wirklichen Leben der Sohn von Peter Lohmeyer, der im Film seinen Vater Richard verkörpert. Diese reale Vater-Sohn-Beziehung unterstützte laut Produktion die emotionale Dynamik der Rollen. Darüber hinaus gibt es mehrere kleine Cameo-Auftritte: Der Journalist und Herberger-Biograf Jürgen Leinemann tritt beispielsweise als Reporter auf, und Regisseur Sönke Wortmann selbst ist kurz im Abspann zu sehen.
Auch einige historische Details rund um den Fußball werden im Film thematisiert, etwa die Figur von Adolf Dassler, dem Gründer von Adidas, der der deutschen Mannschaft neuartige Fußballschuhe mit Schraubstollen zur Verfügung stellte. Diese technische Innovation gilt bis heute als einer der Faktoren, die beim verregneten Finale von Bern eine Rolle spielten.
Die Dreharbeiten fanden zwischen Juni und August 2002 an zahlreichen Orten in Deutschland und der Schweiz statt, unter anderem in Köln, Duisburg, Krefeld, Oberhausen, Düsseldorf, Bornheim sowie im schweizerischen Thun. Für die Stadionatmosphäre wurden zusätzliche Tonaufnahmen im Westfalenstadion erstellt, da man eine realistische Geräuschkulisse des Publikums benötigte. Das Budget der Produktion lag bei etwa 7,3 Millionen Euro.
Der Film kam am 16. Oktober 2003 in die deutschen Kinos und wurde zu einem großen Publikumserfolg mit rund 3,68 Millionen Besuchern. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen, darunter Preise beim Deutschen Filmpreis sowie internationale Publikumspreise auf Filmfestivals. Auch Jahre später gilt "Das Wunder von Bern" als einer der bekanntesten deutschen Sportfilme und als eindrucksvolle filmische Darstellung der Stimmung und gesellschaftlichen Veränderungen in der frühen Bundesrepublik.
Pressematerial: © Senator Film | Universal Pictures
Trailer: © Wild Bunch Germany
Quellen: Wikipedia (CC BY‑SA)
Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Sönke Wortmann, Rochus Hahn
Produzent: Stefan Gärtner, Benjamin Herrmann, Hanno Huth, Alicia Remirez, Stefaan Schieder, Tom Spiess, Sönke Wortmann
Musik: Marcel Barsotti
Kamera: Tom Fährmann
Schnitt: Ueli Christen